Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Triac-Schaltung durchgebrannt


von Christoph (christoph13524)


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Hallo! Ich habe mich zum ersten Mal an eine Triacschaltung gewagt; das 
Ergebnis war jedoch eine rauchende Komponente und bitte nun um Hilfe bei 
der Problemfindung.

Auf meiner Platine habe ich einen ESP32, der den Triac-Treiber (U8) 
ansteuert. Als Triac verwende ich den QJ6016LH4TP (Q1). Der Varistor 
(RV2) dient als Überspannungsschutz für den Triac. Damit will ich eine 
Heizung (230VAC, 1700W) schalten. (Ich habe zweimal diese identische 
Schaltung auf der Platine, wie man im 3D-CAD sehen kann).

Ich hatte die Heizung an der Platine angeschlossen gehabt und die 
Platine das erste Mal eingeschalten. Das SIGNAL-ESP32 
(Treiber-Ansteuerung) sollte zu diesem Zeitpunkt auf GND gewesen sein. 
Direkt kam Rauch aus RV2 und habe es wieder schnell ausgeschalten.

Ich habe RV2 ausgelötet und messe 3,5 Ohm; also durchgebrannt. Bin mir 
unsicher ob Q1 oder noch weitere Komponenten beschädigt wurden. Die 
1700W Heizung war nach dem Durchbrennen von RV2 leicht warm, da dann 
anscheinend Strom durch RV2 geflossen ist.

Bei der zweiten identischen Triac-Schaltung hatte ich beim Einschalten 
keine Heizung angehängt gehabt --> RV3 hat dort deswegen anscheinend 
überlebt (bzw. nicht durchgebrannt).

Ich habe den Schaltplan anhand einiger Referenzen nachgebaut, bin mir 
aber unsicher ob R56 & R57 richtig sind und welchen Nutzen diese haben. 
Oder ist das der Fehler? Außerdem habe ich den Schaltplan im 
Falstad-Simulator nachgebaut (mit und ohne R56 & R57) und erkenne keinen 
Fehler.

Ich denke, dass ich einfach einen großen Fehler in der Schaltung gemacht 
habe - vielleicht kann mir jemand weiterhelfen.

: Verschoben durch Moderator
von H. H. (hhinz)


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Christoph schrieb:
> Ich denke, dass ich einfach einen großen Fehler in der Schaltung gemacht
> habe -

Ich sehe keinen.

Woher hast du die Varistoren? Zeig mal ein Foto davon.

von Christoph (christoph13524)


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Hier zwei Fotos - der kleine schwarze Fleck ist anscheinend die 
Brandstelle. Ich konnte nicht 100% sehen, von wo der Rauch kam, da die 
Platine eingebaut war und ich schnell ausgeschalten habe. Aber auch am 
Triac nebenbei sieht man auch, dass es aus dem Varistor gebrannt haben 
muss.

Die Platine habe ich bei JLCPCB fertigen lassen. Hier ein Link zum 
Varistor: https://jlcpcb.com/partdetail/COV-07D431K/C317764

Ich habe noch ein zweites Board zum testen bzw. auch die zweite 
identische Triac-Schaltung auf der kaputten Platine. Natürlich kann man 
einen einfachen Bauteilfehler nicht ausschließen.

von H. H. (hhinz)


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Leider kann man die Beschriftung des MOV nicht lesen.

So richtig schützen kann der übrigens Triac und Optotriac eh nicht, das 
müssten schon 800V Typen sein.

von Christoph (christoph13524)


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Gerade nachgeschaut und am RV2 steht:

ZNP
07D180K
D8D

Das Modell 07D180K ist jedoch falsch --> es sollte 07D431K sein.
07D180K hat nur eine Varistor-Spannung von 18V...

Mit beiden Platinen habe ich 4x dieser 07D431K Varistoren verbaut. 3 von 
4 sind 07D431K und 1x 07D180K. Unglaublich wie dieser Fehler bei JLCPCB 
passieren konnte.

Aber der Triac oder sonstige Komponenten haben dann - nehme ich an - 
keinen Schaden genommen, da der Strom nur über den RV2 geflossen ist. 
Somit sollte ich das Bauteil bedenkenlos austauschen können (?).

Kann mir noch wer erklären wofür es R56 und R57 eventuell braucht? Die 
meisten Triac-Schaltungen sind ohne dieser zusätzlichen Widerstände. Ich 
konnte bis jetzt keine Erklärung finden.

: Bearbeitet durch User
von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Christoph schrieb:
> Kann mir noch wer erklären wofür es R56 und R57 eventuell braucht?

Die ersetzen R10 und R12, wenn Du den Schukostecker umgekehrt in die 
Steckdose steckst.

Schau mal auf die Spannungsfestigkeit der SMD Widerstaende. Koennten nur 
150...200V sein.

von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Falls das Gate durchbricht, kann es zum oberen oder unteren Anschluss 
durchbrechen. Wenn auf einer Seite nur der Widerstand ist, kann der OK 
heftig platzen. So gehen im Halbleiterdurchschuss nur maximal 2A durch 
den OK in beiden Faellen.

: Bearbeitet durch User
von H. H. (hhinz)


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Christoph schrieb:
> Somit sollte ich das Bauteil bedenkenlos austauschen können (?).

Ja.


> Kann mir noch wer erklären wofür es R56 und R57 eventuell braucht? Die
> meisten Triac-Schaltungen sind ohne dieser zusätzlichen Widerstände.

Die verbessern die Störfestigkeit der Schaltung.


P.S.: Dieters Geschwurbel einfach ignorieren.

von Christoph (christoph13524)


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H. H. schrieb:
> Die verbessern die Störfestigkeit der Schaltung.

Super, besten Dank - wieder was gelernt! Und vor allem den Hinweis, das 
Bauteil selbst unter die Lupe zu nehmen. Das wäre wahrscheinlich das 
Allerletzte, was ich gemacht hätte.

Dieter D. schrieb:
> Schau mal auf die Spannungsfestigkeit der SMD Widerstaende. Koennten nur
> 150...200V sein.

Sind auch nur 200V Widerstände - deswegen 2x in Serie.

: Bearbeitet durch User
von Manfred P. (pruckelfred)


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Christoph schrieb:
> Kann mir noch wer erklären wofür es R56 und R57 eventuell braucht? Die
> meisten Triac-Schaltungen sind ohne dieser zusätzlichen Widerstände.

Nee, das ist die Standarschaltung aus dem Datenblatt, siehe Anhang. Bei 
Dir auf je zwei aufgeteilt, vmtl. wegen der Spannungsfestigkeit.

Christoph schrieb:
>> Schau mal auf die Spannungsfestigkeit der SMD Widerstaende. Koennten nur
>> 150...200V sein.
> Sind auch nur 200V Widerstände - deswegen 2x in Serie.

Immer noch mit sehr wenig Reserve.

Beachte die Verlustleistung am Triac, mit 1700 Watt / 7,5 Ampere musst 
Du an die 10 Watt Wärme abführen! In einem ähnlichen Aufbau habe ich 
meinen Triac auf einen Fingerkühlkörper gesetzt und wegen ungünstiger 
Einbausituation mit einem Temperaturfühler versehen.

https://www.mikrocontroller.net/attachment/340760/LTP_B_1200_70.jpg

von Gerd E. (robberknight)


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Manfred P. schrieb:
> Beachte die Verlustleistung am Triac, mit 1700 Watt / 7,5 Ampere musst
> Du an die 10 Watt Wärme abführen! In einem ähnlichen Aufbau habe ich
> meinen Triac auf einen Fingerkühlkörper gesetzt und wegen ungünstiger
> Einbausituation mit einem Temperaturfühler versehen.
>
> https://www.mikrocontroller.net/attachment/340760/LTP_B_1200_70.jpg

Oben hat er ein 3D-Modell gezeigt, da ist auch nen dicker Kühlkörper 
gezeigt.

Was hier auch noch zu überlegen wäre, wäre eine Thermosicherung in Reihe 
mit dem Varistor und thermisch gekoppelt, z.B. eng nebeneinander und 
dann gemeinsam Schrumpfschlauch drüber.

In dieser Konfiguration mit dem Varistor über dem Triac nimmt der 
Varistor alle durch das Schalten entstehenden Überspannungspulse auf. 
Die parasitäre Induktivität der Heizung und Zuleitung kann da schon 
etwas ausmachen. Wenn man dann alle 4 Sekunden schaltet (erlaubte 
Flicker-Grenze) dann sind das viele kleine Impulse die dann evtl. den 
Varistor irgendwann doch durchschlagen lassen. Dann würde die 
Thermosicherung auslösen und alles rechtzeitig stilllegen.

Wenn der Heizstab in Wasser sein sollte, ist die 120°C Thermosicherung 
dort vermutlich zu spät, da würde schon mächtig Dampfdruck entstehen 
statt dass die Temperatur so hoch geht.

von Ben B. (Firma: Funkenflug Industries) (stromkraft)


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Bei 120°C erzeugt Wasser etwa 1 bar Überdruck. Erstaunlich wenig.

von H. H. (hhinz)


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Ben B. schrieb:
> Bei 120°C erzeugt Wasser etwa 1 bar Überdruck. Erstaunlich wenig.

Nicht erstaunlich.

https://de.wikipedia.org/wiki/Clausius-Clapeyron-Gleichung

von Mark S. (voltwide)


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Dieter D. schrieb:
> Christoph schrieb:
>> Kann mir noch wer erklären wofür es R56 und R57 eventuell braucht?
>
> Die ersetzen R10 und R12, wenn Du den Schukostecker umgekehrt in die
> Steckdose steckst.
>
> Schau mal auf die Spannungsfestigkeit der SMD Widerstaende. Koennten nur
> 150...200V sein.

Dieter D. schrieb:
> Die ersetzen R10 und R12, wenn Du den Schukostecker umgekehrt in die
> Steckdose steckst.

Eine echte Spitzenleistung des Forentrottels.

von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Welcher Wochentag war denn gestern?

(Übrigens der Punkt zu den Spannungsfestigkeiten stand schon im 
Schaltplan.)

Es ist nach Murphy schon vorgekommen, dass beim OK Pin 2 und 4 eine 
Verbindung bekamen. Der Lichtbogen ging dann über den durchgegangenen 
Thyristor, den zu schwachen Widerstand (Gate-Bonddraht war schon 
weggebrannt) bis auf die Sekundärseite und vernichtete den ansteuernden 
µC. Die Sicherung F1 sah von dem Strom nichts.

von H. H. (hhinz)


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Mark S. schrieb:
> Eine echte Spitzenleistung des Forentrottels.

Aber er hat schon nachgelegt.



Dieter D. schrieb:
> Es ist nach Murphy schon vorgekommen,

Dein Zustand hat nichts mit Murphy zu tun.

von Gerald B. (gerald_b)


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Ich hatte schon ein Miniaturrelais, wo der ausgebrannte Schaltkontakt 
die Wicklung gegrillt hat und den Ansteuertransistor mitgerissen hat.
So gesehen gibt es keine 100%ige Sicherheit, außer man arbeitet mit 
Luchtwellenleiter :D

von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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H. H. schrieb:
> Aber er hat schon nachgelegt.

Stimmt. Und Dich gleich erwischt. Bist gescheitert am ersten Satz, der 
Frage. ;)

von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Gerald B. schrieb:
> So gesehen gibt es keine 100%ige Sicherheit, ...

Volle Zustimmung. Die 100%ige Sicherheit gibt es wirklich nicht. Nur 
eines ist 100%ig sicher, und zwar dass jeder von uns irgendwann nicht 
mehr unter den Lebenden weilen wird.

: Bearbeitet durch User
von Christoph (christoph13524)


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Gerd E. schrieb:
> In dieser Konfiguration mit dem Varistor über dem Triac nimmt der
> Varistor alle durch das Schalten entstehenden Überspannungspulse auf.
> Die parasitäre Induktivität der Heizung und Zuleitung kann da schon
> etwas ausmachen. Wenn man dann alle 4 Sekunden schaltet (erlaubte
> Flicker-Grenze) dann sind das viele kleine Impulse die dann evtl. den
> Varistor irgendwann doch durchschlagen lassen. Dann würde die
> Thermosicherung auslösen und alles rechtzeitig stilllegen.

Danke für den Input! Was hat das genau mit den 4 Sekunden auf sich? In 
welchen Normen ist das beschrieben? Dazu findet man wenig Konkretes. Ich 
habe nämlich vor, mehrmals pro Sekunde zu schalten (der MOC3063 schaltet 
bei Nulldurchgang), da ich ein sehr sensibles System habe und das sonst 
nicht funktioniert.

von Gerd E. (robberknight)


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Christoph schrieb:
> Danke für den Input! Was hat das genau mit den 4 Sekunden auf sich? In
> welchen Normen ist das beschrieben? Dazu findet man wenig Konkretes.

Hier sind die Grundlagen beschrieben:
https://de.wikipedia.org/wiki/Flicker_(Elektrotechnik)

> Ich
> habe nämlich vor, mehrmals pro Sekunde zu schalten (der MOC3063 schaltet
> bei Nulldurchgang),

Bei 1700W und hartem an/aus wirst Du die Flicker-Grenzwerte sehr 
deutlich reißen. Das darfst Du so in der Form also nicht ans Netz 
anschließen.

Es gibt verschiedene Lösungsansätze:

- Heizstab in mehrere kleine aufteilen. Dann mehrere Relais oder Triacs 
verwenden um die je nach Bedarf in Reihe oder Parallel zu schalten. 
Dadurch bekommt man dann viele Schaltstufen mit denen man meist nah 
genug an den Sollwert ran kommt

- Variables Schaltnetzteil: wandelt die Netzspannung in eine 
einstellbare Spannung um, damit nahe am Sollwert. Teuer.

- Elektronisch geregelter Variac. So hat man das früher gemacht. Groß 
und teuer.

> da ich ein sehr sensibles System habe und das sonst
> nicht funktioniert.

Kannst Du da nicht ein wenig thermischen Puffer dazwischenpacken, so 
dass ein paar Sekunden Schalttakt nichts ausmachen? Z.B. die ganzen 
Ceran-Küchenherde machen das auch so, genau wegen der 
Flicker-Problematik.

Um was für ne Anwendung geht es denn genau? Dann können wir 
zielgerichteter Tipps geben.

: Bearbeitet durch User
von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Christoph schrieb:
> Dazu findet man wenig Konkretes.

Zeitabhängige elektro-thermische Berechnungen wurden untersucht und 
veröffentlicht in folgenden Quellen:

a)  G. Zhao, R. P. Joshi, V. K. Lakdawala, and H. P. Hjalmarson. 
Electrothermal Simulation Studies for Pulsed Voltage Induced Energy 
Absorption and Potential Failure in Microstructured ZnO Varistors. IEEE 
Transactions on Dielectrics and Electrical Insulation, 14(4):1007–1015, 
2007. 26

b) Guogang Zhao, Ravi P. Joshi, and Harold P. Hjalmarson. Electrothermal 
Model Evaluation of Grain Size and Disorder Effects on Pulsed Voltage 
Response of Microstructured ZnO Varistors. Journal of the American 
Ceramic Society, 91(4):1188–1193, April 2008. 26

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