Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Klasse D Verstärker und Oszi


von Ibram G. (ibram)


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Hi,

Ich wollte den Output eines "Klasse D von Adafruit mit PAM8302A2" auf 
den Oszi holen.
Ging nicht.Die kräftigen (200 KHz) Schaltimpulse habe zunächst jede 
Triggerung auf das NF Signal ruiniert.
In jede der (2) Lautsprecher Zuleitungen µF-großen Kondensatoren nach 
Masse gelegt UND mH-starkn Induktivitäten eingeschleift. Damit war etwas 
war zu machen.
Ist das normal?
Wie messen die Erfahren?
Danke!
Ibram

von H. H. (hhinz)


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Ibram G. schrieb:
> Wie messen die Erfahren?

Mit einem Differenzialtastkopf.

von Mark S. (voltwide)


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Ibram G. schrieb:
> Ist das normal?
Ja, vor allem bei "filterless" Class-D-amp ohne Ausgangsfilter.
Tiefpassfilterung hilft.
Oder messen mit der Soundkarte statt mit dem Oszi.
Wieso hier eine Differential-Probe weiterhelfen soll erschließt sich mir 
nicht.
Ich denke man wird um ein Rekonstuktionsfilter nicht herum kommen.

: Bearbeitet durch User
von H. H. (hhinz)


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Mark S. schrieb:
> Wieso hier eine Differential-Probe weiterhelfen soll erschließt sich mir
> nicht.

Trigger auf den Eingang.

von Johannes (zuberjo)


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Wenn der Class-D eine H-Brücke hat, dann hat er einen differentielen 
Ausgang. Um da das NF Signal schön sehen zu können sollte es ein 
differentieller LC Filter am Ausgang sein. Eckfrequenz ca 10x unterhalb 
der Schaltfrequenz. 200kHz also fc <20kHz. Damit ist der meiste 
hochfrequente Anteil raus und man kann mit einem Scope das Nutzsignal 
gut betrachten. Ein Kondensator gegen GND am Ausgang bringt da wenig. 
Nur wenn jeder einen hat, dann sind es differenziell zwei in Serie 
zwischen den Terminals. Keine Elkos, nur Kerkos oder Folie, da der 
Differenzausgang AC ist

von Vanye R. (vanye_rijan)


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Ich gebe zu das ich noch nicht das Beduerfnis hatte einen Klasse-D zu 
besitzen, aber ich meine mich doch zu entsinnen das meine Oszi in ihre 
Triggerung einen zuschaltbaren Tiefpass hatten.
Handbuch lesen? :)

Vanye

von Vanye R. (vanye_rijan)


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Kuckst du?

Bei mir heisst das HF Reject und Noise Reject, worin auch immer der 
Unterschied besteht. Ich glaube das hat jeder Hersteller irgendwo.

Vanye

von Rainer D. (rainer4x4)


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Ibram G. schrieb:
> Ging nicht.Die kräftigen (200 KHz) Schaltimpulse habe zunächst jede
> Triggerung auf das NF Signal ruiniert.

Wieso geht das nicht? Kann sogar mein 40 Jahre altes analoges Scop.

Um das NF Signal zu triggern kannst Du evtl das Eingangssignal nutzen.

: Bearbeitet durch User
von Ibram G. (ibram)


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Hallo,

Mein Oszi hat Funktionen der HF-Unterdückung und der limitierter 
Bandbreite, die reichen aber nicht so weit 'runter.
In de Tat, Brückenschaltung.
Differentiell kann ich direkt nicht messen, gemäß eines alten Beitrages 
im Forum hab ich 2-Kanalig gegen Masse gemessen, die Kanäle 
gegeneinander verrechnet, Bild entsteht.
Ein Bild wie bei Rainer hätte ich gern gesehen, es sollte aber nicht 
sein. Die Ursache liegt wohl darin, wie Mark schrieb, das es ein 
"filterless Class-D-Amp ohne Ausgangsfilter" ist. Da hat man nur mehr 
oder weniger "dichte" Spikes vom Ein/Aus-Schalten. Der akustische 
Rekonstruktions-Filter ist (wohl) der Lautsprecher. Den elektronischen 
hat sich der Designer das gespart.
Triggern mit dem Verstärker-Eingangssignal werd' ich gleich mal 
probieren.

Danke!
Ibram

von Ben B. (Firma: Funkenflug Industries) (stromkraft)


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Der Trend geht wieder zum Class-D-Kackverstärker. Als diese Technik in 
den 1970er Jahren marktreif wurde, hatten die Dinger nicht nennenswert 
mehr Leistung als Class-AB-Endstufen und waren eher als Lang- und 
Mittelwellensender zu gebrauchen weil die Ausgangsfilter so mies waren. 
Mit modernen Kondensatoren, die wenig Induktivität aufweisen und einiges 
an Strom können, bekommt man sowas heute besser hin - bis irgendwelche 
Chinesen auf die Idee gekommen sind, daß man die Filter auch ganz 
weglassen kann weil eine nachfolgende Frequenzweiche oder die Pappen den 
Dreck sowieso wieder glattbügeln. Aber daß dann gefühlte 10% der 
Leistung aus den Lautsprecherkabeln abgestrahlt werden, ist solchen 
Herstellern völlig egal. Und ich Idiot gebe mir Mühe, meine 
selbstgebauten Solarwandler zu entstören, was für ein Blödsinn...

von Johannes (zuberjo)


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Bei Motor- und großen Solarumrichtern kann ich es noch ansatzweise 
verstehen, mehrere hundert Ampere zu filtern ist eine Herausforderung. 
Aber bei üblichen Heimverstärkern gibt es eigentlich keinen Grund nicht 
zu filtern am Ausgang. Würde mich mal interessieren wie das 
EMV-Technisch aussieht, 50-60V Busspannung, 200kHz PWM mit Flanken im 
niedrigen zweistelligen Nanosekundenbereich und ein paar Meter Kabel bis 
zum Speaker

von H. H. (hhinz)


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Johannes schrieb:
> Würde mich mal interessieren wie das
> EMV-Technisch aussieht, 50-60V Busspannung, 200kHz PWM mit Flanken im
> niedrigen zweistelligen Nanosekundenbereich und ein paar Meter Kabel bis
> zum Speaker

Auf die Filterung wird nur bei kleinen Leistungen und sehr kurzen 
Leitungen verzichtet. Zudem verdrillt man die Leitungen.

von Nemopuk (nemopuk)


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H. H. schrieb:
> Zudem verdrillt man die Leitungen.

Habe gerade einen Plattenspieler mit Class-D Endstufe gekauft. Dessen 
Lautsprecher sind mit losen Litzen angeschlossen. ca 25 cm lang, ohne 
Filter, nicht verdrillt.

: Bearbeitet durch User
von H. H. (hhinz)


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Nemopuk schrieb:
> H. H. schrieb:
>> Zudem verdrillt man die Leitungen.
>
> Habe gerade einen Plattenspieler mit Class-D Endstufe gekauft. Dessen
> Lautsprecher sind mit losen Litzen angeschlossen. ca 25 cm lang, ohne
> Filter, nicht verdrillt.

Bestimmt eine ganz große Verschwörung.

von Heinrich K. (minrich)


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"Feind hört mit!"

von Mark S. (voltwide)


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Die "filterless" class-D amps sind gedacht z.B. für Bluetooth-boxen etc 
wo die LS-Kabel kurz sind. Ja, das ist EMV-regulatorisch so abgesegnet. 
Allerdings auch nur mit Entstörferriten in den LS-Leitungen, die dann 
natürlich auch gerne noch weg gespart werden. Erinnert mich irgendwie an 
die Debatten um "elektronische Halogentrafos" mit Schaltwandlern ohne 
irgendwelche sekundärseitige Enststörung. Dafür waren die erlaubten 
Antennen -äh Leitungslängen - beschränkt auf 3m.

: Bearbeitet durch User
von Mark S. (voltwide)


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Rainer D. schrieb:
> Wieso geht das nicht? Kann sogar mein 40 Jahre altes analoges Scop.

Das geht weil dein class-D ganz offensichtlich ein übliches 
Ausgangsfilter hat.
Bei dem filterlosen PAM wirst Du nur dichtere oder dünnere PWM-Pakete 
sehen, auch mit Synchronisation auf dem Eingangssignal.

: Bearbeitet durch User
von Rainer W. (rawi)


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Ibram G. schrieb:
> Wie messen die Erfahren?

Die überlegen sich, was sie messen möchten und was sich dazu als 
Eingangssignal eignet.
Und dann kümmern sie sich darum, wie sie das messen können.

: Bearbeitet durch User
von Vanye R. (vanye_rijan)


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Ich frag mich ja gerade ob die Messung auch mit Massefeder erfolgt ist 
oder ob aus Gewohnheit ein Pigtail genutzt wurde. Letzeres scheint hier 
ja offensichtlich nicht angebracht zu sein....

Vanye

von Rainer D. (rainer4x4)


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Mark S. schrieb:
> Rainer D. schrieb:
>> Wieso geht das nicht? Kann sogar mein 40 Jahre altes analoges Scop.
>
> Das geht weil dein class-D ganz offensichtlich ein übliches
> Ausgangsfilter hat.
Jepp. Ich hab sowas furchtbar hochwertiges eingesetzt:
https://www.amazon.de/DollaTek-Digitalverst%C3%A4rkerplatine-HighPower-Mono600W-Subwoofer-Lautsprecher/dp/B0CPP72CQR

https://www.ti.com/lit/ds/symlink/tpa3255.pdf

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