BeagleBone BeagleV-Ahead: BeagleBone mit RISC-V-CPU und hochwertiger Ausstattung

(Firma: Tamoggemon Holding k.s.) #7454354
Lesenswert?

Bisherige RISC-V-Einplatinenrechner waren ob der schwachen Ausstattung eher schlecht als recht für Linux und Co geeignet: wirkliche Erfolge erlebten die quelloffenen Prozessorkerne vor Allem als Mikrocontroller (Stichwort GD32VF103). Mit dem BeagleV Ahead steht nun eine Variante mit 4GB RAM am Start.

Bildquelle: https://beagleboard.org/beaglev-ahead

Worum geht es hier?

Die von Jason Kridner geleitete BeagleBone Foundation bietet mit der Beagle-Serie seit langer Zeit eine Reihe von Prozessrechnern an, die als “Alternative” zum Raspberry Pi dienen und vor Allem für den Fortbildungsbereich und Experimentierwillige vorgesehen sind.

Bildquelle: Tamoggemon Holding k.s., auf dem Embedded OS Summit Praha

Mit dem Ahead steht – erstmals – eine auf einem RISC-V-Kern basierende Variante zur Verfügung.

Alibaba T-Head TH1520 als Hauptprozessor

Das traditionell im TI-Bereich ansässige Unternehmen ergriff diesmal einen Vierkerner aus dem Hause Alibaba – der T-Head TH1520 ist ein im Embeddedbereich nicht unbekanntes SoC, das vier Kerne vom Typ Xuantie C910 (siehe https://xrvm.com/cpu-details?id=4056743610438262784) mit bis zu 2 GHz taktet und für Echtzeit bzw- Standbyaufgaben auch einen E902-Kern mitbringt. Er wird ab Kernel 6.5 nativ unterstützt:

1
Among the newly added hardware, the rv64 TH1520 and the three added
2
arm64/cortex-a35 based stm32mp2, ma35d1 and amlogic C3 are the
3
most notable.
4
--- https://lore.kernel.org/lkml/80fba92e-3836-4d27-8be6-1e5f7b5b2f53@app.fastmail.com/, via https://www.phoronix.com/news/Linux-6.5-SoCs

Im Bereich der sonstigen Beschleuniger gibt es einen Audio-DSP, eine GPU aus dem Hause Imagination und einen auf die Schnelle nicht näher spezifizerbaren AI-Beschleuniger:

1
2GHz quad-core RISC-V 64GCV Xuantie C910 central processing unit (CPU) 
2
     50GFLOPS, 3Mpixel/s Imagination BXM-4-64 graphics processing unit (GPU) 
3
     4TOPS@INT8 neural processing unit (NPU) @ 1GHz 
4
     H.265/H.264 @ 4Kp75 video decoder 
5
     H.265/H.264 @ 4Kp40 video encoder 
6
     2x image signal processor (ISP) 
7
     2x digital signal processor (DSP)

Als Betriebssysteme steht dabei Ubuntu und Yocto zur Verfügung – mehr oder weniger fertige Images für den Rechner finden sich unter https://www.beagleboard.org/distros.

Ausreichend Speicher am Board

Die neue Variante des BeagleBone bringt 4GB Arbeitsspeicher mit. Als Remanentspeicher steht ein verlötetes eMMC-Modul mit 16GB zur Verfügung, außerdem gibt es einen MicroSD-Slot zum Anbinden von zusätzlichem Speicher.

Verschiedene Interfaces für die Hardwarekommunikation

Von Formfaktor her orientiert sich die Platine am durchaus populären BeagleBone Black. Die unter https://docs.beagleboard.org/latest/boards/beaglev/ahead/ einsehbare Dokumentation verrät allerdings die Verfügbarkeit verschiedener zusätzlicher Interfaces.

Bildquelle: BeagleBone Foundation

Mit dem mikroBUS Shuttle steht ein auf das von mikroE vorangetriebene MikroBus-Format optimiertes Erweiterungsinterface zur Verfügung, das das bequeme Anschließen der diversen von der serbischen Firma angebotenen Evaluationsboards erleichtert.

Bildquelle: https://www.mikroe.com/mikrobus-shuttle

Für die Aussenkommunikation steht ein Bluetooth- sowie ein WLAN-Modul zur Verfügung, die Antenne muss allerdings durch einen uFL-Stecker bereitgestellt werden. Lästig ist indes, dass die Platine keinen nativen USB-Stecker mitbringt. Wer USB-Hardware anschließen möchte, muss dies über einen microUSB 3.0-Stecker tun – das Erwerben eines Adapterkabels und eines Hubs dürfte zu den ersten Amtshandlungen eines Käufers zählen.

Was kostet es?

Die BeagleBoard Foundation bietet unter https://beagleboard.org/beaglev-ahead nicht nur Dokumentation, sondern auch einen Distributorsuchdienst an. Der OEMSecrets-Bestpreis liegt zum Zeitpunkt der Drucklegung bei 133 EUR (siehe https://www.oemsecrets.com/compare/102991698).

Angehängte Dateien:

Kommentare

#7454597
Lesenswert?

Tam H. schrieb:

Lästig ist indes, dass die Platine keinen nativen USB-Stecker mitbringt. Wer USB-Hardware anschließen möchte, muss dies über einen microUSB 3.0-Stecker tun

Für diese Anwendungsfälle ist ein STAR64 oder Milk-V Board besser geeignet als der BeagleV.

Der BeagleV hat mit dem T-Head TH1520 aber den schnelleren Prozessor und durch das beibehalten des Cape Format gibt es mehr Erweiterungen als z. B. für den STAR64.

#7455682
Lesenswert?

Vancouver schrieb:

Wo finde ich ein Datenblatt zum TH1520? Gibts das am Ende nur mit NDA?

Nirgendwo, die CPU ist die gleiche wie auf dem Lichee Pi4A Board von Sipeed und die Situation ist die gleiche wie bei der Kendryte K210 CPU. Kein TRM verfügbar, keine Antwort vom Hersteller, kein Export ausserhalb China. Aus diesen Gründen hab ich alle meine Sipeed Maix Boards in die Tonne getreten. Hardware können die aber bei der Software hörts auf wenn es läuft, danach machen die ein neues Board… Die Entscheidung von Beagleboard ist absolut nicht nachvollziehbar, das hat nichts mehr mit Open Source zu tun. Gruss Rajko

#7455829
Lesenswert?

Vancouver schrieb:

Schade. Wäre ein interessantes Board gewesen. Da muss ich doch auf das RISC-V SoC made in EU warten... LOL

Gibts es ja schon bzw. kommt noch.

https://www.aries-embedded.com/

https://greenwaves-technologies.com/

Bleibt ja noch SiFive oder einer der Soft Cores für die FPGA. Das ganze Risc-V gedöns ist immer noch ein teuerer Spaß, außer die China Chips mit denen man kaum etwas sinnvolles anfangen kann.

#7461782
Lesenswert?

LicheePi 4A ist da die bessere Alternative:

  • Auch TH1520
  • Hat nen HDMI Port
  • Hat 2x Ethernet Ports
  • Hat USB-C (DRP)
  • 8GB RAM statt 4GB
  • leider nur 8GB eMMC

Aber selbiges Problem mit Doku.. Ich habe versucht das Yocto aus dem Source zu bauen um den Devicetree dahingehend anzupassen, dass ich ein USB-Gerät als rootfs verwenden kann, es ist beim bauen der Boardspezifischen Recipes mit kryptischen Fehlermeldungen ausgestiegen. Sprich genau der Teil, der z.B. das uboot für das Board baut oder den Device Tree.. (ja ich weiß man kann mit dtc auch einfach den bestehenden anpassen)

Das Ding ist aber auch: Die Rezepte verlinken oft auf die master/main branch der externen Repos, sprich das ist irgendwie eine Überraschungstorte was man gerade baut, hängt davon ab, wann man auf "build" drückt.

Die Repos für das Lichee Pi 4A und das BeagleV-Ahead scheinen auch oft die selben zu sein.. Jedenfalls habe ich mehrere Referenzen zum BeagleV-Ahead beim bauen gesehen / in den Repos. Das meiste Zeug liegt auf Gitee, manches auch in irgendwelchen Mega Cloud drive Ordnern ^^

Den Eindruck: Ah auf Board A läuft der Kernel jetzt und das Ding booted durch, lass uns mal den Build so umbiegen das jetzt Board B geht, ohne Rücksicht auf Board A kann ich also bestätigen.

Trotzdem eine coole Sache wie weit T-Head / Alibaba da in Zwischenzeit gekommen ist. NPU u.s.w. haben Sie auch schon in Betrieb inklusive ONNX Support. Denke in 2-3 Jahren (2025/26) werden wir hier käuflich erwerbliche Tablets / Smartphones im unteren Preissegment in den Regalen bei großen Elektronikhändlern liegen sehen die auf chinesischen RISC-V SoC Designs basieren.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren