Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Schaltungstechnik von Netzgeräten mit Vorregelung/Relais für Sekundärwicklungen


von Ths S. (motorburner)


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Hallo zusammen,

ich weiß - zu Labornetzgeräten gibt es schon sehr viele Threads und das 
Thema ist schon ziemlich ausgelutscht.
Ich möchte aber (noch) gar keins bauen, sondern mich nur erstmal mit der 
Schaltungstechnik von linear geregelten Netzgeräten mit großem 
Ausgangsspannungsbereich befassen.
Hierfür gibt es ja verschiedene Arten. Folgende kenne ich:
- Verwendung von Relais mit automatischer Umschaltung der 
Sekundärwicklung
- Vorregelung auf Primärseite mittels Triac
- Vorregelung auf Sekundärseite mittels gesteuertem 
Gleichrichter/Thyristoren

Zu diesen 3 Varianten suche ich Schaltbilder zum nachvollziehen und 
nachzeichnen/simulieren in LTSpice, um die Schaltungstechnik dahinter 
(analoge Technik, bitte nichts mit µC) besser zu verstehen.

Im Buch "Schaltungspraxis für Messgeräte" von Harro Kühne habe ich 
einige Schaltungen mit Thyristor-Vorregler gefunden, aber leider keine 
weitere Erklärung zur Funktionsweise.. ist eben ein Praxisbuch, leider.
Die HP Application Note 90B kenne ich ebenfalls.

Ich bin dankbar für jegliche Anregungen, Schaltbilder, Application Notes 
usw - alles, was hilft, in das Thema reinzukommen.

von Hans-Joachim S. (haenschen2)



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na, z.B. so von Gossen.
Gruß
Hans

von H. H. (Gast)


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Ths S. schrieb:
> Hierfür gibt es ja verschiedene Arten. Folgende kenne ich:
> - Verwendung von Relais mit automatischer Umschaltung der
> Sekundärwicklung
> - Vorregelung auf Primärseite mittels Triac
> - Vorregelung auf Sekundärseite mittels gesteuertem
> Gleichrichter/Thyristoren

- Vorregelung mittels Schaltnetzteil.

von Axel S. (a-za-z0-9)


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Ths S. schrieb:
> Im Buch "Schaltungspraxis für Messgeräte" von Harro Kühne habe ich
> einige Schaltungen mit Thyristor-Vorregler gefunden, aber leider keine
> weitere Erklärung zur Funktionsweise.

Das habe ich (mit Abwandlungen) gebaut. Funktioniert, man sollte aber 
stromfestere Thyristoren als den ST103 nehmen. Der Stromstoß beim Zünden 
des Thyristors wird nur vom Wicklungwiderstand des Netztrafos begrenzt.

Eine modernere Variante benutzt einen Stepdown gefolgt vom einem 
Linearregler auf der Sekunderseite. Da gibt es auch Appnotes für.

von Nevs (noname_user)


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Ths S. schrieb:
> Hierfür gibt es ja verschiedene Arten. Folgende kenne ich:
> - Verwendung von Relais mit automatischer Umschaltung der
> Sekundärwicklung

Das Prinzip wird im Statron NT mit 40V 5A verwendet, unter der 
Bezeichnung NT Digi40 von Conrad zu finden.

von Wolf17 (wolf17)


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Ths S. schrieb:
> - Verwendung von Relais mit automatischer Umschaltung der Sekundärwicklung

z.B. Conrad PS2403 schaltet den Trafo in drei Stufen:
https://asset.conrad.com/media10/add/160267/c1/-/en/000511455CD01/000511455CD01.pdf
Bei dem brummt nur der Trafo zusammen mit dem Stahlblechgehäuse.

Die mit Triac oder Thyristor vorgeregelten Typen, die ich kenne, sind 
alle deutlich lauter hörbar.

: Bearbeitet durch User
von Andrew T. (marsufant)


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H. H. schrieb:
> Ths S. schrieb:
>> Hierfür gibt es ja verschiedene Arten. Folgende kenne ich:
>> - Verwendung von Relais mit automatischer Umschaltung der
>> Sekundärwicklung
>> - Vorregelung auf Primärseite mittels Triac
>> - Vorregelung auf Sekundärseite mittels gesteuertem
>> Gleichrichter/Thyristoren
>
> - Vorregelung mittels Schaltnetzteil.

- Aufteilung mit automatische Umschaltung eines Serienwiderstandes 
(Beispiel: FS12/73, hier im Forum. Ebenso bei älteren KEPCO Netzteilen)

- Verwendung von BJT mit automatischer Umschaltung der 
Sekundär-Rohspannung (Beispiel: Ausgeführte Schaltung von Gerhard O.) 
statt Relais

- Verwendung von FET mit automatischer Umschaltung der 
Sekundär-Rohspannung (Beispiel: Variante der Version von Gerhard O., 
Ausgeführt von mir) statt Relais

von Nevs (noname_user)


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Nevs schrieb:
> Ths S. schrieb:
>> Hierfür gibt es ja verschiedene Arten. Folgende kenne ich:
>> - Verwendung von Relais mit automatischer Umschaltung der
>> Sekundärwicklung
>
> Das Prinzip wird im Statron NT mit 40V 5A verwendet, unter der
> Bezeichnung NT Digi40 von Conrad zu finden.

https://www.mikrocontroller.net/attachment/313797/Digi-40.pdf

In einem Elektor-Projekt über mehrere Monate war ein leistungsfähiges 
sekundär linear geregeltes NT mit primärer Vor-Regelung, so im Jahrgang 
um 1996 zu finden.

: Bearbeitet durch User
von Jobst M. (jobstens-de)


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Die Korad Netzteile (z.B. KA3005P) schalten die Sekundärwickungen mit 2 
Relais um. Leider hier durch einen µC gesteuert. Man kann das Problem 
aber auch durch Fensterkomparatoren lösen.

Schaltungen für die Netzteile findet man im Netz. Bisher habe ich 
allerdings keine völlig fehlerfreie gesehen.

Gruß
Jobst

von Thomas R. (thomasr)


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Etwa in den 80ern gab es mal einen Bauvorschlag in der Funkschau (?) für 
ein Netzteil mit primärseitiger Vorregelung durch Transduktor. Heute 
findet man so etwas anscheinend nur noch bei größeren Modellen ;-)

von Armin X. (werweiswas)


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Es gab mal von HP die 626X-Serie.
Die hatten alle Primärvorregelung.
Schaue daher mal nach einem Manual vom HP6269B
Das HP6448B hatte auch nur eine Primärregelung.
Kann nachher mal Bilder der Schaltpläne machen. Gibts zur Not aber auch 
im Netz.
EA hatte mal das 7060-100 gebaut. Das hatte eine sekundärseitige 
Thyristorvorregelung. Findet sich, glaub ich, auch hier im Forum etwas 
dazu.
Beitrag "[Suche] Schaltplan für EA 7060-100"

: Bearbeitet durch User
von Dieter W. (dds5)


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Ich habe ein EA 532-20 mit sekundärer Vorregelung. Durch die zusätzliche 
Glättungsdrossel ist es halt riesig groß und schwer.

von Udo K. (udok)


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Die Vorregelung mit gesteuertem Gleichrichter (Thyristor oder Mosfet 
heute) hat ein paar Besonderheiten:

- Funktioniert nur gut mit sinusförmiger Wechselspannung (keine 
Wechselrichter mit nahezu rechteckiger Spannung)

- Der Strom darf bei halber Spannung nicht doppelt so groß sein.
Die Trafoverlusste sind proportional zu I^2 und der RMS Strom nimmt bei 
niedrigerer Spannung eher noch zu, daher gibt es bei halber Spannung nur 
halbe Abgabeleistung.
Ein moderner Step-Down Regler kann aber bei halber Spannung den 
doppelten Strom liefern und hat wohl ein höheres Übersetzungsverhältnis.

- Braucht wegen dem Powerfaktor eine große Drossel, die aber mit der 
Streuinduktivität vom Trafo gebaut werden kann - wenn man kann.

- Verursacht wie Schaltregler einiges an Gleichtakt Strom, den man in 
einem hochwertigen Labornetzteil nicht haben will

von Ths S. (motorburner)


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Guten Abend,

vielen Dank für die Antworten und die Anregungen.
Da habe ich auf jeden Fall sehr viel Einarbeitungsstoff - ich werde mich 
wieder melden, sobald ich weitere Fragen habe!

von Pandur S. (jetztnicht)


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Die Aussagen zum Thyristor vorgeregelten Netzteil stimmen so nicht.
Der Thyristor, resp die Thyristoren sind natuerlich sekundaerseitig zum 
Trafo. Immer, der Trafo bestimmt die Impedanz. Die Impedanz des Netzes 
ist als sehr tief anzunehmen, und der Trafo bietet die Sicherheit bei 
Kurzschluss. Gleichtakt Strom gibt's keinen, da dreiphasig.

Der Vorteil einer Thyristor Vorregelung gegenueber einem Schaltregler 
ist das sauberere Ausgangs Signal. Thyristoren schalten 6 mal pro 
Periode, die Oberwellen sind also 300Hz mal N, mit der Amplitude gehen 
die frequenz  schnell abnehmend.
Wir hatten solche Netzteile fuer 200 Volt, an 3 Ohm Last, 12 kW.
Diese Netzteile hatten die Thyristor Stufen auf 3V oberhalb 
Ausgangsspannung geregelt. Nachher kam eine Linear Endstufe, welche mit 
diesen 3V Abfall alle Rippel, resp Harmonischen wegmachte. Schliesslich 
mussten diese Netzteile eine Stabilitaet von 10^-5 bringen. Low noise.

: Bearbeitet durch User
von Axel S. (a-za-z0-9)


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Ths S. schrieb:
> Im Buch "Schaltungspraxis für Messgeräte" von Harro Kühne habe ich
> einige Schaltungen mit Thyristor-Vorregler gefunden, aber leider keine
> weitere Erklärung zur Funktionsweise.

Ich habe das Schaltbild des Reglers und zum besseren Verständnis den 
Verdrahtungsplan mal angehängt. Der Regler braucht 2 Rohspannungen. Eine 
davon (die 15V~) erzeugt nur die negative Referenzspannung und 
Versorgung für den OPV (A1 = MAA748 = LM748).

Allgemeines zur Funktion: der MAA748 (die unkompensierte Variante des 
741) arbeitet mit dem Booster V13 als Spannungsregler. V14 bildet in 
Verbindung mit R17, R18 die Strombegrenzung auf ~650mA. V14 greift dazu 
in die OPV-Innenschaltung ein (über Pin 8 - Frequenzkompensation). Die 
Schaltung funktioniert also nur mit dem angegebenen OPV oder einem mit 
ähnlicher Innenschaltung.

Die Referenzspannung von ~5.6V wird von V11 erzeugt und dient 
gleichzeitig als negative Versorgung für den OPV. Über R15/R16 wird sie 
in einen Referenzstrom von ~1mA umgewandelt, der im ausgeregelten 
Zustand über das Poti R4 und die Serienschaltung R1..R3 geliefert wird.

Nun zur Vorregelung: der Hauptstrompfad geht vom positiven Ende der 
Graetzbrücke (V3, V4) über R9 und den Thyristor V6. Der Zündstrom für V6 
wird von R10 und V7 bereitgestellt. Die Schaltung aus V8, V12 und V15 
sorgt dafür, daß die Zündspannung um ca. U_be(V15)+V_z(V12) über der 
eingestellten Ausgangsspannung liegt (die Durchlaß-Spannungen von V7 und 
V8 canceln sich gegenseitig).

Mit den angegeben Werten liegt die Zündspannung ca. 6V über der 
eingestellten Ausgangsspannung. Immer wenn die Spannung über dem 
Ladekondensator auf ca. 5V über der Ausgangsspannung gefallen ist, 
reicht die Zündspannung, den Thyristor V6 zu zünden, so daß der bis zum 
Ende der Halbwelle Strom in den Ladekondensor (C2, C3) nachschießt. Das 
Zünden kann bei beliebiger Phasenlage geschehen. Im ungünstigsten Fall 
beim Scheitelpunkt der Sekundärspannung (~30V) und fast leeren Elkos C2, 
C3. R9 und der Wicklungswiderstand des Trafos begrenzen dann den Strom.

Wozu dient V15? Das ist IMHO das spannendste Detail. V15 sorgt dafür, 
daß nicht der ganze ungenutzte Zündstrom (maximal ca. 5mA) in den 
Ausgang fließt, sondern nur ca. 1/100 davon (mit angenommenem 
B(V15)=100). Der Rest des Stroms über R10, V8 und V12 wird nach GND 
abgeleitet, wo er nicht stört. Der verbleibende Strom ist sicher unter 
1mA und wird vom Spannungsteiler R1..R4 : R15+R16 sicher nach V_ref 
abgeleitet.

Mein Nachbau nutzt nur die Vorregelung und einen MAA723 als Hauptregler. 
Die negative Spannung entfällt komplett (ich brauche keine Einstellung 
bis 0V runter). Schaltung müßte ich noch irgendwo haben (auf Papier). 
Wenn Interesse besteht, zeige ich die noch.

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