> https://www.youtube.com/watch?v=aIv2t_oqFsI
Nix ist schöner als die Utopie ...
Silicon Valley Europas - eher silicon DEAD valley, wenn man sich die
damaligen Planungen für ein Reinstsiliziumwerk mitten in Dresden
anschaut:
*
https://oiger.de/2011/09/25/dresden-1989-siliziumwerk-wird-zur-kraftprobe-zwischen-burger-und-staat/3778
Das Problem wäre der Transport von Kesselwägen voll Trichlorsilan durch
die Innenstadt nach Dresden-Gittersee. Schon die Pilotanlage in
Nünchritz bei Riesa ist den Kommunisten um die Ohren geflogen und für
Dresden-Gittersee gab's nicht das kleinste Sicherheitskonzept.
Man stelle sich vor, die Brücke wäre samt Chemietankern zusammengeklappt
...
Bradward B. schrieb:> Schon die Pilotanlage in> Nünchritz bei Riesa
Wann war das, was soll da passiert sein?
Habe da mal eine Anlage in betrieb genommen und Übergeben.
Diese ist später mal ausgefallen und ich habe mit der Staasi in
Dresden Bekanntschaft machen durften.
Habe sogar noch den Dienstreiseauftrag um die "Interessen" des Betriebes
zu vertreten.
Hatte mir später beim Prozess ein wenig geholfen.;-))
MfG
ein 80 Jähriger alter Knacker
>> Schon die Pilotanlage in>> Nünchritz bei Riesa>> Wann war das, was soll da passiert sein?
Also lt. Buschfunk ist da im Bereich TCS in den 80ern zu einer Havarie
mit einem Toten gekommen. In den Unterlagen zu Gittersee findet sich ein
Datum für einen Unfall im Chemiewerk um den 13.7.1988. Veröffentlichte
Bericht/Zeitungsmeldung habe ich grad nicht gefunden, das verwundert
mich jetzt nicht wirklich. Soweit ich mich an mündliche Berichte
erinnere war von Explosion/Verpuffung nach Austritt des TCS oder eine
Vorstufe die Rede.
Nünchritz war während der DDR als Pilotanlage geplant und sollte
anfänglich ausgebaut werden. Mitte der Achtziger hiess es dann, die
Kapazität wäre ausreichend, kein Ausbau. So 88 ging es dann los mit
Sprüchen von "8 Reinstsiliziumwerken die es weltweit gäbe resp. geplant
sind. Drei im Dschungel, 4 in der Wüste und Honecker plant seins in ner
Grossstadt ..."
> Habe da mal eine Anlage in betrieb genommen und Übergeben.
Dann ist dieser Augenzeugenbericht vielleicht von Interesse:
https://www.zeitzeugen-portal.de/themen/wirtschaft-mangel-und-ueberfluss/videos/fE83p_eZtCY> Diese ist später mal ausgefallen und ich habe mit der Staasi in> Dresden Bekanntschaft machen durften.
Riesa hatte auch 'ne Stasi, da musste schon ne größere Nummer gewesen
sein, wenn sich die Bezirksstelle drum gekümmert hat.
Da ein Radiobericht von 1965:
https://www.ardaudiothek.de/episode/retro-spezial-ddr-wirtschaft/herausforderungen-im-veb-chemiewerk-nuenchritz/ard/12044049/
Bradward B. schrieb:> Riesa hatte auch 'ne Stasi, da musste schon ne größere Nummer gewesen> sein, wenn sich die Bezirksstelle drum gekümmert hat.
Werde mal schauen wann ich dort war.
Grob weis ich nur das es ein angebliches Schadenseemittelungsverfahren
war.
Ging um 4 Millionen DM, aber eben nur Buschfunk, wie man damals immer
sagte.
MfG
Ein 80 Jähriger alter Knacker
>> Riesa hatte auch 'ne Stasi, da musste schon ne größere Nummer gewesen>> sein, wenn sich die Bezirksstelle drum gekümmert hat.>> Werde mal schauen wann ich dort war.> Grob weis ich nur das es ein angebliches Schadenseemittelungsverfahren> war.> Ging um 4 Millionen DM, aber eben nur Buschfunk, wie man damals immer> sagte.
Auf die schnelle findet man zwei Verweise auf (Stasi-)Berichte, aber
nicht die Berichte selbst. (
https://content.e-bookshelf.de/media/reading/L-18695444-41f536cc77.pdf
S.19 )
Al. K. schrieb:> Doch, bei wichtigen Dingen wurde nicht in Mark gerechnet.> ;-))
Okay, alles gut, ich ging von einem Schreibfehler aus...
Trotzdem würde mich interessieren, warum "bei wichtigen Dingen" in DM
gerechnet wurde. Die Trichlorsilan-Herstellung war doch - wie ich es
verstanden habe - ein DDR-interner (und doch bestimmt ein
"volkseigener") Betrieb und Vorgang bzw. mit der Halbleiter-Produktion
sollten die DDR und die RGW-Staaten versorgt werden?
Das Bild mit Honi, wie er stolz wie Oskar Gorbi einen 1-Megabit-Chip
schenkt, werde ich nie vergessen.
Rainer Z. schrieb:> as Bild mit Honi, wie er stolz wie Oskar Gorbi einen 1-Megabit-Chip> schenkt, werde ich nie vergessen.
der Traum günstig meinen AtariST aufzurüsten war aber schnell
ausgeträumt, die Japaner waren schneller also wurden 50,-DM pro
1-Megabit fällig
> Okay, alles gut, ich ging von einem Schreibfehler aus...> Trotzdem würde mich interessieren, warum "bei wichtigen Dingen" in DM> gerechnet wurde.
Interessiert mich auch, wobei es wohl egal war, ob die einen "kleinen
Ingenieur" wegen 4 Millionen Mark, 4 Millionen Transfer-Rubel oder 4
Millionen Valuta-Mark verknackten. Auch "große Professoren" wie der
Gründer der DDR-Mikroelektronik, Werner Hartmann, wurden nach
"Nasenfaktor" mit der Begründung "hat volkswirtschaftlichen Schaden
verursacht", abserviert:
https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Hartmann_(Physiker)#1974%E2%80%931988:_die_Zeit_der_Repressionen> Die Trichlorsilan-Herstellung war doch - wie ich es> verstanden habe - ein DDR-interner (und doch bestimmt ein> "volkseigener") Betrieb und Vorgang bzw. mit der Halbleiter-Produktion> sollten die DDR und die RGW-Staaten versorgt werden?
Die dachten da auch gerne größer, Honecker wollte nicht nur die
Halbleiter sondern am Liebsten ganze Halbleiter-Fabriken verkaufen.
Indien war da im Gespräch, eventuell auch Ägypten.
Das VEB Chemiewerk Nünchritz (mittleres Sachsen, ca 7 km von Riesa,
nördlich der Elbe)machte für die DDR alles was man mit Silikon-Chemie
machen konnte, also auch Silikon-Farben, Cenusil-Paste, Imprägnierungen
etc.. Und das Ganze wohl schon vor dem 2. Wkr.. Das Trichlorsilan wird
als Vorstufe für ne ganze Menge an Produkten gebraucht, Nünchritz
lieferte schon in den Sechszigern für die Siliziumtransistorproduktion.
Die lieferten wohl an das Edelstahlwerk in Freital, wo man dann die
Einkristalle für die Halbleiterindustrie in Frankfurt (Oder) und Erfurt
(VEB Mikroelektronik) züchtete.
1
Nach Kriegsende erfolgten Enteignung und Demontage durch die russische Besatzungsmacht. 1946 begann der Wiederaufbau, 1947 wurde die Schwefelsäureanlage wieder in Betrieb genommen. 1948 wurde der Chemiestandort als VEB-Schwefelsäure und Ätznatronwerk Nünchritz in Volkseigentum überführt.
2
3
Mit Beginn der 50er Jahre vollzog sich in Nünchritz ein grundlegender Strukturwandel. Die Basis dafür war die Erfindung der direkten Synthese von Methylchlorsilanen aus Silicium und Chlormethan durch Richard Müller und Eugene Rochow. Auf der sogenannten Müller-Rochow-Synthese basiert heute noch die großtechnische Herstellung von Siliconen. 1954 wurde diese Erfindung in Nünchritz in die Produktion umgesetzt. 1955 startete die Produktion von Siliconprodukten mit Siliconlack und Siliconöl, in 1963 kam die Herstellung von Siliconkautschuk hinzu. Es folgten Weiterentwicklungen und Ausbauten. Mit Inbetriebnahme der Trichlorsilananlage diente das Chemiewerk in Nünchritz auch als Rohstofflieferant zur Versorgung der DDR-Mikroelektronik mit Halbleitersilicium. Mit der Spezialisierung auf Siliconprodukte bekam das Werk einen neuen Namen: VEB Chemiewerk Nünchritz.
Bradward B. schrieb:> Interessiert mich auch, wobei es wohl egal war, ob die einen "kleinen> Ingenieur" wegen 4 Millionen Mark, 4 Millionen Transfer-Rubel oder 4> Millionen Valuta-Mark verknackten. Auch "große Professoren" wie der> Gründer der DDR-Mikroelektronik, Werner Hartmann, wurden nach> "Nasenfaktor" mit der Begründung "hat volkswirtschaftlichen Schaden> verursacht", abserviert:>> https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Hartmann_(Physiker)#1974%E2%80%931988:_die_Zeit_der_Repressionen
Okay, ich habe verstanden, Danke für die Infos. Schon heftig, wie mit
dem engagierten Werner Hartmann umgesprungen wurde. Ich glaube den
Darstellungen im Wikipedia-Artikel durchaus! Den DDR-Sprech kenne ich
aus dem Fernsehen der DDR, ich habe nur wenige Kilometer westlich der
Zonengrenze gelebt. Manches war so blöd, dass es nur komisch war. Z.B.
der "Schwarze Kanal" mit Sudel-Ede.
Wolfgang R. schrieb:> Dabei waren die so hübsch...
Das stimmt! :)
Joachim B. schrieb:> Karl Eduart von Schni? schneller kam man nicht an den Umschaltknopf :-)
Glaube ich gerne. Diese Agitation und Verdrehung der Tatsachen muss für
Ossis unerträglich gewesen sein. Als Wessi im Zonenrandbezirk habe ich
die Wirklichkeit schon als Kind erkannt. Mein Vater und ich fuhren gerne
mit Fahrrädern entlang des "antifaschistischen Schutzwalls" auf
befestigten Grenzwegen. Es waren (auf Westseite) ideale Fahrradwege.
Die Sperranlagen selbst im abgelegensten Wald waren für mich als Kind
sehr befremdlich.
Gerald B. schrieb:> Der Jingle zur Einleitung und die Animation waren aber kulturell> wertvoll! ;-)
Du meinst den Geier mit der Reichsflagge auf der Brust, der auf den
Antennenwald landet? Stimmt, der hat Kult!
Wurde nicht die FDJ angestiftet, die Antennenwälder kahlzumachen, wenn
die Antennen Richtung Westen zeigten? :)
Rainer Z. schrieb:> Joachim B. schrieb:>> Karl Eduart von Schni? schneller kam man nicht an den Umschaltknopf :-)>> Glaube ich gerne. Diese Agitation und Verdrehung der Tatsachen muss für> Ossis unerträglich gewesen sein. Als Wessi im Zonenrandbezirk habe ich> die Wirklichkeit schon als Kind erkannt.
und ich sah das als Wessi gerne weil das meinen Blutdruck aus dem
Schlafmodus brachte, mehr regte mich Löwental auf.
Bradward B. schrieb:> Das war aber in den Sechzigern, später wurden sogar> "Gemeinschaftsempfangsanlagen" fürs "West-Fernsehen" geduldet.
Klar, als es in den Siebzigern im Wirtschaftswunderland BRD ruckelte
(hohe Arbeitslosigkeit, Inflation), war das ein gefundenes Fressen für
die SED-Bonzen und natürlich auch für Sudel-Ede. Durfte nun ungehindert
in die DDR-Plattenbauten gestreamt werden.
Joachim B. schrieb:> mehr regte mich Löwental auf.
Ja, dieser DDR-Hater dachte offenbar tatsächlich, dass er im
Adenauer-Staatsfernsehen arbeitete (so wie es ursprünglich vorgesehen
war). Im Gegensatz zu Sudel-Ede habe ich mir den nicht angetan, war mir
schlicht zuuu blöd.
Tja, kommt irgendwie alles wieder: Webseiten bzw. TV-Sender sperren,
Zeitungen verbieten oder auslisten, Demo-Organistoren wegsperren,
Bank-Konten kündigen, Zwangsimpfung oder Knast, Sprache vergewaltigen,
Majestätsbeleidigung, Schauprozesse gegen Ärzte, Denunzianten päppeln
...
Und noch was zu Schnitzler: Der hat stark polemisiert, berichtete
einseitig, hat aus dem Zusammenhang gerissen und ein Sympatieträger war
er wahrlich nicht. Aber eines hatte er einfach nicht nötig: plump Lügen.
Dafür lieferte der Westen wahrlich genug Stoff. So ein sabberndes Ekel
gab es übrigens auch im Westen: ZDF-Magazin mit Löwenthal, genannt
"Löwenqual".
Frank E. schrieb:> So ein sabberndes Ekel> gab es übrigens auch im Westen: ZDF-Magazin mit Löwenthal, genannt> "Löwenqual".
Das haben wir längst thematisiert...
> Klar, als es in den Siebzigern im Wirtschaftswunderland BRD ruckelte> (hohe Arbeitslosigkeit, Inflation), war das ein gefundenes Fressen für> die SED-Bonzen und natürlich auch für Sudel-Ede. Durfte nun ungehindert> in die DDR-Plattenbauten gestreamt werden.
Hat aber als Booster für die Ausreise-anträge gewirkt, deren Anzahl
stieg von ca. 9000/Jahr in den Siebzigern auf ca. 41000/Jahr in den
Achtzigern.
Da drängt sich der Eindruck auf, einem Arbeitslosen in der BRD ging es
besser als einem Arbeiter in der DDR.
Aber angeblich sollen die meisten Ausreiseanträge aus den Regionen mit
schlechten West-Fernseh Empfang gekommen sein. Vielleicht sagten sich
die "schlauen" Ausreiser, das sie mit ihren Qualifikationen aus der
DDR-Berufsbildung locker mit den bildungsfernen Schichten in der BRD
mithalten können.
Und das mit dem BRD-Gehalt im BRD-Kaufhaus auch unter Inflation mehr
kaufbar ist als in einem DDR-Warenhaus ohne Inflation (und "ohne" Ware
(Mangelwirtschaft)).
Bradward B. schrieb:> Vielleicht sagten sich> die "schlauen" Ausreiser, das sie mit ihren Qualifikationen aus der> DDR-Berufsbildung locker mit den bildungsfernen Schichten in der BRD> mithalten können.
Weiß ich nicht. Mag sein. Aber erstens waren Arbeitslose in der BRD
sozial meist gut abgefedert und zweitens bedeuteten das breite
Warenangebot, Reisefreiheit, Meinungsfreiheit schließlich auch etwas.
Immer nur Tomaten und Kartoffeln und fette Broiler fressen und mit
Trabbi-Pappe zum FDGB-Ferienheim an die Ostsee fahren macht auf Dauer
nicht glücklich, auch wenn das 0,5-Liter Glas Bier nur 51 Ost-Pfennige
kostete.
Rainer Z. schrieb:> und mit Trabbi-Pappe zum FDGB-Ferienheim an die Ostsee fahren macht auf Dauer> nicht glücklich,
Und heute ist das zwar nicht mehr so, aber in einigen Parks muss man
heute aufpassen nicht abgestochen werden egal welchen Alters. Tja,
irgendwie kann man nicht beides haben und immer glücklich sein.
Joachim B. schrieb:> Rainer Z. schrieb:>> as Bild mit Honi, wie er stolz wie Oskar Gorbi einen 1-Megabit-Chip>> schenkt, werde ich nie vergessen.>> der Traum günstig meinen AtariST aufzurüsten war aber schnell> ausgeträumt, die Japaner waren schneller also wurden 50,-DM pro> 1-Megabit fällig
Sich mit fremden Federn schmücken, geht immer einfach.
Wendels B. schrieb:> 0,5l kosteten zw. 80 und 126 Pfennige je nach Preisstufe.
In Berlin gab es eine Kneipe, wo das 0,25 l oder 0,3 l Glas Bier
30 oder 35 Pfennige kostete.
Meistens gab es in solchen Kneipen noch Fischbrötchen,Bockwurst und
Hackepeter!
Eben zu den damaligen für jedermann Preisen.;-))
Könnte Anfang/Mitte der 70 er gewesen sein.
MfG
ein 80 jähriger alter Knacker
Joachim B. schrieb:> Rainer Z. schrieb:>> as Bild mit Honi, wie er stolz wie Oskar Gorbi einen 1-Megabit-Chip>> schenkt, werde ich nie vergessen.>> der Traum günstig meinen AtariST aufzurüsten war aber schnell> ausgeträumt, die Japaner waren schneller also wurden 50,-DM pro> 1-Megabit fällig
Wobei es da auch "Schummel" gab: Gehäuse in die 4 256kB-Chips oder 2
512kBit gebondet wurden, dass sie von außen als Megabitchip funktioniert
haben.
Wobei die Japaner einer der wenigen waren, die es auch mit einem Chip
hinbekommen haben.
Lu schrieb:> Ob denn damals die Ausbeute schon so gut war, dass Erich einen echten> Megachip verschenken konnte? Da hätte ich gern mal einen RAM-Test> gemacht.
Daran habe ich schon damals nicht geglaubt.
Ich kannte die Ausschussrate in Frankfurt, welche dann, unter Anderen,
in Halsbrücke zur Materialrückgewinnung eingeschmolzen wurde.
Das ging in die Millionen am Anfang der IC Herstellung..
Das Schweigepflicht Dokument was unterschrieben werden musste
konnte ich leider nach der Wende nicht finden.
Alles vernichtet.
In Betrieben des "Waffengewerbes" war es noch strenger".;--))
MfG
ein jetzt 80 Jähriger alter Knacker
>> Ob denn damals die Ausbeute schon so gut war, dass Erich einen echten>> Megachip verschenken konnte? Da hätte ich gern mal einen RAM-Test>> gemacht.> Daran habe ich schon damals nicht geglaubt.> Ich kannte die Ausschussrate in Frankfurt,
Lt. https://www.richis-lab.de/RAM10.htm lag die Ausbeute in der
Pilotproduktion bei 10% - das war aber 1989, die Überreichung an
Honecker war schon Sep. 1988. Also bestenfalls handverlesenen Unikate
aus der Laborproduktion. Fertigung in Dresden und Jena, die
Massenproduktion sollte in Erfurt aufgebaut werden.
Was wurde eigentlich in Frankfurt in der Öde an IC produziert?
IMHO war HFO eher für diskrete Bauteile (bspw.Si-Transistoren) bekannt?
Bradward B. schrieb:> Was wurde eigentlich in Frankfurt in der Öde an IC produziert?> IMHO war HFO eher für diskrete Bauteile (bspw.Si-Transistoren) bekannt?
In welchen Jahr das war kann ich jetzt nicht sagen.
Jedenfalls Monate oder gar Jahre bevor bei uns die Entwicklung ihre
ersten
ICs zum Versuchseinsatz erhalten haben.
Ich hatte aus der IC Masse aus Halsbrücke welche mit in den Betrieb
geschleust.
In den Teilen waren Fehler, alles was du dir vorstellen kannst.
Waren TTL schon bis zu den ersten Zählern.
Die Ausschussrate ging natürlich immer weiter zurück.
Aber Jörg Wunsch könnte dazu noch weiteres genaueres beitragen.
MfG
Ein 80 jähriger alter knacker
P.S.
Das schlimmste war in Frankfurt wenn eine Anlage in Betrieb genommen
wurde, welche Teile in der
Weißzone
Grauzone
und Schwarzzone
hatte.
Das hieß öfters am Tage umziehen und Duschen.;--))
Bradward B. schrieb:> Lt. https://www.richis-lab.de/RAM10.htm lag die Ausbeute in der> Pilotproduktion bei 10%
Höchst interessanter Link! Bisher dachte ich immer, *der Mega-Chip wäre
nur ein Nachbau*. Dass aber wegen fehlendem hochreinen Titan auf
Molybdän umgeschwenkt wurde, hatte Änderungen zur Folge. Die 10%
Ausbeute haben sie leider nur durch Umschalten auf vorhandene
Ersatz-Speicher erreicht. Trotzdem eine ausgezeichnete Leistung!
Ein technologischer Rückstand der DDR mag zwar vorhanden gewesen sein,
wurde aber durch Fleiß und Tüchtigkeit oft sehr gut kompensiert. Im
Westen war auch nicht alles toll. 1990 arbeitete man z.B. bei Quelle
noch mit Karteikarten statt Computern.
Lu schrieb:> Im> Westen war auch nicht alles toll. 1990 arbeitete man z.B. bei Quelle> noch mit Karteikarten statt Computern.
dabei waren die bei quelle die Ersten die den PET2001 in den Westen
brachten 1979 machte ich mit Fernsehtechnikerkollegen eine
Sammelbestellung der PET2001 für 2000,-DM mit 5% Sammelbestellerrabat.
1977 importierte ein befreundeter Maschinenbauingenieur den für 4000,-DM
selber aus den USA, für mich noch unerreichbar aber vorgemerkt als
Wunsch.
Bradward B. schrieb:> Was wurde eigentlich in Frankfurt in der Öde an IC produziert?
Aller Bipolar-Kram. Einerseits das ganze TTL-Geraffel, aber auch alle
Analog-ICs inklusive der I²L-ICs (E351 und sowas).
Transistoren wurden dann auch in Neuhaus produziert im ehemaligen
Röhrenwerk, zumindest habe ich welche mit dem RWN-Logo mal gesehen. Aber
schätzungsweise wird auch da der Großteil im HFO gelaufen sein.
"Öde" war das nicht, Halbleiter-Fabs sind halt nie ganz klein, und
natürlich fuhr (und fährt) eine Straßenbahn nach Markendorf raus. Da in
der DDR chronischer Personalmangel herrschte, war man sicher froh
drüber, dass ein nennenswerter Teil der Belegschaft aus Polen dahin
pendelte.
> Fertigung in Dresden und Jena
Wie kommst du auf Jena? Nee. Das war alles initial in Dresden, auch wenn
das ZMD dann dem Kombinat Carl Zeiss Jena angegliedert worden war und
daher dann auf den ICs deren Logo prangte. In Jena gab es keine Fab.
Lu schrieb:> Trotzdem eine ausgezeichnete Leistung!
Witzig daran war (na gut, nicht für die Leute, die am 256-K-Chip
gearbeitet haben), dass der Megabit-Speicher erste benutzbare Bauteile
produziert hat, noch bevor das mit dem parallel laufenden (natürlich
früher gestarteten) 256-Kbit-Chip gelang.
Das mit den Fuses zum Umschalten nicht nutzbarer Bereiche war offenbar
zu der Zeit Stand der Technik, so wie ich Richis Webseite verstanden
hatte. Das hatte man sich so von Toshiba abgeguckt. Interessant daran
ist natürlich (siehe Richi), dass das durch einen erneuten Litografie-
und Ätz-Prozessschritt gemacht worden ist. Das muss also noch im
kompletten Scheibenverbund passiert sein, nicht erst am final
vereinzelten und gebondeten Chip.
Joachim B. schrieb:>> Im>> Westen war auch nicht alles toll. 1990 arbeitete man z.B. bei Quelle>> noch mit Karteikarten statt Computern.> dabei waren die bei quelle die Ersten die den PET2001 in den Westen> brachten 1979 machte ich mit Fernsehtechnikerkollegen eine> Sammelbestellung der PET2001 für 2000,-DM mit 5% Sammelbestellerrabat.
Was hat denn der PET2001 mit der DDR zu tun? Rein garnichts, das war ein
Produkt des Westens!
Aber irgendwann wollte man mal etwas drucken, die ersten
Commodore-Drucker kamen von Robotron aus der DDR.
Jahre später, kurz vor Grenzöffnung, habe ich mir aus Ost-Berlin
Farbbänder mitgebracht. Die waren dicker als die westlichen Seidenbänder
und verschmierten die Punkte, was ich positiv fand.