40 Jahre SMD

(Firma: Starfleet) #7829813
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Erstaunlich! 40 Jahre nach Einführung von SMD gibt es immer noch reichlich bedrahtete Widerstände.

Wie kommst du auf 40 Jahre? SMD ist ein Kind der 1960er Jahre.

Bezieht sich wohl auf den legendären Siemens Bestückautomat MS-72 von 1985:

In dem Lehrbuch für die Berufsausbildung "Elektronik-Baugruppenfertigung" von J. Degenhardt und J. Gläser aus den Siebzigern wird SMT mit SMD nicht erwähnt. War ja auch das Zeitalter von DIL und DIP.

#7829850
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Bradward B. schrieb:

In dem Lehrbuch für die Berufsausbildung "Elektronik-Baugruppenfertigung" von J. Degenhardt und J. Gläser aus den Siebzigern wird SMT mit SMD nicht erwähnt. War ja auch das Zeitalter von DIL und DIP.

SMD (damals planar mounting genannt) wurde Anfang der 60er Jahre von IBM entwickelt, um den Anforderungen an Packungsdichte und Vibrationsfestigkeit des US-Raumfahrtprogramms gerecht zu werden, und kam zum Beispiel im Launch Vehicle Digital Computer zum Einsatz [1]. In diesem [2] Bild sieht man sehr schön, dass alle nicht-SMD-Komponenten noch zusätzlich verklebt werden mussten, während bei den SMD-Teilen Löten genügte.

SMD blieb eine Weile auf den Aerospace-Bereich beschränkt. In der Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums kann man Avionik aus einem Kampfflugzeug aus den frühen 70er Jahren sehen, die (an den Maßstäben der PC / Consumer-Technik gemessen) so aussieht, als wäre sie aus den frühen 90ern. Das war für mich so ein "mind blown" Moment, der mich dazu gebracht hat, die Historie mal ein bisschen zu recherchieren.

Die erste Consumer-Anwendung von SMD, die ich kenne, ist im Epson HX-20 von 1982. Der Rechner selbst ist komplett in THT aufgebaut [3, ganz unten], aber das Kassettenlaufwerk in SMD [4, S. 12].

[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Launch_Vehicle_Digital_Computer [2] https://en.wikipedia.org/wiki/Launch_Vehicle_Digital_Computer#/media/File:Apollo_Saturn_V_Instrument_Unit_Huntsville_AL_Space_museum_LVDC_closeup_2.jpg [3] http://www.ganjatron.net/retrocomputing/epson-hx20/index.html [4] https://www.mh-aerotools.de/hp/hx-20/Epson%20HX-20%20-%20Tips%20and%20Tricks.pdf

(Firma: Starfleet) #7829859
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SMD blieb eine Weile auf den Aerospace-Bereich beschränkt. In der Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums kann man Avionik aus einem Kampfflugzeug aus den frühen 70er Jahren sehen, die (an den Maßstäben der PC / Consumer-Technik gemessen) so aussieht, als wäre sie aus den frühen 90ern. Das war für mich so ein "mind blown" Moment, der mich dazu gebracht hat, die Historie mal ein bisschen zu recherchieren.

Interessant, Schleissheim hab ich auch besucht und mir ist da im Bereich Elektronik eher der Kurvenflug-Analog-Computer der DO-31 in Erinnerung geblieben, der noch nach handgewickelten Spulen ausschaut.

Das nächste Mal werde ich mal auf die angesprochene Kampfflieger-Avionik (?Tornado?) achten.

IMHO liegt der Haupt-Grund für frühe Einführung der SMD-Technik in der Fliegerei in der geforderten Vibrationsfestigkeit, die THT eher nicht bieten kann (ausser man verfüllt/klebt). Wie oben im ersten Abschnitt erwähnt.

Die erste Consumer-Anwendung von SMD, die ich kenne, ist im Epson HX-20 von 1982. Der Rechner selbst ist komplett in THT aufgebaut [3, ganz unten], aber das Kassettenlaufwerk in SMD [4, S. 12].

Oh, ich glaub so einem hab ich irgendwo rumliegen -> "Gleich mal auf den Dachboden steig."

(Firma: Starfleet) #7829903
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Anbei ein Beispiel der Massenmarkt-Computertechnik späte Achtziger (Commodore International: Amiga 500) -> kein SMD, alles bedrahtet/DIL.

Die "Fat Agnus" im PLCC Gehäuse ist ein SMD.

Guter Hinweis, IMHO zählt PLCC zu den gesockelten (unverlöteten) IC, also wäre eher der PLCC Sockel in dem der Agnus steckt zu betrachten. (Nein, un das zu prüfen, werd ich jetzt nicht "meinen A500" zerlegen).

Ob "Fat" (512kB Chip-) oder "Big" Agnus (1MB Chip-RAM) is wohl Gehäustechnisch egal, die späteren (Neunziger Lots) Amiga 500 hatten wohl eher den Big (*73A) als den normal (*71).

*https://de.wikipedia.org/wiki/Plastic_Leaded_Chip_Carrier

Die erste Consumer-Anwendung von SMD, die ich kenne, ist im Epson HX-20 von 1982. Der Rechner selbst ist komplett in THT aufgebaut [3, ganz unten], aber das Kassettenlaufwerk in SMD [4, S. 12].

Das Tape-drive hab ich jetzt nicht zerlegt, bei der LCD-Platine bin ich schon SMD-technisch fündig geworden (siehe Anhang die drei IC).

Angehängte Dateien:
#7829957
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Bradward B. schrieb:

Wenn Flatpack auch zählt, wären wir bei 1962. https://en.wikipedia.org/wiki/Flatpack_(electronics)

Weiß nicht recht, in der UdSSR haben sie auch Flatpack zu THT "verbogen".

https://en.wikipedia.org/wiki/Integrated_circuit_packaging#/media/File:RUS-IC.JPG

Ich denke, das waren genau so gefertigte THT-Bauteile für hohe Packungsdichten. Hat Rockwell für die PPS4 und PPS8 auch gemacht.

Angehängte Dateien:
(Firma: Starfleet) #7829973
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Da ein Filmchen aus der USSR 1987, der Mischmontage mit SMD und THT Platinen in einem Kasettenrekorder zeigt:

Mehr zur Consumer-Elektronik-fertigung damals in der Vega Radio Fabrik aka "Производственное объединение «Вега»"

#7829980
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Der Systron Donner 6053 3GHz ACTO Frequenzzähler der 60er Jahre hatte im Mikrowellen ACTO Converter auch schon jede Menge SMD drin, wenn auch sonst das Übrige noch aus THT bestand.

ACTO steht übrigens für "Automatic Computing Transfer Oscillator"

Damals ein High-Tech Messinstrument. Das ACTO Prinzip ist hochinteressant. Der HP5340A 18GHz FZ beruht auf das gleiche Prinzip.

Gast #7830006
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KarloM schrieb:

Harald K. schrieb:

Ab einer bestimmten Leistung wirds schwer, die mit SMD-Widerständen an die Umgebung abzugeben.

20 Watt https://de.rs-online.com/web/p/smd-widerstande/1622439

wo ist diese ominöse Grenze der bestimmten Leistung?

"Power dissipation is 2.8 W at an ambient temperature of 25 °C when mounted on a double sided copper board using FR4 standard, 70 μm of copper, 39 mm x 30 mm x 1.6 mm"

(Firma: Starfleet) #7830053
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Was 40Jahre, Appollo 11 war 1969 und da hatte es schon SMD im Rechner, d.h 56Jahre.

Och, Apollo und Co hatten doch Kernspeicher der so garnicht oberflächenmontiert war. Drähte hatte diese Speicherelemente nur drumherum wie Antennen - war das dann ein

WMD - wireless mounted device? Oder NMD -> not mounted device ... ?

Und auch ein paar Jahre früher hattes auch Raketen die den Weltraum auf elektronisch programmierten Pfaden durcheilten: https://www.righto.com/2024/08/minuteman-guidance-computer.html

#7830058
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Bradward B. schrieb:

Anbei ein Beispiel der Massenmarkt-Computertechnik späte Achtziger

Bei diesem Homecomputer ging es darum, die Produktionskosten möglichst gering zu halten. Mit THT konnte man eine billige mit entsprechend laxen Toleranzen gefertigte Platine verwenden.

Hier ein paar Bilder von Dingen aus den 80ern, die SMD-Technik verwenden:

Die Festplatte wurde in der zweiten Hälfte der 80er Jahre produziert.

Das Diskettenlaufwerk ist von 1985.

Und der PC1500, eine Art Mobilcomputer, ist von 1982.

Angehängte Dateien:
(Firma: Starfleet) #7830200
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Wie jetzt... ich hätte jetzt aber schon noch eine persönliche Widmung vom Produktionspersonal auf der Verpackung erwartet. ;)

Och, das gab es erst bei Computer/workstations:

#7830203
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Aus meiner Erinnerung: Die älteste deutsche Anwendung war das Simprop SMD-Radio 6.09.680 Promo-Board https://www.radiomuseum.org/r/simpropele_simprop_smd_radio_609680.html Auf der Seite wird 1985? angegeben, jedoch wird für die SMT 1987 Werbung auf der Platine gemacht. Wurde groß darüber berichtet ( naja Elektor ) als erste deutsche SMD-Bestückungsstraße. Simprop fertigte danach Servos ( Modellbau-Rudermaschinen ) auf Basis des Valvo SAK150.

#7830234
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Es gab doch eine zeitlang Dickschicht-Module auf Keramik mit SMD als heißen Scheiß. Ich weiß nicht, ob man die nur aus Bequemlichkeit (fertig nutzbare Schaltungen ohne ständig das Rad neu erfinden zu müssen), aus Platzspargründen (das Modul ist kleiner und steht hochkant. Eine Richtung, in die man damals noch Platz hatte wegen großer anderer Bauteile), niedrige Leckströme (Keramikträger und dicker Schutzlack) oder höhere Frequenzen (niedrige Leitungsinduktivitäten) oder alles auf einmal.

Aber durch Keramik hat einfach niemand bohren wollen, schon deshalb hat man andere Bauteile gebraucht. Die Beine zum Einlöten sind auch nur angeklemmt, verlötet und lackiert, aber nicht durchgesteckt.

(Firma: Schweigstill IT) Persönliche Seite #7830257
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Ja, Dickfilmhybride waren und sind ein wirklich großes Anwendungsgebiet von SMD-Bauelementen. Auch heutige fette CPUs von Intel/AMD haben SMD-Kondensatoren auf ihren Trägern.

Klassische Hybride wären z.B. Burr Brown DAC80 oder auch die vielen Leistungs-OPs von Apex.

https://www.richis-lab.de/DAC02.htm https://entertaininghacks.wordpress.com/2015/07/07/images-of-late-70s-burr-brown-thick-film-hybrid-ics/ https://www.edn.com/apex-microtechnology-shows-why-hybrid-ics-are-still-valuable-to-the-electronics-industry/

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