gerade kam ein flüchtiger Bekannter ratsuchend zu mir, weil seine Lötstellen so aussahen, dass sie als perfektes Posterbeispiel für "schlechte Lötstelle" geeignet waren - perfekte erbsenförmige Nichtbenetzung.
Der Übeltäter war schnell klar: Sn99Cu1.
Es ist dann fröhnlich mit ein paar Windungen Sn60PbCu2 wieder von dannen gezogen.
Jetzt stellt sich mir die Frage: Wofür wir Sn99Cu1 überhaupt bestimmungsgemäß verwendet?
Jetzt stellt sich mir die Frage: Wofür wir Sn99Cu1 überhaupt
bestimmungsgemäß verwendet?
Sn99Cu1 ohne Flussmittel ist sehr selten. Wo hat der das denn her?
In der Sanitärtechnik wird Flussmittel immer extern zugegeben, dort ist dann aber eher Sn97Cu3 verbreitet.
Ich bin nicht in der Branche, deswegen sehe ich selten manuelle
Bestückungsarbeitsplätze.
Mein bisheriges Bild waren deutlich kompliziertere silberhaltige
Legierungen, manchmal auch Bismuth und Flussmittelseele.
Niedrigtemperaturlot finden irgendwie nur Hobbyisten gut, die nicht löten können. Der Unterschied zwischen verbleitem und ordentlichem bleifreien Lot ist nicht besonders groß. Natürlich macht der in Grenzsituationen einen relevanten Unterschied, aber schlechte Technik ist keine Grenzsituation.
Bleihaltiges Lot benetzt i.a. aber besser, gute Lötungen sehen also bleihaltig und bleifrei etwas anders aus. Das sind aber alles Feinheiten, die hier überhaupt keine Rolle spielen. Es wird schlicht am fehlenden Flussmittel gelegen haben. Niemand lötet ohne Flussmittel, von extrem speziellen Situationen mal abgesehen. Wenn das nicht im Draht ist, muss es extern zugeführt werden. Dass es nun funktioniert, liegt nicht an deinem Bleilot, sondern daran, dass dort Flussmittel enthalten ist.
Dass es nun funktioniert, liegt
nicht an deinem Bleilot, sondern daran, dass dort Flussmittel enthalten
ist.
Das stand nie zur Debatte. Es einfach nur naheliegener, ihm 1 m Lötdraht mit ordentlicher Flussmittelseele mitzugeben als ihm meinen Flußmittelstift zu verleihen, den ich nie wieder gesehen hätte. Als Bonus kann er jetzt saubere Lötstellen am Glanz erkennen.
Sn99Cu1 ohne Flussmittel ist sehr selten. Wo hat der das denn her?
Obi.
Auf der Website finde ich es nicht: Die neuen Rollen von Luxtools haben eine andere Farbe und in der Beschreibung steht "mit Flussmittelseele", aber das, was ich in der Hand hielt, hatte definitiv keines oder nur in homöopathischen Mengen, dass es noch nicht mal gedampft hat.
Niedrigtemperaturlot finden irgendwie nur Hobbyisten gut, die nicht
löten können. Der Unterschied zwischen verbleitem und ordentlichem
bleifreien Lot ist nicht besonders groß.
Wenn ich nach bleifreiem Elektroniklot google, wird tatsächlich Sn99Cu1 fast ausschließlich angezeigt.
Das hat sich also wohl in der Zwischenzeit nach der RoHs-Umstellung damals™ geändert. Ich kann mich nicht erinnern, dass das damals™ mal die Legierung erster Wahl gewesen wäre.
Es stand "Elektroniklot" auf der Spule. Ansonsten hätte ich mich ja nicht gewundert, und das Mikrocontrollerforum wäre auch der falsche Ort zum fragen gewesen.
Wenn ich nach bleifreiem Elektroniklot google, wird tatsächlich Sn99Cu1
fast ausschließlich angezeigt.
Das hat sich also wohl in der Zwischenzeit nach der RoHs-Umstellung
damals™ geändert. Ich kann mich nicht erinnern, dass das damals™ mal die
Legierung erster Wahl gewesen wäre.
Es gibt eigentlich zwei Ideen für bleifreies Lot: SAC und möglichst hauptsächlich Zinn mit kleinen Beimengungen. SAC305 hat sich als brauchbares Standardlot für bleifreie Lötungen herausgestellt, ist aber durch den hohen Silberanteil teuer, außerdem ist Silber auch metallurgisch nicht optimal. Hauptsächlich ist es aber natürlich auch einfach teuer. Reinzinn hat unter anderem Probleme mit Whiskerbildung, die muss man irgendwie in den Griff bekommen. Daher werden unterschiedliche Stoffe beigemischt. Sehr gut und beliebt ist das Sn100C nach Fuji-Patent (mit Nickel und Germanium), weniger gut und beliebt eben sowas wie Sn99Cu1.
Sn99Cu1 ist eigentlich auch heute nicht die Legierung erster Wahl. Das Zeug ist brauchbar, aber nicht besonders gut. Hauptsächlich ist es billig. Ich nutze das gern für grobe Kabel, wo man einfach viel Lötzinn braucht. Es hat aber einen hohen Schmelzpunkt, daher wäre ein geeignetes Flussmittel wirklich wichtig. Mich wundert es nicht, dass sowas im Baumarkt angeboten wird, da es einfach eine sehr günstige Legierung ist. Umso kurioser, dass da kein Flussmittel drin war.
Die Legierung erster Wahl ist meines Erachtens nach heute das bereits erwähnte Sn100C, da sie oft besser ist und weniger kostet als SAC, außerdem gut erhältlich ist. SAC305 ist ein ganz guter Kompromiss, wenn man es noch bekommt (immer schwieriger), kann man aber auch SAC-Lot mit höherem Silberanteil verwenden.
Auf der Seite steht dann auch "flussmittelgefüllt", sogar zweimal. Und sogar die Maße sind angebeben: 7x7x2,5 cm. Ich finde es super, dass alle wichtigen Angaben da sind.
(Das war Sarkasmus.)