Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Bosch ProCore 18V Adapter mit BMS für Geräte anderer Hersteller


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von Rolf Z. (rolfzueber)


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Liebes Forum,

ich besitze einige Bosch Professional Akkugeräte. Die ProCore Akkus sind 
hervorragend und gehören technologisch gesehen wahrscheinlich zu den 
besten Akkus im Werkzeugbereich. Da Bosch leider in manchen 
Produktkategorien, wie z.B. Gartengeräten, stark schwächelt, möchte ich 
die ProCore Akkus auch für Geräte anderer Hersteller nutzen. Ich sehe es 
nicht ein, für jedes Gerät herstellerspezifische Akkus kaufen zu müssen, 
umwelttechnisch auch eine Katastrophe. Meine Recherche hat jedoch 
ergeben, dass die ProCore Akkus keinen eingebauten Tiefentladungsschutz 
besitzen. Dieser wird stattdessen über das Gerät gesteuert. Da der Bosch 
Akku ein BMS bzw. einen Balancer für die Aufladung verbaut haben muss, 
wundere ich mich, warum nicht gleich ein Tiefentladungsschutz integriert 
wurde.

Es gibt Akkuadapter zu kaufen auf Amazon, AliExpress etc. Diese bestehen 
im Prinzip nur aus einem Stück Plastik mit vier Kontakten und werden 
dennoch für 15€ verkauft, was mir schleierhaft ist. Diese Adapter 
verfügen ebenfalls über keinen Tiefentladungsschutz oder Ähnliches.

Ich habe nun überlegt, ob ich mir einen Adapter konstruieren und 3d 
drucken sollte, der einen eigenen Tiefentladungsschutz eingebaut hat. 
Dazu würde ich mir von AliExpress oder Ähnlichem eine 5S 100A 
BMS-Platine kaufen und diese im Adapter integrieren. Eigene Schaltung 
wäre natürlich auch möglich, aber eine fertige Platine wäre einfacher 
und deutlich günstiger. Da die Balancing-Funktion dieser Platine etc. 
unnötig ist, weil der Akku ja ohne den Adapter am Original Ladegerät 
aufgeladen wird, würde ich die Anschlüsse für die Zellen auf dem BMS mit 
einem Widerstand überbrücken. Somit würde ich nur den Tiefentladeschutz 
nutzen und als netten Nebeneffekt den Schutz gegen Kurzschluss einbauen 
(obwohl diese Funktion hoffentlich bereits im Akku fest verbaut ist, 
ausprobieren möchte ich es sicherheitshalber jedoch nicht).

Übersehe ich dabei etwas, oder spricht grundsätzlich etwas dagegen? Mir 
ist bewusst, dass ich dabei auf eigene Gefahr handle und dass die 
Temperaturüberwachung nicht funktionieren wird. Ich denke jedoch, dass 
dies zu verkraften ist, solange man keine Geräte verwendet, die den Akku 
an seine Leistungsgrenze bringen und den Akku stark aufwärmen. Bei den 
von mir verwendeten 8Ah ProCore Akkus denke ich, dass ich jedoch 
Reserven hätte.

LG
Rolf

: Verschoben durch Moderator
von Harald A. (embedded)


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Es ist doch eigentlich immer so, dass die Unterspannungsabschaltung im 
Gerät verbaut ist. Warum also eine eigene Abschaltung einbauen?

von Achim M. (minifloat)


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Harald A. schrieb:
> Es ist doch eigentlich immer so, dass die Unterspannungsabschaltung im
> Gerät verbaut ist. Warum also eine eigene Abschaltung einbauen?

Das ist ggf. bei nicht-Bosch-Geräten eben nicht so.

Rolf Z. schrieb:
> würde ich die Anschlüsse für die Zellen auf dem BMS mit einem Widerstand
> überbrücken.

Die Spannungsteilerkette erzeugt Querstrom. Akku stecken lassen 
garantiert dir einen tiefentladenen Akku.

Der Querstrom muss wesentlich höher sein, als Balancing-Strom im 
Betrieb, wenn sich das nicht abschalten lässt. Nochmal unnötiger 
Leerlaufverbrauch. Wenn sich die Zellspannungen abgreifen lassen, dann 
würde ich die auch anschließen.

Rolf Z. schrieb:
> dass die Temperaturüberwachung nicht funktionieren wird

Normal bringt ein BMS auch das mit. Warum also nicht nutzen? Dazu müsste 
man halt die NTC-Charakteristik des Moduls kennen. Wir kommen einer 
Eigenentwicklung immer näher...

Rolf Z. schrieb:
> einem Stück Plastik mit vier Kontakten und werden dennoch für 15€
> verkauft

Es gibt Kunden, die das was du vorhast nicht können oder keine Zeit für 
sowas haben, inklusive Eigenanfertigung der Kontaktsätze. Gerade so an 
der Schmerzgrenze. Wenn jetzt noch ein Tiefentladeschutz und 
Temperaturüberwachung mit drin stecken, wäre es sicher ein noch höherer 
Endverbraucherpreis.

Was du annimmst, was im nicht-Bosch-Gerät verbaut ist: Tiefentladeschutz 
und Strombegrenzung

Auf was du verzichten kannst: Balancing und Temperaturüberwachung

Ergo ist dein Wunschadapter genau das 15€-Teil. Baue es nach, 3D-Modelle 
gibt es sicher auf einschlägigen Plattformen.

mfg mf

: Bearbeitet durch User
von Ralf X. (ralf0815)


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Ein ordentliches BMS sollte an sich sofort abschalten, wenn die erste 
Zelle/Zellpaarung eine Mindestspannung unterschreitet.
Ich kann mir an sich nicht vorstellen, dass Bosch ggf. digital an eine 
Elektronik in jedem passenden Werkzeug "beauftragt", statt dann einfach 
die Ausgangsspannung zu unterbrechen.

von Rolf Z. (rolfzueber)


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Das Problem ist, dass scheinbar manche Geräte mit den Akkus 
kommunizieren bzw. Die Hersteller manchmal die Abschaltung im Gerät 
vornehmen und manchmal im Akku. Manche Hersteller machen scheinbar auch 
eine hybrid Lösung wobei das Gerät dem Akku signalisiert das die 
Spannung zu niedrig ist und er abschalten soll. Jeder Hersteller hat 
scheinbar da eine eigene Vorgehensweise, deshalb glaub ich ist die 
sicherste Variante über ein extra BMS.
Falls sich jemand besser mit den Bosch System auskennt bzw. mit deb 
Systemen der verschiedenen Hersteller wäre ich dankbar für mehr 
Informationen. Die Informationen aus dem Internet sind da recht vage und 
Erfahrungsgemäß wird auch sehr viel Halbwissen verbreitet.

von Harald A. (embedded)


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Bosch, Ryobi, Makita, Stihl: die Geräte, die mir bisher untergekommen 
sind, haben die Abschaltung im Gerät.
Ich meine gelesen zu haben, dass Aldi und Lidl ebenfalls im Gerät 
abschalten, kann ich aber nicht mehr sicher sagen.

Es ist ja auch keine Kunst, dass für deine Geräte mit einem 
einstellbaren Netzgerät zu überprüfen.

Deshalb sind die käuflichen Adapter auch so primitiv aufgebaut, weil es 
einfach nichts braucht.

: Bearbeitet durch User
von Irgend W. (Firma: egal) (irgendwer)


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Harald A. schrieb:
> Bosch, Ryobi, Makita, Stihl: die Geräte, die mir bisher untergekommen
> sind, haben die Abschaltung im Gerät.

Man sollte hier bei eventuell nach Art der Abschaltung unterscheiden. 
Ein BMS ist eher nicht für den Regelbetrieb, sondern die 
Notfallsicherung, falls das Gerät, das sie verwendet, mal eine 
Fehlfunktion hat. Normal sollte also das Gerät bereits bei einer 
Spannung oberhalb des BMS-Minimum abschalten und so auch noch eine 
geringe Reserve lassen, falls man den Akku nicht gleich nachlädt. Im 
Idealfall ist also beides vorhanden. -> Aufmachen und nachschauen was da 
so alles drin ist und auch was es für Zellen sind und ob dort 
"obendrauf" eventuell bereits ein BMS angebracht ist.

Bei den Werkzeugteilen ist mittlerweile aber wohl eher das maximale 
Einsparen eingetreten und man kann sich auf nichts verlassen - 
Hauptsache billing in der Herstellung und teuer im Verkauf. Da kann man 
sich ja nicht mal mehr drauf verlassen, dass da überhaupt balanciert 
wird.

von Vanye R. (vanye_rijan)


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> Bei den Werkzeugteilen ist mittlerweile aber wohl eher das maximale
> Einsparen eingetreten und man kann sich auf nichts verlassen -

Also mich wundert das! ICh haette gerade bei Bosch schon erwartet
das die im Akku einen Controller haben und mit AES256 verschluesselt
irgendwelche Key und Seriennummernbereich austauschen um sicherzustellen
das nicht Hinz und Kunz die Akkus zum halben Preis nachbaut. .-)

Aber der Grund duerfte wohl sein das eine 
Ueber/Unterspannungsueberwachung bei Durchschnittskram wie z.B 
Kameraakkus kein Problem ist, aber bei Akkuschraubern koennen ja auch 
mal 40-100A fliessen.

Vanye

von Sebastian P. (sebastian_p588)


Angehängte Dateien:

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Ich habe gerade einen offenen ProCore 18V 8Ah hier liegen mit 2 defekten 
Zellen. War gerade mal ein halbes Jahr im Einsatz.

Die Zellen sind einfach nur in Serie geschaltet, ohne Balancer-Anschluss 
oder gar BMS.
Über eine Hochlast-Sicherung (Keramik) gehen diese dann direkt an B+ und 
B-.
Die Platine im inneren ist nur für die Ladestandsanzeige und 
Übermittlung des Temperatur-Sensors ans Gerät.

Empfinde ich als absoluter Mist, aber was solls...

von Dirk F. (dirkf)


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Ich finde, die LI-Akkus sollten dringnd mal genormt werden, ähnlich wie 
bei USB-C geschehen.
Bauform, Anschluß e.t.c.   um das alles mal kundenfreundlicher zu 
machen.

von Rüdiger B. (rbruns)


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Gibts doch , irgenwas mit 18all oder so.

von Vanye R. (vanye_rijan)


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> Ich finde, die LI-Akkus sollten dringnd mal genormt werden, ähnlich wie
> bei USB-C geschehen.

Das finde ich schon seit 10Jahren, aber bei der ueblichen 
Arbeitsgeschwindigkeit wird das noch weitere 10Jahre dauern.
Und mit ein bisschen gesunder Ernaehrung und viel Sport erleben wir ja 
vielleicht noch Fusionskraftwerke. Wer weiss... :-D

Vanye

von Andrew T. (marsufant)


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Sebastian P. schrieb:
> Ich habe gerade einen offenen ProCore 18V 8Ah hier liegen mit 2
> defekten Zellen. War gerade mal ein halbes Jahr im Einsatz.
> Die Zellen sind einfach nur in Serie geschaltet, ohne Balancer-Anschluss
> oder gar BMS.
> Über eine Hochlast-Sicherung (Keramik) gehen diese dann direkt an B+ und
> B-.
> Die Platine im inneren ist nur für die Ladestandsanzeige und
> Übermittlung des Temperatur-Sensors ans Gerät.
> Empfinde ich als absoluter Mist, aber was solls...

Schau Mal genau hin.
Der Balancer IST im Akkupack, denn die Zellenanschlüsse sind nach unten 
rausgeführt.

Ist schon in den 6Ah Akkus von 2016 so gewesen -- Info für alle die 
ältere Packs haben.

BTW: ich habe direkten Kontakt zu den Power tools Leuten

von Michi S. (mista_s)


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Sebastian P. schrieb:
> Die Zellen sind einfach nur in Serie geschaltet,
> ohne Balancer-Anschluss oder gar BMS.

Sicher? Wofür ist dann das vielpolige Flexkabel, das zu dem Platinchen 
führt?

von Andrew T. (marsufant)


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Michi S. schrieb:
> Sebastian P. schrieb:
>> Die Zellen sind einfach nur in Serie geschaltet,
>> ohne Balancer-Anschluss oder gar BMS.
>
> Sicher? Wofür ist dann das vielpolige Flexkabel, das zu dem Platinchen
> führt?

Für den Balancer.

von Roland D. (roland_d284)


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Moin,

Andrew T. schrieb:
>>> Die Zellen sind einfach nur in Serie geschaltet,
>>> ohne Balancer-Anschluss oder gar BMS.
>>
>> Sicher? Wofür ist dann das vielpolige Flexkabel, das zu dem Platinchen
>> führt?
>
> Für den Balancer.

Sorry ich kann da keinen Balancer erkennen. Das Kabel ist sicher für die 
LEDs für die Ladestandsanzeige.

Warum auch sollte Bosch sonst bei diesem Akku bewerben, dass sie etwas 
dickere Kupferbleche an den Zellen angeschweißt haben als die Konkurrenz 
und dann in der Werbung den Balancer verheimlichen?

Gruß, Roland

von Andrew T. (marsufant)


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Roland D. schrieb:

>
> Sorry ich kann da keinen Balancer erkennen. Das Kabel ist sicher für die
> LEDs für die Ladestandsanzeige.
>
> Warum auch sollte Bosch sonst bei diesem Akku bewerben, dass sie etwas
> dickere Kupferbleche an den Zellen angeschweißt haben als die Konkurrenz
> und dann in der Werbung den Balancer verheimlichen?
>

Weil Bosch in keiner Werbung auf die Balancer eingeht (weder bei den 
4Ah, 6Ah  noch bei den pro core.


Glaube es halt das da der Balancer drin ist oder lass es.
In allen Packs die ich mir bei Bosch geöffent  ansehen  durfte ist der 
Balancer drin.
Somit unwahrscheinlich, das in deinem keiere ist.

von Thomas R. (thomasr)


Angehängte Dateien:

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Die Lidl Akkus sind gut und haben ein vollwertiges BMS eingebaut, 
inklusive Balancer.

Deshalb sollte es besser einen Adapter für Lidl an Bosch geben ;-))

von Roland D. (roland_d284)


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Moin,

Andrew T. schrieb:
> Glaube es halt das da der Balancer drin ist oder lass es.
> In allen Packs die ich mir bei Bosch geöffent  ansehen  durfte ist der
> Balancer drin.

https://youtu.be/0TGBRyaAJ6U?t=187

ok, jetzt glaube ich es. In dem Video sieht man, wo die Verbindung 
zwischen den Akkus und der Elektronik sitzt - sehr elegant gelöst und 
sehr unsichtbar.

Gruß, Roland

von 1N 4. (1n4148)


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Das ist aber kein Balancer, nur eine Einzelzellenüberwachung.

von Armin X. (werweiswas)


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Roland D. schrieb:
> In dem Video sieht man, wo die Verbindung zwischen den Akkus und der
> Elektronik sitzt

Genau so ist das realisiert. Allerdings passiert es beim Zellentausch 
recht schnell, dass einer der Flexkontakte abgeschert wird.
Balancing wird, meiner Meinung nach, reichlich überbewertet. Eine Zelle 
mit weniger Kapazität als die Anderen kann auch durch Balancieren nicht 
mehr voller werden.
Wichtiger ist dass der Herstelle Zellen einer Charge verwendet bzw 
zusammenschaltet.

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