Hallo, Community :-) für mein Vintage-HiFi-Hobby habe ich ein gut erhaltenes Grundig MV60 Millivoltmeter gebraucht gekauft. Das Gerät funktioniert soweit einwandfrei. Ich habe es innen und außen gründlich gereinigt und überprüft. Alle Baugruppen, insbesondere die Spannungsregler, werden im Betrieb nicht nennenswert warm und zeigen keine Auffälligkeiten. Äußerlich gibt es auch bei Bauteilen ebenfalls keine Schäden. Im Gerät sind neben Tantalkondensatoren auch die alten roten Röderstein-Elkos verbaut. Laut Bedienungsanleitung ist kein wesentlicher Abgleich erforderlich, da „hochgenaue Widerstände“ verwendet wurden. Neben drei Luftrimmern gibt es noch zwei Trimmpotentiometer (R187 und R189), die für Effektivwert (RMS) und Spitzenwert (Peak) zuständig sind und sich in der Nähe des Drehspulinstruments befinden. Ich habe mal einige einfache Tests mit einem 1-kHz-Sinus und verschiedenen Pegeln durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass das Gerät in manchen Messbereichen etwa 10–15 % zu hohe Werte anzeigt, in anderen jedoch recht genau misst (im Relation zu den technischen Daten und zur angegebenen Genauigkeitsklasse des Drehspulinstruments laut BDA). Zum Vergleich hatte ich zwei DVMs angeschlossen, die beide konsistente und plausible TRMS-Werte lieferten. Das MV60 war dabei immer in der Stellung „RMS eff.“. Ich gehe daher davon aus, dass ein Eingriff an den Trimmern R187/R189 keinen Sinn ergibt, da eine Veränderung hier auch die bislang genauen Messbereiche beeinflussen würde. Meine Frage: Können solche Ungenauigkeiten (zu hohe Anzeigewerte) durch gealterte Kondensatoren – insbesondere Elkos – verursacht werden? Nach meiner Erfahrung verändern Tantalkondensatoren ihre Kapazität kaum; sie fallen eher durch Kurzschluss aus. Kontaktprobleme halte ich ebenfalls für unwahrscheinlich, da diese eher zu niedrigeren Anzeigen führen würden. In einigen Forenbeiträgen zum MV60 berichten Nutzer, dass die roten Röderstein-Elkos oft deutlich höhere Kapazitätswerte aufweisen (teilweise +50 % bis fast +100 %). Solche Beobachtungen konnte ich auch bei anderen Grundig-Geräten selten mal schon machen. Interessanterweise waren diese „Kapazitätszuwächse“ bei betroffenen MV60 laut Erfahrungsberichten dieser User nicht Ursache Totalausfälle, diese "Überkapaziäts"-Elkos letztlich nicht die eigentliche Fehlerursache. Mich interessiert nebenbei auch, wodurch dieser Kapazitätszuwachs bei alten Röderstein-Elkos entsteht – ist das ein Alterungseffekt? Ich kenne bei diesen Typen sonst eher geplatzte Gehäuse, Rissbildung mit/ohne Flüssigkeitsaustritt (sich bildene "Perlen"/Tropfen). In meinem MV60 sehen jedoch alle diese Elkos optisch einwandfrei aus. Ich halte generell nichts davon, Elkos pauschal „vorsorglich“ zu tauschen, solange keine klaren Symptome vorliegen – es sei denn, ein Bauteil zeigt tatsächlich messbare oder optische Mängel. Was könnte also die Ursache für die Messungenauigkeit meines MV60 sein? Vielen Dank für Tipps und Einschätzungen! Gruß Mathias Anhänge: Schaltplan (PDF) und markierter Ausschnitt (grün) des Bereichs, der im Verdacht steht.
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Mathias W. schrieb: > Dabei zeigte sich, dass das Gerät in > manchen Messbereichen etwa 10–15 % zu hohe Werte anzeigt, in anderen > jedoch recht genau misst Da einige Verstärkungs- bzw. Dämpfungsumschaltungen mit dem Bereichswahlschalter gemacht werden, wäre es extrem hilfreich, wenn du genau sagen würdest in welchem Bereich was passiert.
Mathias W. schrieb: > Dabei zeigte sich, dass das Gerät in > manchen Messbereichen etwa 10–15 % zu hohe Werte anzeigt, in anderen > jedoch recht genau misst (im Relation zu den technischen Daten und zur > angegebenen Genauigkeitsklasse des Drehspulinstruments laut BDA). Ja, sollte der TE mal nachtragen. Häufige Ursache für solche Erscheinungen bei derart alten Grundig Voltmeter Geräten: Kontaktprobleme im nahe zum Eingang liegenden Stufenschalter.
Danke zunächst an euch! Ich werde das morgen mal versuchen näher zu ermitteln und ergänze diese Info hier dann.
Andrew T. schrieb: > Ja, sollte der TE mal nachtragen. Häufige Ursache für solche > Erscheinungen bei derart alten Grundig Voltmeter Geräten: > Kontaktprobleme im nahe zum Eingang liegenden Stufenschalter. Genauigkeitswunder war das Zeug von Grundig nie. Wir hatten im Werk ein paar MV-1000-O, ja nach Tageszeit 1dB daneben machte sie für mich unbrauchbar. Wenn Kontaktprobleme vorhanden sind, sollte sich der Meßwert verändern, wenn man den Stufenschalter bewegt - das Problem haben leider auch andere Marken.
Mathias W. schrieb: > Dabei zeigte sich, dass das Gerät in > manchen Messbereichen etwa 10–15 % zu hohe Werte anzeigt, Wenn Du die Bereiche kennst, dann sollte man doch im Schaltplan die Pfade finden die nur für die Bereiche verwendet werden. Gemeinsam von allen Pfaden verwendete Gruppen können es dann nicht sein.
Update: Ich habe nun mal gestern den Bereichswahlschalter mit T6-OSZILLIN (Teslanol) gut behandelt. Dieser ist ja leider nicht zerlegbar für eine anderweitige Reinigung. Wobei ich das eher nicht als Ursache sah (alles Goldkontakte, schaut alles top aus). Brachte dann final auch nichts. Habe nochmals danach getestet. Daher dann mal alle Elkos gelistet und werde diese bestellen und tauschen. Zudem besorge ich mir gerade wieder einen Funktionsgenerator. Ich hatte mein Hobby ja vor paar Jahren primär aus Platzgründen aufgegeben (Irgendwann waren es um 70 Geräte :-) alles verkauft inkl. meinem gesamten "Werkstatt-Equipment". Was ich mir aber nun über die letzten Monate nach und nach wieder (mit Werkzeugen startend) nachkaufte und noch tue. Sonst wird mir im Ruhestand vielleicht noch langweilig :-) Der MV60 war somit bei den ersten Messwerkzeugen die ich wieder anschaffte. Weshalb der Eingangs genannte Test auch etwas unprofessionell per "Handy-App" (Frequenzgenerator) erfolgen musste. Was aber auf die genannte Ungenauigkeit keinen Einfluss zu haben scheint. Da sich die „Ergebnisse“ so jedes Mal reproduzieren lassen. Da sich dieser "Messaufbau" so aber nur in 2-3 Bereichen (Ausgangspegel) nutzen lässt und das auch nur "Stufenweise" (Lautstärkeregelung Phone) will ich mit genauen Angaben zur Abweichung und den betroffenen Zweigen warten bis der Generator ankommt. Melde mich dann mit konkreten Angaben.
Mathias W. schrieb: > Daher dann mal alle Elkos gelistet und werde diese bestellen und > tauschen. Tip: Etwas Vorsicht beim Auslöten, da diese pauschale (meist unnötige da nicht zielgerichtete) "Elkokur* die alten Paltinen thermisch ziemlich belastet. > > Zudem besorge ich mir gerade wieder einen Funktionsgenerator. ebay.de, kleinanzeigen.de haben da zu moderaten Preisen oft gute FKT, die genau an Signal zum MV60 alles liefern was Du benötigst. > Der MV60 war somit bei den ersten Messwerkzeugen die ich wieder > anschaffte. MV60 war letzte Tage in kleianzeigen für 50€ in der Nähe Nürnberg -- somit nicht zu teuer. Das ortsgleich erhältliche UV5A zum gleichen Preis war ein Schanpper.
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Andrew T. schrieb: > Mathias W. schrieb: >> Daher dann mal alle Elkos gelistet und werde diese bestellen und >> tauschen. > > Tip: Etwas Vorsicht beim Auslöten, da diese pauschale (meist unnötige da > nicht zielgerichtete) "Elkokur* die alten Paltinen thermisch ziemlich > belastet. = Bestellt habe ich die Elkos daher noch nicht. Ich bin auch immer gegen pauschales Ersetzen. Nur als letzte Option. Werde daher erst mal die Abweichungen hier posten, betroffene Bereiche ermitteln. Sobald der Generator angekommen. > >> >> Zudem besorge ich mir gerade wieder einen Funktionsgenerator. > > ebay.de, kleinanzeigen.de haben da zu moderaten Preisen oft gute FKT, > die genau an Signal zum MV60 alles liefern was Du benötigst. = Ja, da habe ich mich auch mal umgeschaut. Bekommt man ja inzwischen vieles günstig. > >> Der MV60 war somit bei den ersten Messwerkzeugen die ich wieder >> anschaffte. > > MV60 war letzte Tage in kleianzeigen für 50€ in der Nähe Nürnberg -- > somit nicht zu teuer. = Das ist ja meiner jetzt gewesen :-) > Das ortsgleich erhältliche UV5A zum gleichen Preis war ein Schanpper.
Mathias W. schrieb: >> MV60 war letzte Tage in kleianzeigen für 50€ in der Nähe Nürnberg -- >> somit nicht zu teuer. > > = Das ist ja meiner jetzt gewesen :-) Meinen Glückwunsch zum schönen Gerät.
Andrew T. schrieb: > Mathias W. schrieb: >> Zudem besorge ich mir gerade wieder einen Funktionsgenerator. > > ebay.de, kleinanzeigen.de haben da zu moderaten Preisen oft gute FKT, > die genau an Signal zum MV60 alles liefern was Du benötigst. Leider liefern die allerwenigsten Funktionsgeneratoren einen definierten Ausgangspegel, auf den man sich verlassen kann. Glücklicherweise konnte ich zu meiner Dienstzeit auf R&S Geräte zugreifen. SUN 2/S und SUN 2/U. Bei uns praktischerweise in einem 19" Gehäuse untergebracht. (Bilder in Netz gefunden)
So, hier also das finale Update zum Grundig MV60: Ich habe nun alles mit meiner verfügbaren Technik durchgemessen. Vielleicht hat sich die Behandlung des Bereichswahlschalters mit dem T6-OSZILLIN sowie primär die Verwendung eines Frequenzgenerators statt zuvor der Smartphone-App „Frequenzgenerator” zum Testen ausgezahlt. Die Messungen wurden mit 1 kHz Sinus durchgeführt, da dies der obere Grenzbereich des DVM (TRMS) war. Die Ergebnisse sind sehr erfreulich. 10 Volt-Bereich: (Generator gibt max. 7V aus) MV60 7,0 V : DVM 7,01 V 3 Volt-Bereich: MV60 3,0 V : DVM 3,05 V 1 Volt-Bereich: MV60 1,0 V : DVM 0,995 V 300mV-Bereich: MV60 300 mV : DVM 301 mV 100mV-Bereich: MV60 100 mV : DVM 98,8 mV MV60 80 mV : DVM 79 mV MV60 60 mV : DVM 61 mV MV60 50 mV : DVM 51 mV 30mV-Bereich: MV60 30 mV : DVM 29,5 mV MV60 20 mV : DVM 19,5 mV Die Bereiche 10 mV /3 mV /1 mV sowie alle Bereiche über 10 V sind aufgrund der verfügbaren Messmittel (DVM, Frequenzgenerator) nicht sinnvoll prüfbar. Zumal mir die genannten für die Praxis ausreichen. Ich habe noch viele weitere Messungen jeweils bis 10 runter auf der 30er-Skala bzw. 3 runter auf der 10er-Skala in den jeweiligen Bereichen gemacht. Grundsätzlich sollte man ja immer den möglichen Vollausschlag im jeweiligen Bereich anstreben. Auch diese Werte waren alle im Rahmen. Da alle Elkos usw. absolut einwandfrei aussehen, sehe ich aktuell keinen Anlass, Bauteile zu tauschen. Danke nochmals an alle!
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