Forum: Platinen Projekt-Review: Energy Harvesting mit BQ25570 & LiPo (Solar)


von Leiname S. (leiname_s)



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Hallo zusammen,

ich arbeite gerade an einer stromsparenden, solarbetriebenen 
Fernbedienung mit einem ESP32-S3-Wroom-1, die über eine Solarzelle (und 
Akku) versorgt werden soll.

Da ich noch nicht so erfahren bin wäre ich auch sehr dankbar, wenn ihr 
kurz über meinen Schaltplan schauen könnten ob alles Sinn ergibt und so 
funktioniert wie gewollt. Vor allem bei der Verschaltung von meinem 
BQ25570 und dem Anschluss vom MCP73831-2-MC mit dem akku bin ich mir 
noch unsicher.

Projektübersicht:
Stromquelle: Kleine PET Solarzelle(Vmp: 5V, Imp: 100mA)
Energy Harvester: BQ25570
Lade-/Debuggingschnittstelle: USB_C mit MCP73831-2-MC
MCU: ESP32-S3-Wroom-1
Peripherie:
IR-LED
IR-Sensor(TSOP31240)
18Knöpfe mit CD74HC4067 Multiplexer

Ziel ist es ein System, das primär über solar geladen wird, aber auch 
optional über USB-C geladen werden kann. Außerdem meine größte Frage:
Der Parallele Betrieb von BQ25570 und MCP73831. Gibt es keine Probleme 
wenn beide ICs am selben Akku angeschlossen sind?

Vielen Dank schonmal fürs anschauen.
Ich freue mich auch über Kritik und Verbesserungsvorschläge!

Viele Grüße

Emanuel

von Harald K. (kirnbichler)


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Leiname S. schrieb:
> ich arbeite gerade an einer stromsparenden, solarbetriebenen
> Fernbedienung mit einem ESP32-S3-Wroom-1, die über eine Solarzelle (und
> Akku) versorgt werden soll.

Stromsparend und ESP32 beißt sich. Fernbedienung lässt auf Gebrauch 
innerhalb von Gebäuden schließen, und das wiederum legt eine sehr, sehr 
geringe Ausbeute der Solarzelle nah.

Vergiss' die Solarzelle, nimm stattdessen einen größeren Akku.

Und warum ausgerechnet ein ESP32? Willst Du etwa WLAN zur Fernbedienung 
von irgendwas verwenden?

von Leiname S. (leiname_s)


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Harald K. schrieb:
> Stromsparend und ESP32 beißt sich. Fernbedienung lässt auf Gebrauch
> innerhalb von Gebäuden schließen, und das wiederum legt eine sehr, sehr
> geringe Ausbeute der Solarzelle nah.

Tatsächlich ist hier mein Vorbild die Samsung SolarCell Remote. Die 
nutzt genau das Prinzip. Ich möchte die Fernbedienung später vielleicht 
mal in mein SmartHome integrieren.

von Lu (oszi45)


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Leiname S. schrieb:
> solarbetriebenen Fernbedienung

Kein Problem: Wenn Du nun ein 400W-Modul anschließt, kannst Du jetzt im 
Winter 3 Watt ernten. Dann rechne die kurzen Sonnenstunden aus. 3W*3h=9 
Wh
Die Ernte reicht dann völlig aus, um Deinen ESP bei Sonne zu 
betreiben. 8-)

von Björn W. (bwieck)


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Wozu der Multiplexer? Der ESP hat doch genügend I/O frei.

von Leiname S. (leiname_s)


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Mein ESP läuft natürlich nicht dauerhaft. Meinen Berechnungen zufolge 
erntet die Zelle selbst bei nur 1% der Nennleistung(Innenraum) als der 
Deep Sleep verbraucht. Zudem gibt es ja noch einen Akku der über usb-c 
aufgeladen werden kann. Nur weiß ich nicht ob meine Schaltung korrekt 
ist, was der Hauptgrund für diesen Post war.
P.s. Meine Berechnungen:
Deep Sleep: ca. 15uA -> in 24h 0,36mAh
Aktivität(ESP-NOW): Ein Sendevorgang dauert inkl. Wake up ca 200ms bei 
100mA sind das nur 0,0055mAh.
Tagesbedarf (bei 10 Betätigungen): 0,36mAh + 0,055mAh = ca. 0,42mAh Pro 
Tag.
Mein Solar Modul hat eine Pmax von 500mW. Gehen wir im tiefsten 
Winter/Innenraum von nur 0,5% Wirkungsgrad aus was schon sehr 
konservativ ist. Das entspricht einer Ernte-Leistung von 2,5mW.
Bei 3,3V am Ausgang des BQ25570 fließen also effektiv 0,75mA Ladestrom 
in den Akku.
Selbst wenn nur 2h am Tag dieses minimale Licht vorhanden ist werden 
1,5mAh geerntet. Meine Ernte (1,5mAh) ist selbst unter den miesesten 
Bedingungen fast 4x so hoch wie der Tagesbedarf von meinem 
ESP32(0,42mAh).

von Leiname S. (leiname_s)


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Danke für den Tipp! Ich fand diese Lösung persönlich einfach schöner. 
Kannst du evtl, falls du dich damit auskennst, mal über meinen 
Schaltplan schauen und mir sagen ob alles passt?

von Silc P. (silch12)


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Du wirst fast ausgeschlossen auf deine 2.5mW kommen. 0.5% der max 
Leistung eines Solarmodulen in Innenräumen ist ziemlich weit daneben... 
Die Leistung ist exponentiell mit der Lichtstärke verknüpft.

Schau dir diese Artikel mal an. Im letzten hat's eine Licht-Leistungs 
Kurve:
https://www.research-collection.ethz.ch/entities/publication/7379b008-72aa-468c-b8c1-05ac7f5404f0
https://www.research-collection.ethz.ch/entities/publication/e63806e8-fcb0-46b1-8b8a-1c695698e4d5
https://arxiv.org/abs/2601.03171

: Bearbeitet durch User
von Niklas G. (erlkoenig) Benutzerseite


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Harald K. schrieb:
> Stromsparend und ESP32 beißt sich

Da kann ich nur zustimmen. Es gibt viel sparsamere Controller. Der 
uralte CD74HC4067M ist vermutlich auch nicht so toll.

USB D- und D+ sind an der Buchse vertauscht!

Leiname S. schrieb:
> Kleine PET Solarzelle(Vmp: 5V, Imp: 100mA)

Warum benutzt du einen Boost-Converter wenn die Solar-Spannung bereits 
höher als die maximale Akkuspannung ist? Der Gag an Boost-Convertern ist 
ja dass du weniger, dafür größere Zellen nutzen kannst, was u.a. 
Probleme der Teilabschattung reduziert. Die Diode an der Solarzelle ist 
auch eher sinnlos.

Ich habe ein Spaßprojekt mit einem MikroE Solar energy click (enthält 
einen BQ25570), einem Anysolar "KXOB121K04F" Mini-Panel und einem 
STM32U0 gebaut. Der MCU verbraucht kontinuierlich ca 40µs um ein 
Segment-LCD mit einer lustigen Animation anzusteuern. An einem 
Fensterplatz oder direkt unter einer Lampe läuft der damit 
kontinuierlich. Innerhalb eines Zimmers oder künstlicher 
Indoor-Beleuchtung geht es aus; hab nur einen Kondensator dran, mit 
einem Akku reicht das Fenster-Licht vielleicht für Dauerbetrieb.

Leiname S. schrieb:
> Gehen wir im tiefsten
> Winter/Innenraum von nur 0,5% Wirkungsgrad aus was schon sehr
> konservativ ist.

Bei guter Indoor-Beleuchtung kommen < 5µW aus meinem Panel, das reicht 
gerade für die tiefen Sleep-Modi der MCU... Das sind 0,005% der Pmax 
(100mW)!

Ich glaub das Projekt kann schon funktionieren, aber du brauchst
- einen viel effizienteren Controller mit Sleep-Strom deutlich unter 1µA 
und der mit geringerer Spannung auskommt
- Eine aggressiv auf Stromsparen optimierte Firmware
- ein Solarpanel mit passender Spannung. Eventuell eine einzelne 
hocheffiziente Triple-Junction-Zelle (ist dann teurer als der gesamte 
Rest des Projekts)
- Vielleicht auch eine Lithium-Titanat-Batterie statt LiPo

: Bearbeitet durch User
von Leiname S. (leiname_s)


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Vielen Dank für das Feedback!

> Warum benutzt du einen Boost-Converter wenn die Solar-Spannung bereits
> höher als die maximale Akkuspannung ist? Der Gag an Boost-Convertern ist
> ja dass du weniger, dafür größere Zellen nutzen kannst, was u.a.
> Probleme der Teilabschattung reduziert.
Ich hatte den Chip gewählt weil er für Harvesting beworben wurde. Ich 
werde das Design wohl Richtung buck-converter oder einfacher Linearer 
Ladung umplanen.

> Ich habe ein Spaßprojekt mit einem MikroE Solar energy click (enthält
> einen BQ25570), einem Anysolar "KXOB121K04F" Mini-Panel und einem
> STM32U0 gebaut.

Welchen Wirkungsgrad hast du beim Anypanel-Panel im Innenraum real 
gemessen? Nutzt du einen speziellen MPPT-Algorithmus oder fest 
eingestellte 80%?

von Vanye R. (vanye_rijan)


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Da von mir auch mal 1-2 Anmerkungen.

1. Wie von den Kollegen schon gesagt, in Innenraeumen liefern 
Solarzellen erstaunlich wenig Leistung. Es gibt deshalb sogar extra 
zellen die darauf optimiert sind.
https://na.industrial.panasonic.com/products/sensors/amorphous-silicon-solar-cells/lineup/indoor-solar-cells

Wenn man das nicht glaubt, einfach mal eine beschaffen und ausprobieren.

Danach entwickelt man Bewunderung fuer die Leistung der Kollegen die 
Solartaschenrechner mit so einem 10x50mm grossen Modul entwickelt haben. 
:)

2. Der ESP32 mag zwar billig und beliebt sein, aber die Teile sind 
grottenschlecht wenn es ums Energie sparen geht.

3. Es gibt eine neue aufstrebende interessante IC Firma aus Belgien die 
mir sehr interessante ICs in dem Bereich herzustellen scheint:

https://e-peas.com

Die versprechen 95% Effizienz bei ihrem Ladeschaltregler mit 100uA 
Eingangsstrom.
Eigentlich denke ich schon seit einiger Zeit ueber eine sinnvolle 
Anwendung nach um mal mit einem ihrer ICs zu spielen. :-D

Das Problem das ist sehe, wenn man ein Design einmal komplett mit realen 
Werten durchgerechnet hat, dann kann es am Ende sein das man feststellt 
das die Schaltung auch mit einer Lithiumzelle jahrelang laufen wird und 
preiswerter ist.

Vanye

von Niklas G. (erlkoenig) Benutzerseite


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Bei heutigem diffusem Winterlicht habe ich direkt am Fenster (Südseite) 
gerade 100µW gemessen, also immerhin 0,1% der Nennleistung. Mitten im 
Zimmer sind es 2µW, weniger als von der Deckenlampe nachts.

Leiname S. schrieb:
> Ich
> werde das Design wohl Richtung buck-converter oder einfacher Linearer
> Ladung umplanen.

Das machts's auf jeden Fall einfacher. Andere Möglichkeit sind noch 
Shunt-Regler - die Zelle über eine Diode "direkt" mit dem Akku 
verbinden, und den Shunt-Regler die Energie verheizen lassen wenn die 
Spannung über 4,2V steigt.

Leiname S. schrieb:
> Welchen Wirkungsgrad hast du beim Anypanel-Panel im Innenraum real
> gemessen?

Ich hab kein Beleuchtungsmessgerät, kann den Wirkungsgrad daher nicht 
bestimmen.

Leiname S. schrieb:
> Nutzt du einen speziellen MPPT-Algorithmus oder fest
> eingestellte 80%?

Auf dem mikroE board ist der BQ25570 fix auf 80% gestellt. Bei manchen 
anderen ähnlichen Chips kann man die Zahl konfigurieren, z.B. auf 90%. 
Aber alle diese Ultra-Low-Power Energy-Harvesting Chips beherrschen nur 
diesen  simplen Open-Circuit Algorithmus, bei dem regelmäßig die 
Leerlaufspannung der Zelle gemessen und mit dem Faktor multipliziert 
wird, um dem MPP zu finden. Bei manchen kann man auch einfach eine fixe 
MPP-Spannung einstellen, auf die die Zelle dann geregelt wird. Smartere 
MPPT-Algorithmen findet man nur bei größeren Leistungsklassen - solche 
Chips haben dann auch um Größenordnungen höheren Eigenverbrauch.

Vanye R. schrieb:
> Danach entwickelt man Bewunderung fuer die Leistung der Kollegen die
> Solartaschenrechner mit so einem 10x50mm grossen Modul entwickelt haben.

Oh ja!! Ich glaub das geht nur weil der Haupt-IC ein ASIC mit 
festverdrahteter Logik ist welche viel effizienter ist als ein 
vollwertiger Prozessor, und die Taktrate wahrscheinlich extrem niedrig 
ist. Dennoch funktionieren Solartaschenrechner ohne Batterie nur bei 
gutem Licht.

Vanye R. schrieb:
> https://e-peas.com
>
> Die versprechen 95% Effizienz bei ihrem Ladeschaltregler mit 100uA
> Eingangsstrom.

Bei genauerer Betrachtung sind deren ICs auch nicht besser als die der 
Konkurrenz.

Vanye R. schrieb:
> das die Schaltung auch mit einer Lithiumzelle jahrelang laufen wird und
> preiswerter ist.

So ist es. Diese Energy-Harvesting Konzepte sind meistens nur für 
Anwendungen wirtschaftlich, bei denen man im Feld gar nicht mehr dran 
kommt für Batteriewechsel, z.B. IoT-Sensorknoten die irgendwo in der 
Landschaft sitzen. Und natürlich für Spaßprojekte 🙃

: Bearbeitet durch User
von Vanye R. (vanye_rijan)


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> So ist es. Diese Energy-Harvesting Konzepte sind meistens nur für
> Anwendungen wirtschaftlich, bei denen man im Feld gar nicht mehr dran
> kommt für Batteriewechsel,

Im Feld ist ja IMHO sowas wie "draussen". Da sind Solarzellen schon 
brauchbar wie man an Parkautomaten oder Aldi-Gartenlampen sieht.

Es gibt aber auch krasse Anwendungen wo man den Seebeck Effekt nutzt um 
in sehr kalten und lange dunklen Laendern den Temperaturunterschied von 
Oel(Pipeline) und Umgebung (-20 bis -40) nutzt um damit ein Messgeraet 
dauerhaft zu betreiben.

Bloss in einer Wohnung wird es schnell fragwuerdig.

Denkbar waere eine Solarzelle IMHO fuer sowas wie eine IR-FB des TV. 
Wenn die den ganzen Tag Energie sammelt um dann Abends 
10-20Tastendruecke zu erlauben, koennte das gehen und es wuerde keine 
Batterie mehr auslaufen. Gibt es aber wohl nicht weil eine Batterie 
preiswerter ist.

Vanye

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