Hallo Experten!
Ich habe mal eien grundsätzliche Frage zum NPN Transistor, ich finde
nach zahlreichen Recherchen keine logische Erklärung dafür:
Betrachtet wird ein NPN Transistor, der im Ersatzschaltbild mit den
beiden dioden, wie im Anhang angefügt, betrachtet werden kann. QWenn nun
eine SPannung Ube zwischen Basis und Emitter angelegt wird, dann ist das
eine normale Diodenstrecke, es fließt ein Basisstrom ab Ube> ca 0,7V,
das ist mir völlig klar.
Nehemn wir weiter an, im Lastkreislauf Uce wäre eine Spannung von
Collector zu Emitter von 12 V vorhanden (C auf +12V, E auf GND). Die
obere Diode zwischen Basis und COollector ist für diesen Kreis doch nach
wie vor in Sperrichtung, warum kann hier dann ein Kollektorstrom
fließen? Es heißt immer, die Elektronen, die vom Emitter durch Ube zur
Basis fließen, werden zum Großteil vom "noch höheren" Potenzial am
Collector abgesaugt. Aber warum ist das überhaupt möglich, es ist hier
doch eine Diode in Sperrichtung vorhanden?!
Ich finde hier keine logische Erklärung - bitte um kurze Hilfe.
Danke!
Man kann den Transistor auch komplett ohne p und n dotierte Gebiete
erklären: "Wasserschleussenmodell:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Transistor_animation.gif
--
Näher dran an der Kristallphysik ist dagegen ein Model, das einen Abbau
der p-Sperrschicht durch rekombination der lädungsträger beinhaltet,
Bipolartransistor im Bändermodell:
https://wiki.mexle.org/elektronische_schaltungstechnik/2_transistoren
Also dein statisches Modell zweier Dioden verändert sich durch die vom
Basistrom hervorgerufene Rekombination zu einen Ersatzschaltbild eines
Widerstandes, da die pn-Sperrschicht verschwindet.
In extremer Kurzform:
Die Spannung Ube baut die - sowieso schon extrem dünne - Sperrschicht
zwischen B und E ab (anschaulich: verringert deren Breite), so dass die
vom Emitter emittierten Elektronen zum größten Teil nicht zur Basis
abließen, sondern von der größeren Spannung Uce beschleunigt und zum
Kollektor angezogen werden (Strom Ic).
Dabei bestimmt die Spannung Ube natürlich (e-Funktion) die Größe des
Emitterstromes Ie.
Quasi als (unerwünschter) Nebeneffekt werden dabei aber einige
Ladungsträger (1% oder weniger) zur Basis abwandern und den Basisstrom
Ib bilden.
Weil dieser Basistrom Ib in einem fast konstanten Verhältnis zum
Koll.Strom Ic steht (Ib=Ic/B) steht in manchen
Büchern/Veröffentlichungen, dass Ib den Strom Ic "steuern" würde.
Das ist physikalisch falsch - bei vielen Rechnungen kann man aber "so
tun als ob", weil die Beziehung Ic=B+Ib ja nicht fasch ist.
Bloß beim Entwurf (und beim Verständnis von Schaltungen) sollte man
schon wissen was wirklich passiert im Innern des Transistors.
Jan22 schrieb:> im Ersatzschaltbild
Du hast jetzt was wichtiges gelernt: Ersatzschaltbilder und auch
Prinzipschaltungen "funktionieren" nur in dem Betriebsbereich, für den
sie gezeichnet wurden.
Das ist etwas, das die vielen, die zum ersten Mal eine Brückenschaltung
entsprechend dem "Prinzipschaltbild" nachbauen und die 4 Transistoren an
4 Ausgänge ihres µC anschließen, dann auch merken.
> Es heißt immer, die Elektronen, die vom Emitter durch Ube zur Basis> fließen, werden zum Großteil vom "noch höheren" Potenzial am Collector> abgesaugt.
Du darfst nicht in der Denkweise zwischen dem elektrotechnischem
"Löcherstrom" und dem physikalischen Elektronenstrom umschwenken, das
gibt einen Knoten ins Hirn.
Für die Elektronik reicht es aus, wenn du dir merkst:
1. der Strom fließt von Plus nach Minus
2. der Strom fließt in Pfeilrichtung
Was bedeutet "in Pfeilrichtung"? Sieh dir die Symbole von Diode,
Thyristor, Transistor, Mosfet, LED, Triac, ... an: überall sind Pfeile
drin. Und diese Pfeile zeigen eine "Vorzugs"-Stromrichtung an. Daran
erkennt man mit einem Blick: wenn ein Emitterpfeil in Richtung Plus
zeigt, dann ist der Transistor falsch herum eingebaut (wobei Ausnahmen
die Regel bestätigen).
kurz&knapp, nicht nur schrieb:> > Also dein statisches Modell zweier Dioden verändert sich durch die vom> Basistrom hervorgerufene Rekombination zu einen Ersatzschaltbild eines> Widerstandes, da die pn-Sperrschicht verschwindet.
Dieses Modell ist auch ziemlich irreführend (wozu braucht man überhaupt
ein Modell?). Der Basisstrom ruft auch nicht Rekombinationen hervor,
sondern er ist das Ergebnis davon!
Auch "verschwindet" nicht die Sperrschicht - sie wird als Funktion der
Spannung Ube beeinflusst (schmaler) und erlaubt so die Beeinflussung des
Koll.stromes (e-Funktion).
Das Ersatzschaltbild mit einem Widerstand ist auch nicht korrekt, denn
dann müsste zwischen Uce und Ic ja eine nahezu lineare Abhängigkeit
bestehen, was nun gerade nicht der Fall ist. Im Gegenteil: Ic bleibt ja
nahezu konstant beu Uce-Schwankungen, was gerade zum Modell der
gesteuerten Stromquelle führt.
Das Bild mit den zwei Dioden kann man verwenden, wenn man den Transistor
mit einem Multimeter (Diodentest) grob prüfen will, ob die beiden
Diodenstrecken noch vorhanden sind. Man kann damit auch herausfinden, ob
es ein PNP oder NPN ist.
Zu mehr taugt es nicht, schon gar nicht zur Erklärung der Funktionsweise
eines Transistors!
Jan22 schrieb:> Aber warum ist das überhaupt möglich, es ist hier> doch eine Diode in Sperrichtung vorhanden?!
Nein. Die Diode befindet sich im Ersatz(!)schaltbild. Und nur dort.
Axel S. schrieb:> Nein. Die Diode befindet sich im Ersatz(!)schaltbild. Und nur dort.
Falsch, jeder bipolare Transistor lässt sich auch prima als Diode
verwenden. Nur die Kennwerte der Dioden sind halt nicht so günstig...
Axel S. schrieb:> Jan22 schrieb:>> Aber warum ist das überhaupt möglich, es ist hier>> doch eine Diode in Sperrichtung vorhanden?!>> Nein. Die Diode befindet sich im Ersatz(!)schaltbild. Und nur dort.
ABER: Der pn-Übergang wischen B und C ist im Verstärkerbetrieb schon in
Sperr-Richtung gepolt. Erst bei Sättigung (Schalterbetrieb) ist auch
dieser Übergang in Durchlassrichtung vorgespannt.
Zum (falschen) Bild mit den Dioden:
Das Bild ist deshalb falsch, weil es nicht zwei entkoppelte pn-Übergänge
sind. Wir haben durch die gemeinsame p-Zone in der Mitte (beim npn Typ)
ja zwei pn-Übergänge, die aber miteinander gekoppelt sind und von denen
einer "offen" und der andere gesperrt ist (im Normalbetrieb).
Gerade diese Verkopplung bewirkt ja das Transistor-Prinzip (und erklärt
auch den Early-Effekt).
Noch mal zusammenmgefasst:
Einen Transistor mit 2 Dioden Dioden zu bauen funktioniert halt
nicht.
Weil in ihm die Basiszone sehr schmal ist (10µm?) sind
die BE- bzw. CB-Übergänge nicht entkoppelt, wie bei zwei
zusammngeschaltete Dioden, sondern wirken zusammen.
- Als Transistor ...
Das findet man in jedem Grundlagenbuch... Die Elektronen fließen vom
Emitter in die Basis (Bais-Emitter Diode in Vorwärtsrichtung). Dort
rekombinieren sie aber zum Großteil nicht, weil die Basisschicht sehr
kurz ist und werden vom Elektrischen Feld der Basis Kollektor Diode
(Basis Kollektor Diode in Sperrrichtung -> Raumladungszone ->
Elektrisches Feld) zum Kollektor hin abgesaugt.
Da Baby schrieb:> Das findet man in jedem Grundlagenbuch... Die Elektronen fließen vom> Emitter in die Basis (Bais-Emitter Diode in Vorwärtsrichtung). Dort> rekombinieren sie aber zum Großteil nicht, weil die Basisschicht sehr> kurz ist und werden vom Elektrischen Feld der Basis Kollektor Diode> (Basis Kollektor Diode in Sperrrichtung -> Raumladungszone ->> Elektrisches Feld) zum Kollektor hin abgesaugt.
Alles vollkommen richtig - leider steht aber in manchen
Grundlagenbüchern, dass die Größe dieses dabei entstehenden Stromes Ie
(bzw. Ic) nicht von Ube, sondern von dem dabei fließenden Basisstrom Ib
bestimmt würde (was total unlogisch ist).
Lutz V. schrieb:> leider steht aber in manchen Grundlagenbüchern, dass die Größe dieses> dabei entstehenden Stromes Ie (bzw. Ic) nicht von Ube, sondern von dem> dabei fließenden Basisstrom Ib bestimmt würde
Ist aber halt nun mal so. Wie es schon weiter oben steht: bei konstantem
Ib ist auch der Ie weitgehend konstant (und zwar unahängig von der Uce).
Dafür gibt es den Parameter Stromverstärkung B. Dass natürlich der Ib
von der Ube in Form einer Diodenkennlinie abhängt, ist irgendwie
logisch. Aber man berechnet Transistorschaltungen immer mit dem Ib und
nimmt vereinfacht eine Ube von ca. 0,6...0,7V an.
Oder andersrum: welche Formel oder welches Diagramm im DB gibt die
Abhängigkeit des Ie von der Ube an?
Ich habe keine Schiwerigkeiten, bipolare Transistoren anzuwenden, sowohl
analog als auch digital. Aber warum sie das tun, was sie tun, habe ich
nie verstanden. Selbst eine persönliche Unterredung mit meinem Lieblings
Technik Lehrer von der Berufsschule brachte mich da nicht weiter.
Ich habe das mit "man muss nicht alles verstehen" abgehakt.
Das "mechanische Modell" auf diese Seite gefällt mir:
https://www.leifiphysik.de/elektronik/transistor/grundwissen/der-transistor-effektLutz V. schrieb:> leider steht aber in manchen Grundlagenbüchern, dass die Größe> dieses dabei entstehenden Stromes Ie (bzw. Ic) nicht von Ube,> sondern von dem dabei fließenden Basisstrom Ib> bestimmt würde (was total unlogisch ist).
Wenn man die Grundlagen (so wie ich) nicht verstanden hat, sieht das von
außen betrachtet genau so aus. Und mit dieser Vorstellung im Kopf komme
ich klar. Damit kann ich rechnen und Schaltungen designen. Mit der
fachlich korrekten Sichtweise hingegen nicht.
Lothar M. schrieb:> Lutz V. schrieb:>> leider steht aber in manchen Grundlagenbüchern, dass die Größe dieses>> dabei entstehenden Stromes Ie (bzw. Ic) nicht von Ube, sondern von dem>> dabei fließenden Basisstrom Ib bestimmt würde> Ist aber halt nun mal so.
Nein, leider nicht.
Wie gesagt - man tut oft so, als ob....bei Nachrechnungen von
Schaltungen funktioniert das ja auch meistens, bloß nicht beim Entwurf.
Da muss man wissen, wie und warum der Transistor funktioniert.
> Oder andersrum: welche Formel oder welches Diagramm im DB gibt die> Abhängigkeit des Ie von der Ube an?
Das ist die exponentielle Steuerkennlinie Ie=f(Ube).
Aber Du hast recht: Im Datenbuch nicht angegeben. Warum nicht? Weil man
sie nicht braucht.
Man gibt sich normalerweise doch den Strom Ic vor - und benutzt jetzt
das Wissen um diese Steuerkennlinie (die ja einen bekannten Verlauf hat,
den man nicht im Datenbuch angeben muss) und ermittelt daraus die für
die Verstärkung zugehörige Steilheit gm=Ic/Ut.
Man benutz also ständig die Spannungssteuerung - nur manche machen sich
das gar nicht bewusst.
Und die Unsicherheit bei Ube=0,65...0,7V wird durch Re-Gegenkopplung
extrem abgemildert.
Steve van de Grens schrieb:> Wenn man die Grundlagen (so wie ich) nicht verstanden hat, sieht das von> außen betrachtet genau so aus. Und mit dieser Vorstellung im Kopf komme> ich klar. Damit kann ich rechnen und Schaltungen designen. Mit der> fachlich korrekten Sichtweise hingegen nicht.
Darf ich Dich was fragen?
Ist dir klar, dass Du bestimmt beim "designen" von Schaltungen das
Prinzip der Steuerung durch Ube benutzt (scheinbar, ohne es zu
realisieren)?
* Benutzt Du die Gegenkopplung durch Re? Warum?
* Dimensionierst Du einen Basis-Teiler hoch- oder niederohmig? Warum?
* Welche Verstärkungsformel nimmst Du für das Design?
* Wie legst Du Gegentakt-B-Stufen aus?
* Wie definierst Du den Sättigungsbetrieb?
PS: Wenn man das gezeigte mechanische Modell genau betrachtet (und unter
dem Aspekt mechanischer Kräfte untersucht): Es kann gar nicht
funktionieren! Wie soll den der kleine "Schieber" den viel größeren, der
zudem einen viel größeren Strom hemmen soll, bewegen können? Mechanisch
unmöglich!
Es wird furchtbar viel Unsinn produziert.....wie auch das zuvor gezeigte
Bild vom "Transistor man". Der biopolare Transistor ist nie und nimmer
ein gesteuerter Widerstand!
Lutz V. schrieb:> Ist dir klar, dass Du bestimmt beim "designen" von Schaltungen das> Prinzip der Steuerung durch Ube benutzt (scheinbar, ohne es zu> realisieren)?
Wahrscheinlich ist das so. Ich kann das schlecht beurteilen, weil es
eben nicht verstanden habe.
Lutz V. schrieb:> Wie soll den der kleine "Schieber" den viel größeren, der> zudem einen viel größeren Strom hemmen soll, bewegen können?
Das ist wie in Science-Fiction Filmen. Über solche Details darf man
nicht nachdenken, sonst macht der Film keinen Spaß.
Steve van de Grens schrieb:> Wahrscheinlich ist das so. Ich kann das schlecht beurteilen, weil es> eben nicht verstanden habe.
Warum gibst Du Dich damit (mit dem Nicht-Verstehen) denn zufrieden?
Ist im Prinzip doch ganz einfach (wie ich es in meinem ersten Beitrag in
Kurzform beschrieben habe). Und wenn Du Nachfragen hast....kein problem.
Lutz V. schrieb:> Warum gibst Du Dich damit (mit dem Nicht-Verstehen) denn zufrieden?
Weil es mir schon viele Leute schriftlich und mündlich beizubringen
versucht haben. Ich schnalle es trotzdem nicht. Lass gut sein, es wäre
Zeitverschwendung.
Lutz V. schrieb:> Es kann gar nicht> funktionieren! Wie soll den der kleine "Schieber" den viel größeren, der> zudem einen viel größeren Strom hemmen soll, bewegen können? Mechanisch> unmöglich!
Ach doch, mit der richtigen Übersetzung geht das. Das ist ja kein
Funktionsmodell im kausalen Sinne, bzw. ein stark abstrahiertes. Mir hat
ein ähnliches als Jugendlicher geholfen die Funktion des Transistors zu
verstehen.
Lothar M. schrieb:> Oder andersrum: welche Formel oder welches Diagramm im DB gibt die> Abhängigkeit des Ie von der Ube an?
Zumindest gibt es die Steilheit S = dIc/dUbe = Ic/Ut [mA/V]. Die
Steilheit S ist vielen unbekannt, obwohl sie ungefähr genauso wichtig
ist wie die Stromverstärkung B bzw. ß.
Bei Röhren ist die Steilheit eine der zentralen Größen. Allerdings ist
sie bei diesen rein konstruktionsbedingt, während die beim Transistor
nur vom Kollektorstrom (bei konst. Temperatur) abhängig ist.
Beispiel: Emitterschaltung ohne Gegenkopplung mit Ic = 1 mA. S ~ 40
mA/V. Bei Rc = 1k ergibst sich die Verstärkung grob zu v = S·Rc = 40.
Alleine mit B/ß läßt sich dies nicht berechnen. Und: v ist unabhängig
vom Transistor
Steve van de Grens schrieb:> Weil es mir schon viele Leute schriftlich und mündlich beizubringen> versucht haben. Ich schnalle es trotzdem nicht. Lass gut sein, es wäre> Zeitverschwendung.
Dann nimm es einfach so hin und rechne mit den praktischen Formeln. Das
Verständnis kommt mit der Zeit.
Mohandes H. schrieb:> Die> Steilheit S ist vielen unbekannt, obwohl sie ungefähr genauso wichtig> ist wie die Stromverstärkung B bzw. ß.
Ich gehe deutlich weiter und sage: Die Steilheit ist - was den
verstärkenden Linearbetrieb des Transistors angeht - ganz allein
ausschlaggebend!
Sie steht als einzige Transistorgröße doch in der Verstärkungsformel
drin!
Die sog. "Stromverstärkung" (wer meinen Ausführungen zustimmt, weiß,
warum ich das in Anführungszeichen setze), bestimmt nur den
Eingangswiderstand der Stufe und wird evtl. bei der Dimensionierung des
Basisteilers berücksichtigt.
> Und: v ist unabhängig vom Transistor
Ja, das unterstreiche ich! Gleicher Arbeitspunkt - gleiche Verstärkung,
unabhängig davon, ob B=100 oder 200.
Mohandes H. schrieb:> Zumindest gibt es die Steilheit S = dIc/dUbe = Ic/Ut [mA/V]. Die> Steilheit S ist vielen unbekannt, obwohl sie ungefähr genauso wichtig> ist wie die Stromverstärkung B bzw. ß.
Leider taucht sie eben nicht im Datenblatt auf. Sie taucht zum
Selberrechnen bestenfalls als Diagramm Ic = f(Ube) auf und muss dann mit
dem passend kleinen dUbe selbst berechnet werden.
Lutz V. schrieb:> Mohandes H. schrieb:>> Und: v ist unabhängig vom Transistor> Ja, das unterstreiche ich! Gleicher Arbeitspunkt - gleiche Verstärkung
Muss ja so sein, wenn man den gleichen Arbeitspunkt mit gleichem
dIc/dUbe einstellt.
Allerdings bedeutet "unabhängig vom Transistor" eben nicht, dass ich in
irgendeine Schaltung anstelle eines BC547C einfach so z.B. einen 2N3055
einsetzen kann und dann automatisch die selbe Verstärkung habe.
Aber diese Diskussion ist sowieso weit fernab von dem, was dem TO beim
Verständnis von Transistoren hilft.
Lothar M. schrieb:> Mohandes H. schrieb:>> Zumindest gibt es die Steilheit S = dIc/dUbe = Ic/Ut [mA/V]. Die>> Steilheit S ist vielen unbekannt, obwohl sie ungefähr genauso wichtig>> ist wie die Stromverstärkung B bzw. ß.> Leider taucht sie eben nicht im Datenblatt auf. Sie taucht zum> Selberrechnen bestenfalls als Diagramm Ic = f(Ube) auf und muss dann mit> dem passend kleinen dUbe selbst berechnet werden.>
Sie kann auch nicht im Datenblatt auftauchen, da die Steilheit (gm) eine
simple Funktion des zu wählenden Kollektorstromes Ic ist: gm=Ic/Ut
(Temperaturspannung Ut). Sie ist doch weiter nichts als die Steigung der
Spannungs-Steuerkennlinie Ic=f(Ube). (Also nicht über ein "kleines dUbe"
zu berechnen.)
Was soll da also spezifiziert werden?
Lutz V. schrieb:> sondern von der größeren Spannung Uce beschleunigt und zum> Kollektor angezogen werden (Strom Ic).
Das die Uce grösser als Ube ist ist keine Voraussetzung.
Der Transistor funktioniert auch, wenn Uce kleiner als Ube ist.
Harald W. schrieb:> Lutz V. schrieb:>>> sondern von der größeren Spannung Uce beschleunigt und zum>> Kollektor angezogen werden (Strom Ic).>> Das die Uce grösser als Ube ist ist keine Voraussetzung.> Der Transistor funktioniert auch, wenn Uce kleiner als Ube ist.
Ja, natürlich - als Schalter im Sättigungsbetrieb (praktisch zwei Dioden
in Reihe im Durchlassbetrieb).
Lothar M. schrieb:> Allerdings bedeutet "unabhängig vom Transistor" eben nicht, dass ich in> irgendeine Schaltung anstelle eines BC547C einfach so z.B. einen 2N3055> einsetzen kann und dann automatisch die selbe Verstärkung habe.
Eben doch. Rein formal ergibt sich die Steilheit S (gm) gemäß S = Ic/Ut
mit Ut = 'Temperaturspannung) ~26 mV bei 25°C.
Und das gilt in identischer Schaltung für einen BC547 ebenso wie für den
2N3055! Gibt ja zum Glück noch paar Parameter - sonst gäbe es nur
einen Transistor.
Interessanterweise ist die Steilheit vielen unbekannt, während die
Stromverstärkung jeder kennt.
Allerdings habe ich noch nicht herausgefunden wie sich die Steilheit bei
anderen Halbleitern wie Germanium oder Galliumarsenid verhält.
Vielleicht weiß das jemand aus der Runde?
> Muss ja so sein, wenn man den gleichen Arbeitspunkt mit gleichem> dIc/dUbe einstellt.
Gleicher Ic = gleiche Steilheit. Ist z.B. bei der Cascode-Schaltung
wichtig: gleiches S für beide Transistoren.
Lutz V. schrieb:> Ja, natürlich - als Schalter im Sättigungsbetrieb (praktisch zwei Dioden> in Reihe im Durchlassbetrieb).
Wo sind da 2 Dioden im Durchlassbetrieb in Reihe? Da sind eher die 2
Dioden B-E und B-C im Durchlassbetrieb (fast) parallel.
Mohandes H. schrieb:> Eben doch. Rein formal ergibt sich die Steilheit S (gm) gemäß S = Ic/Ut> mit Ut = 'Temperaturspannung) ~26 mV bei 25°C. Und das gilt in identischer> Schaltung für einen BC547 ebenso wie für den 2N3055!
"In identischer Schaltung" sollte heißen "bei gleich großem
Kollektorstrom Ic".
> Gleicher Ic = gleiche Steilheit.
In der Praxis haben aber diese beiden Transistoren mit der identischen
Aussenbeschaltung eben nicht genau den selben Kollektorstrom, weil
bereits die Ic = f(Ube) unterschiedlich verlaufen und zudem die
Stromverstärkung B unterschiedlich ist. Es wird sich also bei der
identischen Aussenbeschaltung bei beiden ein unterschiedlicher AP (Ic)
einstellen. Und damit dann auch eine unterschiedliche Steilheit.
> Interessanterweise ist die Steilheit vielen unbekannt, während die> Stromverstärkung jeder kennt.
Ja, weil die allerwenigsten einen Transistorverstärker konstruieren und
sich um einen Arbeitspunkt im Kleinsignalbereich scheren müssen.
Den allermeisten reicht es, einen Transistor als Schalter richtig
einzusetzen. Und nicht wenige haben damit schon ihre liebe Not.
Mit Gruss
Vielleicht ist die Modell-
vorstellung eines JFETs besser geeignet, um Vorgänge an N-P (P-N)
Übergängen grundlegend zu vermitteln.
Diese Dioden Darstellung als Ersatzschaltbild für einen BJT
kenne ich auch, seit einem Herrn Richter mit Kosmos Baukästen.
Dirk St
Dirk St schrieb:> Mit Gruss>> Vielleicht ist die Modell-> vorstellung eines JFETs besser geeignet, um Vorgänge an N-P (P-N)> Übergängen grundlegend zu vermitteln.> Diese Dioden Darstellung als Ersatzschaltbild für einen BJT> kenne ich auch, seit einem Herrn Richter mit Kosmos Baukästen.>> Dirk St
Nein - ich denke nicht. Nicht umsonst werden die FETs als unipolare
Transistoren bezeichnet, denn sie arbeiten ja nach einem ganz anderen
Prinzip - ohne die für die bipolaren Transistoren typischen Vorgänge am
pn-Übergang.
Lothar M. schrieb:>> Interessanterweise ist die Steilheit vielen unbekannt, während die>> Stromverstärkung jeder kennt.>> Ja, weil die allerwenigsten einen Transistorverstärker konstruieren und> sich um einen Arbeitspunkt im Kleinsignalbereich scheren müssen.> Den allermeisten reicht es, einen Transistor als Schalter richtig> einzusetzen. Und nicht wenige haben damit schon ihre liebe Not.
Ist eben (nicht mehr so populäre) Analogtechnik, andererseits jedoch
auch Grundlagen.
Die Steilheit ist auch für den Eingangswiderstand rBE einer Stufe von
Bedeutung: rBE = ß/S.
Dirk St schrieb:> ... seit einem Herrn Richter mit Kosmos Baukästen.
Ja, die Bücher von Heinz Richter mochte ich gerne. Auch wenn viele
seiner Schaltungen wahre 'Kunstschaltungen' waren, die oft nur mit Mühe
zum Funktionieren überredet werden konnten. Ich denke da z.B. an meinen
ersten Superhet. Und der Kosmos Radiomann war mein Einstieg in die
Elektronik.