Guten Tag zusammen,
ich möchte diesen Thread nutzen, um diverse Fragen zu meinem Projekt elektrisch unterstützter Fahrradanhänger zu stellen. Ich hoffe das ist in Ordnung in der Rubik Projekte. Dann brauche ich nicht unnötig viele Threads aufmachen. Ich weiß, dass es schon Threads über BLDC in diesem Forum gibt. Dort haben mich aber widersprüchliche Aussagen und Streitgespräche immer wieder verwirrt.
Stand der Dinge: Ich habe einen BLDC-Controller gebaut und einen Fahrradanhänger mit einem Motor und Zahnriemengetriebe ausgerüstet. Es funktioniert prinzipiell und ich mache gerade Messungen für ein Kennfeld Strom=f(Geschwindigkeit,PWM).
Dabei ist mir aufgefallen, dass ich das Thema PWM nicht so umgesetzt habe, wie es eigentlich üblich ist. Leider gibt es zu unipolarer und bipolarer PWM viele unvollständige oder widersprüchliche Darstellungen. Deshalb möchte ich hier als erstes kurz zusammenfassen, was ich jetzt unter bipolarer PWM für BLDC-Motoren verstehe. Dazu habe ich eine Zustandstabelle zusammengetragen (siehe Bild):
Links die 6 Schritte der Kommutierung, rechts alle 12 Kombinationen Kommutierungsschritt+PWM-Zustand
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Zusammenfassung:
Zu jedem Zeitpunkt ist eine Motorphase offen, eine ist mit Batterie+ verbunden und eine mit Batterie-. In der Low-Phase der PWM wird die Polarität umgekehrt. Das heißt, bei 50% PWM ist die über die PWM-Phasen gemittelte Spannung an den beiden aktiven Motorphasen gleich 50% Batteriespannung und es fließt bei stehendem Motor kein Strom aus der Batterie. Bei 100% PWM läuft der Motor mit maximaler Drehzahl (wenn keine mechanische Last anliegt) bzw. mit maximaler Leistung (wenn Last anliegt). Jedes PWM-Verhältnis zwischen 50% und 100% ist einer Leerlaufdrehzahl zugeordnet. Ist die tatsächliche Drehzahl niedriger, wird angetrieben, wenn sie höher ist, wird gebremst.
So. Jetzt wie ich das bisher umgesetzt habe, weil ich es nicht besser wusste:
Ich lege das PWM-Signal auf die Enable-Eingänge der aktiven Halbbrücken-Treiber und eine 0 oder 1 auf die Direction-Eingänge (siehe Tabelle). In der aktiven PWM-Phase entspricht das dem oben beschriebenen. In der inaktiven PWM-Phase wird aber nicht umgepolt, sondern alle Transistoren sind offen (nicht leitend). Das hat zur Folge, dass der Aus-Zustand (kein Strom bei stehendem Motor) bei 0% PWM erreicht wird. 100% PWM entsprechen der oben beschriebenen Lösung. Die Abhängigkeit Strom=f(PWM) ist stark nicht-linear (erst flach, dann steil) und von der Geschwindigkeit abhängig (niedrige Geschwindigkeit verschiebt die Kurve nach links: mehr Strom bei gleichem PWM).
Ich möchte nochmal mindestes eine neue Revision meiner Platine erstellen. Jetzt frage ich mich, ob ich direkt auf die "richtige" Lösung umstelle. Dann muss ich die HW und die SW ändern und die Messungen wiederholen. Deshalb sollte das konkrete Vorteile für mich haben. Deshalb meine Fragen:
Frage 1: Hat meine aktuelle Lösung außer der geänderten Kennlinie prinzipiell Probleme wie z.B. dass irgendwo sinnlos Energie verbraten wird, dass manche Bauteile unnötig belastet werden etc. ?
Frage 2: Die oben beschriebene bipolare PWM kann im Gegensatz zu meiner Lösung bremsen. Wenn ich damit bremse indem ich das PWM-Verhältnis absenke, wird dann automatisch Energie in die Batterie zurückgespeist oder muss dazu der Winkel der Kommutierung verändert werden ? In anderen Threads gibt es leider widersprüchliche Aussagen dazu.
Frage 3: Welche Wirkung haben PWM-Verhältnisse zwischen 0% und 50% ? Dreht der Motor dann rückwärts oder müsste man dazu auch den Kommutierungswinkel ändern ?
Frage 4: Verständnisfrage: Die beiden aktiven Motorphasen werden bei der bipolaren PWM regelmäßig umgepolt. Dabei wird aber nicht zwischendurch gebremst oder Energie unnötig in Wärme umgewandelt, richtig ? Ich stelle mir das so vor, dass ein Teil der Energie zwischen der Motorwicklung und dem Kondensator hin- und her-pendelt und (Wirkungsgrad <1 mal ignoriert) nur der Teil, der in mechanische Energie umgewandelt wird, wird kontinuierlich aus der Batterie entnommen. Ist diese Vorstellung richtig ?
Frage 5: Falls mein bisheriges Verständnis richtig ist, muss man für einen Leerlauf wo weder angetrieben noch gebremst werden soll, das PWM-Verhältnis auf den korrekten Wert f(Drehzahl) stellen oder regeln, sodass der Strom Null wird. Ist es für solche Zwecke üblich, einen speziellen Leerlaufmodus (z.B. alle Transistoren offen) zu verwenden ?






