Forum: Haus & Smart Home Gibt es eine Farbtemperatur bei weißen LEDs, die das Wachstum normaler Landpflanzen gut fördert?


von Daniel (daniel3)


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Hallo,

gibt es eine Farbtemperatur bei weißen LEDs, die das Wachstum normaler 
tropischer und subtropischer Landpflanzen gut fördert?
Gedacht als Alternative zur violetten Pflanzenlichtlampe, deren Licht 
ich persönlich recht unangenehm finde.

Spontan würde ich auf 5000k tippen, könnte das hinkommen?

von Michael B. (laberkopp)


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Nein.

Pflanzen steuern Lebensphasen (keinem, wachsen, blühen, reifen) auch 
über das Lichtspektrum, erwarten also bestimmte Lichtwellenlängen um 
bestimmte Prozesse zu starten, danach sind die Lichwellenlängen 
unwichtig.

Es gibt also nicht EIN Spektrum für bestmögliches Wachstum. Institute 
wie FAL kümmern sich drum, rauszufinden was Pflanzen brauchen, sind aber 
wenig an subtroptischen Zierpflanzen interessiert.

von Peter P. (peterpo)


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Es wird empfohlen, nur UVA-Licht ohne UVB-Wellenlängen zu verwenden. Das 
UVA erhöht weiterhin die Produktion von Sekundärmetaboliten wie THC, 
CBD, Terpenen und Flavonoiden, jedoch ohne die negativen Auswirkungen 
von UVB-Licht.
Um sich in der vegetativen Phase gut zu entwickeln, benötigen Deine 
Pflanzen vor allem Licht im blauen Farbspektrum. Insgesamt kann man hier 
von einem Spektrum von ca. 4000 - 8000 Kelvin sprechen, wobei sich 
Leuchtmittel mit rund 5000 - 7000 Kelvin als ideal herausgestellt haben.
Das sagt Tante Goo... ;-)

von Matthias B. (turboholics)


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von Teo D. (teoderix)


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Daniel schrieb:
> violetten Pflanzenlichtlampe

Bei den Profis, sieht man seit Jahren, nur noch quasi weißes Licht!?

von Thomas S. (thommi)


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Beim Projekt EDEN-ISS in der Antarktis ist das LED-Licht auch violett.

https://www.dlr.de/de/forschung-und-transfer/projekte-und-missionen/eden-iss

von Ob S. (Firma: 1984now) (observer)


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Teo D. schrieb:

> Bei den Profis, sieht man seit Jahren, nur noch quasi weißes Licht!?

Ähem, nö. Es gibt viele Projekte zur "vertikalen Landwirtschaft" und bei 
praktisch keinem davon wird weisses Licht verwendet.

Ist einfach eine Frage der Effizienz, denn derzeit ist diese Art der 
Landwirtschaft noch nicht konkurrenzfähig zur "natürlichen" und der 
Hauptgrund dafür sind die Energiekosten.

Also wird natürlich hier bevorzugt optimiert. Weißes Licht enthält 
einfach zu viele Komponenten im Spektrum, mit denen die Pflanzen nix 
anfangen können. Und deren Energie verpufft nicht nur bezüglich des 
Ertrags, sondern muss zusätzlich auch noch energieaufwendig weggekühlt 
werden, kommt also doppelt teuer.

von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Ob S. schrieb:
> Also wird natürlich hier bevorzugt optimiert.

Herausgefunden wurde bisher, dass die chemischen Prozesse in der Pflanze 
auch noch andere Bereiche, schmale Streifen im Spektrum, benötigen 
würden. Ungünstigerweise sind diese auch noch unterschiedlich je nach 
Pflanzenart und Wachstumsphase.

In meinem alten dtv-Atlas steht ein Beispiel, dass eine Pflanze einen 
Wechsel von zwei unterschiedlichen Helligkeiten im roten Spektrumbereich 
benötigte um zu Blühen und Früchte zu tragen.

Es ist nicht so trivial, wie es meist angenommen wird. Es gibt Biologen, 
die sich darauf spezialisiert haben.

von Ob S. (Firma: 1984now) (observer)


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Dieter D. schrieb:

> Es ist nicht so trivial, wie es meist angenommen wird.

Ja, deswegen wird ja auch so heftig daran geforscht. Blöd ist nur: Weil 
hochgradig kommerziell interessant, findet man nur sehr wenig konkrete 
Informationen dazu.

Selbst bei Projekten, die vollständig oder überwiegend aus Steuermitteln 
finanziert wurde/werden, ist das so. Z.B. Eden-ISS.

Was man aber trotzdem wirklich leicht herausfinden kann: Weisses Licht 
ist ganz offensichtlich nicht die optimale Lösung...

von Teo D. (teoderix)


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Ob S. schrieb:
> Ja, deswegen wird ja auch so heftig daran geforscht. Blöd ist nur

Ja, die Zeit schreitet halt voran...
https://engel-lighting.com/blogs/news/die-wissenschaft-hinter-pflanzenbeleuchtung

Teo D. schrieb:
> quasi weißes Licht!

Also nichts, womit man sein Wohnzimmer wirklich beleuchten will aber es 
erscheint Weiß.

von Thorsten S. (thosch)


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Die an der Photosynthese beteiligten Pflanzenfarbstoffe (Chlorophyll a 
und b, sowie weitere) absorbieren rotes und blaues Licht, die 
Spektralanteile um Grün dazwischen werden reflektiert, so daß 
chlorophyllhaltige Pflanzen für uns grün aussehen.

Dieses Diagramm zeigt die photosynthetisch wirksamen Wellenlängen:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/72/Par_action_spectrum.gif
John Whitmarsh and Govindjee., CC BY-SA 2.0 
<https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0>;, via Wikimedia Commons

Wenn es auf die effiziente Pflanzenbeleuchtung für die Photosynthese 
ankommt, ist es also sinnvoll, die Pflanzen nicht mit Licht zu 
beleuchten, das von ihnen reflektiert, also nicht zur Photosynthese 
genutzt wird.

Aus ästhetischen Gründen wird man jedoch bei Zierpflanzen davon 
abweichen, und auch die von den Pflanzen nicht genutzte "Grünlücke" 
füllen.  Effizienz hin oder her.

Man sollte dabei auf genügend Blau- und Rotanteil der Beleuchtung 
achten.

: Bearbeitet durch User
von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Ob S. schrieb:
> Blöd ist nur: Weil hochgradig kommerziell interessant,
> findet man nur sehr wenig konkrete Informationen dazu.

Genau das macht es schwer mehr dazu herauszufinden. Die speziellen 
LED-Konfigurationen zum Kaufen zu finden, wäre dann die nächste 
Herausforderung.

: Bearbeitet durch User
von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Für den gewöhnlichen Bürger bleibt als Lösung eigentlich nur übrig eine 
Personenerkennung im Raum zu ergänzen um weiße LEDs bei Anwesenheit 
hochzuregeln und die unangenehmen Pflanzlicht-LED auf ein erträgliches 
Maß herunter zu regeln.

Eine bessere Lösung, kann ich Dir, Daniel, leider nicht vorschlagen.

von Rainer W. (rawi)


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Daniel schrieb:
> gibt es eine Farbtemperatur bei weißen LEDs, die das Wachstum normaler
> tropischer und subtropischer Landpflanzen gut fördert?

Mit "Farbtemperatur" kannst du das Licht aus Sicht der Pflanzen nicht 
beschreiben. Die Farbtemperatur besagt nur, dass das Licht für den 
Menschen mit seinen drei Farbrezeptoren genauso aussieht wie ein 
schwarzer Strahler der entsprechenden Temperatur. Die beiden 
Photosysteme von Pflanzen mit ihren Antennenpigmenten sehen das Spektrum 
aus einer anderen Perspektive.

: Bearbeitet durch User
von Frank D. (Firma: Spezialeinheit) (feuerstein7)


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Wie sieht es bei jungen Tomatenpflanzen aus, welches Lichtspektrum 
bevorzugen die?

von Jack V. (jackv)


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Daniel schrieb:
> gibt es eine Farbtemperatur bei weißen LEDs, die das Wachstum normaler
> tropischer und subtropischer Landpflanzen gut fördert?
> Gedacht als Alternative zur violetten Pflanzenlichtlampe, deren Licht
> ich persönlich recht unangenehm finde.

„One fits all“ gibt es nicht, aber so ziemlich jede weiße LED ist 
besser, als die elende Rot-/Blau-Mischung aus der Anfangszeit der 
Pflanzenbeleuchtung mit LEDs.

Samsung gilt in manchen Kreisen als Vorreiter bei Pflanzen-LEDs, da kann 
man sich einige Informationen zusammensuchen: 
https://led.samsung.com/lighting/applications/horticulture-lighting/

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