Forum: HF, Funk und Felder TinySA Ultra+ Erfahrungen


von David (ds2000)


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Hat jemand schon Erfahrungen mit dem TinySA Ultra+ gemacht? Bei mir geht 
es vor allem darum mal eben Störquellen bis 1GHz vor einer EMV Prüfung 
auszumachen. Wäre so ein Gerät mit entsprechenden Nahfeldsonden dazu 
geeignet?

von Stefan M. (derwisch)


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Bis 1GHz und auch deutlich darüber ist das kein Problem.
Eine belastbare und dokumentierbare Messung ist mit Geräten aus höheren 
Preisregionen (berufliches Umfeld) sicher angebrachter.
Dennoch braucht der TinySA den Vergleich mit "Profigeräten" in vielen 
Punkten nicht zu scheuen.
Ich habe den TinySA ohne ultra+ seit einiger Zeit und denke mir immer, 
dass  so ein Gerät vor 30 Jahren fürs Hobby (Funkamateur) ein Hammer 
gewesen wäre.
Da hätte ich damals auch den 5 fachen Preis bezahlt...

: Bearbeitet durch User
von David (ds2000)


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Stefan M. schrieb:
> Bis 1GHz und auch deutlich darüber ist das kein Problem.
> Eine belastbare und dokumentierbare Messung ist mit Geräten aus höheren
> Preisregionen (berufliches Umfeld) sicher angebrachter.

Es soll wirklich nur für mal eben am Entwicklunsgplatz sein um eine 
erste Einschätzung zu haben. Ich würde am liebsten ein Handheld Gerät 
von R&S haben aber da hat mir die Beschaffung schon gesagt, dass das 
nicht drin ist.

von Hans W. (Firma: Wilhelm.Consulting) (hans-)


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Hmm... Am Papier klingen SDRs und auch so ein tiny ja ganz ok.

Ich würde mir aber trotzdem einen alten "richtigen" analyzer holen.


Wenn ich das richtig gelesen habe, kommst du nur auf -70dBm runter. Mag 
für einfache Dinge mit einer feldsonde reichen.

Wenn du aber z.b am Kabel messen willst ist das schon wirklich wenig.
Du willst deinen noisfloor min. 6dB unter dem Grenzwert haben. Also zu.b 
bei 50dBm. Das ginge noch mit einer einfachen LISN.

Sobald du aber noch einen Limiter reinhängst, damit du dir den analyzer 
nicht sofort zerschießt, ist's eigentlich schon vorbei.

In Firmen ist das zwar oft (aus unerfindlichen gründen) ein Problem, 
aber ich würde mir um 500..1000.- (aktuelle range für sofortkauf auf 
ebay) ein gerät von advantest holen.

Die sind nicht ganz so bekannt - haben aber meist auch einen quasi-peak 
detektor... Nicht gerade unwesentlich für EMV.

Von den mitlaufenden filtern usw sprechen wir Mal nicht...

Sprich: so ein tinysa mag für bestimmte use-cases schon funktionieren - 
du musst da aber schon sehr genau wissen was du tust. Andernfalls musst 
du musst oder das gerät ist schnell kaputt.


73

von René H. (dj1yr)


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David schrieb:
> Es soll wirklich nur für mal eben am Entwicklunsgplatz sein um eine
> erste Einschätzung zu haben. Ich würde am liebsten ein Handheld Gerät
> von R&S haben aber da hat mir die Beschaffung schon gesagt, dass das
> nicht drin ist.


Wie hoch ist den das Budget?
Selbst die alten FSH von R&S sollte man sich heute nicht mehr als Firma 
hinstellen.

Schaut euch doch mal die Siglent SSA3000+ Serie an, da bekommt man für 
wenig Geld doch schon brauchbares.

Zum abschätzen nehme ich auch manchmal die FFT vom Oszi, wenn das schon 
vom Tisch springt, brauch ich den Speki nicht anwerfen...

von Hans W. (Firma: Wilhelm.Consulting) (hans-)


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René H. schrieb:
> Zum abschätzen nehme ich auch manchmal die FFT vom Oszi, wenn das schon
> vom Tisch springt, brauch ich den Speki nicht anwerfen...

Aber dann bitte eines mit 12-bit ADC.

Der Grund ist ein ähnlich wie in meinem vorigen Post: Dynamik!

Wenn du mit dem Oszi die Grundwelle von einem DC/DC siehst, dann darf 
die doch wesentlich höher sein als dann >150kHz. Damit brauchst du 
einfach die dynamik damit du das "oben" noch vernünftig siehst ohne dass 
es "unten" übersteuert.

Der Kostenunterschied ist eigentlich nicht mehr gegeben... die SDS800X 
Serie gibt's ab 500.-

Ein echter spekki ist natürlich besser... wobei ein Spekki sich 
üblicherweise leichter übersteuern lässt wie ein Messempfänger 
(Preselektor bzw mitlaufendes Filter findet sich eher bei 
Messempfängern).... Für Pre-Compliance bzw wenn du nicht gerade im 
2-Stelligen kW Bereich unterwegs bist würde ich das aber nicht 
überbewerten.


Übrigens: Mit Nahfeldsonden vorzuprüfen ist mutig! Du siehst da dinge, 
die die Antenne einfach nicht sieht. Es gibt von Tekbox Bikonische 
Antennen zu erschwinglichen Preisen...die sind ganz i.O.  Auf 1m Distanz 
bist du mit sowas schon wesentlich näher an einem Ergebnis in einer 
EMV-Kammer als mit einer Schnüffelsonde.

73

von Markus W. (dl8mby)


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@Hans W.,

was spricht gegen einen Breitbandverstärker bis 1GHz++
am Eingang von tinySA, um die Empfindlichkeit um 20dB++
zu erhöchen?

vy73
Markus

von Rick (rick)


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Markus W. schrieb:
> was spricht gegen einen Breitbandverstärker bis 1GHz++
> am Eingang von tinySA, um die Empfindlichkeit um 20dB++
> zu erhöchen?
Nichts. Der sollte nur sehr niedriges Rauschen haben (was bei 
Breitbandverstärkern so eine Sache ist...).

Es spricht auch nix für die Verwendung eines TinySA. Wenn man merkt, das 
die Dynamik zu gering und/oder der Scan zu langsam ist, kann man sich 
immer noch nach Alternativen umsehen.

Mit den Nahfeldsonden bekommt man m.E. eh nur Schätzwerte. Und man kann 
die Dinger im ersten Versuch auch gut am Oszilloskop verwenden. Auch 
wenn das Frontend nur 8 Bit hat. Da geht man mit der Sonde eben etwas 
näher ran. Entscheiden ist, daß das Oszi die Bandbreite hat (> 500 MHz), 
um die Signale darzustellen.

Auch ein Schirmzelt ist für eine erste Abschätzung m.E. nicht 
erforderlich. Man kann eine Nullmessung machen und muß damit rechnen im 
Bereich starker 'Störer' (UKW, DAB, DVB-T, LTE, GSM, DECT, WLAN) blind 
zu sein.

Wer keine Scheu vor Englisch hat, kann sich hier mit Webinaren zum Thema 
weiterbilden:
https://go.teledynelecroy.com/emc-measurements

von Stefan M. (derwisch)


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Markus W. schrieb:
> @Hans W.,
>
> was spricht gegen einen Breitbandverstärker bis 1GHz++
> am Eingang von tinySA, um die Empfindlichkeit um 20dB++
> zu erhöchen?
>
> vy73
> Markus

Nicht nötig.
Der Tiny SA ist keineswegs taub.

von Hans W. (Firma: Wilhelm.Consulting) (hans-)


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Markus W. schrieb:
> was spricht gegen einen Breitbandverstärker bis 1GHz++
> am Eingang von tinySA, um die Empfindlichkeit um 20dB++
> zu erhöchen?

Leitungsgebundene Messungen sind da ein gutes Beispiel:

Du hast z.B die Grundwelle vom DC/DC bei 120dBµV im peak.
Der Grenzwert für den Avergage liegt dann bei 46dBµV. Jetzt willst du 
zumidest 6dB mit dem noisefloor drunter sein => geht sich schon nicht 
mehr aus.

Der Verstärker bringt da nur etwas, wenn du einen Hochpass davorpacken 
kannst, der die Grundwelle entfernt/genügend dämpft....dann brauchst du 
aber wahrscheinlich auch den Verstärker nicht...

Ja, da gibt's was und ja, macht man auch. Es wird halt alles 
komplizierter (und auch teurer) als es sein müsste...

Der Hochpass ist übrigens ziemlich kritisch... man hat ja gerne 
80..120kHz Schaltfrequenz, damit man die bei 150kHz nicht mehr in der 
Messung hat. Das muss man mal machen so 20-40dB Dämpfung bei 100kHz und 
idealerweise 0dB bei 150kHz.
(FYI, ein Beispieldatenblatt zu so einem Filter: 
https://schwarzbeck.de/Datenblatt/HPF_150k.pdf)

Ich würde mal sagen, so 90-100dB Dynamik wäre gut, damit man sich wegen 
der Übersteuerungsproblematik wenig Sorgen machen muss.

70dB geht schon irgendwie...aber das erfordert einfach Übung um 
einschätzen zu können, ob du einen echten Störer misst, oder die 
Harmonsiche durch Übersteuerung entstanden ist.

Gerade beim Schnüffeln ists aber schwer die Hand genau gleich zu lassen 
und nebenbei  mal 10-20dB Dämpfer reinzuschrauben nur um zu sehen, ob 
die harmonischen dann weg sind oder nicht.

Mit Übung kann man auch mit dem Abstand spielen... nur wie verhält sich 
die Leiterstruktur... alles Erfahrungssache... und genau da hilft eben 
Equipment mit mehr dynamik.

Ich hatte den ersten TinySA und der war schon ok zum herumspielen.
Der war aber ziemlich schnell tot weil der Transienten am Eingang 
einfach nicht mag... ist ja auch dafür nicht gemacht :)

IMHO sind die dinger für AFU Messungen sogar sehr gut geeignet.

Bei EMV hast du aber dummerweise oft das Bedürftnis nach mehr Dynamik... 
und mehrfachen Schutz vom Analyzer (Bei mir normal ein Dämpfer, ein 
Limiter, ein Hochpass und dann noch im Analyzer der integrierte 
Limiter).

Rick schrieb:
> Auch
> wenn das Frontend nur 8 Bit hat. Da geht man mit der Sonde eben etwas
> näher ran. Entscheiden ist, daß das Oszi die Bandbreite hat (> 500 MHz),
> um die Signale darzustellen.

Ja, da ist schon was Wahres dran...nur musst du da fast schon wissen, 
was  du suchst.. also welche Frequenz dir probleme macht.

David schrieb:
> Bei mir geht
> es vor allem darum mal eben Störquellen bis 1GHz vor einer EMV Prüfung
> auszumachen.

Im Feld (also mit Antenne...das kann sogar ein simpler kurzer draht 
sein!) wird so ein TinySA wahrscheinlich halbwegs brauchbar sein. Da ist 
das Limit über den Frequenzbereich einfach recht "gutmütig" (also min zu 
max ist im Rahmen).
Leitungsgebunden und beim Schnüffeln sind einfach die Grundwellen das 
Problem.

Wie von mir oben geschrieben, kann für ganz einfache sachen reichen.
Aber ganz so billig ist der TinySA auch nicht.... nur so als Beispiel: 
https://www.ebay.at/itm/177789647800 500.- für einen Advantest mit 
Quasi-Peak Messung.

73

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