Forum: Ausbildung, Studium & Beruf Wichtige Karriereentscheidung - Jobwechsel im IT Bereich in der Schweiz


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von Daniel F. (Firma: IT) (daniel_f745)


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Hallo Leute,

ich stehe nun (mit rund insgesamt 15 J. BE und Master in IT) an einem 
wichtigen Entscheidungspunkt zwischen meinem aktuellen Job und 2 
Angeboten.

Ich bin seit ca. 2010 in der CH und kann eigentlich nicht klagen, ich 
konnte einige Fortschritte erzielen und habe einen recht vernünftigen 
Lohn für CH Verhältnisse. Arbeite im Raum ZRH bei einer grösseren Bank 
im Bereich kritischer Systeme - die 24/7 laufen, dort bin ich seit 
ungefähr 5 J. mit Titel "Senior Engineer". Der Job ist anspruchsvoll, da 
es auch noch Bereitschaftsdienst neben normaler Projektarbeit und 
Problemlösungen erfordert. Das Management ist sehr zufrieden mit unserer 
Arbeit im Team und ich habe auch immer gute Bewertungen bekommen. Ev. 
steht in Zukunft mal eine Beförderung an - ist aber ungewiss, bei 
Kollegen hat das oft noch viele mehrere Jahre gedauert.

Ich habe in dieser Zeit seit ich angefangen habe, seit 5 J. keine 
nennenswerten Beförderungen, ausser jedoch einmal eine kleinere 
Gehaltserhöhung bekommen ca. 5%.

Jetzt bin ich schon seit einiger Zeit dran, mich zu bewerben da ich 
karrieretechnisch weiterkommen möchte und will mir auch wirklich Zeit 
lassen, um eine wirklich gute Entscheidung treffen zu können.

Ich möchte auch vom Titel "Senior Engineer" weg und einen Fortschritt 
machen, da ich finde ich müsste in der Karriere schon weiter sein.
Ihr wisst ja wie das ist, ehem. Kollegen posten auf Linkedin "Head of .. 
sonst irgendwas" "Super Cloud Architect" und "Manager" usw. da findet 
man sich etwas zurückgeblieben.
Bis jetzt habe ich mich in der Karriere eher darauf konzentriert, mehr 
zu verdienen als wie rein auf "Berufstitel" die sich z.B. auf Linkedin 
gut anhören.

Prompt bekam ich nun nach den Bewerbereien zwei Angebote:

- 1) ein recht interessantes Angebot, bei der öffentlichen Verwaltung 
(keine Bank mehr), mit Titel "Enterprise Architect" hier könnte ich auch 
ev. mit Cloudtechnologien vor allem MS Azure arbeiten, was mich sehr 
interessieren würde, da ich aktuell nur mit Legacy Technologien (on 
prem, Linux VMs etc.) arbeiten muss. Also z.B. direkt mit Leuten von M$ 
zusammenarbeiten, wie sie mir im Interview mitgeteilt haben. Kein 
Bereitschaftsdienst mehr, jedoch etwas (ca. -5% weniger Lohn). Wäre 
verschmerzbar, ev. bessere W/L Balance und kann wieder mich aufs Lernen 
von neuen Technologien konzentrieren. Jedoch hat mich ein Freund 
gewarnt, dass die dort ziemlich viel "verwalten" (z.B. Word / Excel etc. 
Unterlagen ausfüllen) und der Job ev. nicht so viel Technik/Cloud 
enthält wie ich mir das vorstelle/wünsche
- 2) Zweites Angebot eines ehem. Software Zulieferer eines Fintechs (ca. 
10-20 Mann Bude), sie entwickeln SW Lösungen im Bereich Zahlungssysteme, 
bis zu 100% Homeoffice / Remote möglich, jedoch ungefähr -10% weniger 
Bezahlung als mein Jetzt-Job, dafür recht cooler Titel "Senior Manager 
Services and Support" was sich auch für den übernächsten Arbeitgeber 
auszahlen könnte und auch sehr gut im CV / auf Linkedin aussieht. 
Anstrengender Chef (ruft z.B. alle 5 min an, Excelfetischist), jedoch 
laut ihm sehr gute Aufstiegsmöglichkeiten.

Bin mir recht unsicher wie ich da wählen sollte.
Im Job bleiben? Job 1? Job 2?

In allen beiden neuen Jobs würde ich weniger verdienen, jedoch der Titel 
und ev. Aufstiegsmöglichkeiten sind besser (Öffentl. Verwaltung, 
Fintech). Jedoch bei der Bank kann sein, dass es bald mal (oder auch 
nicht) eine Beförderung gibt. Bei der Öff. Verwaltung hätte ich die 
Chance mit M$ Cloudtechnologien zu arbeiten, was super interessant wäre 
und heute überall nachgefragt ist. Im Fintech könnte ich ev. mal ein 
Team leiten und später mehr (vielleicht). Dieses Fintech ist aber gerade 
an eine grössere Bude verkauft worden, wer weiss ob da nicht alles 
wieder verkauft, entlassen oder umstrukturiert wird in Zukunft.

Hört sich ja alles recht gut an, und ist eigentlich eine Qual der Wahl, 
und eigentlich müsste man glücklich sein, jedoch hab ich wahnsinnig 
Angst, fehlerhaft zu entscheiden (hatte ich schon mal). Was würdet ihr 
machen?

Danke und Viele Grüsse,
Daniel

: Bearbeitet durch User
von Manfred P. (pruckelfred)


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Daniel F. schrieb:
> In allen beiden neuen Jobs würde ich weniger verdienen, jedoch der Titel
> und ev. Aufstiegsmöglichkeiten sind besser

Niemand braucht Leute, denen der Titel wichtig ist. Es macht aber Spaß, 
solch gestörten Gestalten zu zeigen, wie geistig arm die sind.

von Daniel F. (Firma: IT) (daniel_f745)


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Manfred P. schrieb:
> Daniel F. schrieb:
>> In allen beiden neuen Jobs würde ich weniger verdienen, jedoch der Titel
>> und ev. Aufstiegsmöglichkeiten sind besser
>
> Niemand braucht Leute, denen der Titel wichtig ist. Es macht aber Spaß,
> solch gestörten Gestalten zu zeigen, wie geistig arm die sind.

Naja, wenn du im CV nur 20 Jahre "Entwickler" oder so etwas stehen hast, 
wirst du heutzutage vermutlich gefragt, warum du karrieretechnisch nicht 
weiter gekommen bist... oder ?

Mir persönlich geht's nicht nur um den Titel, aber damit verbundene 
interessante Aufgaben.
Wer möchte nicht z.B. mit modernen Cloudtechnologien (Azure, AWS etc.) 
arbeiten und damit seinen Marktwert noch weiter steigern?

: Bearbeitet durch User
von Franko S. (frank_s866)


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Bist du Admin oder Entwickler?

Beitrag #7698249 wurde von einem Moderator gelöscht.
Beitrag #7698253 wurde von einem Moderator gelöscht.
Beitrag #7698256 wurde vom Autor gelöscht.
von Monk (roehrmond)


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Von dem Architekten erwartet man breit gefächerte Berufserfahrung, die 
du offenbar nicht hast.

Ob du Manager werden willst und kannst, kann ich nicht einschätzen. Für 
mich wäre das die Hölle. Manager entwickeln keine Software, sondern 
kümmern sich um organisatorische Probleme und müssen höheren Managern in 
den Ar*** kriechen. Ich bin sehr froh darüber, dass das jemand anderes 
für mich macht.

: Bearbeitet durch User
von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


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> jedoch hab ich wahnsinnig
> Angst, fehlerhaft zu entscheiden (hatte ich schon mal). Was würdet ihr
> machen?

Lerne "Gelassenheit" - mach yoga.
Für schweren Fällen von Generalisierter Angststörung kennt der Facharzt 
eine Therapie.

https://www.tellmed.ch/tellmed/Fachliteratur/Medizin_Spektrum/MS_4_Die_Schweizerische_Gesellschaft_fuer_Generalisierte_Angststoerungen.php

: Bearbeitet durch User
von Oliver S. (oliverso)


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Daniel F. schrieb:
> Naja, wenn du im CV nur 20 Jahre "Entwickler" oder so etwas stehen hast,
> wirst du heutzutage vermutlich gefragt, warum du karrieretechnisch nicht
> weiter gekommen bist... oder ?

Dann definiere doch mal (für dich oder ganz öffentlich hier im Forum), 
was denn "karrieretechnisch weiterkommen" für dich bedeutet. Jobtitel 
sind ja nun in den letzten Jahren immer fantasiereicher geworden, und 
damit immer nichtssagender. "Senior Manager Service and Support" hieß 
vor nicht allzulanger Zeit noch "IT-Wartungstechniker"...

Karrieretechnisch weiter bedeutet eigentlich immer "mehr Verantwortung", 
egal, wie sich das dann schimpft. Das muß man können und wollen.

Oliver

Beitrag #7698331 wurde von einem Moderator gelöscht.
Beitrag #7698340 wurde von einem Moderator gelöscht.
Beitrag #7698344 wurde von einem Moderator gelöscht.
von Chris D. (myfairtux) (Moderator) Benutzerseite


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Daniel F. schrieb:
> hab ich wahnsinnig Angst

Willkommen im echten Leben. Da musst Du Entscheidungen treffen und dafür 
gerade stehen.

Daniel F. schrieb:
> mit rund insgesamt 15 J. BE und Master in IT

Und Du bist nach DIESER langen Zeit NICHT in der Lage, so eine 
Entscheidung selbst zu treffen?

Sorry, aber da fällt mir nur noch wenig zu ein.

von Monk (roehrmond)


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Manager müssen Entscheidungen treffen.

Btw: Ich finde, hier wurde zu viel gelöscht.

: Bearbeitet durch User
von ●DesIntegrator ●. (Firma: FULL PALATINSK) (desinfector) Benutzerseite


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Monk schrieb:
> Manager müssen Entscheidungen treffen.

Löschmods auch

von Michael B. (laberkopp)


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Daniel F. schrieb:
> Was würdet ihr machen?

Bei der Bank bleiben.

Jobs wechselt man nur für 25%+

von Hannes J. (Firma: _⌨_) (pnuebergang)


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Bradward B. schrieb:
> Für schweren Fällen von Generalisierter Angststörung

Ich hätte mehr auf Minderwertigkeitskomplexe getippt. Ich meine, für 
einen vermeintlich schöneren Titel -5% bis -10% Gehaltseinbuße in Kauf 
zu nehmen ist schon merkwürdig. Nur weil irgend welche Leute aus der 
Vergangenheit mit Titeln auf LinkedIn prahlen?

> Daniel F. schrieb:
>> (ca. -5% weniger Lohn)
>> jedoch ungefähr -10% weniger


Eine andere Aussage ist auch merkwürdig:
>> Ich habe in dieser Zeit seit ich angefangen habe, seit 5 J. keine
>> nennenswerten Beförderungen, ausser jedoch einmal eine kleinere
>> Gehaltserhöhung bekommen ca. 5%.

Aber:

>> Bis jetzt habe ich mich in der Karriere eher darauf konzentriert, mehr
>> zu verdienen

Auf 5% in fünf Jahren konzentriert? Wow. Das war nicht sehr 
konzentriert. Also ein Jobwechsel wäre deshalb eine gute Idee, nicht 
wegen eines schöneren Titels. Mit Gehaltssteigerung, nicht mit -5% bis 
-10% Einbuße.

Auf Versprechen bei einem neuen Job, wie Chance auf Beförderung mit mehr 
Salär, kann man nichts geben. Die Gehaltssteigerung muss sofort durch 
den Wechsel kommen und nicht als vages Versprechen in Raum stehen.

von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


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> Ich hätte mehr auf Minderwertigkeitskomplexe getippt. Ich meine, für
> einen vermeintlich schöneren Titel -5% bis -10% Gehaltseinbuße in Kauf
> zu nehmen ist schon merkwürdig. Nur weil irgend welche Leute aus der
> Vergangenheit mit Titeln auf LinkedIn prahlen?

Hat vielleicht mit dem Kulturkreis, aus dem man stammt, zu tun, ob man 
diesem "'klangvollen Namen' statt Gehalt" folgt oder nicht. Halt, 
welchen Wert "Sozialer Status" hat und was überhaupt ein "Ansehen" in 
der jeweiligen Gesellschaft hat.

In manchen Östlichen Kulturkreisen ist es über Jahrhunderte verwurzelte 
Tradition, "Titel" wie "Held der xyz" oder irgendwelches buntes Blech an 
der Brust übermäßig schätzt.

Siehe dazu die bekannte Kurzerzählung "Der Dünne und der Dicke" von 
Anton Tschechow, 1883:

https://www.projekt-gutenberg.org/cechov/erzcecho/chap009.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Dicke_und_der_D%C3%BCnne#Handlung

: Bearbeitet durch User
von Daniel F. (Firma: IT) (daniel_f745)


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Monk schrieb:
> Von dem Architekten erwartet man breit gefächerte Berufserfahrung,
> die
> du offenbar nicht hast.
Doch, insnges. 15 Jahre als Product Owner, Senior Consultant, Senior 
Engineer und Application Manager und Systemanalyst. Einer der Gründe, 
warum ich dieses Angebot bekam.

> Ob du Manager werden willst und kannst, kann ich nicht einschätzen. Für
> mich wäre das die Hölle. Manager entwickeln keine Software, sondern
> kümmern sich um organisatorische Probleme und müssen höheren Managern in
> den Ar*** kriechen. Ich bin sehr froh darüber, dass das jemand anderes
> für mich macht.
Ich möchte eher in Richtung Architektur/Strategie gehen. Also ein 
breiteres fachliches Spektrum verantworten.

Oliver S. schrieb:
> Dann definiere doch mal (für dich oder ganz öffentlich hier im Forum),
> was denn "karrieretechnisch weiterkommen" für dich bedeutet. Jobtitel
> sind ja nun in den letzten Jahren immer fantasiereicher geworden, und
> damit immer nichtssagender. "Senior Manager Service and Support" hieß
> vor nicht allzulanger Zeit noch "IT-Wartungstechniker"...
Jep das stimmt.
> Karrieretechnisch weiter bedeutet eigentlich immer "mehr Verantwortung",
> egal, wie sich das dann schimpft. Das muß man können und wollen.
Klar. Gerne mehr fachliche Verantwortung, kann auch 
Führungsverantwortung sein, muss aber nicht unbedingt.

Chris D. schrieb:
> Und Du bist nach DIESER langen Zeit NICHT in der Lage, so eine
> Entscheidung selbst zu treffen?
>
> Sorry, aber da fällt mir nur noch wenig zu ein.
Naja, ich höre gern noch Zweitmeinungen. Und ich weiss, sorry, ich bin 
nicht sehr gut in Entscheidungen.  Insbesondere in dieser schwierigen 
Entscheidung bin ich froh um jede Hilfe  / Zweitmeinung.
Die neue Rolle "Enterprise Architect" würde interessantere Arbeit 
bedeuten (Weniger  operativ sich mit Problemen und Bereitschaftsdienst 
herumschlagen), und der neue Arbeitgeber würde auch Weiterbildungen 
bezahlen, insges. scheint mir die W/L Balance der neuen Rolle besser 
jedoch mit etwas mehr Verantwortung (=Fortschritt/Aufstieg für mich)... 
Paradoxerweise doch ca. -5% Weniger Lohn (ungefähr real -500 CHF 
Netto/Monat), da andere Branche (nicht Bank, aber öffentl. Verwaltung 
einem Informatikamt).

Hannes J. schrieb:
> Ich hätte mehr auf Minderwertigkeitskomplexe getippt. Ich meine, für
> einen vermeintlich schöneren Titel -5% bis -10% Gehaltseinbuße in Kauf
> zu nehmen ist schon merkwürdig. Nur weil irgend welche Leute aus der
> Vergangenheit mit Titeln auf LinkedIn prahlen?
Ja zugegeben, es klingt schon etwas danach. Aber es ist nicht nur der 
Titel. Auch ein breiteres Aufgabenspektrum, und die Möglichkeit direkt 
mit Microsoft zusammenzuarbeiten, im Azure Cloud Umfeld.
Dies ist am IT Markt sehr gefragt, da sehr innovativ, ev. kann ich dann 
im übernächsten Job (strategisch gedacht) damit sehr punkten!

Hannes J. schrieb:
> Auf 5% in fünf Jahren konzentriert? Wow. Das war nicht sehr
> konzentriert. Also ein Jobwechsel wäre deshalb eine gute Idee, nicht
> wegen eines schöneren Titels. Mit Gehaltssteigerung, nicht mit -5% bis
> -10% Einbuße.
Du hast schon Recht, ich würde eigentlich bei einem Jobwechsel auch mehr 
Gehalt erwarten. Jedoch wurde mir gesagt, dass ich schon recht hoch bin 
mit dem Gehalt und sie mir deshalb nicht mehr zahlen können.

> Auf Versprechen bei einem neuen Job, wie Chance auf Beförderung mit mehr
> Salär, kann man nichts geben. Die Gehaltssteigerung muss sofort durch
> den Wechsel kommen und nicht als vages Versprechen in Raum stehen.
Absolute Zustimmung, ansonsten ist das alles nur heisse Luft. 
Anscheinend ist es heute leider sehr schwierig zu mehr Gehalt zu kommen, 
trotz Fachkräftemangel :-(

Bradward B. schrieb:
> In manchen Östlichen Kulturkreisen ist es über Jahrhunderte verwurzelte
> Tradition, "Titel" wie "Held der xyz" oder irgendwelches buntes Blech an
> der Brust übermäßig schätzt.
Du hast nicht ganz Unrecht, ich komme aus einer Region, wo "akademische" 
Grade bzw. Titel recht geschätzt werden.

Michael B. schrieb:
> Daniel F. schrieb:
>> Was würdet ihr machen?
>
> Bei der Bank bleiben.
> Jobs wechselt man nur für 25%+
Vielen Dank ! Du hast schon recht denke ich. Endlich mal ein 
pragmatischer und hilfreicher Kommentar.

: Bearbeitet durch User
von Oliver S. (oliverso)


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Daniel F. schrieb:
> Anscheinend ist es heute leider sehr schwierig zu mehr Gehalt zu kommen,
> trotz Fachkräftemangel :-(

Daniel F. schrieb:
> Jedoch wurde mir gesagt, dass ich schon recht hoch bin
> mit dem Gehalt und sie mir deshalb nicht mehr zahlen können.

Den Satz solltest du nochmals sehr gründlich durchdenken, und mal 
überlegen, was man dir damit sagen wollte.

Ansonsten wurde schon alles gesagt. Alleine der Fakt, daß sie für dich 
spannendste Stelle im öffentlichen Dienst angesiedelt ist, lässt 
vermuten, daß deine Bewerbungen nicht breit genug angelegt waren. Und 
wenn doch, nun ja, bleib besser, wo du bist. Besser wirds dann nicht 
mehr.

Oliver

von Andreas M. (amesser)


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Daniel F. schrieb:
> Also z.B. direkt mit Leuten von M$
> zusammenarbeiten, wie sie mir im Interview mitgeteilt haben.

LOL. Das heißt nichts anderes als das Du dich mit dem Support von 
Microsoft rumschlagen sollst. Viel Spaß dabei, da werden Tickets gerne 
einfach geschlossen weil der Gegenüber nicht mal kapiert was du willst, 
dem ist nur eine positive Bewertung wichtig, damit auch er bald den 
"Manager" Titel führen kann.

Daniel F. schrieb:
> da ich aktuell nur mit Legacy Technologien (on
> prem, Linux VMs etc.)

Was genau daran legacy ist, weist nur Du selbst? Wenn die Leute erstmal 
bemerkt haben, wie abhängig man bei Cloud von anderen ist, geht es ganz 
schnell rückwärts. Tolle Sache wenn das Ticket System, Source Code oder 
Wiki nicht erreichbar ist und man die Kunden im Support vertrösten muss. 
Ich war schonmal anwesend als ein höheres Tier von einem Automobilisten 
jemanden wegen zu langsamer Reaktion zusammengefaltet hat. die meisten 
Clouds basieren übrigens auf Linux VMs, auf was auch sonst.

Daniel F. schrieb:
> Doch, insnges. 15 Jahre als Product Owner, Senior Consultant, Senior
> Engineer und Application Manager und Systemanalyst. Einer der Gründe,
> warum ich dieses Angebot bekam.

Ich wüsste jetzt nicht was davon Dich zum "Enterprise Architekten" 
befähigen soll aber egal.

Daniel F. schrieb:
> Ich möchte auch vom Titel "Senior Engineer" weg und einen Fortschritt
> machen, da ich finde ich müsste in der Karriere schon weiter sein.

Manche meiner Kumpels aus der Schulzeit sind bei Bosch und dort auch 
schon viele Ebenen aufgestiegen, ich bin immer noch Entwickler bei nem 
kleinen Mittelständler - Mir egal, die Arbeit macht (meistens) Spaß, ich 
muss keine Excel Tabellen ausfüllen und Word Dokumente produzieren 
sondern kann am Gerät entwickeln und habe kaum Verantwortung. Es gibt so 
ziemlich jeden Tag was neues zu lernen und so lange wie ich nun schon 
hier bin, bin ich auch quasi unkündbar weil einfach zuviel Wissen in 
meinem Kopf ist. Eine Position in höheren Ebenen ist hingegen schnell 
ersetzt, da brauchts kein detailiertes Fachwissen.

Daniel F. schrieb:
> Absolute Zustimmung, ansonsten ist das alles nur heisse Luft.
> Anscheinend ist es heute leider sehr schwierig zu mehr Gehalt zu kommen,
> trotz Fachkräftemangel :-(

Also den Inflationsausgleich von 5% den Du in 5 Jahren bekommen hast, 
bekomm ich hier turnusmäßig jedes Jahr.

von Monk (roehrmond)


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Bewerbe dich nicht als Architekt im Cloud Umfeld, ohne dort umfangreich 
Erfahrung zu haben. Es sei denn, dein künftiger Arbeitgeber hat deutlich 
signalisiert, dass er bereit ist  dich in dem Bereich auszubilden.

von Daniel F. (Firma: IT) (daniel_f745)


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Oliver S. schrieb:
> Ansonsten wurde schon alles gesagt. Alleine der Fakt, daß sie für dich
> spannendste Stelle im öffentlichen Dienst angesiedelt ist, lässt
> vermuten, daß deine Bewerbungen nicht breit genug angelegt waren. Und
> wenn doch, nun ja, bleib besser, wo du bist. Besser wirds dann nicht
> mehr.

Das ist gut möglich vielleicht soll ich meine Suche noch mehr ausweiten. 
Die Stelle habe ich über einen Headhunter vermittelt bekommen. Er meint 
die Stelle bei dem Informatikamt sei ein sehr innovatives Umfeld, da sie 
gerade Schulen und Gemeinden auf Microsoft Cloud (Azure) umstellen auf 
einen sogenannten "digitalen Arbeitsplatz". Ich könnte bzw. müsste da 
viel im Security-Umfeld umsetzen (IAM, Entra-ID, PKI, etc.)

Aber schon komisch - was mich stutzig macht - im Interview haben sie mir 
dann noch gesagt, dass ich am Anfang sehr viel bei Security 
Dokumentationen (Word, Excel) als Enterprise-Architekt unterstützen 
müsste, da dass die Applikationsmanager nicht gemacht haben.
Man könnte die Stellenanzeige dann noch im Nachhinein anpassen, das sei 
kein Problem, denn es ist auch für sie eine ganz neue Stelle, die 
geschaffen wurde.

Andreas M. schrieb:
> LOL. Das heißt nichts anderes als das Du dich mit dem Support von
> Microsoft rumschlagen sollst.
Danke, die Idee ist eher mit M$ Sales und Architektur zusammenzuarbeiten 
nicht im operativen Supportbereich.

Andreas M. schrieb:
> wie abhängig man bei Cloud von anderen ist, geht es ganz
> schnell rückwärts.
Ja das habe ich schon mal ein paar mal mitbekommen..

Andreas M. schrieb:
> Mir egal, die Arbeit macht (meistens) Spaß, ich
> muss keine Excel Tabellen ausfüllen und Word Dokumente produzieren
> sondern kann am Gerät entwickeln und habe kaum Verantwortung.
Andreas M. schrieb:
> Eine Position in höheren Ebenen ist hingegen schnell
> ersetzt, da brauchts kein detailiertes Fachwissen.
Das ist auch schön, na klar, das macht auch Sinn und es erfüllt einen 
mehr, das versteh ich schon. Leider gibts bei den meisten Firmen nur 
"Führungskarrieren" aber keine "Fachkarrieren", die IT Firmen (Gurgle, 
M$ etc.) machen das ein bisschen besser.

Andreas M. schrieb:
> Also den Inflationsausgleich von 5% den Du in 5 Jahren bekommen hast,
> bekomm ich hier turnusmäßig jedes Jahr.
Das ist sehr gut das glaub ich auch. Leider sind sie in der CH noch 
recht konservativ mit Erhöhungen (es gibt keine Kollektivverträge oder 
selten Teuerungsausgleiche). Hier z.B. Lohnüberblick ICT Branche 2024: 
https://www.netzwoche.ch/news/2024-04-09/das-sind-die-loehne-der-ict-branche-2024/0lt0

Monk schrieb:
> Bewerbe dich nicht als Architekt im Cloud Umfeld, ohne dort
> umfangreich
> Erfahrung zu haben. Es sei denn, dein künftiger Arbeitgeber hat deutlich
> signalisiert, dass er bereit ist  dich in dem Bereich auszubilden.
Jep, ich habe versucht mich neben dem Beruf etwas weiterzubilden, ist 
aber anstrengend.

von Lu (oszi45)


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Es reicht nicht, einen tollen Titel zu führen. Man sollte sich auch 
wohlfühlen bei seiner Arbeit. Viel Geld kann auch Schmerzensgeld sein. 
Einen Job, den keiner machen will, muß man halt besser bezahlen oder 
einen interessanten Titel geben?

Beitrag #7698943 wurde von einem Moderator gelöscht.
Beitrag #7698945 wurde von einem Moderator gelöscht.
von Andreas M. (amesser)


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Daniel F. schrieb:
> Danke, die Idee ist eher mit M$ Sales und Architektur zusammenzuarbeiten
> nicht im operativen Supportbereich.

Vergiss es, so ein großer Fisch ist der AG bestimmt nicht als das MS 
direkten Kontakt zu den Entwicklern zulässt. Und Sales? was genau soll 
das sein, MS sagt wie viel zu bezahlen ist und dann wird bezahlt, dafür 
brauchts kein Sales Team.

In Deutschland z.B. machen die wenigsten öffentlichen ITs das selbst, 
das geht fast immer über Drittanbieter, es muss auch jeder Kicki 
Ausgeschrieben werden bevor sich da irgendwas rührt.

Daniel F. schrieb:
> im Interview haben sie mir
> dann noch gesagt, dass ich am Anfang sehr viel bei Security
> Dokumentationen (Word, Excel) als Enterprise-Architekt unterstützen

Was nichts anderes heißt als das Du die (langweilige) Arbeit machen 
sollst auf die die anderen keine Lust haben/hatten.

von Daniel F. (Firma: IT) (daniel_f745)


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Lu schrieb:
> Es reicht nicht, einen tollen Titel zu führen. Man sollte sich
> auch
> wohlfühlen bei seiner Arbeit. Viel Geld kann auch Schmerzensgeld sein.
> Einen Job, den keiner machen will, muß man halt besser bezahlen oder
> einen interessanten Titel geben?
Tja, das stimmt die Arbeit sollte natürlich passen. Der interessante 
Titel "Enterprise Architekt" ist sicher gegeben, was ev. auch Chancen 
bei einem ggf. übernächsten Arbeitgeber bedeutet. Die Bezahlung ist ok 
(-5% weniger als aktuelles Gehalt bei einer Bank in CH, dafür bessere 
W/L Balance, da kein Bereitschaftsdienst mehr).

Andreas M. schrieb:
> Vergiss es, so ein großer Fisch ist der AG bestimmt nicht als das MS
> direkten Kontakt zu den Entwicklern zulässt. Und Sales? was genau soll
> das sein, MS sagt wie viel zu bezahlen ist und dann wird bezahlt, dafür
> brauchts kein Sales Team.
Wie mir gesagt wurde, sind sie mit einem Account manager dran, einige 
Konzepte in der öffentlichen Verwaltung zu planen bzw. umzusetzen, z.B. 
Microsoft Copilot.  Intelligenter Chatagent für die Mitarbeiter, der 
z.B. mit Inhalten wie Infos aus dem  Intranet uvm. gespeist wird.

> In Deutschland z.B. machen die wenigsten öffentlichen ITs das selbst,
> das geht fast immer über Drittanbieter, es muss auch jeder Kicki
> Ausgeschrieben werden bevor sich da irgendwas rührt.
Ja, das ist wohl hier in der CH auch so, dass das meistens 
ausgeschriebene Drittanbieter etwas machen bzw. das dann umsetzen.
Aber was genau macht dann die öffentliche Verwaltung/IT ? Das verstehe 
ich noch nicht ganz. Anscheinend sehen die sich Unterlagen durch, ob 
alle Dokumente da sind, bzw. dokumentieren Dateninhalte der 
Applikationen gemäss Datenschutz usw.

von Oliver S. (oliverso)


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Daniel F. schrieb:
> Er meint
> die Stelle bei dem Informatikamt sei ein sehr innovatives Umfeld, da sie
> gerade Schulen und Gemeinden auf Microsoft Cloud (Azure) umstellen auf
> einen sogenannten "digitalen Arbeitsplatz". Ich könnte bzw. müsste da
> viel im Security-Umfeld umsetzen (IAM, Entra-ID, PKI, etc.)

Anscheinend hat da jeder Kanton so ein Amt für Informatik. Geht das um 
so eins, oder ist das noch viel lokaler angesiedelt?

Und das, was du da können müssen sollst, kannst du das auch? Können im 
Sinne von mehrjähriger Erfahrung in verschiedensten Projekten, nicht 
"hab ich mal von gehört"?


Oliver

von Andreas M. (amesser)


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Daniel F. schrieb:
> Aber was genau macht dann die öffentliche Verwaltung/IT ? Das verstehe
> ich noch nicht ganz. Anscheinend sehen die sich Unterlagen durch, ob
> alle Dokumente da sind, bzw. dokumentieren Dateninhalte der
> Applikationen gemäss Datenschutz usw.

Vor allem Aktenordner mit viel Papier füllen. Im Prinzip wird alles 
ausgeschrieben und dann von Drittanbietern erledigt. Hauptaufgabe liegt 
im Formulieren der Anforderungen, koordinieren der zig Auftragnehmer und 
prüfen der Arbeitsergebnisse. (Auch auf Administratorenebene) Nur ganz 
wenige legen auch mal wirklich selbst Hand an, dazu fehlt den Meisten 
dass Wissen. (Ich kenne sogar Fälle wo das Anlegen von Benutzern im AD 
durch eine externe Firma erledigt wird...)

Datenschutz interessiert hier niemanden. Entsprechend der 
Landesdatenschutzbehörde sollen vor allem Microsoft Cloud Produkte 
(Teams, Office 365, Outlook Mail...) eigentlich nicht weiter verwendet 
werden und ersetzt werden. Es passiert gerade genau das Gegenteil davon.

von Purzel H. (hacky)


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Ich arbeite schon seit immer in der Schweiz. Lohnerhoehungen ueber 1% 
oders gibt es in der Regel nicht. Wenn man die Stelle wechselt kann man 
mehr bekommen. Und ja, die Vorgesetzten sind immer sehr zufrieden. 
Kostet ja nichts.
Irgend einen Titel kannst du dir selbst geben. Er besagt nichts. 
Deswegen schaut niemand im Zeugnis auf den Titel, sondern auf die 
Funktionalitaet.

Ich kannte mal einen in einer Bank : Senior Vice President Assistant. 
Nichts Spezielles, ein paar Stories kamen, fertig.

Mehr Lohn gibt es nur fuer mehr Funktionalitaet. Sinnvollerweise bei 
einer neuen Firma. Befoerdert wurde ich in den vielen Jahren nie. Es gab 
eigentlich nie etwas darueber, was aufsteigbar gewesen waere. Egal, die 
neue Funktionalitaet muss man auch bringen koennen, "es" sollte etwas 
mehr sein, wie in einem Youtube gesehen zu haben, oder "es" von einem 
Kollegen, welcher "es" in einem youtube sah erzaehlt bekommen haben. Am 
besten eine Weiterbildung.

von Andreas B. (bitverdreher)


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Daniel F. schrieb:
> jedoch hab ich wahnsinnig
> Angst, fehlerhaft zu entscheiden (hatte ich schon mal).

Das ist normalerweise das k.o. Kriterium fuer irgendeine 
Leitungsfunktion.
Titel sind ueberdies ziemlich aussagelos. Vom meinem AG wuerde ich fast 
jeden   gewuenschten Titel bekommen (ausser CEO ;-) )

von ●DesIntegrator ●. (Firma: FULL PALATINSK) (desinfector) Benutzerseite


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Purzel H. schrieb:
> Es gab eigentlich nie etwas darueber, was aufsteigbar gewesen waere.

keine Frauen in der Firma?

von Daniel F. (Firma: IT) (daniel_f745)


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Danke für unsere interessante Diskussion, einigen scheint es ja nicht zu 
gefallen deswegen die vielen Minus :-(
Trotzdem, ich finde es interessant :-)

Oliver S. schrieb:
> Anscheinend hat da jeder Kanton so ein Amt für Informatik. Geht das um
> so eins, oder ist das noch viel lokaler angesiedelt?
Ganz genau, es geht sagen wir mal um das Amt der Informatik eines 
grösseren Kantons. Sie wollen die IT Basisinfrastruktur zentralisieren 
von den ganzen Ämtern zu diesem Amt (z.B. Digital Workplace, Server, 
z.B. interne Dienste wie Chatgpt / Microsoft Co pilot etc.)

> Und das, was du da können müssen sollst, kannst du das auch? Können im
> Sinne von mehrjähriger Erfahrung in verschiedensten Projekten, nicht
> "hab ich mal von gehört"?
Ja ich habe bereits in vielen verschiedenen Projekten (Industrie, Finanz 
etc. gearbeitet, Migrationen, Entwicklung, Architektur...)

Andreas M. schrieb:
> Vor allem Aktenordner mit viel Papier füllen. Im Prinzip wird alles
> ausgeschrieben und dann von Drittanbietern erledigt. Hauptaufgabe liegt
> im Formulieren der Anforderungen, koordinieren der zig Auftragnehmer und
> prüfen der Arbeitsergebnisse. (Auch auf Administratorenebene) Nur ganz
> wenige legen auch mal wirklich selbst Hand an, dazu fehlt den Meisten
> dass Wissen. (Ich kenne sogar Fälle wo das Anlegen von Benutzern im AD
> durch eine externe Firma erledigt wird...)
Ich habe eben auch das Gefühl, wenn es nur darum geht Aktenordner mit 
Papier zu füllen, wäre das die falsche Stelle.
Leider sagt mir niemand die Wahrheit (besonders nicht im Interview) denn 
sie wollen potentielle Kandidaten nicht verlieren.

Und tatsächlich: du hast Recht, habe einen Artikel gefunden wo die 
internen Kräfte hinten und vorn nicht reichen, sie benötigen 
Drittanbieter Hilfe in der Höhe von ca. 45 Mio.

https://www.inside-it.ch/kanton-zuerich-braucht-externe-hilfe-fuer-rund-45-millionen-franken-20230830

Purzel H. schrieb:
> Ich arbeite schon seit immer in der Schweiz. Lohnerhoehungen ueber 1%
> oders gibt es in der Regel nicht. Wenn man die Stelle wechselt kann man
> mehr bekommen. Und ja, die Vorgesetzten sind immer sehr zufrieden.
> Kostet ja nichts.
> Irgend einen Titel kannst du dir selbst geben. Er besagt nichts.
> Deswegen schaut niemand im Zeugnis auf den Titel, sondern auf die
> Funktionalitaet.
>
> Ich kannte mal einen in einer Bank : Senior Vice President Assistant.
> Nichts Spezielles, ein paar Stories kamen, fertig.
>
> Mehr Lohn gibt es nur fuer mehr Funktionalitaet. Sinnvollerweise bei
> einer neuen Firma. Befoerdert wurde ich in den vielen Jahren nie.

Mir ging es leider auch so! Ich bin auch Ausländer in der Schweiz 
(Deutscher) jedoch hatte ich fast nie eine richtige Beförderungen 
(einmal eine kleine Lohnerhöhung von 3-4% und manchmal einen 
Teuerungsausgleich - aber sonst nix!)
Es hat nur mal mehr gegeben wie ich gewechselt habe.

Anscheinend muss man da lokal verankert bzw. Schweizer sein, um 
weiterzukommen.

Und ich dachte immer Titel = Funktion ?
Z.B. Senior SW Ingenieur = Entwickelt als erfahrener Entwickler Software
Teamleiter = Führt das Team, Administrativ und fachlich
Die meisten Teamleiter die ich kennengelernt habe, waren ältere 
Schweizer mit nahezu 0 Erfahrung in z.B. SW Entwicklung.
Enterprise Architekt = Architekt der für die Organisation Systeme / 
Bebauungspläne entwirft und verantwortet, Richtlinien vorgibt

Senior Vice President.. ja solche Titel gibt es (glaube ich nur) in der 
Bank, das stimmt..

Ich habe aber auch leider die Erfahrung gemacht, dass Erfahrung, Titel 
und Funktion sehr selten mit dem Gehalt übereinstimmen! Hier ein paar 
Beispiele aus ziemlich verlässlicher Quelle in der CH, alle mit ca. 
10-15 J. Berufserfahrung:

Senior Analyst/Engineer: Fachkader, Engineering, Architektur; 
Bereitschaft, kritische (Legacy-) Zahlungssysteme ca. 160K / Brutto CHF 
/ Jahr (inkl. Bonus)
Cloud Architekt (moderne Azure Technologien), Fachkader, auch 
öffentlicher Sektor: ca. 155K  Brutto CHF  Jahr
Senior Manager / Projektleiter Fintech (KMU ca. 30 MA verstreut): ca. 
145K / Brutto, ev. 0-5K Bonus

Andreas B. schrieb:
> Das ist normalerweise das k.o. Kriterium fuer irgendeine
> Leitungsfunktion.
> Titel sind ueberdies ziemlich aussagelos. Vom meinem AG wuerde ich fast
> jeden   gewuenschten Titel bekommen (ausser CEO ;-) )
Ja das ist nicht gut für eine Leitungsfunktion, ist mir bewusst..
Was wäre denn dein gewünschter / Lieblingstitel?

Viele Grüsse,
Daniel

von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Daniel F. schrieb:
> sie benötigen Drittanbieter Hilfe in der Höhe von ca. 45 Mio.

Das liegt aber auch oft daran sich keine wirkliche Verantwortung 
aufzubürden.

Wenn die IT das eigene Haus macht, dann wird alles was schiefläuft unter 
dem Aspekt der groben Fahrlässigkeit versucht den Mitarbeitern 
anzuhängen. Ist der Fehler durch eine externe Firma entstanden oder 
mitentstanden, die zu einem Teil auch auf Grund der fehlenden Expertise 
im eigenen Hause beauftragt wurde, dann wird das in der Regel scheiten 
den Mitarbeitern grobe Fahrlässigkeit anzuhängen und muss sich mit den 
Mißerfolgen, dass das bei Fahrlässigkeit ohne "grober" nicht anzuhängen 
klappt, abgeben.

von Daniel F. (Firma: IT) (daniel_f745)


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Dieter D. schrieb:
> Ist der Fehler durch eine externe Firma entstanden oder
> mitentstanden, die zu einem Teil auch auf Grund der fehlenden Expertise
> im eigenen Hause beauftragt wurde, dann wird das in der Regel scheiten
> den Mitarbeitern grobe Fahrlässigkeit anzuhängen und muss sich mit den
> Mißerfolgen, dass das bei Fahrlässigkeit ohne "grober" nicht anzuhängen
> klappt, abgeben.

Ganz genau, dieses Verfahren sehe ich auch bei anderen Behörden und vor 
allem Banken (Outsourcing des Risikos). Hier hat man höllisch Angst, 
versuchen Mitarbeiter etwas in kreativer Eigenentwicklung zu machen. Das 
wird sogar regelrecht verhindert.

Tja, was bleibt dann noch als Fleisch am Knochen bei solchen 
Arbeitgebern? Eher reine Verwaltungs- bzw. Dokumentationsarbeit? 
Langweilig, aber gut bezahlt, wenig Stress? Ich kenne jemand mit ca. 40 
der arbeitet im öffentl. Sektor als IT Architekt, füllt 
Datenschutzdokumente (seiner Angabe nach langweilige Word-/Excelarbeit) 
aus, kommt auf rund 150k+ CHF / im Jahr brutto.

Das Programmieren macht er nun als Hobby nebenbei.

von Andreas B. (bitverdreher)


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Daniel F. schrieb:
> Was wäre denn dein gewünschter / Lieblingstitel?

Der ist mir ziemlich wurscht. Das Gehalt und die Arbeitsbedingungen 
muessen stimmen.

von Dergute W. (derguteweka)


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Moin,

Daniel F. schrieb:
> Was wäre denn dein gewünschter / Lieblingstitel?

An deiner Stelle wuerde ich mir einen Titel aus dem Radio PSR Sinnlos 
Telefon Anruf bei Jung von Matt aussuchen. Da werden so einige genannt, 
die wahrscheinlich gut zu deinen Kompetenzen passen.

scnr,
WK

von Daniel F. (Firma: IT) (daniel_f745)


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Dergute W. schrieb:
> An deiner Stelle wuerde ich mir einen Titel aus dem Radio PSR Sinnlos
> Telefon Anruf bei Jung von Matt aussuchen.
Ja ich kenne die Serie, ok, "Head of Sonstwas" ;-)

Das was mich fasziniert, ist, dass die Bezahlung relativ unterschiedlich 
bzw. unabhängig ist von Titel  Funktion eher abhängig von Branchen / 
Firmen Grösse, denke das ist in DE auch so 🤔:
Daniel F. schrieb:
> Senior Analyst/Engineer: Fachkader, Engineering, Architektur;
> Bereitschaft, kritische (Legacy-) Zahlungssysteme ca. 160K / Brutto CHF
> / Jahr (inkl. Bonus)
> Cloud Architekt (moderne Azure Technologien), Fachkader, auch
> öffentlicher Sektor: ca. 155K  Brutto CHF  Jahr
> Senior Manager / Projektleiter Fintech (KMU ca. 30 MA verstreut): ca.
> 145K / Brutto, ev. 0-5K Bonus

In der Schweiz ist es halt so die schauen nur, was du vorher an 
Funktion/Titel gehabt hast. Warst du z. B. noch kein "Teamleiter" oder 
ähnliches ist es fast unmöglich in diese Position zu kommen. Das ist das 
was mich sehr stört.

von Klaus (feelfree)


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Daniel F. schrieb:
> Warst du z. B. noch kein "Teamleiter" oder ähnliches ist es fast
> unmöglich in diese Position zu kommen.

Und wieder scheint es dir nur auf den Titel, nicht aber auf die 
Tätigkeit anzukommen.

Bei mir ist das umgekehrt, ob ich meinen Entwickler-Job als 
"Hausmeister" oder als "Head of Engineering" ausführe, ist mir 
schnurzpiepegal.

von Andi (chefdesigner)


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Daniel F. schrieb:
> In der Schweiz ist es halt so die schauen nur, was du vorher an
> Funktion/Titel gehabt hast.

Das sind aber auch schon gehobene Stellen, die du da anführst.

Daniel F. schrieb:
> Teamleiter = Führt das Team, Administrativ und fachlich
> Die meisten Teamleiter die ich kennengelernt habe, waren ältere
> Schweizer mit nahezu 0 Erfahrung in z.B. SW Entwicklung.

Wie sind die Teamleiter geworden?

von Klaus (feelfree)


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Andi schrieb:
> Wie sind die Teamleiter geworden?

Den Job bekommt meist ein titelgeiler Mitarbeiter, der als Entwickler 
überfordert ist, und froh ist, trotzdem für mehr Geld den besseren Titel 
zu haben und dessen wichtigste Aufgabe es sein wird, die Urlaubsanträge 
seiner Mitarbeiter zu genehmigen.

Win für den neuen Teamleiter - mehr Geld und der tolle Titel.
Win für das Team - ein Unterperformer weniger den man mitschleppen muss.
Win für das Unternehmen - alle sind zufrieden.

von Daniel F. (Firma: IT) (daniel_f745)


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Klaus schrieb:
> Und wieder scheint es dir nur auf den Titel, nicht aber auf die
> Tätigkeit anzukommen.
Ich dachte immer Titel = entspricht auch immer zum Grossteil der 
Tätigkeit die man dann macht.

Klaus schrieb:
> Entwickler-Job als "Hausmeister" oder als "Head of Engineering"
> ausführe, ist mir schnurzpiepegal.
Ja, im Prinzip hast du schon recht, wenn nur nicht die Recruiter / 
Headhunter so bescheuert wären.

Andi schrieb:
> Das sind aber auch schon gehobene Stellen, die du da anführst.
Das stimmt, für alle sind Studium und mehrjährige Berufserfahrung 
erforderlich.

Andi schrieb:
> Wie sind die Teamleiter geworden?
In dem sie z. B. gut reden, gute Beziehungen haben etc. gut auch ist den 
Slang zu kennen , lokale Schweizer Gepflogenheiten zu kennen, ev. in 
einem Verein zu sein etc. Fachwissen müssen die Spezialisten haben, der 
Teamleiter muss einfach koordinieren bzw. das Team "führen". Alles 
andere ist denen zu "technisch". (Bzw. das habe ich hauptsächlich in der 
CH beobachtet.)

: Bearbeitet durch User
von Purzel H. (hacky)


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>Purzel schrieb
>> Mehr Lohn gibt es nur fuer mehr Funktionalitaet. Sinnvollerweise bei
>> einer neuen Firma. Befoerdert wurde ich in den vielen Jahren nie.

Daniel F schrieb
>Mir ging es leider auch so! Ich bin auch Ausländer in der
>Schweiz (Deutscher) jedoch hatte ich fast nie eine richtige
>Beförderungen (einmal eine kleine Lohnerhöhung von 3-4% und
>manchmal einen Teuerungsausgleich - aber sonst nix!)
>Es hat nur mal mehr gegeben wie ich gewechselt habe.

Ich bin Schweizer, hat nichts mit der Nationalitaet zu tun.
Als Kompensation darf man Ballerina sein. Ich kann machen was
ich will. Sei das nun, dass die gesammte Firma die Ferien
beantragen und absegnen lassen muss, ich nicht. 3 Monate
Unbezahlt wegen Ausgebrannt sein ist keine Diskussion.
Eigentlich braucht's keinen Grund

: Bearbeitet durch User
von Daniel F. (Firma: IT) (daniel_f745)


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Andreas M. schrieb:
> Daniel F. schrieb:
>> im Interview haben sie mir
>> dann noch gesagt, dass ich am Anfang sehr viel bei Security
>> Dokumentationen (Word, Excel) als Enterprise-Architekt unterstützen
>
> Was nichts anderes heißt als das Du die (langweilige) Arbeit machen
> sollst auf die die anderen keine Lust haben/hatten.

Habe das genau bezgl. diesen Aufgaben nochmals nachgefragt.
Es ist tatsächlich so, dass für ca. 125 Applikationen die in der 
Verwaltung auf dem Amt eingesetzt werden (von Mini Applikationen bis SAP 
ist alles dabei) leider nur sehr wenig/ lückenhaft 
Datenschutzdokumentationen oder Schutzbedarfsanalysen gemacht wurden.
Das ist normalerweise in der Verantwortung des Projektleiters oder 
Applikations-Owner. Viele Projekte sind in den letzten Jahren 
abgeschlossen worden, leider ohne diesen Dokumenten, aus verschiedenen 
Gründen.

Meine Aufgabe wäre, die Applikationsverantwortlichen dabei sehr 
umfassend zu unterstützen. Eine meiner ersten Aufgaben wird dies sein 
und in einer Präsentation dem Chef zu zeigen, wie ich das angehen will 
(nehme an sowas wie eine Roadmap zu präsentieren).

Jedoch war das in der Stellenausschreibung "Enterprise Architect" und im 
1. Interview mit keinem Wort erwähnt. Es sollte auch nur im ersten 
Halbjahr so sein. Danach bekäme ich die Architekturaufgaben.

Scheint mir wirklich so, als suchen sie einen Neuen, der das alles 
übernehmen kann..
Hmm, für 5% weniger Lohn..naja..

Die Hoffnung stirbt zuletzt, ev. kann ich mit der Erfahrung dann in der 
übernächsten Stelle damit punkten.
Sie bieten mir an, dass sie dahingehend noch die Stellenausschreibung 
ergänzen können.
Für mich klingt das alles etwas komisch, was denkt ihr?

von Dergute W. (derguteweka)


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Moin,

Ja und? Da haben sie halt einen gesucht, der ihen die Doku macht, so 
what? Und sie wollten dir 5% weniger zahlen - Aber du waerst dort der 
"Enterprise Architekt" gewesen. Ich dachte du stehst so auf Titel, jetzt 
isses auch nicht recht? Hey, Plaene fuer ein Raumschiff nach Vorgaben 
von Herrn Kirk zeichnen, das ist doch was...

Klar, ich haette schon bei "word und excel" meine Beine in die Hand 
genommen. Aber ich weiss, dass es da durchaus Leute gibt, die genau an 
sowas einen Mordsspasss haben. Die haben dann halt einen Horror vor gcc 
oder make.

Hat halt die Stelle nicht auf dich gepasst, passiert andauernd und 
solange man's rechtzeitig merkt, ist das doch kein Drama.

Gruss
WK

von Daniel F. (Firma: IT) (daniel_f745)


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Hi WK vielen Dank hier meine Antworten:

Dergute W. schrieb:
> Ja und? Da haben sie halt einen gesucht, der ihen die Doku macht, so
> what? Und sie wollten dir 5% weniger zahlen - Aber du waerst dort der
> "Enterprise Architekt" gewesen. Ich dachte du stehst so auf Titel, jetzt
> isses auch nicht recht?

Naja, solange es NUR Doku ist, passt mir das nicht so recht. Wenn es 
halt nur am Anfang so ist, ok..
Ich wollte eine bessere W/L Balance, Zeit für Weiterbildung,
Neue Technologien (M$ / Azure Cloud) kennenlernen.

Aber ein Amt verwaltet anscheinend eher und lässt Technik von 
Drittanbieter machen (kommt mir vor?)
Ja, warum suchen sie denn dann einen Architekten überhaupt?
Oder benennen die Stelle um auf "Dokumentationsbeauftragter" oder so..?

Dergute W. schrieb:
> Klar, ich haette schon bei "word und excel" meine Beine in die Hand
> genommen. Aber ich weiss, dass es da durchaus Leute gibt, die genau an
> sowas einen Mordsspasss haben. Die haben dann halt einen Horror vor gcc
> oder make.
Ich habe von beidem keine grosse Angst. Jedoch nur Excel / Word Aufgaben 
ist auch nix für mich..

Dergute W. schrieb:
> Hat halt die Stelle nicht auf dich gepasst, passiert andauernd und
> solange man's rechtzeitig merkt, ist das doch kein Drama.
> Gruss
> WK
Das Problem ist dass ich mündlich eigentlich schon zugesagt habe, da 
mich eigentlich die Stelle (Enterprise Architect, Aussicht auf neue 
Cloud Technologien) sehr angesprochen hat.
Jedoch langsam habe ich einen Bammel, wenn das nur rein Dokumentation 
sein soll... :-/

Grüsse, Daniel

: Bearbeitet durch User
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