Forum: Ausbildung, Studium & Beruf Eure Erfahrungen mit der Ausbildung zum Mechatroniker?


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von Frank (kllauser)


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Moin,

ich lese mich derzeit intensiv viel zum Thema technische Berufe ein, 
nachdem wir in der Familie und im Umfeld einige Jugendliche haben, 
welche es gilt auf die Berufswelt vorzubereiten. Die Ausbildung zum 
Mechatroniker und zur Mechatronikerin sticht insofern hervor, als es 
meines Wissens nach erst nach dem zweiten Ausbildungsjahr zu 
Spezialisierungen kommt.

Das wäre ein pädagogisch wertvoller Aspekt mMn, zumal man sich in diesem 
zarten Alter noch nicht zu 100% festlegen kann oder will. So kommt es 
zumindest rüber, denn von Robotik bis Flugzeugtechnik sind da die 
Interessen weit gespannt.

Habt ihr Tipps, wie am besten mit Informationen versorgen? Freue mich 
über einen Austausch; euren Berufsweg bw. wie ihr eure Kinder durch 
diese wichtige Phase bringt!

von Percy N. (vox_bovi)


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Frank schrieb:
> Die Ausbildung zum Mechatroniker und zur Mechatronikerin sticht insofern
> hervor, als es meines Wissens nach erst nach dem zweiten Ausbildungsjahr
> zu Spezialisierungen kommt.

Bist Du sicher, dass die Breite der Auswahl nicht durch den 
Ausbildungsbetrieb determiniert wird?

von Tischkante (Gast)


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Ich finde es schön, dass du dir darüber Gedanken machst. Viele 
überlassen diese Entscheidung den Jugendlichen (und einige andere 
entscheiden für sie, was natürlich auch nicht toll ist).

Die Ausbildung zum Mechatroniker soll spannend sein, nach dem was ich 
gehört habe. Und in der Tat ist das Anwendungsfeld auch sehr weit. 
Optional würde mir noch die Ausbildung zum Elektroniker einfallen, die 
auch sehr(!) zukunftsträchtig ist und zu den interessanteren, aber auch 
schwereren Handwerksausbildungen gehört.

Dennoch muss ich dringend empfehlen: Falls es möglich ist, wäre eine 
akademische Laufbahn immer die bessere Wahl, gerade in diesem Bereich. 
Man kann Mechatronik studieren und mit so einem Studium muss man 
unangenehmere Handwerkertätigkeiten nicht machen, hat mehr ansehen und 
man wird für die paar Jahre Studium das Leben lang besser bezahlt.
Sollte dies nicht möglich sein, dann ist natürlich eine Ausbildung zum 
Mechatroniker (oder auch Elektriker) eine solide Wahl.

Ansonsten hier noch ein paar Videos, falls du die nicht gesehen hast. 
Zur Not, falls die Ausbildung dann doch nicht zusagt, kann man ja immer 
noch die Ausbildung wechseln, zum Elektroniker, Kältetechniker oder 
sonstiges (oder auch komplett aus dem Handwerk raus). Wenn die 
Entscheidung sehr schwer fällt, dann spricht auch nichts gegen ein 
Praktikum.

https://studyflix.de/ausbildung/berufe-ausbildung/mechatroniker-mechatronikerin-3348
https://www.ausbildung-me.de/mechatroniker-in
https://www.aubi-plus.de/berufe/mechatroniker-mechatronikerin-138/

https://www.handwerk.de/infos-zur-ausbildung/ausbildungsberufe/berufsprofile/elektronikerin

von Reinhard S. (rezz)


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Tischkante schrieb:
> Wenn die
> Entscheidung sehr schwer fällt, dann spricht auch nichts gegen ein
> Praktikum.

Ich würde zur Ferienarbeit neigen.

von Lothar M. (Firma: Titel) (lkmiller) (Moderator) Benutzerseite


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Frank schrieb:
> zumal man sich in diesem zarten Alter noch nicht zu 100% festlegen kann
> oder will.
Mir war mit 12 Jahren zu >99% klar, was ich werde. Ich habe dann vom 
Sägewerk über das Elektrohandwerk und einige Maschinenbauer (Lager, 
Fertigung, Prüffeld, E-Werkstatt) mehrere (Ferien-)Jobs hinter mich 
gebracht und die Welt gesehen.

Andere tun sich da mit der Findung schwerer. Ich kenne einen, der 
studierte erst Theologie, machte dann eine Zimmererlehre, fiel dann vom 
Dach auf eine Gartenmauer und überlebte den Spass nur knapp. Jetzt ist 
er Berufsschullehrer und recht glücklich damit.

> Habt ihr Tipps, wie am besten mit Informationen versorgen?
Ferienjobs in möglichst vielen untersxchiedlichen Betrieben. Dringendst 
empfehlen, dabei die Augen offen zu halten.

> wie ihr eure Kinder durch diese wichtige Phase bringt!
Du hast da nicht viel mehr zu tun, als deren eigene Ideen zu 
unterstützen(*). Und immmer wieder zu betonen, dass es nach der 
nächsten Prüfung weitergeht und man sich schon mal darüber Gedanken 
machen kann, was man dann tut, wenn man sie besteht. Und ggfs. auch, was 
man tut, wenn man sie nicht besteht.

von Hendrick (ricky_77)


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Morgen!
Von eigenen Kindern kann ich jetzt nicht berichten- aber habe einen sehr 
engen Kontakt zu den Kindern meiner Schwester. Da wars die Tochter, die 
eine Lehre im technischen Bereich machen wollte. Schule hat sie einfach 
nicht mehr so interessiert. Finde meine Schwester und ihr Mann haben da 
super gehandelt- haben versucht alle wichtigen Informationen gemeinsam 
einzuholen, mit Bekannten zu reden und die Tochter dazu motiviert, in 
relevante Unternehmen zu schnuppern. Das Mädchen hat sich dann 
schlussendlich zu einer Mechatronik Lehre entschieden. Hat das 
zweijährige Grundmodul nun schon abgeschlossen und wie du sagst konnte 
sie sich dann für eine Spezialisierung entscheiden. Wo wohnt ihr denn? 
Glaube die Ausbildungen unterscheiden sich dan in D und Ö schon 
bisschen. Meine Erfahrungen sind jetzt mal aus Österreich. Bei ihr kam 
halt noch die Unsicherheit dazu, dass Frauen in technischen Berufen doch 
noch selten sind. Aber war ziemlich unbegründet. Hat dort jetzt ihre 
besten Freundinnen gefunden.

von Percy N. (vox_bovi)


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Sind die Personalpronomina tatsächlich unerschwinglich geworden?

von Clemens S. (zoggl)


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Um aus einer Mechatroniker Lehre wirklich das Maximum herauszuholen 
braucht man leider mehr Mathematik und Physik als in der Berufsschule 
gelehrt wird.

Wir sind dazu übergegangen nach der Matura eine verkürzte Lehre mit 
Facharbeiter Gehalt anzubieten.

Zahlt sich für beide Seiten aus und wir haben zu 100% motivierte 
Maturanten die erkannt haben dass sie nicht studieren möchten.

Kann ich nur empfehlen.

Sg

von Jan (Gast)


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Tischkante schrieb:
> Dennoch muss ich dringend empfehlen: Falls es möglich ist, wäre eine
> akademische Laufbahn immer die bessere Wahl, gerade in diesem Bereich.
> Man kann Mechatronik studieren und mit so einem Studium muss man
> unangenehmere Handwerkertätigkeiten nicht machen, hat mehr ansehen und
> man wird für die paar Jahre Studium das Leben lang besser bezahlt.

Junge junge junge.
Echt jetzt? Mehr Ansehen, unangenehme Handwerkertätigkeiten?
Wahrscheinlich hast du noch nie handwerklich gearbeitet. Und etwas vom 
2. Bildungsweg auch noch nie gehört.
Solche Leute haben wir hier auch. Studiert mit zwei linken Händen.

Warum nicht erst eine Ausbildung machen und dann studieren?

von Markus (Gast)


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Jan schrieb:
> Warum nicht erst eine Ausbildung machen und dann studieren?

Zu manchen Erkenntnissen gelangt man erst später und Lebenswege ändern 
sich, aber grundsätzlich finde ich es schrecklich, wenn vor einem 
Studium eine Ausbildung absolviert wird.
Wozu soll das gut sein? Einen fachlichen Vorteil zwischen Studenten mit 
und ohne Ausbildung konnte ich jedenfalls im Elektrotechnik-Studium 
nicht erkennen. Abiturienten, die eine Ausbildung beginnen unterstelle 
ich schlichtweg Feigheit vor dem Feind. Außerdem nehmen sie Haupt- und 
Realschülern die Ausbildungsplätze weg.

von Grammatikgore (Gast)


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Markus schrieb:
> Jan schrieb:
>> Warum nicht erst eine Ausbildung machen und dann studieren?
>
> Zu manchen Erkenntnissen gelangt man erst später und Lebenswege ändern
> sich, aber grundsätzlich finde ich es schrecklich, wenn vor einem
> Studium eine Ausbildung absolviert wird.
> Wozu soll das gut sein? Einen fachlichen Vorteil zwischen Studenten mit
> und ohne Ausbildung konnte ich jedenfalls im Elektrotechnik-Studium
> nicht erkennen. Abiturienten, die eine Ausbildung beginnen unterstelle
> ich schlichtweg Feigheit vor dem Feind. Außerdem nehmen sie Haupt- und
> Realschülern die Ausbildungsplätze weg.

Was ein haltloses Geschwafel. Es wäre schön wenn wir in DE die Situation 
hätten, dass sich die Jugend gegenseitig die Ausbildungsplätze wegnimmt. 
Aber wer eine Ausbildung machen will hat eher die freie Auswahl, so 
wenig Nachwuchs wie es da gibt. Deine Einstellung ist übrigens Teil des 
Problems. Es ist eine Schande wie viele Leute ihr Studium durchgammeln, 
nur weil sie mal Abi gemacht haben. Obwohl sie mit einer Ausbildung 
besser dran wären.

Vor allem in der Automobilindustrie sind die Absolventen mit Ausbildung 
bevorzugt. Nicht nur weil sie einen praktischen Bezug zur Materie haben, 
sondern weil auch die Reife meistens höher ist im Vergleich zu leuten 
die bis dato nur die Schulbank gedrückt haben.
Für alle Ausbildungsberufe im Büro mag das vielleicht stimmen. Aber im 
E-Technik-Studium hatten die meisten mit Ausbildung + Abi die Nase vorn.

von ölllööööl (Gast)


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Bestes Beispiel dazu: ich hatte letztens einen Masteranden von einem 
namenhaften deutschen Sportwagen OEM, welcher in seinem Platinenlayout 
einen 5V Sensor über einen Spannungsteiler aus knapp 900V versorgen 
wollte.

Sowas kreiert man nur wenn man keine Ahnung von der Praxis hat.

von Old (Gast)


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Bei allen technischen Studienrichtungen ist ein vorheriger 
Berufsabschluss in vergleichbarer Technik immer von Vorteil.

Auch so ist es ein Vorteil für viele Jugendliche erstmal eine technische 
Berufsausbildung zu absolvieren, auch wenn man eigentlich ein 
entsprechendes Studium anstrebt. Entweder merken dann die Jugendlichen, 
dass sie gar kein teures Studium mehr wollen/brauchen um selbständig zu 
werden. Oder sie merken, dass sie ein wirkliches Interesse für ein 
anschließendes Studium haben, was sie dann auch meist problemlos und 
schnell abschließen. Hat beides volkswirtschaftliche Vorteile, entweder 
mehr mit abgeschlossener Berufsausbildung oder weniger Studienabbrecher 
bzw. Studiengangwechsler mit „unendlich“ langer Studienzeit.

Hatten beides bei unseren Kindern. Der Sohn hat erstmal 
Tischler/Zimmermann gelernt und dann ein Dtudium für Holzbau- und 
Umwelttechnik abgeschlossen. Eine Tochter hat angefangen zu studieren, 
was sie meinte ihrem Interesse zu entsprechen. Dann den Studiengang 
gewechselt, weil der erste doch nicht so ihr gefallen hat. Danach 
nochmal das Studienfach gewechselt, um dann das mit dem Studieren ganz 
abzubrechen und dann mit Ende 30 eine Ausbildung als Kita-Erzieherin 
erfolgreich zu absolvieren. War für sie ein langer Weg ins 
Selbstständige Leben.

von Pan (Gast)


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Old schrieb:
> Bei allen technischen Studienrichtungen ist ein vorheriger
> Berufsabschluss in vergleichbarer Technik immer von Vorteil.

Blödsinn.

Die 3 Jahre verdienst du weniger Gehalt absolut gesehen. Und nur bei 
einer guten Ausbildung kann man danach wirklich Messgeräte und Lötkolben 
bedienen. In vielen Betrieben ist der Azubi leider immer noch eine 
billige Arbeitskraft.

Ob man studieren sollte (hatte zuerst eine sehr sehr gute Ausbildung, 
ausschließlich Projektarbeiten wie sie manche aus dem Studium kennen) 
ist natürlich eine andere Frage, ich hab es getan und ich muss sagen: 
totaler Rotz, man sitzt den ganzen Tag vor dem Computer.

von Makrocontroller (Gast)


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ölllööööl schrieb:
> Bestes Beispiel dazu: ich hatte letztens einen Masteranden von
> einem
> namenhaften deutschen Sportwagen OEM, welcher in seinem Platinenlayout
> einen 5V Sensor über einen Spannungsteiler aus knapp 900V versorgen
> wollte.
>
> Sowas kreiert man nur wenn man keine Ahnung von der Praxis hat.

Definiere Ahnung von Praxis.

Ich bin seit 7 Jahren im Job und habe seit 2 Jahren einen Kollegen, der 
13 Jahre "Berufserfahrung" hat.
Vorher hat er ne Ausbildung als Elektriker gemacht.
Was dieser Kerl an sch... produziert ist kaum zu glauben.
Wenn man sich die Schaltpläne anguckt fangen die Augen an zu bluten...

Sensoren bei denen die Abtastraten viel zu niedrig gewählt sind oder 
batteriebetriebene Anwendungen, bei denen 80% des Stroms über einen 
Spannungsteiler zu GND fließt.

Bei manchen ist es fehlende Praxis.
Manche sind aber als Ing vollkommen ungeeignet und sind nur als solcher 
tätig, weil sie an irgendeiner FH/Uni ihren Abschluss hinterhergeworfen 
bekommen haben.

Der oben beschriebene Typ ist seit 13 Jahren unbrauchbar und wird auch 
nie brauchbar werden...

von Frau Lambrecht (Gast)


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Old schrieb:
> Tischler/Zimmermann gelernt und dann ein Dtudium für Holzbau- und
> Umwelttechnik abgeschlossen.

Studium in Holzbau und Umwelttechnik :D:D:D:D:D

von Philipp K. (philipp_k59)


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ölllööööl schrieb:
> Sowas kreiert man nur wenn man keine Ahnung von der Praxis hat.

Das habe ich schon in 5.000€ FUs und 400V Netzteilen zur Abnahme des 
Zwischenkreises gesehen. also nicht allzuweit hergeholt...


Aber zum Thema, ich finde es schrecklich wie manche ihre Kinder "in die 
Welt züchten"..

Also z.B. der E-Ing mit nem Jugendlichen Sohn der schon "komischerweise" 
Maschinen mit Ing. Wissen baut oder selbständig auf Nobelpreis 
verdächtige Ideen kommt. Ja entweder kommt der nach seinem Vater oder 
sitzt in einer Zwangsjacke.

Okay, ich habe vor 30 Jahren mit 10 Jahren Selbständig am C64 Programme 
nach Heftanleitung geschrieben.. aber irgendwie selbst draufgekommen, 
selbst  angefangen.. den Rechner wollte ich eigentlich nur zum Zocken.

von Stefan (Gast)


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Ich arbeite Als Dr.-Ing. bei einem OEM und wenn ich mich so umsehe muss 
ich jungen Leuten ein duales Studium empfehlen! Wenn man da einen Fuß in 
die Tür bekommt geht es kaum besser. Super Ausbildung und top Bezahlung 
von Anfang garniert mit einer Übernahmegarantie. Gegenüber den 
gleichaltrigen "klassischen" Akademikern hat man mehr Erfahrung im 
Betrieb und ein besseres Netzwerk was auch bei der Karriere enorm hilft!

P.S. Ich möchte mein Studium an einer TU9 und die Dissertation trotzdem 
nicht missen. War eine sehr schöne Zeit. Mehr Kohle holt man aber über 
den oben beschriebenen Weg rein.

von bot93420 (Gast)


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Old schrieb:
> Bei allen technischen Studienrichtungen ist ein vorheriger
> Berufsabschluss in vergleichbarer Technik immer von Vorteil.

Ich seh das ein bisschen anders. Aus meiner Sicht ist eine Ausbildung 
immer von Vorteil, auch wenn sie komplett Fachfremd im Vergleich zum 
Studium ist. Klar, vom fachlichen her nützt es einem im Studium nichts.
Aber die Leute, die nach einer Ausbildung ein Studium anstreben, machen 
das nahezu immer freiwillig. Sie haben gemerkt, dass der bisherige Job 
vielleicht doch nichts für sie ist oder streben nach mehr. Sie haben 
dann bereits eine Art Berufserfahrung durch die Ausbildung gesammelt, 
und das merkt man nach dem Studium einfach. Meistens sind die Leute 
reifer und kennen einfach schon paar Aspekte vom Berufsleben. Und auch 
Fachfremdes Wissen kann manchmal nützlich sein.
Wenn ich die Wahl habe zwischen jemanden der nur studiert hat und 
jemanden der davor eine Ausbildung gemacht hat, würde ich fast immer die 
Person mit Ausbildung bevorzugen.

von ths (Gast)


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Man muss schon berücksichtigen, dass sich Jugendliche unterschiedlich 
schnell entwickeln. Mein Junior hatte nach der mittleren Reife keine 
Lust mehr auf Schule und begann nach einigen Praktika eine Ausbildung 
bei Daimler AG als Mechantroniker (nicht Kfz). Die Ausbildung war ganz 
hervorragend, einmal quer durch Mechanik, Hydraulik, Steuerungen, 
Elektronik u.v.m., eigentlich hätte er dafür Geld bringen müssen. Dann 
hatte er die Motivation sich weiter fortzubilden und studiert 
mittlerweise Wirtschaftsingenieurwesen im Master.

So oder so ist es bestimmt kein Fehler, wenn man auch als Studierter 
einen Nagel in die Wand hauen kann. Und viele Wege führen zum Ziel.

von Gerald B. (gerald_b)


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Lothar M. schrieb:
> Ich kenne einen, der
> studierte erst Theologie, machte dann eine Zimmererlehre, fiel dann vom
> Dach auf eine Gartenmauer und überlebte den Spass nur knapp. Jetzt ist
> er Berufsschullehrer und recht glücklich damit.

Es bewarheitet sich wieder einmal:
Wer nicht arbeiten kann, soll leiten,
wer nicht leiten kann, soll lehren

duck und weg

von Zocker_62 (Gast)


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Erfahrungen mit der Ausbildung zum Mechatroniker habe ich nicht, habe 
aber eine Facharbeiterausbildung zum Starkstromelektriker gemacht.

Das erste Jahr war Schlosserausbildung, wir machten das gleiche wie die 
Maschinenschlosser, Feilen, Bohren, Drehen, Fräsen, Schmieden, Schweißen 
genau wie die Schlosser nur nicht so intensiv.

Dann zweieinhalb Jahre Elektriker.

Ich habe das ganze nie bereut, hat mir einige Vorteile während meiner 
aktiven Zeit im internationalen Anlagenbau gebracht, wusste von was ich 
rede, mir konnte man auch auf der Baustelle keine Knöpfe an die Backe 
nähen die so groß waren wie Toilettendeckel.

von Thomas B. (thomas2)


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Frank schrieb:
> Die Ausbildung zum Mechatroniker und zur Mechatronikerin sticht insofern
> hervor, als es meines Wissens nach erst nach dem zweiten Ausbildungsjahr
> zu Spezialisierungen kommt.

Wenn du den Industrieberuf "Mechatroniker" meinst: da gibt es überhaupt 
keine Spezialisierungen in dem Sinn, dass du den Abschluss in 
verschiedenen Fachrichtungen machen kannst. Was man in der Ausbildung 
genau macht, hängt aber natürlich bissl davon ab, ob man den Beruf bei 
einem Roboterhersteller lernt oder in einer Molkerei.

Wenn du den Handwerksberuf "Kfz-Mechatroniker" meinst: da gibt es zwar 
ab dem 19. Monat verschiedene Schwerpunkte wie 
Personenkraftwagentechnik, Nutzfahrzeugtechnik oder Motorradtechnik, es 
hängt aber vom Ausbildungsbetrieb ab, welche Spezialisierung du dort 
erlernen kannst. Wenn du einen Ausbildungsplatz in einer Lkw-Werkstatt 
hast, wirst du kaum in den Schwerpunkt Motorradtechnik wechseln können, 
außer du kündigst und findest einen neuen Betrieb, der die Ausbildung 
entsprechend weiterführt.

Dann gibts noch ein paar exotischere Handwerksberufe mit Mechatroniker 
in Namen: "Mechatroniker Kältetechnik", "Land- und 
Baumaschinenmechatroniker", "Zweiradmechatroniker", "Rolladen- und 
Sonnenschutzmechatroniker": das sind aber keine Spezialisierungen, 
sondern komplett eigenständige Berufe.

von Fabian H. (fabianh84)


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Ich habe 2004 meine Ausbildung zum Mechatroniker bei einem großen 
südbayrischen Chemiekonzern abgeschlossen und würde es jederzeit 
weiterempfehlen. Dort hat man sich wirklich darum gekümmert, einem etwas 
beizubringen.

Die ersten 1,5Jahre wurden nur im Ausbildungswerk verbracht. Da waren 
etwa 400 Azubis aller Berufe untergebracht und erlernten die jeweiligen 
Basics. Beim Mechatroniker eben Grundlagen Elektrotechnik, Grundlagen 
Elektronik, Grundlagen Mechanik, schweißen, drehen, fräsen …
Gegen Mitte des zweiten Lehrjahres kommt man dann in den Werkseinsatz. 
Man wird einem Gesellen an die Hand gereicht und arbeitet an echten 
Maschinen. Ab da kommt man nur noch zu Vertiefungskursen ins Lehrwerk. 
Das ist dann z.B. Pneumatik, Hydraulik, CNC Bearbeitung - oder eben zur 
Prüfungsvorbereitung.

Fazit:
Industrie-Mechatroniker (in großem Betrieb/Konzern): Absolut 
empfehlenswert!

Für mich stand jedoch früh fest, dass es dabei nicht bleibt. Hab ET 
studiert und arbeite heute in der Entwicklung von 
Audio-Leistungselektronik.

von Frank (kllauser)


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Percy N. schrieb:
> Bist Du sicher, dass die Breite der Auswahl nicht durch den
> Ausbildungsbetrieb determiniert wird?

Hallo erstmal,

Danke für eure zahlreichen Antworten, ich weiß es zu schätzen!

Und ja, es kommt mit Sicherheit stark darauf an, wie die junge Person 
tickt.

Betreffend des Ausbildungsbetriebes weiß ich eben nicht wie die Auflagen 
sind. denke aber die Inhalte in der Berufsschule unterliegen einer Norm.

Fabian H. schrieb:
> Die ersten 1,5Jahre wurden nur im Ausbildungswerk verbracht. Da waren
> etwa 400 Azubis aller Berufe untergebracht und erlernten die jeweiligen
> Basics. Beim Mechatroniker eben Grundlagen Elektrotechnik, Grundlagen
> Elektronik, Grundlagen Mechanik, schweißen, drehen, fräsen …
> Gegen Mitte des zweiten Lehrjahres kommt man dann in den Werkseinsatz.
> Man wird einem Gesellen an die Hand gereicht und arbeitet an echten
> Maschinen. Ab da kommt man nur noch zu Vertiefungskursen ins Lehrwerk.
> Das ist dann z.B. Pneumatik, Hydraulik, CNC Bearbeitung - oder eben zur
> Prüfungsvorbereitung.

Danke, das ist ungemein gut zusammengefasst. Es wird dabei wohl ein 
Betrieb mit Lehrwerksatt zu suchen sein.

Deshalb Danke auch für die Video Links, das Veranschaulichen bringt 
einen guten Eindruck für die Abläufe und was zu erwarten ist.Ich denke 
eine Lehre ist eine gute Basis und daran kann man mit Weiterbildung 
ansetzen.

Die Jugendlichen sind in beiden Ländern vertreten, weshalb ich eher 
allgemein frage. Ich dachte mir aber, dass es regionale Unterschiede 
gibt. Denke selbst von innerhalb der Länder. Inwieweit es qualitativ 
schwankt muss man wohl individuell herausfinden.

Wichtig aber finde ich, die Bandbreite der Meinungen und Erfahrungen. 
Sehr wertvoll für eine Entscheidungsfindung und um das Info Material zu 
bündeln.

Gut zu wissen, dass es mehrere Wege gibt. Natürlich kann man gewisse 
Dinge wie einen Unfall nicht vorhersagen. Aber das will ich bezüglich 
eines ersten Schrittes in eine berufliche Richtung nicht annehmen.

Ich werde auf alle Fälle eine Zusammenfassung der Optionen machen und 
weiterleiten. Der praktische Zugang sagt mir persönlich mehr zu, denn 
selbst wenn man beispielsweise das Fräsen beruflich nicht mehr benötigt, 
ist es sicher nicht fehlgeleitet, mal die Abläufe zu kennen.

von Hendrick (ricky_77)


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Unterschiede bezüglich des Wohnortes gibt es auf jeden Fall. Haben die 
Kids in der Schule berufspraktische Tage oder etwas Ähnliches? 
Vielleicht kann man ja auch dem Lehrpersonal nahe legen, sich gemeinsam 
mit den Kindern mal in diese Richtung zu informieren. Den Kids 
unterschiedliche Möglichkeiten aufzuzeigen kann ja nicht verkehrt sein. 
Und wahrscheinlich als besten Ratschlag immer weitergeben - Praktikum 
und Arbeitserfahrung sammeln! Einfach mal reinschnuppern. Auch wenns nur 
paar Tage sind- was selbst auszuprobieren hilft tausend mal mehr als 
Erfahrungen und Ratschläge von anderen.

von Karl (Gast)


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Ich kenne zwei in der Automobilzuliefer- und Medizinbranche, die gern um 
die Welt fliegen und den Anlagenaufbau für die Kunden Ihrer Chefs 
überwachen. Die haben aber auch genau die richtigen Arbeitgeber, die 
ihnen die Flüge zahlen.

Lothar M. schrieb:
> machte dann eine Zimmererlehre, fiel dann vom
> Dach auf eine Gartenmauer

Aua, einer hier kündigte sofort nachdem sein Meister vom Dach fiel und 
wechselte sofort den Beruf. Besser war das für ihn.

von Frank (kllauser)


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bot93420 schrieb:
> Ich seh das ein bisschen anders. Aus meiner Sicht ist eine Ausbildung
> immer von Vorteil, auch wenn sie komplett Fachfremd im Vergleich zum
> Studium ist. Klar, vom fachlichen her nützt es einem im Studium nichts.
> Aber die Leute, die nach einer Ausbildung ein Studium anstreben, machen
> das nahezu immer freiwillig. Sie haben gemerkt, dass der bisherige Job
> vielleicht doch nichts für sie ist oder streben nach mehr. Sie haben
> dann bereits eine Art Berufserfahrung durch die Ausbildung gesammelt,
> und das merkt man nach dem Studium einfach. Meistens sind die Leute
> reifer und kennen einfach schon paar Aspekte vom Berufsleben. Und auch
> Fachfremdes Wissen kann manchmal nützlich sein.
> Wenn ich die Wahl habe zwischen jemanden der nur studiert hat und
> jemanden der davor eine Ausbildung gemacht hat, würde ich fast immer die
> Person mit Ausbildung bevorzugen.

sehe ich auch so; praktisches Können verbunden mit Grips ist einfach 
eine gute Basis Voraussetzung, weiterbilden kann man sich ja immer. 
mittlerweile geht was Theorie betrifft viel online. lese mich ein über 
bootcamps, war mir eine neue Variante der Bildung.

Karl schrieb:
> Die haben aber auch genau die richtigen Arbeitgeber

Ich denke, darum geht es schließlich. entweder selbstständig arbeiten, 
einen Betrieb gründen oder ein Arbeitgeber der wertschätzt und fördert.

von Hendrick (ricky_77)


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Hallo Frank!
Hast du denn mit den Kids inzwischen nochmal geredet? Haben sie 
Interesse an der Mechatroniker Ausbildung bzw. überhaupt einer 
technischen Ausbildung? Würde mich interessieren, ob der Diskurs hier 
eher theoretisch war, oder ob du auch was davon praktisch für deine 
Familie nutzen konntest?

von Cyblord -. (cyblord)


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Frank schrieb:
> ich lese mich derzeit intensiv viel zum Thema technische Berufe ein,
> nachdem wir in der Familie und im Umfeld einige Jugendliche haben,
> welche es gilt auf die Berufswelt vorzubereiten. Die Ausbildung zum
> Mechatroniker und zur Mechatronikerin sticht insofern hervor, als es
> meines Wissens nach erst nach dem zweiten Ausbildungsjahr zu
> Spezialisierungen kommt.

So ehrbar das Handwerk auch sein mag, wer wünscht sich das für die 
eigenen Kinder?
Als angestellter Handwerker lebt man einfach immer schlechter als 
angestellte in akademischen Berufen.
Zum selbständigen Meister bringen es die meisten nicht. Und selbst dann 
wird man vom IGM Teamleiter Gehaltsmäßig locker ausgestochen. Bei 80h 
Wochen, da selbst und ständig.
Selbst wenn man in der Industrie unter kommt, ist man EG mäßig immer 
unter den studierten eingeordnet.

Also wenn sich sowas ergibt, warum nicht? Aktiv drauf hin arbeiten für 
die eigenen Kinder? Sicher nicht! Ich würde erst mal schauen dass die 
Studieren können.

: Bearbeitet durch User
von Paul L. (paul_l861)


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Prinzipiell full ack aber was ist wenn die Kids zum Ing nicht taugen?
Nicht jeder kann Ing werden. Es muss auch minderbemittelte geben, die 
einfache arbeiten ausführen sonst würde das System nicht mehr 
funktionieren.

von Cyblord -. (cyblord)


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Paul L. schrieb:
> Prinzipiell full ack aber was ist wenn die Kids zum Ing nicht taugen?

Es gibt ja nicht nur Ing oder Handwerk.

> Nicht jeder kann Ing werden.

> Es muss auch minderbemittelte geben, die
> einfache arbeiten ausführen sonst würde das System nicht mehr
> funktionieren.

Muss es und gibt es auch. Nur würde ICH meine Kinder nicht aktiv in 
diese Richtung lenken.

: Bearbeitet durch User
von Aron (Gast)


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Paul L. schrieb:
> Prinzipiell full ack aber was ist wenn die Kids zum Ing nicht taugen?
> Nicht jeder kann Ing werden. Es muss auch minderbemittelte geben, die
> einfache arbeiten ausführen sonst würde das System nicht mehr
> funktionieren.

Für wen genau funktioniert das System? Sicher nicht für den 
ausgebeuteten Handwerker, der dreckig und mit Rückenschmerzen nach Hause 
kommt und sich dennoch nichts leisten kann. Daher ist dein Kommentar 
einfach nur dreist. Niemand sollte eine Tätigkeit als Handwerker 
anstreben und auch wenn dann am Ende alles zusammenbricht und nichts 
mehr in dieser Gesellschaft läuft. Es ist nicht die Verantwortung des 
Einzelnen sich aufzuopfern, damit es dir besser geht.

Ob man als Ing taugt, ist nicht Frage der Begabung, sondern eine Frage 
der Zeit, wohlhabenden Eltern und der Menge an privaten Problemen. Wer 
wenig Stress hat, mehr Geld und mehr Zeit, der schafft das Studium und 
das Studium ist das Härteste am Ingenieursein.

von Cyblord -. (cyblord)


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Aron schrieb:
> Ob man als Ing taugt, ist nicht Frage der Begabung, sondern eine Frage
> der Zeit, wohlhabenden Eltern und der Menge an privaten Problemen. Wer
> wenig Stress hat, mehr Geld und mehr Zeit, der schafft das Studium und
> das Studium ist das Härteste am Ingenieursein.

Das ist natürlich Unsinn. Würdest du das auch über Herzchirurgen sagen?

von Percy N. (vox_bovi)


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Paul L. schrieb:
> Nicht jeder kann Ing werden. Es muss auch minderbemittelte geben, die
> einfache arbeiten ausführen sonst würde das System nicht mehr
> funktionieren.

Vorteilhaft wäre es sicherlich, wenn auch noch eine Intelligenzschicht 
existierte, die den Ings Zielvorgaben machte ...

Wir wollen doch nicht allzu überheblich werden, gell?

von Aron (Gast)


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Cyblord -. schrieb:
> Aron schrieb:
>> Ob man als Ing taugt, ist nicht Frage der Begabung, sondern eine Frage
>> der Zeit, wohlhabenden Eltern und der Menge an privaten Problemen. Wer
>> wenig Stress hat, mehr Geld und mehr Zeit, der schafft das Studium und
>> das Studium ist das Härteste am Ingenieursein.
>
> Das ist natürlich Unsinn. Würdest du das auch über Herzchirurgen sagen?

Das Medizinstudium selbst erfordert kein bombastisches Talent, sondern 
Zeit und man muss zielstrebig sein, um bei der Menge an Stoff mithalten 
zu können. Also beim Medizinstudium würde ich das genauso sagen. Hierbei 
könnte man zugegebenermaßen aber argumentieren, dass die Fähigkeit sich 
auf etwas zu fokussieren und dafür regelmäßig Zeit zu investieren auch 
gewissermaßen eine Begabung ist. Aber so etwas kann man sich 
antrainieren und wird auch von der Erziehung bestimmt. 
Ingenieurwissenschaften hingegen sind schwerer pro Semester, aber sind 
dafür auch nur 3 Jahre lang und man kann danach direkt im Beruf 
einsteigen.

Die Tätigkeit eines Herzchirurgen wiederum erfordert deutlich mehr 
Geschick als jemals irgendein Ingenieur es brauchen wird. Man braucht 
als Herzchirurg ein Fingerspitzengefühl und ausgeprägte Feinmotorik, 
wobei der Ingenieur ja genau derjenige ist, der sich für eine Karriere 
entschieden hat, bei der er eher entfernt von Geschick am PC sitzt und 
mit Software-Tools arbeitet. Außerdem hat der Herzchirurg Zeitdrang beim 
Operieren und muss bestens trainiert werden, um überhaupt einmal eine 
Operation führen zu dürfen. Der Herzchirurg befindet sich auch in einer 
deutlich stressigeren Umgebung und hat meist extreme Arbeitsstunden, die 
sich ein Ingenieur gar nicht vorstellen kann, besonders bei der 
Verantwortung, die ein Herzchirurg hat.

Ich bleibe bei meiner Aussage. Jeder der sich hinsetzt, Zeit, Geld und 
wenig privaten Stress hat, wird das Studium einer Ingenieurwissenschaft 
schaffen. Und im Vergleich zum Studium wird für 99% der Ingenieure 
(zumindest in der Elektrotechnik) die Arbeit am Ende sehr banal.

von Cyblord -. (cyblord)


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Aron schrieb:
> Die Tätigkeit eines Herzchirurgen wiederum erfordert deutlich mehr
> Geschick als jemals irgendein Ingenieur es brauchen wird. Man braucht
> als Herzchirurg ein Fingerspitzengefühl und ausgeprägte Feinmotorik,
> wobei der Ingenieur ja genau derjenige ist, der sich für eine Karriere
> entschieden hat, bei der er eher entfernt von Geschick am PC sitzt und
> mit Software-Tools arbeitet.

Ja und SW oder HW zu entwickeln welche später Flugzeuge in der Luft 
hält, erfordert kein Geschick und könnte natürlich mit ein wenig Einsatz 
von jedem dahergelaufenen Depp erledigt werden.

von Percy N. (vox_bovi)


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Aron schrieb:
> Und im Vergleich zum Studium wird für 99% der Ingenieure (zumindest in
> der Elektrotechnik) die Arbeit am Ende sehr banal.

Wer sollte das für erstrebenswert halten?

von Aron (Gast)


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Percy N. schrieb:
> Aron schrieb:
>> Und im Vergleich zum Studium wird für 99% der Ingenieure (zumindest in
>> der Elektrotechnik) die Arbeit am Ende sehr banal.
>
> Wer sollte das für erstrebenswert halten?

Jeder der für wenig und leichte Arbeit gutes Geld verdienen will und 
mehr Ansehen als ein Elektroniker genießen will. Die meisten Menschen 
wollen ein erfülltes Leben in ihrer Privatsphäre und nicht auf der 
Arbeit verkümmern.

von Aron (Gast)


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Cyblord -. schrieb:
> Aron schrieb:
>> Die Tätigkeit eines Herzchirurgen wiederum erfordert deutlich mehr
>> Geschick als jemals irgendein Ingenieur es brauchen wird. Man braucht
>> als Herzchirurg ein Fingerspitzengefühl und ausgeprägte Feinmotorik,
>> wobei der Ingenieur ja genau derjenige ist, der sich für eine Karriere
>> entschieden hat, bei der er eher entfernt von Geschick am PC sitzt und
>> mit Software-Tools arbeitet.
>
> Ja und SW oder HW zu entwickeln welche später Flugzeuge in der Luft
> hält, erfordert kein Geschick und könnte natürlich mit ein wenig Einsatz
> von jedem dahergelaufenen Depp erledigt werden.

Jemand der ewig Zeit hat um am Rechner SW/HW für Avionik zu entwickeln, 
braucht nunmal nicht viel Geschick. Derjenige braucht definitiv 
Erfahrung, aber ich würde das weder mit Geschick noch mit Intellekt 
gleichsetzen und somit kann es auch nicht „jeder dahergelaufene Depp“ 
erledigen. Derjenige muss ja darin Erfahrung haben und muss auch ein 
Studium absolviert haben.

Mir ging es ursprünglich darum, dass der Kommentator auf den ich 
geantwortet hatte, dachte, dass wir als Ingenieure hochintelligent seien 
und der Rest praktisch minderbemittelt ist. Seine Behauptung war, dass 
unser System funktioniert, wobei er das aus einem selbstzentrischen Bild 
betrachtet hat, bei dem Handwerker als „niedere Schicht“ sich gefälligst 
mit ihrer Misere abzufinden hat, damit wir ein besseres Leben haben. Und 
daher kommt diese Gatekeeping-Einstellung: Andere aus dem Ingenieurwesen 
fern halten zu wollen, um dieses verfälschte Bild der Überlegenheit 
aufrecht zu erhalten.

von Cyblord -. (cyblord)


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Aron schrieb:
> Mir ging es ursprünglich darum, dass der Kommentator auf den ich
> geantwortet hatte, dachte, dass wir als Ingenieure hochintelligent seien
> und der Rest praktisch minderbemittelt ist.

Das ist sowieso Unsinn, weil man Intelligenz nicht gut bewerten kann. 
Ich halte auch z.B. gar nichts von IQ Tests. Ich halte das für 
gleichwertig mit Astrologie.

Es gibt aber Menschen mit bestimmten Fähigkeiten und Neigungen. Und die 
sind nicht austauschbar. Auch nicht immer mit viel Fleiß und Einsatz.

Es kann super Ings geben die aber in anderen Bereichen die größten 
Deppen sind.

: Bearbeitet durch User
von Percy N. (vox_bovi)


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Aron schrieb:
> Die meisten Menschen wollen ein erfülltes Leben in ihrer Privatsphäre
> und nicht auf der Arbeit verkümmern.

Letzteres passiert aber, wenn man sein Erwerbsleben mit Banaltätigkeiten 
verbringt. Welchem Akademiker soll es Erfüllung geben, Öl zu wechseln, 
Bremsklötze zu tauschen, Sicherungen auszuwechseln, Briefe zu 
frankieren, einen Mahnbescheidsantrag auszufüllen oder einen Rollstuhl 
zu verordnen?

von Aron (Gast)


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Percy N. schrieb:
> Aron schrieb:
>> Die meisten Menschen wollen ein erfülltes Leben in ihrer Privatsphäre
>> und nicht auf der Arbeit verkümmern.
>
> Letzteres passiert aber, wenn man sein Erwerbsleben mit Banaltätigkeiten
> verbringt. Welchem Akademiker soll es Erfüllung geben, Öl zu wechseln,
> Bremsklötze zu tauschen, Sicherungen auszuwechseln, Briefe zu
> frankieren, einen Mahnbescheidsantrag auszufüllen oder einen Rollstuhl
> zu verordnen?

Denkst du, dass das Erwerbsleben nicht so oder so irgendwann langweilig 
wird, weil man irgendwann immer wiederholt dieselben/ähnliche Probleme 
lösen wird? Natürlich hat jeder andere Stimulanzien, die ihn 
unterhalten, aber die meisten Menschen, die ich kenne, hätten lieber 
eine anspruchslose, langweilige Arbeit als eine stressige. Seine Hobbys 
leben und Zeit mit der Familie/Freunden verbringen, kann man dann ja 
nach der Arbeit mit dem Geld, was man verdient hat - und darin kann man 
auch seine Erfüllung suchen.

von Aron (Gast)


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Cyblord -. schrieb:
> Aron schrieb:
>> Mir ging es ursprünglich darum, dass der Kommentator auf den ich
>> geantwortet hatte, dachte, dass wir als Ingenieure hochintelligent seien
>> und der Rest praktisch minderbemittelt ist.
>
> Das ist sowieso Unsinn, weil man Intelligenz nicht gut bewerten kann.
> Ich halte auch z.B. gar nichts von IQ Tests. Ich halte das für
> gleichwertig mit Astrologie.

Das sehe ich auch so. IQ-Tests sind generell auch sehr umstritten, weil 
Intelligenz systematisch kaum messbar ist, geschweige denn richtig 
definiert werden kann.

> Es gibt aber Menschen mit bestimmten Fähigkeiten und Neigungen. Und die
> sind nicht austauschbar. Auch nicht immer mit viel Fleiß und Einsatz.

Das sehe ich bedingt so. Vor meinem Studium war ich absolut 
desorientiert, was Elektrotechnik bzw. das „Ingenieursdenken“ angeht. 
Ich war tatsächlich mehr an Psychologie interessiert. Durch mein Studium 
hab ich erst gelernt, wie viel Spaß es machen kann, strukturiert mit 
Wissen an schwerere Probleme ranzugehen und Dinge logisch in 
Teilprobleme zu kategorisieren. Man kann gewisse Vorlieben und Neigungen 
durchaus erlernen und das passiert meiner Erfahrung nach eher öfter als 
nicht so oft.

Zusatz: In einer Utopie würde der Handwerker, der sich für‘s Handwerk 
interessiert und täglich hart arbeitet, dafür auch mit gutem Geld 
belohnt werden. Das ist aber leider nicht so, denn Leistung wird 
prinzipiell immer zugunsten des Akademikers definiert. Deshalb ist es in 
unserer Gesellschaft meiner Meinung nach nicht sinnvoll immer den 
(jetzigen) Interessen/Fähigkeiten nachzugehen.

von Percy N. (vox_bovi)


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Aron schrieb:
> Natürlich hat jeder andere Stimulanzien, die ihn unterhalten, aber die
> meisten Menschen, die ich kenne, hätten lieber eine anspruchslose,
> langweilige Arbeit als eine stressige.

Lieben auch die meisten Menschen,  die Du kennst, eine derartig 
dichotome Sichtweise? Das wäre immerhin eine interessante Korrelation.

von Percy N. (vox_bovi)


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Aron schrieb:
> Das ist aber leider nicht so, denn Leistung wird prinzipiell immer
> zugunsten des Akademikers definiert.

Magst Du noch die Tarife für Kunsthistoriker, Altbyzantinisten und 
Historiker mitteilen?

von Paul L. (paul_l861)


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Percy N. schrieb:
> Aron schrieb:
>> Das ist aber leider nicht so, denn Leistung wird prinzipiell immer
>> zugunsten des Akademikers definiert.
>
> Magst Du noch die Tarife für Kunsthistoriker, Altbyzantinisten und
> Historiker mitteilen?

Du bekommst das gezahlt was der Markt bereit ist für dich hinzulegen.
Nennt sich Marktwirtschaft.

von Percy N. (vox_bovi)


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Paul L. schrieb:
> Percy N. schrieb:
>> Aron schrieb:
>>> Das ist aber leider nicht so, denn Leistung wird prinzipiell immer
>>> zugunsten des Akademikers definiert.
>>
>> Magst Du noch die Tarife für Kunsthistoriker, Altbyzantinisten und
>> Historiker mitteilen?
>
> Du bekommst das gezahlt was der Markt bereit ist für dich hinzulegen.
> Nennt sich Marktwirtschaft.

Ja, das entspricht meinem bisherigen Kenntnisstand. Aron schien insoweit 
über neue Erkenntnisse zu verfügen.

von Frank (kllauser)


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Erst mal na klar, selbstverständlich sind wir laufend in einem Diskurs. 
Ist ja nicht so, dass man nur ein einziges Mal über Ausbildungen spricht 
und dann nicht mehr ;)

Und uff, ein System das "minderbemittelte" Arbeitssklaven benötigt, 
damit den "Überlegenen" in die Tasche gewirtschaftet wird ... wann 
verstehen wir es eigentlich, in einem Team zu arbeiten? Ich selbst hatte 
genug Lebenszeit um zu sehen, dass es genau deshalb in einer gefühlt 
flach absteigenden Entwicklung zwar, dennoch stetig bergab ging in den 
vergangenen Jahrzehnten. Der allgemeine Raubbau wäre so nicht möglich 
gewesen, hätten wir mit Fairness an einem Strang gezogen. Nachdem echte 
Innovationen zugunsten des Profits verhindert wurde. Darüber kann man 
sich endlos herumstreiten, bleibt dennoch Fakt.

von Hendrick (ricky_77)


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Ja ist selbstverständlich. Manche Gespräche und Entscheidungen brauchen 
eben auch einfach Zeit. Da ist es dann ja gut, wenn das Thema immer mal 
wieder aufgegriffen und dann wieder mal liegen gelassen wird- dann 
können sich auch die Gedanken drum besser sortieren 😊 Und ich bin schon 
immer noch der Meinung, dass handwerkliche Berufe nicht immer bedeuten 
schlecht bezahlt zu werden und einen furchtbaren Alltag zu haben. Sicher 
will ich nicht abstreiten, dass es manchmal anstrengend sein kann. Aber 
es kommt bestimmt auch darauf an, in welchem Betrieb oder Unternehmen du 
schlussendlich landest. Ich sehs ja jetzt bei der Tochter meiner 
Schwester- die ist wirklich zufrieden mit dem Unternehmen wo sie 
gelandet ist und hat da auch gute Chancen sich hochzuarbeiten. Denke 
also, man kann sowas nicht für alle verallgemeinern.

von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Frank schrieb:
> Erst mal na klar, selbstverständlich sind wir laufend in einem Diskurs.
> Ist ja nicht so, dass man nur ein einziges Mal über Ausbildungen spricht
> und dann nicht mehr ;)

Eine Ausbildung für einen Beruf zu durchlaufen ist selten verkehrt. Für 
die meisten ist das eine sinnvolle Pause nach der langen Schulzeit und 
manchmal auch die Motivation im Studium durchzuhalten. Wer eine Lehre 
hinter sich hat, wechselt vergleichsweise sehr selten noch das 
Studienfach.
Während des Studiums hat jemand mit abgeschlossener Ausbildung die 
besseren Chancen auf die besser bezahlten Studentenjobs, meistens sogar 
auch an den Lehrstühlen. Übrigens zu den Mitarbeitern, die das aus der 
Ingenieursabteilung realisiert, sind die Kontakte leichter zu bekommen 
mit Lehre.

von Frank (kllauser)


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Dieter D. schrieb:
> Wer eine Lehre
> hinter sich hat, wechselt vergleichsweise sehr selten noch das
> Studienfach.
> Während des Studiums hat jemand mit abgeschlossener Ausbildung die
> besseren Chancen auf die besser bezahlten Studentenjobs, meistens sogar
> auch an den Lehrstühlen. Übrigens zu den Mitarbeitern, die das aus der
> Ingenieursabteilung realisiert, sind die Kontakte leichter zu bekommen
> mit Lehre.

Das macht natürlich total Sinn, danke für den Einwurf, na klar, bekommt 
jemand mit Lehre die besseren Studentenjobs. Mit dem regulären Abitur 
geht´s doch im besten Fall in ein Callcenter oder ins Gastgewerbe. 
Außer, man hat aus der Familie den Rückhalt.Da ist die Chance auf 
Kontakte über den Lehrbetrieb einfach eine logische Gegebenheit.

Hendrick schrieb:
> Denke
> also, man kann sowas nicht für alle verallgemeinern.

Im Grunde kann man wenig verallgemeinern. Schön, dass es so gut klappt 
bei dem Mädchen. Das war jetzt Mechatronikerin, oder? Was erzählt sie so 
darüber?

von Hendrick (ricky_77)


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Ja genau- das Mädchen hat das Grundmodel Mechatroniker jetzt schon 
abgeschlossen und geht jetzt in die Richtung Alternative 
Antriebstechnik. Gefällt ihr auf jeden Fall sehr gut. Was ich so 
mitbekomme ist es vor allem der Alltag, der ihr jetzt besser gefällt. 
Sie hat wirklich das Gefühl etwas sinnvolles zu tun und im Unternehmen 
auch gebraucht zu werden- anders als in der Schule, wo sie eben doch den 
ganzen Tag nur im (leider häufigen Frontal-) Unterricht sitzt. Ihr 
gefällt es in ihrem Lehrberuf auch, sich aktiv am Umweltschutz 
beteiligen zu können. Und das Gelernte auch gleich im Alltag umzustezen- 
wenns jetzt mal Probleme bei Farrädern oder auch andere kleine 
mechatronische Schäden bei der Kaffeemaschine sind, ist sie die erste 
die es sich ansieht und darauf ganz schön stolz! :) Ich glaube sie hat 
damit den passenden Beruf für sich gefunden, was wirklich schön ist.

von Frank (kllauser)


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Alles klar. Sehr gut, da kann man auch stolz sein.

Danke nochmal an alle für die wertvollen Insights. Momentan fühle ich 
mich sattelfest informiert und konnte in Sachen Mechatroniker deshalb 
auch von der positiven Seite vermitteln. Was einfach für alle ansteht 
ist einen guten Ausbildner Betrieb finden. Es soll in manchen Regionen 
auch Werkstätten Zusammenschlüsse geben. Das hat sicher Vorteile im 
Sinne vom Schnupper Angebot in diverse Fachrichtungen. Was ja wohl eine 
Hilfestellung ist wenn es um die persönliche Orientierung geht.

Grüße

von Markus M. (Firma: B-T) (hini)


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Moin,
ich bin gelernter Industrie Mechatroniker.
Vor drei Jahren habe ich meine Ausbildung abgeschlossen.
Ich muss ehrlich sagen das ich direkt nach der Ausbildung zwar alles 
schon mal gemacht habe aber nichts richtig (100%) konnte.
Ich habe folgendes gelernt:
Konventionell Drehen /Fräsen,
CNC-Drehen /Fräsen (Theorie)
Sps Lehrgang
Pneumatik Lehrgang
Schweißlehrgang (Praxis Elektrode)
Grundlehrgang (Feilen, bohren, senken, anreißen, gewinde...)
Grundlehrgang Elektro (Wechselschaltung, Reihenschaltung...)
Hydraulik in der Schule

In meinem aktuellen beruf kann ich fast alles davon nutzen 
(Instandhalter in einer kleinen Firma).


Außerdem mache ich aktuell den Elektrotechniker auf Teilzeit.
Hier hatte ich auch einen Haufen Auswahl Maschinenbau, Elektro, 
Mechatronik....

Was man erwähnen muss:
Mein Ausbildungsbetrieb hat die Azubis auf die erwähnten Lehrgänge 
extern geschickt, hier habe ich am meisten gelernt.
Im eigenen Betrieb waren wir nur billige Arbeitskräfte, zwar haben wir 
große Maschinen zusammengebaut/verkabelt, allerdings nicht richtig 
gewusst was wir machen, unserer Ausbilder war ebenfalls Hausmeister.....

: Bearbeitet durch User
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