Überschalg bei EMV Surge Prüfung

OP #7814317
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Hallo, in unserem Gerät sind Leistungsbauteile im TO247 Gehäuse über eine Isolierfolie an einen geerdeten Kühlkörper mit einer Metallschraube M3 angeschraubt (s.Foto).

Bei der EMV Surge Prüfung 4 KV L1 gegen PE (Safety Norm) hat es einen Überschlag vom IGBT auf den Kühlkörper gegeben. Spannungsbegrenzer (Funkenstrecke L zu PE) ist nicht vorhanden.

Gibt es eine andere Möglichkeit, diese Überschläge zu vermeiden ? Eine Kunststoffschraube ist nicht fest genug.

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#7814338
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Dirk F. schrieb:

Guter Vorschlag.

Das macht doch keinen Unterschied, das Loch in der Folie ist immer noch da, die Strecke zum Kühlkörper ist gleich, egal ob Metall- oder GFK-Schraube... Durch die hohe Spannung ist es über den Füller durchgeschlagen, entweder muss das Loch zum Kühlkörper weg (-> Bauteil klemmen) oder du musst eine andere Folien-Pasten/Fillerkombination nehmen

#7814410
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Dirk F. schrieb:

in unserem Gerät sind Leistungsbauteile im TO247 Gehäuse über eine Isolierfolie an einen geerdeten Kühlkörper mit einer Metallschraube M3 angeschraubt (s.Foto).

Die allermeisten Elektronikgerätehersteller verzichten inzwischen auf die Nutzung des Schraubloches und legen eine vollflächige Isolierscheibe drunter oder stecken das Bauteil in einen Isolierschlauch.

Festgehalten wird das Bauteil dann von der Plastikseite aus, entweder per Federklammer oder per Blechstreifen der über 2 nebeneinanderliegende TO247 geht wie bei dir und in der Mitte mit nur einer Schraube festgeschraubt wird.

Denn Schraube im Loch ergibt ungleichmässigen Anpressdruck und schlechte Kühlung, mittig iben drauf drücken, ggf. noch federnd hingegen besten Kontakt.

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OP #7814432
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Udo K. schrieb:

Wie kommen die 4 kV überhaupt an den IGBT? Normalerweise hat man da Varistoren oder TVS Dioden am Eingang, die die Überspannung begrenzen...

Varistor zwischen L1-L2 ist vorhanden. Deshalb ist bei der Surge Prüfung L1 nach L2 auch nichts passiert.

Varistoren direkt nach PE mach man wohl nicht. Nur mit einer Funkenstrecke. Dafür ist kein Platz da.

2 KV Surge L1 nach PE wurde ja auch überstanden. Normale Industrienorm.

Nur für die Safety Prüfung mit 4 KV hats geknallt. Prüfung trotzdem bestanden, da der sicher Zustand erhalten blieb.

#7814447
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ich weiß es eben nicht genaues, aber man verwendet auch Epoxikleber als Wärmeleitpaste, vielleicht kann die auch gegen Überschlag abdichten. ich habe letztens mal das Angebot von einem Kleber-als-Wärmeleitpaste-Anbieter überflogen. Epotek https://www.epotek.com/wp-content/uploads/2021/01/Optimizing-Thermal-Management%E2%80%A6-with-EPO-TEK%C2%AE-Thermally-Conductive-Adhesives.pdf

#7814681
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Außerdem wird man bei einem sicherheitskritischen Gerät wie hier im Feld keinen Tausch auf Komponentenebene machen, sondern vermutlich das ganze Gerät oder Modul tauschen inkl. Gehäuse. Eben weil man solche Dinge wie die korrekte Isolation, korrekte Montage der Isolations+Kühlfolien, Spanfreiheit der Gewinde etc. im Feld nur schwer sicherstellen kann.

#7814780
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H. H. schrieb:

Rainer D. schrieb:

4kV über eine 2mm Strecke? Ihr Optimisten!

Das ist keine Oberfläche oder Luftstrecke.

Sondern was? Wir betrachten das auch immer als Luft- und Kriechstrecke. Das sind 2mm Abstand zwischen Drain und PE. Mit unklaren Verhältnissen. Wenn das Isolierpad eine kleine Beschädigung hat oder nur ein Haar dreufliegt, ist das sofort Luftstrecke.

(Firma: Wilhelm.Consulting) #7814866
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Dirk F. schrieb:

Lu schrieb:

Hast einen gütigen Prüfer gehabt

Steht so in der Norm DIN EN 61000-6-7

Naja, da steht drinnen, dass wenn du vor der Prüfung sagst, dass das defekt werden darf, dann darf er während der Prüfung das druchnicken... anders herum nicht.

Ich glaube "gütiger Prüfer" war da so gemeint :)

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Gast #7814896
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Benjamin K. schrieb:

Wir betrachten das auch immer als Luft- und Kriechstrecke.

Kann man machen. Führt dann aber zu absurden Luft und Kriechstrecken und zu äußerst unhandlichen Konstruktionen.

Bereits ein Streifen Tesafilm isoliert ganz locker 1KV. Beim TO ist ganz offesichtlich durch schlechte Verarbeitung oder ungeeignete Materalien ein Überschlag passiert. Das kann man jetzt bis zum Exzess theoretisieren und nach 'immer einmal mehr' rufen, oder man macht es eben einfach richtig.

BSC80 HTG 2GF50 ist laut DB bis min 4kV Isolierend. Das ist arg knapp. Nach meiner Ansicht ist es auch nicht zur Schraube durchgeschlagen, sondern vom Heat Spreader zum Kühlkörper. Und zwar genau da wo der Anpressdruck der Schraube das Material so weit komprimiert hat das es eben nicht mehr 180µm dick war und 4KV aushalten konnte.

Also einfach ein besseres Material nehmen und die Anzugsmomente im Blick behalten.

#7815116
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Warum gibt es eigentlich so wenig Leistungshalbleiter mit isoliertem Gehäuse? Ist natürlich klar dass man damit einen höheren thermischen Widerstand (und damit auch eine geringere Maximalleistung) ins Datenblatt schreiben müsste - aber die Gesamt-Performance sollte immer noch mindestens genauso gut sein wie mit Metallgehäuse und zusätzlicher Isolierscheibe (und gegebenenfalls 2x Wärmeleitpaste). Für den Kunden hätte man damit weniger Montageaufwand, weniger Risiko dass das Gerät beim Test durchfällt und noch dazu eine geringere Fehlerwahrscheinlichkeit/weniger Ausschuss in der Produktion.

#7815176
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H. H. schrieb:

Jakob L. schrieb:

Leistungshalbleiter mit isoliertem Gehäuse

Meistens nur 2,5kVAC garantiert.

Na ja wenn die üblichen Normen 4 kV (zumindest als kurzzeitigen Surge) fordern dann könnte ein Hersteller durchaus auf die Idee kommen, dafür passend spezifizierte Teile auf den Markt zu bringen. So groß ist der Unterschied zwischen 2.5 kVAC (also ca. 3.5 kV Peak) und 4 kV dann auch nicht.

Gast #7815182
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Jakob L. schrieb:

H. H. schrieb:

Jakob L. schrieb:

Leistungshalbleiter mit isoliertem Gehäuse

Meistens nur 2,5kVAC garantiert.

Na ja wenn die üblichen Normen 4 kV (zumindest als kurzzeitigen Surge) fordern dann könnte ein Hersteller durchaus auf die Idee kommen, dafür passend spezifizierte Teile auf den Markt zu bringen. So groß ist der Unterschied zwischen 2.5 kVAC (also ca. 3.5 kV Peak) und 4 kV dann auch nicht.

Es gibt ja welche, aber eben sehr wenige, und nicht mechanisch kompatibel zu TO-247. Siehe ISOPLUS264 bei Littelfuse/IXYS.

#7815211
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Jakob L. schrieb:

  • aber die Gesamt-Performance sollte immer noch mindestens genauso gut sein wie mit Metallgehäuse und zusätzlicher Isolierscheibe

Nein.

TO220F etc. erreichen die Isolierung ja durch Gehäuse-Epoxy, das ist dicker und schlechter als Kapton-Folie etc.

Aber wer verballert heute noch Leistung ? Man will maschinenbestückbare SMD Bauteile, die ihre Verluste über die Platine loswerden können, alles andere wäre Handarbeit und damit viel zu teuer.

Lieber dann aufwändigere Schaltungstechnik, Schaltregler statt Linearregler, ClassD statt ClassAB.

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