Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Grundig MV 60 (Millivoltmeter analog) Geringe Genauigkeit


von Mathias W. (hfb61)


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Hallo, Community :-)

für mein Vintage-HiFi-Hobby habe ich ein gut erhaltenes Grundig MV60 
Millivoltmeter gebraucht gekauft. Das Gerät funktioniert soweit 
einwandfrei. Ich habe es innen und außen gründlich gereinigt und 
überprüft. Alle Baugruppen, insbesondere die Spannungsregler, werden im 
Betrieb nicht nennenswert warm und zeigen keine Auffälligkeiten. 
Äußerlich gibt es auch bei Bauteilen ebenfalls keine Schäden.

Im Gerät sind neben Tantalkondensatoren auch die alten roten 
Röderstein-Elkos verbaut. Laut Bedienungsanleitung ist kein wesentlicher 
Abgleich erforderlich, da „hochgenaue Widerstände“ verwendet wurden. 
Neben drei Luftrimmern gibt es noch zwei Trimmpotentiometer (R187 und 
R189), die für Effektivwert (RMS) und Spitzenwert (Peak) zuständig sind 
und sich in der Nähe des Drehspulinstruments befinden.

Ich habe mal einige einfache Tests mit einem 1-kHz-Sinus und 
verschiedenen Pegeln durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass das Gerät in 
manchen Messbereichen etwa 10–15 % zu hohe Werte anzeigt, in anderen 
jedoch recht genau misst (im Relation zu den technischen Daten und zur 
angegebenen Genauigkeitsklasse des Drehspulinstruments laut BDA). Zum 
Vergleich hatte ich zwei DVMs angeschlossen, die beide konsistente und 
plausible TRMS-Werte lieferten. Das MV60 war dabei immer in der Stellung 
„RMS eff.“.

Ich gehe daher davon aus, dass ein Eingriff an den Trimmern R187/R189 
keinen Sinn ergibt, da eine Veränderung hier auch die bislang genauen 
Messbereiche beeinflussen würde.

Meine Frage: Können solche Ungenauigkeiten (zu hohe Anzeigewerte) durch 
gealterte Kondensatoren – insbesondere Elkos – verursacht werden? Nach 
meiner Erfahrung verändern Tantalkondensatoren ihre Kapazität kaum; sie 
fallen eher durch Kurzschluss aus.

Kontaktprobleme halte ich ebenfalls für unwahrscheinlich, da diese eher 
zu niedrigeren Anzeigen führen würden.

In einigen Forenbeiträgen zum MV60 berichten Nutzer, dass die roten 
Röderstein-Elkos oft deutlich höhere Kapazitätswerte aufweisen 
(teilweise +50 % bis fast +100 %). Solche Beobachtungen konnte ich auch 
bei anderen Grundig-Geräten selten mal schon machen. Interessanterweise 
waren diese „Kapazitätszuwächse“ bei betroffenen  MV60 laut 
Erfahrungsberichten dieser User nicht Ursache Totalausfälle, diese 
"Überkapaziäts"-Elkos letztlich nicht die eigentliche Fehlerursache.

Mich interessiert nebenbei auch, wodurch dieser Kapazitätszuwachs bei 
alten Röderstein-Elkos entsteht – ist das ein Alterungseffekt? Ich kenne 
bei diesen Typen sonst eher geplatzte Gehäuse, Rissbildung mit/ohne 
Flüssigkeitsaustritt (sich bildene  "Perlen"/Tropfen). In meinem MV60 
sehen jedoch alle diese Elkos optisch einwandfrei aus. Ich halte 
generell nichts davon, Elkos pauschal „vorsorglich“ zu tauschen, solange 
keine klaren Symptome vorliegen – es sei denn, ein Bauteil zeigt 
tatsächlich messbare oder optische Mängel.

Was könnte also die Ursache für die Messungenauigkeit meines MV60 sein?

Vielen Dank für Tipps und Einschätzungen!

Gruß Mathias

Anhänge: Schaltplan (PDF) und markierter Ausschnitt (grün) des Bereichs, 
der im Verdacht steht.

: Bearbeitet durch User
von Arno R. (arnor)


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Mathias W. schrieb:
> Dabei zeigte sich, dass das Gerät in
> manchen Messbereichen etwa 10–15 % zu hohe Werte anzeigt, in anderen
> jedoch recht genau misst

Da einige Verstärkungs- bzw. Dämpfungsumschaltungen mit dem 
Bereichswahlschalter gemacht werden, wäre es extrem hilfreich, wenn du 
genau sagen würdest in welchem Bereich was passiert.

von Andrew T. (marsufant)


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Mathias W. schrieb:
> Dabei zeigte sich, dass das Gerät in
> manchen Messbereichen etwa 10–15 % zu hohe Werte anzeigt, in anderen
> jedoch recht genau misst (im Relation zu den technischen Daten und zur
> angegebenen Genauigkeitsklasse des Drehspulinstruments laut BDA).

Ja, sollte der TE mal nachtragen. Häufige Ursache für solche 
Erscheinungen bei derart alten Grundig Voltmeter Geräten: 
Kontaktprobleme im nahe zum Eingang liegenden Stufenschalter.

von Mathias W. (hfb61)


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Danke zunächst an euch!

Ich werde das morgen mal versuchen näher zu ermitteln und ergänze diese 
Info hier dann.

von Manfred P. (pruckelfred)


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Andrew T. schrieb:
> Ja, sollte der TE mal nachtragen. Häufige Ursache für solche
> Erscheinungen bei derart alten Grundig Voltmeter Geräten:
> Kontaktprobleme im nahe zum Eingang liegenden Stufenschalter.

Genauigkeitswunder war das Zeug von Grundig nie. Wir hatten im Werk ein 
paar  MV-1000-O, ja nach Tageszeit 1dB daneben machte sie für mich 
unbrauchbar.

Wenn Kontaktprobleme vorhanden sind, sollte sich der Meßwert verändern, 
wenn man den Stufenschalter bewegt - das Problem haben leider auch 
andere Marken.

von Nick (b620ys)


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Mathias W. schrieb:
> Dabei zeigte sich, dass das Gerät in
> manchen Messbereichen etwa 10–15 % zu hohe Werte anzeigt,

Wenn Du die Bereiche kennst, dann sollte man doch im Schaltplan die 
Pfade finden die nur für die Bereiche verwendet werden. Gemeinsam von 
allen Pfaden verwendete Gruppen können es dann nicht sein.

von Mathias W. (hfb61)


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Update:

Ich habe nun mal gestern den Bereichswahlschalter mit T6-OSZILLIN 
(Teslanol) gut behandelt. Dieser ist ja leider nicht zerlegbar für eine 
anderweitige Reinigung. Wobei ich das eher nicht als Ursache sah (alles 
Goldkontakte, schaut alles top aus). Brachte dann final auch nichts. 
Habe nochmals danach getestet.

Daher dann mal alle Elkos gelistet und werde diese bestellen und 
tauschen.

Zudem besorge ich mir gerade wieder einen Funktionsgenerator. Ich hatte 
mein Hobby ja vor paar Jahren primär aus Platzgründen aufgegeben 
(Irgendwann waren es um 70 Geräte :-) alles verkauft inkl. meinem 
gesamten "Werkstatt-Equipment". Was ich mir aber nun über die letzten 
Monate nach und nach wieder (mit Werkzeugen startend) nachkaufte und 
noch tue.

Sonst wird mir im Ruhestand vielleicht noch langweilig :-)

Der MV60 war somit bei den ersten Messwerkzeugen die ich wieder 
anschaffte. Weshalb der Eingangs genannte Test auch etwas 
unprofessionell per "Handy-App"  (Frequenzgenerator) erfolgen musste. 
Was aber auf die genannte Ungenauigkeit keinen Einfluss zu haben 
scheint.

Da sich die „Ergebnisse“ so jedes Mal reproduzieren lassen. Da sich 
dieser "Messaufbau" so aber nur in 2-3 Bereichen (Ausgangspegel) nutzen 
lässt und das auch nur "Stufenweise" (Lautstärkeregelung Phone) will ich 
mit genauen Angaben zur Abweichung und den betroffenen Zweigen warten 
bis der Generator ankommt.

Melde mich dann mit konkreten Angaben.

von Andrew T. (marsufant)


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Mathias W. schrieb:
> Daher dann mal alle Elkos gelistet und werde diese bestellen und
> tauschen.

Tip: Etwas Vorsicht beim Auslöten, da diese pauschale (meist unnötige da 
nicht zielgerichtete) "Elkokur* die alten Paltinen thermisch ziemlich 
belastet.

>
> Zudem besorge ich mir gerade wieder einen Funktionsgenerator.

ebay.de, kleinanzeigen.de haben da zu moderaten Preisen oft gute FKT, 
die genau an Signal zum MV60 alles liefern was Du benötigst.

> Der MV60 war somit bei den ersten Messwerkzeugen die ich wieder
> anschaffte.

MV60 war letzte Tage in kleianzeigen für 50€ in der Nähe Nürnberg -- 
somit nicht zu teuer.
Das ortsgleich erhältliche UV5A zum gleichen Preis war ein Schanpper.

: Bearbeitet durch User
von Mathias W. (hfb61)


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Andrew T. schrieb:
> Mathias W. schrieb:
>> Daher dann mal alle Elkos gelistet und werde diese bestellen und
>> tauschen.
>
> Tip: Etwas Vorsicht beim Auslöten, da diese pauschale (meist unnötige da
> nicht zielgerichtete) "Elkokur* die alten Paltinen thermisch ziemlich
> belastet.

= Bestellt habe ich die Elkos daher noch nicht. Ich bin auch immer gegen 
pauschales Ersetzen. Nur als letzte Option. Werde daher erst mal die 
Abweichungen hier posten, betroffene Bereiche ermitteln. Sobald der 
Generator angekommen.

>
>>
>> Zudem besorge ich mir gerade wieder einen Funktionsgenerator.
>
> ebay.de, kleinanzeigen.de haben da zu moderaten Preisen oft gute FKT,
> die genau an Signal zum MV60 alles liefern was Du benötigst.

= Ja, da habe ich mich auch mal umgeschaut. Bekommt man ja inzwischen 
vieles günstig.

>
>> Der MV60 war somit bei den ersten Messwerkzeugen die ich wieder
>> anschaffte.
>
> MV60 war letzte Tage in kleianzeigen für 50€ in der Nähe Nürnberg --
> somit nicht zu teuer.

= Das ist ja meiner jetzt gewesen :-)

> Das ortsgleich erhältliche UV5A zum gleichen Preis war ein Schanpper.

von Andrew T. (marsufant)


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Mathias W. schrieb:
>> MV60 war letzte Tage in kleianzeigen für 50€ in der Nähe Nürnberg --
>> somit nicht zu teuer.
>
> = Das ist ja meiner jetzt gewesen :-)

Meinen Glückwunsch zum schönen Gerät.

von Rainer D. (rainer4x4)



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Andrew T. schrieb:
> Mathias W. schrieb:
>> Zudem besorge ich mir gerade wieder einen Funktionsgenerator.
>
> ebay.de, kleinanzeigen.de haben da zu moderaten Preisen oft gute FKT,
> die genau an Signal zum MV60 alles liefern was Du benötigst.
Leider liefern die allerwenigsten Funktionsgeneratoren einen definierten 
Ausgangspegel, auf den man sich verlassen kann.

Glücklicherweise konnte ich zu meiner Dienstzeit auf R&S Geräte 
zugreifen. SUN 2/S und SUN 2/U. Bei uns praktischerweise in einem 19" 
Gehäuse untergebracht.
(Bilder in Netz gefunden)

von Mathias W. (hfb61)


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So, hier also das finale Update zum Grundig MV60:

Ich habe nun alles mit meiner verfügbaren Technik durchgemessen. 
Vielleicht hat sich die Behandlung des Bereichswahlschalters mit dem 
T6-OSZILLIN  sowie primär die Verwendung eines Frequenzgenerators statt 
zuvor der Smartphone-App „Frequenzgenerator” zum Testen ausgezahlt.

Die Messungen wurden mit 1 kHz Sinus durchgeführt, da dies der obere 
Grenzbereich des DVM (TRMS) war. Die Ergebnisse sind sehr erfreulich.

10 Volt-Bereich:

(Generator gibt max. 7V aus)

MV60 7,0 V : DVM 7,01 V


3 Volt-Bereich:

MV60 3,0 V : DVM 3,05 V


1 Volt-Bereich:

MV60 1,0 V : DVM 0,995 V


300mV-Bereich:

MV60 300 mV : DVM 301 mV


100mV-Bereich:

MV60 100 mV : DVM 98,8 mV

MV60 80 mV : DVM 79 mV

MV60 60 mV : DVM 61 mV

MV60 50 mV : DVM 51 mV


30mV-Bereich:

MV60 30 mV : DVM 29,5 mV

MV60 20 mV : DVM 19,5 mV


Die Bereiche 10 mV /3 mV /1 mV sowie alle Bereiche über 10 V sind 
aufgrund der verfügbaren Messmittel (DVM, Frequenzgenerator) nicht 
sinnvoll prüfbar. Zumal mir die genannten für die Praxis ausreichen.

Ich habe noch viele weitere Messungen jeweils bis 10 runter auf der 
30er-Skala bzw. 3 runter auf der 10er-Skala in den jeweiligen Bereichen 
gemacht. Grundsätzlich sollte man ja immer den möglichen Vollausschlag 
im jeweiligen Bereich anstreben. Auch diese Werte waren alle im Rahmen.

Da alle Elkos usw. absolut einwandfrei aussehen, sehe ich aktuell keinen 
Anlass, Bauteile zu tauschen.

Danke nochmals an alle!

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