Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Entstörkondensator mit langen Öhrchen


Announcement: there is an English version of this forum on EmbDev.net. Posts you create there will be displayed on Mikrocontroller.net and EmbDev.net.
von Christian S. (roehrenvorheizer)


Lesenswert?

Hallo allerseits,

in einem Kassettendeck habe ich einen Entstörkondensator netzseitig 
entdeckt, der so einen durchsichtigen Überzieher mit zwei langen Stiften 
dran hat.

Weshalb macht man da den Überzieher drauf, zur Isolierung? Daneben sind 
ungeschützt die Netzleitungen,also ist Berührungsschutz sowieso nicht 
gegeben.

Und wozu die langen Öhrchen? Will jemand den Überzieher wieder abziehen 
können?

In anderen Geräten ist mir sowas nicht begegnet.

mit freundlichem Gruß

von H. H. (hhinz)


Lesenswert?

Das Foto ist so undeutlich.

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


Lesenswert?

Christian S. schrieb:
> Und wozu die langen Öhrchen?

Damit er besser hören kann? Ist immerhin ein Audiogerät :-P
Aber mal Ernst beiseite, pics or it didn't happen.

von Christian S. (roehrenvorheizer)


Angehängte Dateien:

Lesenswert?

hatte ich vor lauter Turbulenz vergessen...

von H. H. (hhinz)


Lesenswert?

Christian S. schrieb:
> hatte ich vor lauter Turbulenz vergessen...

Sieht toll aus, und ich hab nicht den geringsten Schimmer welchem Zweck 
sowas dienen soll.

von Christian S. (roehrenvorheizer)


Lesenswert?

Finde ich toll :-)

Gruß

von Martin H. (horo)


Lesenswert?

H. H. schrieb:
> ich hab nicht den geringsten Schimmer

Dass wir das noch erleben dürfen ... :)

von Thomas U. (charley10)


Lesenswert?

Christian S. schrieb:
> hatte ich vor lauter Turbulenz vergessen...

Wie sieht die Seite mit den Anschlüssen aus? Gibt es diese?
Welche Bezeichnung ist zu erkennen?

von H. H. (hhinz)


Lesenswert?

Thomas U. schrieb:
> Wie sieht die Seite mit den Anschlüssen aus? Gibt es diese?
> Welche Bezeichnung ist zu erkennen?

Das ist ein stinknormaler 10nF Funkentstörkondensator von Panasonic, 
Klasse X1/Y1, Serie NS.

von Thomas U. (charley10)


Lesenswert?

H. H. schrieb:
> Thomas U. schrieb:
>> Wie sieht die Seite mit den Anschlüssen aus? Gibt es diese?
>> Welche Bezeichnung ist zu erkennen?
>
> Das ist ein stinknormaler 10nF Funkentstörkondensator von Panasonic,
> Klasse X1/Y1, Serie NS.

Der dann mit den (isolierten?) Anschlüssen nach oben als 'Ballast' dort 
drin ist?

von Th S. (osszilierer)


Lesenswert?

ich denke das könnte als isolierte Beinchen dienen wenn man den 
Konensator andres rum in diese habe steckt

von Christian S. (roehrenvorheizer)


Lesenswert?

Thomas U. schrieb:
> Wie sieht die Seite mit den Anschlüssen aus? Gibt es diese?

Also die Rückseite der kleinen Platine ist unsprektakulär, da ist 
einfach das Bauteil mit ganz kurzen Drähten angelötet. WAs man im Foto 
sieht, ist ein an die Rückwand geschraubter Halter für den Netzschalter 
(das braune), die Platine darunter hat damit keine direkte mechanische 
Verbindung.

Netzschalter, Kondensator und Anschlustifte für "wire wrap" sind einfach 
auf die kleine Platine gelötet, wobei der Schalter an den Blechhalter 
angeschraubt ist.

Gefunden in einem Pioneer CT-W500 Doppelkassettendeck. Ein zusätzliches 
Foto der Rückseite würde keine weitere Erkenntins bieten. die Platine 
aht Bruchstellen, weil anscheinend etliche im größeren Nutzen gefertigt 
und über die Lötwelle geschoben wurden. Möglicherweise sind die Öhrchen 
eine Montage-n oder Anti-Herunterfall-Hilfe für die Produktion gewesen.

mit freundlichem Gruß

von Michael (Firma: HW Entwicklung) (mkn)


Lesenswert?

H. H. schrieb:
> ich hab nicht den geringsten Schimmer welchem Zweck
> sowas dienen soll.

M.E. eine Sonderlösung für dieses Gerät.
Die 'Ohren' zwingen den Monteur dazu den Varistor schräg zu stellen und 
nicht unter dem Blech einzuquetschen, wo er mit etwas Gewalt 
drunterpassen würde, je nachdem wie er bestückt ist.

von Christian S. (roehrenvorheizer)


Lesenswert?

Anscheinend, damit im Fehlerfall das ungeerdete Metallgehäuse nicht an 
Netzspannung gelangen kann, wenn der Kondensator platzt oder ähnliches.

mfg

von H. H. (hhinz)


Lesenswert?

Christian S. schrieb:
> Anscheinend, damit im Fehlerfall das ungeerdete Metallgehäuse
> nicht an
> Netzspannung gelangen kann, wenn der Kondensator platzt oder ähnliches.

Plausibel.

von Heinrich K. (minrich)


Lesenswert?

Nein, das ist ein keramischer Scheibenkondensator mit 
ganz-normal-zwei-Drahtanschlüssen.

Der hat keine weiteren Anschlüsse.
Er sitzt in der Schaltung als Funkenlöschkondensator über dem 
Schaltkontakt des Netzschalters Typ TV-3 direkt daneben. In einigen 
japanischen Schaltplänen extra so als "spark killer cap" (capacitor) so 
angegeben.

Aufgrund der geringen Kapazität kann sich über diesem eine hohe 
Abschaltspitze aufbauen (vom klassischen Netztrafo), daher wird an 
dieser Stelle generell Klasse Y benutzt. Obwohl er hier kein 
Ableitkondensator zum Gehäuse ist.

Der Schrumpfschlauch wird so angeliefert, die beiden "Hosenbeine" 
müssten spätestens ab dem "Knie" abgeschnitten werden, um überhaupt die 
langen Anschlussdrähte des Scheibenkondensators hindurchfädeln zu können 
(die "Beine").

Zwei Arbeitsschritte zuviel, befand man in der fernöstlichen 
Fertigungsstätte.
Also einfach die "Hose" verkehrt herum draufgesteckt, kein 
Saitenschneider, kein Drähte-reintüddeln, nichts.

Der bedrahtete Kondensator kann aber beim Massenfertigungsvorgang: Löten 
mit Welle beliebig kippen. Dann liegt er am metallischen Haltewinkel an, 
die Blechkante sorgt für eine Konzentration der elektrischen Feldlinien 
auf einen Punkt. Dem Berührpunkt des Kondensator-Tauchlacks an der 
Blechkante des Haltewinkels darüber.

Nun kamen viele Geräte mit einem kleinen, goldenen Extra-Aufkleber 
daher, auf dem steht:"Hi Pot Tested".
High potential tested.
Eine elektrische Isolationsprüfung mit je nach Ziel-Absatzland 
geforderter Prüfspannung von 2500 bis 4000 Volt AC.

Daher die Notwendigkeit des Überziehers an sich.

Das Verhüterli gabs als Original-Ersatzteil bei einem japanischen 
Gerätehersteller.

von Christian S. (roehrenvorheizer)


Lesenswert?

Heinrich K. schrieb:
> Daher die Notwendigkeit des Überziehers an sich.

Toll, danke, jetzt bin ich viel schlauer als vorher und werde bei 
Nutzung des Kassettendecks immer an die Ideen der kleinen Japaner 
denken.

mfg

: Bearbeitet durch User
von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


Lesenswert?

Christian S. schrieb:
> an die Ideen der kleinen Japaner
> denken

Ich musste bei dem Bild sofort an einen Pokemon denken. Gelb, lange 
Ohren - das muß Pikachu sein :-)

von Heinrich K. (minrich)


Lesenswert?

Christian S. schrieb:
> Toll, danke, jetzt bin ich viel schlauer

Immerhin...

von Mark S. (voltwide)


Lesenswert?

Mir sieht das so aus wie ein Bauteil das man in der Entwicklung 
übersehen hatte und das dann in der Fertigung nachträglich 
rein-gepatched wurde. Die Überzieher dürften der doppelten Isolierung 
geschuldet sein.

von Michael B. (laberkopp)


Lesenswert?

Christian S. schrieb:
> hatte ich vor lauter Turbulenz vergessen...

Der Überzieher ist verkehrtrum draufgesteckt weil nachträglich.

Eigentlich gehören die Anschlussbeine in die Öhrchen, die entsprechend 
der Länge die er über der Platine stehen soll abgeschnitten sind.

Wenn man das aber vergessen hat, muss hinterher einer drüber, und in den 
bekommt man die Drähte nicht mehr rein...

von Heinrich K. (minrich)


Lesenswert?

Genau so ist es, Michael.
Danke für die kurze, prägnante Klarstellung.

von Wollvieh W. (wollvieh)


Lesenswert?

Fehlt nur noch die Bestätigung, daß die Öhrchen auch wirklich Röhrchen 
sind.

Warum muß ich jetzt an diesen gruseligen Parasiten denken, der in 
Schneckenfühlern hochkriecht (Suchstichwort Zombie-Schnecken)?

Auch wenn es so aussieht, als hätte man hier wegen der Einsparung von 
Montagezeit diesen Weg gewählt, ist das Problem nicht trivial:

Damit der Kondensator in die Hülle reinpaßt, muß die im Bild nicht 
sichtbare "untere" Öffnung zwangsläufig recht groß sein, abzüglich der 
Elastizität des Materials. Wenn man die Hülle nun korrekt montiert, hat 
man "oben" zu dem Blech hin diese Öffnung, also ausgerechnet dort, wo 
man besonders isolieren will. Wäre interessant, ob der Kondensator da 
rausschaut oder ob es irgendeine Überlappung/Überstand gibt.

Gedacht sind diese Hüllen wohl für die fliegende Montage von solchen 
Kondensatoren an Netzschaltern, -steckern etc. in Gehäusen. Mir sind da 
aber immer nur nackte Kondensatoren begegnet, bei denen man darauf 
hoffte, daß sich die Beinchen schon nicht berühren werden. Ich erinnere 
mich aber, daß einmal ein frei verkabelter Netzschalter so einen 
(mutmaßlich Weich-PVC) Überzieher in genau passender Paßform hatte, 
damit die Lötstellen isoliert waren.

von Andreas B. (bitverdreher)


Lesenswert?

Wollvieh W. schrieb:
> Damit der Kondensator in die Hülle reinpaßt, muß die im Bild nicht
> sichtbare "untere" Öffnung zwangsläufig recht groß sein,

Das wird Schrumpfschlauch sein.

von Wollvieh W. (wollvieh)


Lesenswert?

Andreas B. schrieb:
> Wollvieh W. schrieb:
>> Damit der Kondensator in die Hülle reinpaßt, muß die im Bild nicht
>> sichtbare "untere" Öffnung zwangsläufig recht groß sein,
>
> Das wird Schrumpfschlauch sein.

Nö, dann sähe es aus wie Schrumpfschlauch. :)

von Andreas B. (bitverdreher)


Lesenswert?

Wollvieh W. schrieb:
>> Das wird Schrumpfschlauch sein.
>
> Nö, dann sähe es aus wie Schrumpfschlauch. :)

Woran erkennst Du, dass es keiner ist? So wie der den Kondensator 
umschliesst sieht es mir danach aus.

von Udo S. (urschmitt)


Lesenswert?

Andreas B. schrieb:
> Das wird Schrumpfschlauch sein.

Ich hätte jetzt eher auf Silikon getippt.

Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.