Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Yamaha HS7 – Hochtöner defekt durch seltenen Fehler am OP‑Eingang (Mini‑Induktivität L403 hochohmig)


von Johannes M. (hannes_0815)


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Hallo zusammen,
ich möchte hier einen ungewöhnlichen Fehler an einem Yamaha HS7 
Studio‑Monitor dokumentieren. Vielleicht hilft es jemandem, der ein 
ähnliches Fehlerbild hat.
🔧 Fehlerbild
    • Tieftöner funktioniert normal
    • Hochtöner komplett stumm
    • Nach dem Ersetzen: Eingeschaltet: lautes Knacken
    • Verdacht auf Gleichspannung am Hochtöner
    • Beim ausgetauschten Hochtöner: weiterhin Zischen/Rauschen am 
OP‑Ausgang
Der alte Hochtöner selbst zeigte einen klaren thermischen Schaden an der 
Schwingspule.
🔍 Erste Diagnose
    • Netzteil: ±30,7 V stabil
    • Endverstärker‑IC LM3886TF: Spannungen korrekt
    • Kein offensichtlicher Defekt nach Service‑Manual erkennbar
    • Schaltplan im Manual enthält nicht alle Bauteile, insbesondere 
keine Induktivitäten.
Darum habe ich anhand der Platinenbeschriftung einen eigenen 
Schaltplanausschnitt rekonstruiert.
📉 Ursache: Mini‑Induktivität L403 hochohmig (11 MΩ!)
Die beiden Induktivitäten L403 und L404 sitzen direkt an den 
OP‑Amp‑Eingängen und dienen als HF‑Stopper.
Messung:
    • L404: 0,425 Ω → normal
    • L403: 11 Megaohm → praktisch offen
Damit war der nichtinvertierende Eingang des OP‑Amps elektrisch offen. 
Das Eingangspotential war undefiniert → der OP‑Amp ging beim Einschalten 
in die Sättigung.
Ergebnis:
    • Am OP‑Ausgang lagen kurzzeitig ±30 V Gleichspannung
    • Der Hochtöner wurde dadurch thermisch zerstört
Ein seltener Fehler — eine Mini‑Drossel, die hochohmig wird, sieht man 
fast nie.
🛠️ Reparatur
    • L403 durch passende Ersatzinduktivität ersetzt
    • Hochtöner erneuert
    • Mehrfaches Ein‑/Ausschalten getestet → kein DC‑Peak mehr
    • Oszilloskop: keine HF‑Schwingungen
    • Gerät arbeitet wieder einwandfrei
💬 Fazit
Ein klassischer „kleiner Fehler mit großer Wirkung“. Der Defekt einer 
winzigen Induktivität führte zu einem massiven Folgeschaden.
Vielleicht hilft dieser Beitrag jemandem, der ein ähnliches Problem mit 
der HS‑Serie hat. Fragen beantworte ich gern.
Viele Grüße Johannes

: Verschoben durch Moderator
von Karl B. (gustav)


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Hat der kein Relais, da erst nach Verzögerung dann die Lautsprecher 
aufschaltet?

ciao
gustav

: Bearbeitet durch User
von Fritz G. (fritz65)


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Karl B. schrieb:
> Hat der kein Relais, da erst nach Verzögerung dann die
> Lautsprecher
> aufschaltet?
Das nützt halt nichts, wenn der OPA-Eingang in der Luft hängt und 
dadurch dauerhaft Gleichspannung am Verstärkerausgang anliegt.
Ich frage mich nur, wie so eine Induktivität im Kleinsignalzweig 
kaputtgehen kann. Bruch durch mechanische Belastung der Platine?

von Jens G. (jensig)


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Fritz G. schrieb:
> Das nützt halt nichts, wenn der OPA-Eingang in der Luft hängt und
> dadurch dauerhaft Gleichspannung am Verstärkerausgang anliegt.

Das Ding braucht natürlich eine DC-Erkennung. Dann würde es was nützen 
...

von Ron-Hardy G. (ron-hardy)


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Fritz G. schrieb:
> Ich frage mich nur, wie so eine Induktivität im Kleinsignalzweig
> kaputtgehen kann.

Das ist halt statistisch gesehen möglich.

von Michael B. (laberkopp)


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Fritz G. schrieb:
> Das nützt halt nichts, wenn der OPA-Eingang in der Luft hängt und
> dadurch dauerhaft Gleichspannung am Verstärkerausgang anliegt.

Doch, denn ein Lautsprecherschutzrelais erkennt auch Gleichspannung.

Aber auch Edelhersteller sparen sich oft das nötigste, und bei 
Aktivboxen erst recht.

von Karl B. (gustav)


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Jens G. schrieb:
> Das Ding braucht natürlich eine DC-Erkennung. Dann würde es was nützen

Hat das Schaltbild oben doch.(links T717 etc.)

ciao
gustav

von Harald A. (embedded)


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Karl B. schrieb:
> Hat das Schaltbild oben doch.(links T717 etc.)

Auf Elektrotanya gibt es das Service Manual inkl. Schaltplan für die 
Yamaha HS7. Da ist im Bereich des LM3886 kein Relais zu sehen. Woher 
kommt Dein Schaltbild?

von Johannes M. (hannes_0815)


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Hallo zusammen,
ich wollte mit meinem Beitrag eigentlich nur einen Hinweis geben: Beim 
HS7 sollte man sich nicht ausschließlich auf den Schaltplan im 
Servicemanual verlassen, sondern unbedingt auch die realisierte Platine 
betrachten.
Der Grund ist einfach: Das Servicemanual ist gut, aber der Schaltplan 
enthält mehrere Zweige, die für andere Modelle der Serie gedacht sind. 
Auf der Platine tauchen dann Bauteile auf, die im Plan nicht 
eingezeichnet sind. Das erzeugt zunächst Misstrauen gegenüber der 
Dokumentation.
Darum habe ich die Untersuchung kurz unterbrochen und mir angesehen, was 
tatsächlich auf der Platine verbaut ist und welche Teile für das 
Fehlerbild relevant sind. Aus Schaltplan + Platinenbeschriftung habe ich 
mir dann einen kleinen, auf den HF‑Zweig reduzierten 
Schaltplanausschnitt erstellt. Damit wurden die beiden Induktivitäten 
sofort logisch einordbar. (Ich hänge den Ausschnitt im Thread an.)
Zu einigen Kommentaren:
Zur Zuverlässigkeit der Bauteile: Auch ich war überrascht, dass eine 
SMD-Induktivität dieser Qualität hochohmig wird. Der Hinweis auf 
statistische Ausreißer ist aber plausibel. Zusätzlich arbeitet die 
Elektronik in einer Box natürlich immer unter mechanischer Belastung 
durch Schwingungen.
Zum Schutzkonzept: Der LM3886 hat einen MUTE-Eingang, und Yamaha nutzt 
eine Power-On-Mute-Schaltung. Eine echte DC-Schutzschaltung wie im 
PA-Bereich wäre vermutlich zu teuer bzw. für diese Klasse unüblich.
Zu den Bauteilwerten: Bei SMD-Induktivitäten ist es ohne Mikroskop oder 
Aufdruck schwierig, den Wert zu bestimmen. Im Servicemanual gibt es dazu 
tatsächlich keinen Hinweis (auch nicht in den japanischen Teilen). Ich 
habe Pin 9 des ICs ausgelötet, um L404 zu isolieren, und dann mit einer 
Messbrücke zumindest die Größenordnung ermittelt. Die Genauigkeit war 
dabei zweitrangig — wichtig war nur, dass L403 elektrisch praktisch 
offen war.
Über die Frage „einfach überbrücken“: Ja, das wäre eine Möglichkeit 
gewesen. Danach hätte man aber mit Rechtecksignalen prüfen müssen, ob 
die Stufe stabil bleibt. Das setzt eine definierte Last voraus — ein 
Hochtöner mit Ferrofluid ist dafür nicht geeignet, weil sein dynamisches 
Verhalten die Messung verfälschen kann. Das geht dann über mein Wissen 
hinaus, daher habe ich mich für den Austausch entschieden.
Gruß, Johannes Meyer

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