Forum: Offtopic könnte man nicht Gas aus Kohle gewinnen?


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von Marvin (Gast)


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Bei der angeblichen Gasknappheit: Könnte man nicht aus der (heimischen) 
Kohle Gas gewinnen?

M.W. wurden früher doch ganze Stadtteile im Ruhrgebiet mit "Kokereigas" 
versorgt, das als Nebenprodukt bei der Stahlproduktion angefallen ist. 
Theoretisch müßte man doch Gas aus Kohle, die ausreichend verfügbar ist, 
gewinnen können.
Okay, ist wahrscheinlich C02-technisch schlechter, aber das Fracking-LNG 
ist auch eine Umweltsau...

: Verschoben durch Moderator
von H. H. (hhinz)


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Marvin schrieb:
> Bei der angeblichen Gasknappheit: Könnte man nicht aus der (heimischen)
> Kohle Gas gewinnen?

Ein Mischung aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid geht relativ einfach, hat 
man ja früher gemacht, nannte sich Stadtgas.

Aber die dafür nötigen Anlagen fallen nicht vom Himmel.

von Uli S. (uli12us)


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Dummerweise ist Gas und Gas nicht dasselbe. Um das verwenden zu können 
müsste der Brenner bei keine Ahnung 100.000 Leuten umgerüstet werden.
Ausserdem, so im Überfluss ist Kohle nur als bedrucktes Papier 
vorhanden,
jedoch nicht als diese schwarzen Brocken. Gibts überhaupt noch eine 
aktive Kohlezeche bei uns?

von Thomas U. (charley10)


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Marvin schrieb:
> Bei der angeblichen Gasknappheit: Könnte man nicht aus der (heimischen)
> Kohle Gas gewinnen?
>
> M.W. wurden früher doch ganze Stadtteile im Ruhrgebiet mit "Kokereigas"
> versorgt, das als Nebenprodukt bei der Stahlproduktion angefallen ist.
> Theoretisch müßte man doch Gas aus Kohle, die ausreichend verfügbar ist,
> gewinnen können.
> Okay, ist wahrscheinlich C02-technisch schlechter, aber das Fracking-LNG
> ist auch eine Umweltsau...

Das geht nicht! Woher nehmen?
Die Steinkohlezechen sind unwiderruflich geflutet und in den 
BK-Tagebauen würden sich sofort Aktivist*innen einnisten!
Mit dem aus BK gewonnenen BHT-Koks könnten dann aber manche Buden 
geheizt werden, auch wenn dadurch der Schwarze Mann öfter als aller zwei 
Jahre kassieren kommt!
Aber denk dran: Stadtgas ist giftig und das gehört deshalb nicht in die 
Hände des einfachen, ungebildeten Volkes!

von Nicht-binärer Labrador-Transceiver (Gast)


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Wird in Deutschland überhaupt noch (Stein-)Kohle gefördert?

von Thomas U. (charley10)


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Uli S. schrieb:
> Dummerweise ist Gas und Gas nicht dasselbe. Um das verwenden zu können
> müsste der Brenner bei keine Ahnung 100.000 Leuten umgerüstet werden.

So groß ist der Aufwand auch wieder nicht - ein Wechsel der Düse 
genügt...

> Ausserdem, so im Überfluss ist Kohle nur als bedrucktes Papier
> vorhanden,
> jedoch nicht als diese schwarzen Brocken. Gibts überhaupt noch eine
> aktive Kohlezeche bei uns?

von H. H. (hhinz)


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Nicht-binärer Labrador-Transceiver schrieb:
> Wird in Deutschland überhaupt noch (Stein-)Kohle gefördert?

Nein, aber prinzipell kann man auch aus Braunkohle Brenngas herstellen.

von Uli S. (uli12us)


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Thomas U. (charley10) 15.08.2022 16:53, Und wenn dann wieder normales 
Gas zur Verfügung steht zurück. Klar ist der Aufwand nicht so riesig, 
bloss die Menge machts halt. Es ist ja auch nicht so, dass jeder Brenner 
identische Düsen hat. Da kocht doch jeder Hersteller sein eigenes 
Süppchen.

von Bestatter (Gast)


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> Aber denk dran: Stadtgas ist giftig und das gehört deshalb nicht in die
> Hände des einfachen, ungebildeten Volkes!

Diese Toxizität nutzen früher Leute oft für ihren raschen Abgang,
weil sie in wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten keine Perspektive
mehr für ihre Zukunft sahen. Sie drehten einfach das Gas auf und
steckten ihren Kopf in die Backröhre. "Habe fertig". :-)

Ähnlich schlimme Zeiten kommen jetzt wieder heftigst auf uns zu ...

von TUX 4ever (Gast)


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Ich weiss genau wie du auf "Nicht-binärer Labrador-Transceiver" kommst!

von Thomas U. (charley10)


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Uli S. schrieb:
> Thomas U. (charley10) 15.08.2022 16:53, Und wenn dann wieder normales
> Gas zur Verfügung steht zurück. Klar ist der Aufwand nicht so riesig,
> bloss die Menge machts halt. Es ist ja auch nicht so, dass jeder Brenner
> identische Düsen hat. Da kocht doch jeder Hersteller sein eigenes
> Süppchen.

Muss doch auch nicht!
In der Abdeckung meiner Therme stecken noch werkseitig mehrere Düsen. 
Eine für L-Erdgas, eine für Propan und eine für Stadtgas. Der Wechsel 
könnte schneller gehen, als die Rechnung geschrieben ist.

von H.Joachim S. (crazyhorse)


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Naja, wenn ich an den Aufriss hier denke beim Wechsel von L- auf 
H-Gas....
Wenn überhaupt geht es nur als Methansynthese, Stadtgas kommt niemals 
zurück.

von Thomas U. (charley10)


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H.Joachim S. schrieb:
> Naja, wenn ich an den Aufriss hier denke beim Wechsel von L- auf
> H-Gas....
> Wenn überhaupt geht es nur als Methansynthese, Stadtgas kommt niemals
> zurück.

Woher kommt dann in Zukunft Bitumen für die Straßen, wenn bald kein Öl 
mehr importiert wird? Das ist doch das Zeugs, was nach Destillation und 
Cracken als Rest auch in den großen Schiffsdieseln nicht mehr zur 
Verbrennung geeignet ist!
Ach so - das werden dann alles E-Flugtaxies...

von A. S. (achs)


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Thomas U. schrieb:
> Die Steinkohlezechen sind unwiderruflich geflutet und in den
> BK-Tagebauen würden sich sofort Aktivist*innen einnisten!

Die Steinkohleproduktion weltweit ist relativ elastisch: Bei es sich 
lohnt (wie momentan) werden innerhalb von wenigen Monaten Strebe 
eröffnet oder die Produktion verdoppelt.

Transport wäre momentan vermutlich das größere Problem.

von Thomas U. (charley10)


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A. S. schrieb:
> Thomas U. schrieb:
>> Die Steinkohlezechen sind unwiderruflich geflutet und in den
>> BK-Tagebauen würden sich sofort Aktivist*innen einnisten!
>
> Die Steinkohleproduktion weltweit ist relativ elastisch: Bei es sich
> lohnt (wie momentan) werden innerhalb von wenigen Monaten Strebe
> eröffnet oder die Produktion verdoppelt.
>
> Transport wäre momentan vermutlich das größere Problem.

O.k. - mein Fehler. Die in D waren gemeint.

von Peter F. (toto)


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Marvin schrieb:
> M.W. wurden früher doch ganze Stadtteile im Ruhrgebiet mit "Kokereigas"
> versorgt, das als Nebenprodukt bei der Stahlproduktion angefallen ist.

Das Gas ist kein Nebenprodukt der Stahlproduktion. Sondern das Gas ist 
ein Nebenprodukt der Umwandlung von Kohle in Koks, der u.A. für die 
Stahlproduktion eingesetzt wurde.

: Bearbeitet durch User
von H.Joachim S. (crazyhorse)


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So isses.
Dazu noch: das Gichtgas entsteht im Hochofenprozess, d.h. bei der 
Roheisengewinnung. Stahlherstellung ist ein weiterer Schritt (Legierung, 
Kohlenstoffreduktion), ohne nenneswerte brennbare Abgase.
Das Gichtgas wurde vollständig in der Hütte selbst verwendet.
Wiki:
"Bei der Verkokung fällt eine Vielzahl von gasförmigen Stoffen an. Das 
gereinigte Kokereigas hat folgende Bestandteile, die je nach Kokerei und 
Einsatzkohle schwanken: 55 % Wasserstoff, 25 % Methan, 10 % Stickstoff 
und 5 % Kohlenmonoxid"

von Harald W. (wilhelms)


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Thomas U. schrieb:

> Woher kommt dann in Zukunft Bitumen für die Straßen, wenn bald kein Öl
> mehr importiert wird?

Man könnte ja wieder, genauso wie früher, Teer verwenden.
Leider ist der ähnlich giftig wie das Stadtgas.

von Thomas U. (charley10)


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Harald W. schrieb:
> Thomas U. schrieb:
>
>> Woher kommt dann in Zukunft Bitumen für die Straßen, wenn bald kein Öl
>> mehr importiert wird?
>
> Man könnte ja wieder, genauso wie früher, Teer verwenden.
> Leider ist der ähnlich giftig wie das Stadtgas.

TEEEER?!?!
"Teer enthält in stark wechselnden Mengen und Zusammensetzungen 
Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Phenole, welche 
krebserregend sind. Die Verwendung ist in Deutschland im Straßenbau seit 
1984 verboten."

von Al. K. (alterknacker)


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Thomas U. schrieb:
> Die Verwendung ist in Deutschland im Straßenbau seit
> 1984 verboten."

Dann ist die Entscheidung einfach, Mobilität oder Krebs.

von Thomas U. (charley10)


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Al. K. schrieb:
> Thomas U. schrieb:
>> Die Verwendung ist in Deutschland im Straßenbau seit
>> 1984 verboten."
>
> Dann ist die Entscheidung einfach, Mobilität oder Krebs.

Genau deshalb werden, da Bitumen sicher auch irgendwie als Bäh definiert 
ist, kaum noch Straßen geflickt! Und wenn doch, dann medienwirksam zur 
effektiven Stauzeit.
Renaturierung nennt sich das wohl.
Wohl Denen, die noch einen der gehassssten SUVs fahren.....

von U. B. (pasewalker)


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> Die Steinkohleproduktion weltweit ist relativ elastisch:
> (Wenn) es sich lohnt (wie momentan) werden innerhalb von wenigen
> Monaten Strebe(n) eröffnet oder die Produktion verdoppelt.

1.) Dann mal los.
    Endlich hat das Ruhrgebiet wieder eine Pespektive, -
    es kann Deutschland inklusive Söders Südregion ein
    zweitesmal erretten ...

2.) Es handelt sich um KohleFörderung (nicht: -Produktion).

von Thomas U. (charley10)


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Aus Kohle wurde schon immer Vieles gewonnen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kohleverfl%C3%BCssigung

von Harald W. (wilhelms)


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Thomas U. schrieb:

> Aus Kohle wurde schon immer Vieles gewonnen:
>
> https://de.wikipedia.org/wiki/Kohleverfl%C3%BCssigung

Man kann vieles verflüssigen, z.B. auch Korn. Das Produkt
schmeckt dann recht gut. :-)

von Harald W. (wilhelms)


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Marvin schrieb:

> könnte man nicht Gas aus Kohle gewinnen?
> Okay, ist wahrscheinlich C02-technisch schlechter,

Nicht nur wahrscheinlich, sondern sicher: Der Heizwert pro erzeugter
Tonne CO2 ist bei Methan deutlich höher als bei Kohle. Wenn dann
noch Zwischenschritte zur Erzeugung von Gas nötig sind, wird das
Verhältnis noch schlechter.

von Axel S. (a-za-z0-9)


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Al. K. schrieb:
> Thomas U. schrieb:
>> Die Verwendung ist in Deutschland im Straßenbau seit
>> 1984 verboten."
>
> Dann ist die Entscheidung einfach, Mobilität oder Krebs.

Und, nicht oder.

Mobilität und Krebs

Beitrag #7162150 wurde von einem Moderator gelöscht.
von Andrea B. (stromteam)


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Neben der Fischer-Tropsch-Synthese gibt es weitere Verfahren um aus 
Steinkohle ( nicht verfügbar ) oder Braunkohle ( heimischer Brennstoff ) 
Gas, Benzin und ähnliches abspalten lassen. Im Bereich der "Schwarzen 
Pumpe" befindet sich eine reaktivierbare Anlage.
In Bottrop gab es eine Anlage zur Verwertung "gelber Säcke" - unrentabel 
- lohnte sich erst ab einem Benzinpreis über 1,70DM.

von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Gas aus Kohle herzustellen ginge sogar ganz einfach zu Hause zu 
realisieren. Das geht so ähnlich wie die Holzvergaser mit denen während 
und nach dem Krieg die Traktoren fuhren. Im Deutschen Museum in München 
wäre noch so ein Stück zu bewundern. Allerdings ist das sehr gefährlich 
in Gebäuden, wegen der hohen Gefahr vom Kohlenmonoxidvergiftungen, die 
viel höher ist als bei Verpuffungen sein Leben zu verlieren.

von Thomas U. (charley10)


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Dieter D. schrieb:
> Gas aus Kohle herzustellen ginge sogar ganz einfach zu Hause zu
> realisieren. Das geht so ähnlich wie die Holzvergaser mit denen während
> und nach dem Krieg die Traktoren fuhren. Im Deutschen Museum in München
> wäre noch so ein Stück zu bewundern. Allerdings ist das sehr gefährlich
> in Gebäuden, wegen der hohen Gefahr vom Kohlenmonoxidvergiftungen, die
> viel höher ist als bei Verpuffungen sein Leben zu verlieren.

Und nicht nur Traktoren! Auch manche PKW oder Lieferfahrzeuge waren 
damit ausgerüstet! Die Menschen wussten sich zu helfen und konnten mit 
Krisen etwas besser umgehen als heutzutage. Vielleicht auch deshalb, 
weil sie das noch durften...
Das ist aber heutzutage strengstens verrrboten! Nicht wegen dem, 'was 
hinten rauskommt', sondern weil Holz oder Kohle kein zugelassener und 
entsprechend besteuerter Kraftstoff ist!!!

von (prx) A. K. (prx)


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Thomas U. schrieb:
> Vielleicht auch deshalb, weil sie das noch durften...

Weil sie es mussten. Weil sie daran gewöhnt waren, selbst mit 
schwierigen Situationen umgehen zu müssen. Die Ölkrisen der 70er mit 
leeren Autobahnen sind auch schon fast ein halbes Jahrhundert her.

: Bearbeitet durch User
von Thomas U. (charley10)


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(prx) A. K. schrieb:
> Thomas U. schrieb:
>> Vielleicht auch deshalb, weil sie das noch durften...
>
> Weil sie es mussten. Weil sie daran gewöhnt waren, selbst mit
> schwierigen Situationen umgehen zu müssen.

Du meinst, der Anteil an 'Snowflakes' in der Bevölkerung war geringer?

von (prx) A. K. (prx)


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Thomas U. schrieb:
> Du meinst, der Anteil an 'Snowflakes' in der Bevölkerung war geringer?

Freundlicher ausgedrückt: Der Mensch passt sich an die langfristige 
Situation an. In beiden Richtungen. Weil es für Wessis seit den 80ern 
alles ziemlich rund lief, hat kaum noch jemand wirklich verinnerlicht, 
dass es auch anders sein kann, dass es sich summarum um eine historisch 
ungewöhnlich lange friedliche Phase handelte. Und die Wiedervereinigung, 
die die Ossis durchrüttelte, ist nun auch schon 3 Jahrzehnte her.

In den Ölkrisen der 70er war die Reaktion in den Familien wie in der 
Politik nicht selten von Leuten geprägt, die den Krieg noch erlebt 
hatten. Das prägte. Man schimpfte nicht (nur) über die Politiker, damit 
alles so bleibt, sondern baute einen Kachelofen ins Haus. Die Bücklinge 
vor den Ölscheichs mitanzusehen, war seither schon unangenehm genug.

: Bearbeitet durch User
von (prx) A. K. (prx)


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Thomas U. schrieb:
> Du meinst, der Anteil an 'Snowflakes' in der Bevölkerung war geringer?

Ist recht interessant zu beobachten, wer sich gestern über Snowflakes 
mokierte und mit der Forderung, bitteschön öffentlich den Schwanz 
einzuziehen damit das Gas fliessen möge, sich heute selbst als eine 
erweist.

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