Forum: Mechanik, Gehäuse, Werkzeug Frage zu MIG/MAG Schweißgerät und Fülldraht


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von Hagrid (ps1_hagrid)


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Guten Abend zusammen.
Ich war am schweißen eines Gestells als mir dann der Schweißdraht zu 
Ende ging (MIG/MAG Schweißgerät).
Da morgen Sonntag ist und mir noch einfiel, dass LIDL gerade 
Schweißdraht im Sortiment hat, bin ich schnell hin und habe mir den 
passenden 0.6mm Draht gekauft.
Zu Hause fiel mir dann auf, dass es sich um Fülldraht mit festem Gas 
handelt.

Da mein Schweißgerät etwas älter ist, und ich nicht weiß, ob man die 
Polarität an dem Gerät tauschen kann (ist für Fülldrahtschweißen ohne 
zusätzlichem Gas nötig), ob ich den Fülldraht nicht als normalen Draht 
benutzen kann mit zusätzlichem Schutzgas (also gans normal).

Gruß

von C. D. (derschmied)


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Es gibt kaum MIG / MAG Geräte bei welchen sich die Polung tauschen läßt. 
Generell liegt Minus auf der Masseleitung, Plus ist aufs Schlauchpaket - 
sprich den Schweißdraht - geklemmt. Das ist im Gerät fest installiert, 
Du müsstest es schon aufschrauben und manipulieren.

Ein Parameter der unbedingt zu beachten ist, ist der Durchmesser des 
Schweißdrahtes selbst. Der muß zwingend zur Drahtförderrolle passen und 
zur Stromdüse am Brenner. Ist die Rolle für 1mm ausgelegt wird ein 08er 
Draht zb nicht mehr sauber gefördert, er rutscht durch, und klebt Dir 
vorne an der Düse fest. Was mit einigem Fluchen verbunden ist. Im 
umgekehrten Falle quetscht Dir eine 08er Rolle einen 1er Draht an den 
Flanken, dann rutscht er nicht mehr sauber durch die Düse --> Gefluche.

Grundsätzlich ist beim Schweißen der Minuspol der heissere; das 
Werkstück hat mehr Masse als der Draht und braucht auch mehr Wärme. Es 
gibt Sonderfälle bei welchen mit umgekehrter Polung geschweißt wird, 
aber das führt hier zu weit.

Bau den Draht ein wenn die Drahtförderrolle und die Stromdüse passen, 
und leg los. Wird klappen.

Im Fülldraht ist allerdings kein festes Gas, sondern in etwa das, 
womit Stabelektroden umhüllt sind. Eine Art Pulver das beim Schweißen 
aufschmilzt und Dir die noch flüssige Naht vor Luftsauerstoff schützt. 
Im Ergebnis wirst Du also eine Schlackeschicht obenauf liegen haben die 
abgeklopft werden muss.

Insgesamt ein ziemlicher Schweinkram, aber das findest schon noch raus 
:-))

Gruß, DerSchmied

Edit: Freu Dich um Dein "etwas älteres Gerät", pflege es, und schätze 
es. Es wird länger und zuverlässiger funktionieren als die meisten 
modernen, vertrau mir.

: Bearbeitet durch User
von Hagrid (ps1_hagrid)


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Vielen Dank für die erste Antwort und Einschätzung.
Jedoch verstehe ich die Aussage nicht, dass es kaum Geräte mit Umpolung 
gibt.

Laut dem Video hier, ist die Umpolung möglich (wahrscheinlich nur bei 
neueren Geräten) und erforderlich für Fülldraht schweißen ohne 
Schutzgaszufuhr.

https://youtu.be/LLTz2ec08N0

Wie gesagt, ich vermute mein Gerät kann keine Umpolung. Daher die Frage, 
ob ich den Fülldraht auch wie normalen Draht nutzen kann mit Gaszufuhr.

Gruß

von C. D. (derschmied)


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Hagrid schrieb:
> ich vermute mein Gerät kann keine Umpolung. Daher die Frage, ob ich den
> Fülldraht auch wie normalen Draht nutzen kann mit Gaszufuhr.
> Gruß

Jepp, das geht. Die Gasbuddel kann man zugeschraubt lassen.

Die Frage der  Polung dreht sich um die Zusammensetzung des Füllpulvers, 
ist bei Heimwerker-Anwendungen eher bedeutungslos.

Das Füllsrahtschweißen ist ohnehin ein äußerst fragwürdiges Verfahren. 
Auf YouTube läßt es sich recht gut vermarkten, diejenigen die am Ende 
des Tages ruhig schlafen wollen bedienen sich der konventionellen 
Verfahren.

Das Schutzgas-Schweißen ist jenes mit der höchsten Fehlerquote, es sieht 
nur für Außenstehende simpel aus. Das Fülldrahtschweißen verbindet nun 
die schlechten Eigenschaften mit jenen des Elektroden- Handschweißens, 
man muß also beide Verfahren virtuos beherrschen um exakt zu wissen was 
man tut. Es ist erfunden worden um auch in windiger Umgebung die hohe 
Abschmelzleistung von MIG / MAG nutzen zu können.

Im Heimwerker-Bereich fällt das alles aber nicht so sehr ins Gewicht, 
also: einfach drauf loslegen. Es kann nichts kaputt gehen. Nur den 
Schweinkram mit der Schlacke hat man an der Backe, das Schweißbad ist 
unruhiger und unübersichtlicher... Aber mit etwas Übung geht's. Daher 
besser ersma an einem Stück Abschnitt herumbrutzeln.

Gruß, DerSchmied

: Bearbeitet durch User
von Manfred P. (pruckelfred)


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C. D. schrieb:
> Das Schutzgas-Schweißen ist jenes mit der höchsten Fehlerquote, es sieht
> nur für Außenstehende simpel aus.

Bei der Elektrode hat man jede Menge Lunker, Schutzgas sieht besser aus, 
aber hält trotzdem nicht. Ich habe mir mal den Grundkurs DVGS E1 gegönnt 
und gezeigt bekommen, wie beschissen scheinbar tolle Schutzgasnähte 
halten.

> Das Fülldrahtschweißen verbindet nun
> die schlechten Eigenschaften mit jenen des Elektroden- Handschweißens,
> man muß also beide Verfahren virtuos beherrschen um exakt zu wissen was
> man tut.

"wissen was man tut" gilt wohl für jede Art der Technik. Stecke mal dem 
Heimwerker eine Citorex in den Griff und belustige Dich an der 
Kleckerei. Na ja, zumindest bläst die nicht direkt Löcher rein, wie die 
glasharten Phoenix-grün.

Schweißen ist eine hohe Kunst mit viel Übung, ich sollte meinen 
Grundschein zurück geben, es fehlt die Praxis.

von C. D. (derschmied)


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Manfred P. schrieb:
> was man tut" gilt wohl für jede Art der Technik. Stecke mal dem
> Heimwerker eine Citorex in den Griff und belustige Dich an der
> Kleckerei. Na ja, zumindest bläst die nicht direkt Löcher rein, wie die
> glasharten Phoenix-grün.

Für die harten Fälle hatte ich immer eine Handvoll Supercito in Reserve, 
eine Art Allheilmittel für unbekannte (Alt)-Stähle. Kaum Spannungsrisse. 
Aber die Schlacke springt generell genau ins Auge...

Einerlei, das ist eine sterbende Kunst. YouTube weiß es besser, die 
Jungen sind nicht mehr belehrbar und haben kein Interesse. Und ich 
persönlich stell mich auf kein Gerüst mehr und schweiß irgendwelche 
Flansche überkopf an irgendwelche 360er HEM.

Gruß, DerSchmied

: Bearbeitet durch User
von Armin X. (werweiswas)


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C. D. schrieb:
> Das Füllsrahtschweißen ist ohnehin ein äußerst fragwürdiges Verfahren.

Auch das hat seine Anwendungen. Beispielsweise beim Schweißen von 
Fahrschienen wo kein Thermit infrage kommt weil das Schienenschweißen 
mit  Thermit nicht überall erlaubt ist.
Da wird entweder mit basischen Elektroden oder sogar bevorzugt mit 
entsprechend gefülltem Fülldraht gearbeitet. Wenn man so einem Schweißer 
und dessen Ergebnis mal zugeschaut hat weiß man auch warum. Allerdings 
hat da der Fülldraht etwa 2,5mm Durchmesser.
Ansonst gilt schon: Elektrodenschweißen hält immer wenn die Naht 
einigermaßen aussieht. Schutzgasgeschweißtes kann murks sein, auch wenn 
die Naht gut aussieht.

von 🍅🍅 🍅. (tomate)


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C. D. schrieb:
> Grundsätzlich ist beim Schweißen der Minuspol der heissere;

Pluspol ist heisser, beim am Minuspol fliegen die Elektronen mit der 
höchsten Energie weg, was Temperatur reguliert.

Ansonsten häng mal bei WIG die Nadel auf positiv und guck der dann beim 
wegschmelzen zu....

MIG/MAG und Elektrode wollen heisse Elektrode/Draht, daher Pluspol, 
damit die abschmilzt und nicht das Werkstück heiss wird und wegschmilzt 
bzw Löcher bekommt.

: Bearbeitet durch User
von C. D. (derschmied)


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@Rote T.:
Korrekt, hast mich erwischt. Kommt davon wenn man nicht bei der Sache 
ist.

Gruß, DerSchmied

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