Forum: Fahrzeugelektronik ? Bauteilidentifikation BMW IR-Schlüssel


Announcement: there is an English version of this forum on EmbDev.net. Posts you create there will be displayed on Mikrocontroller.net and EmbDev.net.
von Thomas P. (topla)


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Moin,

auf dem Tisch liegt hier das ausgebaute Innenleben eines Autoschlüssels 
(BMW, Baureihe E34) mit Infrarot-Fernbedienung, die von jetzt auf gleich 
die Funktion eingestellt hat - keine Reaktion der Kontroll-Led auf 
Tastendruck, egal welche der beiden Tasten. Neuteile sind vom Hersteller 
nicht mehr lieferbar.
Die Batterien (2 x CR2016) wurden getauscht, soweit verfolgbar die 
Spannungsversorgung geprüft. Ein Datenblatt zu dem IC 6AEF91672045 habe 
ich nicht finden können.

Frage ist, was ist das unten links befindliche Bauteil (die weiße Rolle 
mit Endkappen) und wie kann ich es testen?
Es hängt mit seinen beiden Anschlüssen an zwei Pins des ICs einerseits 
über einen Kondensator "39A" mit Masse und andererseits ebenfalls über 
einen Kondensator "39A" mit der Betriebsspannung verbunden. Könnte die 
Takterzeugung sein, ich habe sowas aber noch nie gesehen.

Danke für alle Hinweise
Thomas

: Verschoben durch Moderator
von Michael B. (laberkopp)


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Thomas P. schrieb:
> was ist das unten links befindliche Bauteil (die weiße Rolle mit
> Endkappen) und wie kann ich es testen?

Schwingquartz.

Mit einem Quartztester.

Oder einfach in der Schaltung erst die mittlere Gleichspannung an den 
Anschlüssen, sollte um Schaltbereich der uC-Eungange liegen, also 0.8 
bis 2.4V.

Dann ob's schwingt und dabei darf man die Anschlüsse nicht belasten, 
schon 10pF können stören, am besten also eine Koppelspule (EMV Sniffer) 
drüberhalten.

von Frank M. (ukw) (Moderator) Benutzerseite


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Thomas P. schrieb:
> Infrarot-Fernbedienung, die von jetzt auf gleich die Funktion
> eingestellt hat

Schlüssel fallen lassen? Der Schwingquarz ist ein mechanisches Bauteil 
und könnte bei einem Sturz durchaus kaputtgehen.

von Thomas P. (topla)


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Frank M. schrieb:
> Schlüssel fallen lassen? Der Schwingquarz ist ein mechanisches Bauteil
> und könnte bei einem Sturz durchaus kaputtgehen.

Zumindest nicht erinnerlich; der Schlüssel wird recht sorgfältig 
behandelt und grundsätzlich in einer Schlüsseltasche aufbewahrt. 
Fahrzeug war aber kürzlich in der Werkstatt, was da passiert ist, weiß 
ich nicht.
Scheint aber das einzige Bauteil zu sein, welches mechanisch anfällig 
ist, der Rest erscheint mir unverdächtig.

von Wegstaben V. (wegstabenverbuchsler)


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möglicherweise ist es etwas heikel, aber theoretisch:

Könntens du nicht das Bauteil kreuzweise mit dem zweiten Schlüssel 
tauschen, um ein Defekt an dem Bauteil auszuschließen bzw. zu 
bestätigen?

Das ein Taster defekt ist kannst du ausschließen? Ich sehe da nur 
schwarze Kontaktpunkte, aber kein eingelöteten Taster - vielleicht hat 
dieser ja grundsätzlich eine Fehlfunktion (unabhängig von möglichen 
Kontaktierungsproblem zur Platine)

: Bearbeitet durch User
von Dieter S. (ds1)


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Thomas P. schrieb:
>
> Es hängt mit seinen beiden Anschlüssen an zwei Pins des ICs einerseits
> über einen Kondensator "39A" mit Masse und andererseits ebenfalls über
> einen Kondensator "39A" mit der Betriebsspannung verbunden.

Ganz sicher? Für mich gehen die beiden Kondensatoren nach Masse, siehe 
das Bild mit dem eingezeichneten Potential der Vias.

Der Mikrocontroller könnte eventuell ein ST6 sein, z.B. ST62T08C bis 
ST62T20C sein (die Anschlüsse für das Quarz würden passen).

von Thomas P. (topla)


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Wegstaben V. schrieb:
> Könntens du nicht das Bauteil kreuzweise mit dem zweiten Schlüssel
> tauschen, um ein Defekt an dem Bauteil auszuschließen bzw. zu
> bestätigen?

Den zweiten Schlüssel möchte ich nur äußerst ungern zerlegen, das wäre 
wirklich die allerletzte Option. Ich versuche gerade, einen gebrauchten 
Schlüssel zu ergattern, der könnte dann als Vergleich herhalten.

> Das ein Taster defekt ist kannst du ausschließen? Ich sehe da nur
> schwarze Kontaktpunkte, aber kein eingelöteten Taster - vielleicht hat
> dieser ja grundsätzlich eine Fehlfunktion (unabhängig von möglichen
> Kontaktierungsproblem zur Platine)

Da sind keine Taster, lediglich eine Folie liegt auf der Unterseite - 
für die Bilder entfernt. Kontaktgabe ist einwandfrei, auch die testweise 
Simulation der Taster an den Dukos der Unterseite mit einem Kabel bringt 
keine Veränderung.

Kennt jemand die Bezeichnung des Typs dieses Quarzes? Ich blättere mich 
gerade durch die Mouser-Webseite, habe aber bisher nichts ähnlich 
Aussehendes gefunden. Mir fehlt Dank des fehlenden Datenblatts auch jede 
Vorstellung, in welchen Frequenzen sich die Dinger bewegen könnten.

von Thomas P. (topla)


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Dieter S. schrieb:

> Ganz sicher? Für mich gehen die beiden Kondensatoren nach Masse, siehe
> das Bild mit dem eingezeichneten Potential der Vias.

Danke, Du hast recht, beide Kondensatoren gehen nach Masse.

> Der Mikrocontroller könnte eventuell ein ST6 sein, z.B. ST62T08C bis
> ST62T20C sein (die Anschlüsse für das Quarz würden passen).

Alter würde auch passen. ;)

von Dieter S. (ds1)


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Thomas P. schrieb:
>
> Kennt jemand die Bezeichnung des Typs dieses Quarzes?

Falls es ein ST6 sein sollte (z.B. prüfen inwieweit Vdd und Vss passt 
und nicht nur das Quarz) ist ein Quarz bis 8 MHz möglich. Allerdings muß 
die Frequenz stimmen sonst wird der Empfänger nichts mehr empfangen.

Zum testen könntest Du einen Takt an OSCin anlegen und schauen ob dann 
etwas passiert wenn man die Tasten drückt.

: Bearbeitet durch User
von Peter P. (peterpo)


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Mit der Handykamera geschaut ob die IR-Diode auch sendet?
Und wenn ich die Lötstellen von selbiger sehe......

: Bearbeitet durch User
von Vanye R. (vanye_rijan)


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> Den zweiten Schlüssel möchte ich nur äußerst ungern zerlegen, das wäre
> wirklich die allerletzte Option.

Miss erstmal am vorhandenen Schluessel ob du da eine Frequenz siehst.
Mindestens mit einem 10:1 Tastkopf. Wenn du da gar nichts siehst
dann koennte es ein 32khz Quarz sein der sehr empfindlich ist und
durch die Last seine Schwingung einstellt, aber nach meinen Erfahrungen
geht das in der Regel doch. Hoehere Frequenzen sollten aber auf
jedenfall messbar sein. Erwarten wuerde man bei IR-FBs ueblicherweise 
etwas
in der GEgend von 450khz. Aber auch andere Werte sind denkbar!

Wenn du nichts messen kannst dann musst du auf jeden Fall bei einem 
anderen Schluessel die Frequenz messen. Dann kannst du dir irgendeinen 
Quarz kaufen der von der Frequenz passt. Die Teile die du da hast sind 
ja Opatechnik. :-) Aber es gibt ja problemlos irgendein SMD Gehaeuse das 
kleiner ist.

Ich wuerde den Quarz einfach mal abloeten und dort etwas in der 1-2Mhz 
Gegend drauf loeten und dann mal schauen ob man an der IR-Diode wieder 
leben sieht. Dann weiss man das er die Ursache war und kann sich um die 
genaue Frequenz kuemmern.

Vanye

von Thomas P. (topla)


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Peter P. schrieb:
> Mit der Handykamera geschaut ob die IR-Diode auch sendet?
> Und wenn ich die Lötstellen von selbiger sehe......

Es ist da eine zweite Led (rot) für die Funktionsanzeige vorhanden. Die 
IR-Led muss für die Demontage der LP aus dem Schlüsselkörper ausgelötet 
werden und ist derzeit nur provisorisch angeheftet. Das Bild entstand 
vorher.

von Dieter S. (ds1)



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Bezüglich der roten LED, soll diese immer Aktivität anzeigen oder 
eventuell erst nach dem Anlernen?

In einem BMW Forum findet sich der Hinweis (siehe Bild) dass der IR 
Schlüssel angelernt werden muss wenn die Batterie gewechselt wurde. 
Falls es sich dabei um den selben Schlüssel handelt: vielleich mal den 
dort beschriebenen Ablauf ausprobieren und schauen ob die LED zu Blinken 
anfängt.

von H. H. (hhinz)


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Michael B. schrieb:
> Schwingquartz.

Sieht eher nach Keramikresonator aus, Murata CSAC.

von Thomas P. (topla)


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Dieter S. schrieb:
> Bezüglich der roten LED, soll diese immer Aktivität anzeigen oder
> eventuell erst nach dem Anlernen?

Für das Anlernen des Schlüssels muss die rote Led schon blinken, nachdem 
die Taste 1 gedrückt und festgehalten wird und dabei die Taste 2 dreimal 
gedrückt wird. Tut sie aber nicht, das Ding tut garnichts mehr.

von Dieter S. (ds1)


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Thomas P. schrieb:
>
> Für das Anlernen des Schlüssels muss die rote Led schon blinken, nachdem
> die Taste 1 gedrückt und festgehalten wird und dabei die Taste 2 dreimal
> gedrückt wird. Tut sie aber nicht, das Ding tut garnichts mehr.

Wie schon geschrieben, um das Quarz/Resonator als Fehler auszuschließen 
könnte man ein externes Taktsignal an OSCin anlegen. Die Schottky Diode 
hinter dem Batterieanschluss sollte dazu in Ordnung sind.

von Thomas P. (topla)


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H. H. schrieb:
> Michael B. schrieb:
>> Schwingquartz.
>
> Sieht eher nach Keramikresonator aus, Murata CSAC.

Danke, ich glaube, Du hast da mal wieder genau in die Mitte vom 
Schwarzen getroffen. Passt bei CSAC MGC-TC wie die Faust aufs Auge. Die 
gab es von 1,80 - 6,00 MHz, Betonung liegt wohl auf "gab es".

von H. H. (hhinz)


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Thomas P. schrieb:
> H. H. schrieb:
>> Michael B. schrieb:
>>> Schwingquartz.
>>
>> Sieht eher nach Keramikresonator aus, Murata CSAC.
>
> Danke, ich glaube, Du hast da mal wieder genau in die Mitte vom
> Schwarzen getroffen. Passt bei CSAC MGC-TC wie die Faust aufs Auge. Die
> gab es von 1,80 - 6,00 MHz, Betonung liegt wohl auf "gab es".

Das Marking wird auf der Unterseite sein.

von Vanye R. (vanye_rijan)


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> Danke, ich glaube, Du hast da mal wieder genau in die Mitte vom
> Schwarzen getroffen.

Erwartet man eigentlich auch eher bei FBs weil mechanisch robuster
sind und schneller anschwingen. Allerdings macht es die Sache
leider unwahrscheinlicher das es die Ursache ist.
Aber Wunschtraeumen ist das eine, messen etwas anderes...

Vanye

von Thomas P. (topla)


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H. H. schrieb:
> Das Marking wird auf der Unterseite sein.

Ja, nach Murphy kann das auch nicht anders sein.
1. Mit Oszi gemessen, wenn Taste gedrückt an Pin 4 (OSCout) Sinus mit 
384 ns und 200 mV => 2,6 MHz, an Pin 3 (OSCin) fester Pegel 100 mV, 
keine Schwingung nachweisbar.
2. Resonator ausgelötet, 2,60 MHz. 2,45 MHz wären noch zu bekommen, hmm.

: Bearbeitet durch User
von H. H. (hhinz)


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Thomas P. schrieb:
> 1. Mit Oszi gemessen, wenn Taste gedrückt an Pin 4 (OSCout) Sinus mit
> 384 ns und 200 mV => 2,6 MHz, an Pin 3 (OSCin) fester Pegel 100 mV,
> keine Schwingung nachweisbar.

Ist doch alles in Ordnung.

von Thomas P. (topla)


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H. H. schrieb:
> Ist doch alles in Ordnung.

In meinem jugendlichen Leichtsinn hätte ich jetzt am Pin 3 (OSCin) 
irgendwas mit 2,6 MHz erwartet, dort speist man ja auch einen externen 
Takt ein?

von H. H. (hhinz)


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Thomas P. schrieb:
> In meinem jugendlichen Leichtsinn hätte ich jetzt am Pin 3 (OSCin)
> irgendwas mit 2,6 MHz erwartet,

Liegt dort auch an, solange du mit dem Tastkopf weg bleibst.

von Rainer W. (rawi)


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Vanye R. schrieb:
> Ich wuerde den Quarz einfach mal abloeten

Da kann man sich die Braterei lieber sparen und das Signal vom Quarz am 
OSCin mit einem externen Signal einfach überschreiben.

Thomas P. schrieb:
> In meinem jugendlichen Leichtsinn hätte ich jetzt am Pin 3 (OSCin)
> irgendwas mit 2,6 MHz erwartet, dort speist man ja auch einen externen
> Takt ein?

Blöde Idee, am OSCin den Takt nachmessen zu wollen. Wenn der Oszillator 
läuft, hat man am OSCout das solidere Signal.

von Dieter S. (ds1)


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Da der Resonator offensichtlich schwingt: hast Du geprüft ob Reset auf 
High geht? Wenn es denn ein ST6 ist könnte eventuell der Kondensator 
über dem "B19" Schriftzug für die Reseterzeugung verantwortlich sein.

Ich gehe davon aus dass die LED sowie die Widerstände überprüft und in 
Ordnung sind.

: Bearbeitet durch User
von Thomas P. (topla)


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Leds und Widerstände sind in Ordnung, ebenso die Diode vor dem 
Stützkondensator und der pnp vor der IR-Diode, die Betriebsspannung 
liegt an den Pins 1 und 20 an, Pin 6 liegt auf Masse. Beide 
Kontaktflächen ziehen den NMI-Eingang auf Masse.
Reset liegt auch auf high, derzeit versuche ich mal nebenbei das 
Datenblatt vom Controller querzulesen.

Resonator wieder eingelötet und aus Verzweiflung habe ich jetzt alle 
erreichbaren Lötstellen nachgelötet => funktioniert wieder. Da war wohl 
doch irgendwo eine kalte Lötstelle entstanden. Morgen versuche ich das 
Anlernen des Schlüssels, bin aber guter Dinge. Das Handy zeigt auch die 
funktionierende IR-Sendediode.

Danke an alle Helfer, ich habe wieder einiges dazugelernt.

Thomas

: Bearbeitet durch User
von Manfred P. (pruckelfred)


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H. H. schrieb:
>> In meinem jugendlichen Leichtsinn hätte ich jetzt am Pin 3 (OSCin)
>> irgendwas mit 2,6 MHz erwartet,
> Liegt dort auch an, solange du mit dem Tastkopf weg bleibst.

Da hilft ein Widerstand um 100 kOhm an der Spitze des Tastkopfes, dessen 
Kapazität zu entkoppeln.

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Manfred P. schrieb:
> Da hilft ein Widerstand um 100 kOhm an der Spitze des Tastkopfes

Da kriegste aber keine 2,6 Mhz mehr gemessen - mit der Eingangskapazität 
des Oszis zusammen ist das ein satter RC Tiefpass.

Beitrag #7683268 wurde von einem Moderator gelöscht.
von Dieter S. (ds1)


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Thomas P. schrieb:
> Leds und Widerstände sind in Ordnung, ebenso die Diode vor dem
> Stützkondensator und der pnp vor der IR-Diode, die Betriebsspannung
> liegt an den Pins 1 und 20 an, Pin 6 liegt auf Masse.

Wenn es ein ST6 ist sollte Pin 20 auf Masse liegen.

von Thomas P. (topla)


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Dieter S. schrieb:
> Wenn es ein ST6 ist sollte Pin 20 auf Masse liegen.

Ja, sorry, war blöd formuliert.
Betriebsspannung meint Versorgung des Controllers GND (Pin 20) und Vdd 
(Pin 1).
Anbei noch der aufgenommene Schaltplan nach bestem Wissen und Gewissen, 
aber ohne Gewähr.

edit: Das Anlernen des Schlüssels hat auch funktioniert - bin zufrieden.

: Bearbeitet durch User
von Dieter S. (ds1)


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Thomas P. schrieb:
>
> Anbei noch der aufgenommene Schaltplan nach bestem Wissen und Gewissen,
> aber ohne Gewähr.

Sieht auf den ersten Blick gut aus.

Das hier scheint wohl das dazugehörige Steuergerät zu sein, auch wenn 
der Titel der Webseite irreführend ist:

https://www.shiftbmw.com/model/e32/keyless-entry/

von Thomas P. (topla)


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Dieter S. schrieb:
> Das hier scheint wohl das dazugehörige Steuergerät zu sein, auch wenn
> der Titel der Webseite irreführend ist:

Nein, das ist das ältere System mit eigenem Sender (bis 1992), der sich 
nicht im Schlüssel befindet. Der Empfänger sitzt, wie gezeigt, im 
Dachhimmel neben dem Schiebedachschalter.

Bei neueren E34 (hier BJ. 1995/96) sitzt der Empfänger im Innenspiegel 
und greift neben der ZV auch in die Alarmanlage/Wegfahrsperre ein.

von Dieter S. (ds1)


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Rein interessehalber nachdem ich nichts dazu gefunden habe und die 
entsprechenden IR Schlüssel auch gebraucht noch richtig teuer sind: hast 
Du eventuell die Möglichkeit ohne viel Aufwand das IR Signal des 
Schlüssel aufzuzeichnen? Mir ist klar dass da sehr wahrscheinlich ein 
Rolling-Code verwendet wird, ich würde nur gerne sehen wie das Signal 
aussieht, idealerweise dass man auch die Details erkennen kann.

von Thomas P. (topla)


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Ist definitiv rolling code; wenn der Schlüssel mal den lieben Kleinen in 
die Finger fällt und die mehr als 16 Mal drauf rumdrücken, dann hast Du 
ein Problem beim nächsten Aufsperren.
Logikanalysator habe ich, muss nur mal schauen, was die Bastelkiste an 
Bauteilen für einen Empfänger so hergibt.

edit:
Gebrauchte Schlüssel muss man erstmal finden, das Bezahlenwollen ist 
dann die zweite Übung. Die Nachfolgerbaureihen hatten dann alle schon 
funkbasierte Lösungen am Start.

: Bearbeitet durch User
von Dieter S. (ds1)


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Thomas P. schrieb:
>
> Logikanalysator habe ich, muss nur mal schauen, was die Bastelkiste an
> Bauteilen für einen Empfänger so hergibt.

Danke.

Ich weiß nicht ob es eventuell weiterhilft: ich habe auf die Schnelle 
ein wenig mit einem IR Lesekopf für Stromzähler experimentiert, den man 
direkt an eine UART anschließen kann. Das Signal einer IR Fernbedienung 
kann man damit problemlos bis zur Modulationsfrequenz (in diesem Fall 38 
kHz) mit einem Logicanalyzer aufzeichnen.

von Stephan S. (uxdx)


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Eine IR-LED kann man auch als IR-Empfänger nutzen (so wie nahezu jede 
LED)

von Stefan K. (stk)


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Stephan S. schrieb:
> Eine IR-LED kann man auch als IR-Empfänger nutzen (so wie nahezu jede
> LED)

Eine LED mit Licht im sichtbaren Bereich taugt nicht als IR-Empfänger.
Eine IR-LED in einem Gehäuse ohne Filter ist auch für sichtbares Licht 
empfindlich.

von Thomas P. (topla)


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Dieter S. schrieb:
> Ich weiß nicht ob es eventuell weiterhilft: ich habe auf die Schnelle
> ein wenig mit einem IR Lesekopf für Stromzähler experimentiert, ...

War eine gute Idee, ich habe das Ding mal aus dem Zählerschrank gerupft 
und an den Logicport gepackt. Das Ergebnis habe ich als LPF- und 
CSV-Datei angehangen. Die Logicport-Software läuft auch ohne Hardware in 
einem Demomode (https://www.pctestinstruments.com/downloads.asp).

von Dieter S. (ds1)


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Danke für den Mitschnitt.

Die einzelnen Impulse mit relativ großem Abstand nach dem Signalstart 
sehen etwas ungewöhnlich aus (siehe IR_Signal.PNG). Ich werde schauen ob 
man daraus etwas zu den übertragenen Daten ableiten kann.

von Dieter S. (ds1)


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Zu dem Signal in IR_Signal_start.PNG weiter oben: Der Start Impuls 
(Signal mit Modulation) ist 800 µs lang, alle anderen folgenden Impulse 
(insgesamt 27) 200 µs.

Der Abstand zwichen den Impulsen beträgt 800, 1200, 1600, 2000, 2400, 
2800 oder 3200 µs.

Die Information steckt also vermutlich im Abstand der Impulse. Falls es 
auch noch den Impulsabstand 400 µs oder 3600 µs geben sollte wären das 3 
Bit Information je Impuls.

von Dieter S. (ds1)



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Wen es interessiert: Auf dem Bild ist das BMW Infrarot Steuergerät vom 
Vorgänger-Schlüssel (BMW Klappholz), Baujahr 1988, Hersteller Siemens. 
Im Gegensatz zum Schlüssel gibt es viele davon, teilweise sehr günstig 
(um die EUR 10).

Vorne links auf der Platine ist ein TA8002 (5-Volt Regler und Reset 
Timer), der Quarz des 80C50 (MCS-48) hat 6 MHz.

Der EEPROM rechts im DIL-8 Gehäuse hat 32 Bytes (16 Adressen mit je 16 
Bit).

Die 4 KByte ROM-Code des 80C50 kann man auslesen, der interne RAM hat 
256 Bytes.

Bis zu vier IR Schlüssel lassen sich anlernen, dabei werden über einen 
IR Rückkanal (Reichweite nur wenige Zentimeter) die erforderlichen Daten 
zum IR Schlüssel geschickt.

Das Steuergerät ist bedingt diagnosefähig, das nennt sich "BMW I-/K-Bus" 
(im Prinzip UART Kommunikation mit zwei Leitungen für Rx und Tx).

Die Poszulassung auf dem Gehäuse bezieht sich dabei auf die Infrarot 
Kommunikation, das könnte die hier sein (Textauszug von einer anderen IR 
Fernbedienung):

1
Vfg 146/1984
2
Allgemeine Genehmigung für Führungs- und Fernwirk-
3
Funkanlagen des nicht öffentlichen beweglichen
4
Landfunkdienstes (nöbL) im optischen Frequenzbereich

Inwieweit sich die Funktion des Vorgänger-Schlüssel vom neueren Modell 
unterscheidet kann ich nicht beurteilen, ich habe keine Informationen 
gefunden in welchem Steuergerät genau beim Nachfolger die Verarbeitung 
erfolgt.

: Bearbeitet durch User
von Vanye R. (vanye_rijan)


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> Inwieweit sich die Funktion des Vorgänger-Schlüssel vom neueren Modell
> unterscheidet kann ich nicht beurteilen,

Ich glaube die Hersteller kaufen das irgendwo zu. Ich hatte diese 
IR-Schluessel auch beim Citroen XM und ich bin mir relativ sicher das 
man da auch Schluessel von Jaguar und umgekehrt anlernen konnte.

Vanye

von Dieter S. (ds1)


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Vanye R. schrieb:
>
> Ich glaube die Hersteller kaufen das irgendwo zu.

Das trifft auf diesen Schlüssel vermutlich nicht zu (Bilder der Platine 
des neueren Modells im ersten Beitrag), Hersteller ist Siemens und die 
werden die Firmware des ST6 wohl auch selber geschrieben haben.

Ich habe für den E34 (1995/96) des TO noch nicht herausgefunden welches 
Steuergerät genau die Verarbeitung des IR Signal macht. Eventuell hätte 
man da ja auch eine Chance an die Firmware zu kommen.

von Thomas P. (topla)


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Dieter S. schrieb:
> Ich habe für den E34 (1995/96) des TO noch nicht herausgefunden welches
> Steuergerät genau die Verarbeitung des IR Signal macht. Eventuell hätte
> man da ja auch eine Chance an die Firmware zu kommen.

Da gibt es kein eigenes Steuergerät, die Empfangs- und Dekodiereinheit 
sitzt im Innenspiegel, von dort wird auch die ZV und DWA/Wegfahrsperre 
angesteuert, schrieb ich schon hier: 
Beitrag "Re: Bauteilidentifikation BMW IR-Schlüssel".

Thomas

von Dieter S. (ds1)


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Thomas P. schrieb:
>
> Da gibt es kein eigenes Steuergerät, die Empfangs- und Dekodiereinheit
> sitzt im Innenspiegel, von dort wird auch die ZV und DWA/Wegfahrsperre
> angesteuert, schrieb ich schon hier:

Es geht mir um den Teil, der das IR Signal auswertet. Das Infrarot 
Steuergerät des Vorganger wertet das Signal vom IR Empfänger aus (also 
das Signal ob moduliertes IR empfangen wird) und steuert ebenfalls DWA 
und das "General Modul" an.

Dann ist vermutlich der Innenspiegel das gesuchte Gerät? Ich habe mir 
von hier

https://shark.armchair.mb.ca/~dave/BMW/

"e34_95.pdf" (Electrical Troubleshooting Manual 1995) angesehen. Da gibt 
es ein "Remote Controlled Locking System", bei dem bin ich mir 
allerdings nicht sicher ob es das gesuchte ist.

Nachtrag: Die Teilenummern für den Spiegel mit der Infrarot-Elektronik 
sind wohl 51168193884 bzw. 51168254057 in einer etwas veränderten 
Ausführung. Siehe auch das Bild als Beispiel.  Die Teile scheinen 
allerdings relativ selten und damit recht teuer zu sein.

: Bearbeitet durch User
von Thomas P. (topla)


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Das "remote controlled locking system" hat in dem von Dir verlinkten 
Schaltplan die Bezeichnung N13y remote locking receiver und die 
Komponentenlageübersicht verweist auf "in interior rear view mirror". 
Das general module (Grundmodul) steuert in Verbindung mit dem 
Relaismodul dann die Stellantriebe der Türen, Heckklappe und Tankdeckel 
an, ist also "Befehlsempfänger" und hat mit der Dekodierung nichts zu 
tun.

Thomas

edit zu dem Nachtrag:
Der eine Spiegel ist der mit IR-Empfänger und ist durch drehen des 
Knubbels (da drin ist der IR-Empfänger) an der Unterseite manuell 
abblendbar. Der andere ist ebenfalls mit IR-Empfänger, der Spiegel aber 
automatisch electrochrom abblendend; die Abblendfunktion wird durch den 
Knubbel ein-/ausgeschaltet.

: Bearbeitet durch User
von Dieter S. (ds1)


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Hier ist ein Bild des BMW Infrarot Steuergeräts aus dem Innenspiegel das 
zum Schlüssel aus dem ersten Beitrag passt. Der Infrarotempfänger sitzt 
in der kleinen Halbkugel unten am Spiegel die auch zum Betätigen der 
Abblendung verwendet wird (bei manueller Abblendung).

Hersteller ist Siemens, Baujahr 1992. Der Mikrocontroller ist ein 
MC68HC05B6, der Resonator des HC05 hat 4 MHz. Der 8-Pin IC auf der 
großen Platine ist ein 5-Volt Spannungsregler (L4949).

Die knapp 6 kByte ROM-Code des HC05 lassen sich auslesen, der interne 
RAM hat 176 Bytes und der interne EEPROM 256 Bytes.

Die Funktionalität des Steuergeräts ist sehr ähnlich zum Vorgänger, es 
lassen sich ebenfalls bis zu vier IR Schlüssel anlernen.

Die auffälligsten Unterschiede: Es gibt keinen Rückkanal beim Anlernen, 
beim Vorgänger hat das Steuergerät die fürs Anlernen nötigen Daten 
erzeugt und zum Schlüssel geschickt, diesmal kommen die Daten vom 
Schlüssel und man kann deshalb den Rückkanal weglassen. Außerdem wurde 
die Kodierung der Infrarot Daten geändert.

Das Steuergerät ist ebenfalls diagnosefähig.

Die Postzulassung befindet sich auf der Unterseite der kleinen Platine.

Zur Kodierung der Infrarot Daten, siehe dazu auch das aufgezeichnete 
Signal vom Schlüssel hier:

Beitrag "Re: Bauteilidentifikation BMW IR-Schlüssel"

Beitrag "Re: Bauteilidentifikation BMW IR-Schlüssel"

Die Daten beginnen mit einem langen IR Impuls (800 µs), alle folgenden 
IR Impulse sind 200 µs lang.

Jeweils zwei Bits werden durch die Position eines IR Impuls innerhalb 
eines Zeitrahmens von 2000 µs kodiert, das sieht so aus ("0" bzw. "1" 
sind jeweils 400 µs lang, "1" steht für einen IR Impuls):

1
10000  -> zwei Bits 00
2
01000  -> zwei Bits 01
3
00100  -> zwei Bits 10
4
00010  -> zwei Bits 11

Wenn man das auf das aufgezeichnete Signal anwendet bekommt man das 
hier:

1
10000 10000 10000 00010  -> 0x03 
2
00010 01000 00010 10000  -> 0xDC
3
00010 00010 00100 01000  -> 0xF9
4
00010 00100 00100 00100  -> 0xEA 
5
00010 10000 00100 10000  -> 0xC8 
6
00100 00010 01000 10000  -> 0xB4
7
00100 10000 01000 00010  -> 0x87

Das Ganze lässt sich verifizieren indem man das aufgezeichnete Signal 
per IR ans Steuergerät sendet und dann per Diagnose den RAM ausliest, 
dort wo sich das dekodierte IR Signal im Speicher befindet sieht man 
dann auch die entsprechenden Bytes.

Die 0x03 am Anfang stehen für einen IR Befehl (beim Anlernen steht dort 
0x02), die restlichen sechs Bytes sind der Rolling-Code, Schlüsselnummer 
(1 bis 4) und die gedrückte Taste.

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