Forum: Fahrzeugelektronik Gierratensensor defekt


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von Roland E. (roland0815)


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Ich habe hier den Gierratensensor des ESP meines Autos auf dem Tisch. 
Das ABS Steuergerät ist der Meinung, der sei defekt. Ich kann das 
mangels Protokoll etc so nicht überprüfen und nehme das erst mal so hin. 
Ersatz ist eingebaut. Die Meckereien des Autos verstummt.

Ich sehe auf die Schnelle erst mal einen MuC für Kommunikation und Co, 
die zwei Sensoren der ACS610-Serie, in einer (auf den Bildern 
entfernten) Blechdose einen kundenspezifischen ASIC, ein PROM und noch 
eine kungenspezifisches Blechbauteil. Vermutlich was Hybrides.

Verbrochen hat das Teil nach den Spritzmarken im Druckgussgehäude wohl 
Siemens/VDO um 2004, produziert dann von TRW. Neu natürlich nicht mehr 
zu bekommen, Ersatzbaugruppen natürlich auch nicht. Nur noch gebraucht 
unbekanntem Zustandes, weil die Schrottis natürlich die Karren nicht 
auslesen können.

Hat jemand eine grobe Vorstellung, was an solchen Dingern eigentlich 
kaputt geht? Driftet da was aus Kalibrierdaten ider so?

von Soul E. (soul_eye)


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Ohne Gesprächspartner geht der Sensor in einen failsafe mode, wo er 
regelmäßig Messwerte auf den 500 kbit CAN schickt. Wenn Du da einen 
CANalyzer oder sowas anschliesst, müsstest Du drei Botschaften sehen. 
Die Messwerte findet man durch Bewegen des Sensors, da sieht man was 
sich ändert.

Die beiden SCA610 für Längs- und Querbeschleunigung liefern Analogwerte 
an den Controller. Der VDO-Torus mit seinem ASIC müsste ebenfalls zwei 
Spannungswerte abliefern. Die kann man abgreifen und was eigenes damit 
anstellen, wobei heutige MEMS-IMU für weniger Strom mehr Leistung 
bieten.


Das Bild im Anhang zeigt das Innenleben des Gierraten-Sensorelementes. 
Dann brauchst Du Deins nicht kaputtmachen. Wobei Richard K sicherlich 
bessere Bilder hinkriegt. Der dünne Ring um den Magneten vibriert in 
einer Achse, und durch die Corioliskraft sind bei Drehung Teile der 
Schwingung in der anderen Achse 90° dazu zu finden.

Die VTI Beschleunigungssensoren sind Cantilever. Da sind drei passend 
geätzte Chips gestapelt, und der mittlere hat ein Ärmchen, was sich bei 
Beschleunigung verbiegt. Die Position gegenüber den beiden äußeren 
Halbschalen wird dann durch Kapazitätsmessung detektiert.

Würde man alles heute anders machen, aber 2001 war mit MEMS noch nicht 
allzuviel los.

: Bearbeitet durch User
von Flip B. (frickelfreak)


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Soul E. schrieb:
> Krasse Insights, mein Post des Tages. Danke Dir!

Fehlerursachentechnisch würde ich die beiden Quarze checken und den 
SPeicherinhalt im 24c0X prüfen, ggf mit vergleichsgerät abgleichen. 
Quarze und Speicherzellen sind bei Automobil-Vibrationen und 
Temperaturen hier die verdächtigsten bauelemente.  Wobei auch die 
Sensoren Elektromechanisch arbeiten und daher ggf. mechanisch ermüden 
könnten. Drift durch chemische umwelteinflüsse ist in den hermetischen 
Metallgehäusen so gut wie ausgeschlossen, bleibt Temperatur und 
Vibration.


Fun fact zu sensoren in Plastikgehäusen und Umwelteinflüssen:
https://www.ifixit.com/News/11986/iphones-are-allergic-to-helium

: Bearbeitet durch User
von Andreas M. (elektronenbremser)


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Was macht denn ein Gitarrensensor?

von Christoph db1uq K. (christoph_kessler)


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Wikipedia sagt:
Gier ist ... eines der sieben Hauptlaster...  das Drehen um die 
Hochachse (gieren) bei einem Schiff, Flugzeug oder Hubschrauber, siehe 
Gierachse

https://de.wikipedia.org/wiki/Gierachse
Eine Kombination von Rollen, Gieren und Stampfen bezeichnet man als 
Schlingern

Mit dem Gierratensensor misst man, ob einer den Hals nicht voll genug 
kriegen kann.

: Bearbeitet durch User
von Soul E. (soul_eye)


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Der Lenkwinkelsensor misst wo das Auto hinlenken soll.
Der Gierratensensor misst wo das Auto hin lenkt.
Die ESP-ECU macht Soll-Istwert-Vergleich und führt ggf einen 
Stelleingriff durch selektives Verzögern eines oder mehrerer Räder 
durch.

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