Forum: Platinen Wie RLC Bibliothek in Kicad pflegen?


von Operator S. (smkr)


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Wie pflegt ihr eure RLC Bibliothek?

Ich stehe vor der Herausforderung, dass wir eher selten Leiterplatten 
selbst designen. Es kommt ca. 1x pro Jahr vor, dass ein Design von uns 
auch extern hergestellt werden muss.

Dabei habe ich jedes mal das Problem, dass ich zusätzlichen Werte für 
die Bauteile von Hand nachtragen muss.
Die Werte der Bauteile ist nicht das Problem, das kann mit 'V' im Schema 
eingetragen werden. Es sind eher die Toleranzen bei den Widerständen, 
oder dann Spannungsfestigkeit, Dielektrika und Toleranz bei den 
Kondensatoren.

Wir löst ihr das bei euch? Ist jede Wertigkeit bei euch als eigener 
Artikel in der Bibliothek hinterlegt?

von Klaus F. (klaus27f)


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Üblicherweise hat man immer ein ganz konkretes Bauteil,
von einem bestimmten Hersteller,
da gibt es dann genau EINE Artikelnummer!

Beispiel:
--------
Lässt man z.B. eine Platine bei JLCPCB fertigen UND BESTÜCKEN,
dann ist im Schaltplaneditor bei "Symbolfelder bearbeiten"
ein Attributfeld "LCSC" zwingend einzutragen.
Und für jedes Bauteil ist dort dessen Bestellnummer einzutragen.
In diesem Fall die Bestellnummer von JLCPCB bzw. dessen 
Bauteilelieferanten www.lcsc.com/

Auswahl über:
https://jlcpcb.com/parts/in-stock-parts

Sucht man Kondensator 100 nF in Bauform "0805" und wählt  Parts Type = 
Basic, so gibt es genau noch 2 Treffer, eines davon ist die "C49678"

https://jlcpcb.com/partdetail/YAGEO-CC0805KRX7R9BB104/C49678

Also ist   C49678  einzutragen bei Attribut "LCSC".


Dein Fall:
=========
Vorschlag:
Ein (oder zwei) Attributfeld(er) "HERSTELLER" und ggf. "LIEFERANT"
Und das wichtige Attribut "Bestellnummer" (eben dieses Lieferanten).

Meiner Meinung nach sollte das ausreichen.

von Gerd E. (robberknight)


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Bei der Entwicklung des Schaltplans jede Menge Bauteile anzulegen, die 
dann während der Entwicklungsphase wieder geändert werden, ist jede 
Menge unnötige Arbeit.

Ich mache es so dass ich erst den Schaltplan entwickle und dabei nur den 
primären Wert angebe, also z.B. 100n für einen Standard-Kerko. Wenn ich 
an einer Stelle etwas spezielleres brauche, z.B. "10µ 25V", dann trage 
ich genau das ins Value-Feld ein.

Während der Entwicklungsphase ändere ich das aber durchaus mehrfach, 
z.B. wenn ich merke dass das nicht reicht oder ich gegen Ende der 
Entwicklung versuche die Anzahl an verschiedenen BOM-Lines zu reduzieren 
und Teile zusammenzufassen.

Wenn der Schaltplan fertig ist dann gibt es in den neueren 
Kicad-Versionen die Funktion "Edit Symbol Fields" in den Tools. Damit 
kann man sich ganz einfach alle Teile mit den gleichen Werten gruppieren 
lassen und dann für alle gemeinsam mit einem Klick ein zusätzliches Feld 
hinzufügen. Das ist dann z.B. die Bestellnummer beim Lieferanten wie das 
"LCSC"-Feld was Klaus genannt hat.

Damit fällt der Aufwand vorher irgendwelche Bibliotheken allein für 
unterschiedliche Werte anlegen zu müssen komplett weg.

von Andreas S. (Firma: Schweigstill IT) (schweigstill) Benutzerseite


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Klaus F. schrieb:
> Lässt man z.B. eine Platine bei JLCPCB fertigen UND BESTÜCKEN,
> dann ist im Schaltplaneditor bei "Symbolfelder bearbeiten"
> ein Attributfeld "LCSC" zwingend einzutragen.
> Und für jedes Bauteil ist dort dessen Bestellnummer einzutragen.
> In diesem Fall die Bestellnummer von JLCPCB bzw. dessen
> Bauteilelieferanten www.lcsc.com/

Wenn man "Bouni's KiCad respository" als Paketquelle hinzufügt und 
darüber "KICAD JLCPCB tools" installiert, kann man dieses äußerst 
praktische Werkzeug aus dem Layouteditor aufrufen. Darüber wird die 
gesamte JLCPCB-Bauteiledatenbank herumgeladen (und gecached), so dass 
man direkt die entsprechenden Recherchen und Zuordnungen durchführen 
kann. Besonders praktisch ist dabei, dass auch die 
Korrekturinformationen für die Bauteileausrichtung darin enthalten sind, 
so dass man anschließend sehr viel weniger händisch nacharbeiten muss.

Dieses Plugin ist nicht mit "Fabrication Toolkit" bzw. "JLC PCB 
fabrication toolkit" aus dem Hauptrespository zu verwechseln, welches 
diese schicken Features nicht bietet.

KiCad-Paketquelle:
https://raw.githubusercontent.com/Bouni/bouni-kicad-repository/main/repository.json

Github-Seite:
https://github.com/Bouni/kicad-jlcpcb-tools

: Bearbeitet durch User
von Sebastian R. (sebastian_r569)


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Gerd E. schrieb:
> Bei der Entwicklung des Schaltplans jede Menge Bauteile anzulegen, die
> dann während der Entwicklungsphase wieder geändert werden, ist jede
> Menge unnötige Arbeit.

Das ist aber ein einmaliger Aufwand und je gründlicher und länger du ihn 
machst, desto weniger neue Bauteile musst du für ein neues Projekt 
anlegen. Und spezielle ICs und spezielle Bauteile musst du ja so oder so 
für das Projekt neu anlegen.

Hat den Vorteil, dass man weiß, was man schon einmal verwendet hat, was 
ggf. auf Lager ist und auch, was die Bestücker verwenden.

von P. S. (namnyef)


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Jeder RLC ist ein Bauteil mit eigener Herstellerteilenummer inkl. 
vollständigen und unveränderbaren Attributen. Punkt. Anderer 
Widerstandswert, anderes Bauteil.

Das ist natürlich initial etwas mehr Aufwand als bei generischen 
Bauteilen, wo man noch zwar schnell z. B. im Schaltplan die Kapazität 
ändern kann, aber dann eben hinterher auf die Schnauze fällt, wenn beim 
Bestücker der Auftrag auf Rückfrage geht, weil die spezifizierte 
Kapazität nicht mehr zum spezifizierten Dielektrikum und/oder zur 
spezifizierten Nennspannung passt, also die Kombination schlicht nicht 
existiert.

Und der initiale Aufwand hält sich dank Scripting und Sprachmodellen 
auch in Grenzen. Da legt man einmal z. B. einen Schwung E24-Widerstände 
von 1R bis 1M an, und hat dann lange Ruhe.

An geeigneter Stelle kann man dem Bestücker natürlich auch gerne den 
Hinweis geben, dass es nicht unbedingt der RC0402FR-07100RL von Yageo 
sein muss, sondern als Alternative auch ein Bauteil eines anderes 
Herstellers, wenn es die Spezifikation "100R 1% 100ppm 1/16W 0402 
(1005M)" erfüllt, zulässig ist.

von Michael K. (michael_k511)


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Operator S. schrieb:
> jede Wertigkeit bei euch als eigener
> Artikel in der Bibliothek hinterlegt?

So kann man es machen, so machen es viele und finde das fürchterlich 
kompliziert
Bedeutet nämlich für wirklich JEDE Variante aus Wert, Bauform, Toleranz 
etc. ein eigenes Bauteil anzulegen und zu pflegen(!).
Mach das mal für die E12 Reihe von 0402 bis 2510.
Vollkommen Irre und was für Konzerne die sich eigene 'Pflegekräfte' für 
sowas halten.

Meine Lösung:
Bauteil definieren beim Schaltplan zeichnen, mit Wert und Footprint. 
Zusätzliches Feld für die Nummer aus unserem Wawi definieren, fertig.
Ändert Hersteller X die Nummer weil er ein Detail geändert hat, wechseln 
wir bei austauschbaren Bauteilen den Hersteller oder haben mehrere die 
wir je nach Verfügbarkeit verwenden, passiert das alles im Wawi.
Die Kicad Projekte bekommen davon nichts mit und sind immer aktuell.

So definiere ich jede Eigenschaft die mir wichtig ist und kann die in 
eigene scripten beliebig weiterverarbeiten.
Arbeite mit der Tabellenansicht im Schematic statt bauteile im 
Schaltplan abzuklappern. Copy Paste, umsortieren, Werte anpassen, geht 
da alles schneller.

All die Argumente 'das muss aber so' kann ich nicht nachvollziehen.
Ich bin der Entwickler, ich lege fest.
Weiß ich nicht was ich tue kann das superduper Bauteil das im 12 Augen 
Prinzip angelegt wurde das auch nicht mehr reißen.

Ich habe kleinteiligste Abläufen kennenlernen müssen in denen einer 
Schaltpläne zeichnet, einer Bauteile anlegt, einer Layouts macht, einer 
baut, einer testet und dazwischen Abstimmungsorgien die einem das Blut 
gefrieren lassen.
Nee, während da noch meine Bauteilanforderung auf dem Stapel der 
unerledigten Aufträge liegt, habe ich jetzt bereits die erste PCB in der 
Hand zum testen.

man verballert nämlich so viel Zeit beim Versuch alles Perfekt zu 
machen, das am Ende keine Zeit mehr ist das Zeug in einem iterativen 
Prozess aus testing und Redesign wirklich wasserdicht zu bekommen.

von Bernd W. (berndwiebus) Benutzerseite


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Hallo Sebastian R.

Sebastian R. schrieb:
> Gerd E. schrieb:
>> Bei der Entwicklung des Schaltplans jede Menge Bauteile anzulegen, die
>> dann während der Entwicklungsphase wieder geändert werden, ist jede
>> Menge unnötige Arbeit.
>
> Das ist aber ein einmaliger Aufwand und je gründlicher und länger du ihn
> machst, desto weniger neue Bauteile musst du für ein neues Projekt
> anlegen.

Die meisten Bauteile bekommen eine sehr einfache Spezifikation wie: 
Widerstand 4k7 0805 und den Zusatz "generisch", d.h. der Fertiger nimmt 
einen 4k7 der Bauform 0805, die er grade auf Lager hat und wo er schnell 
darauf Zugreifen kann. Macht es einfacher, für den Fertiger und für 
mich.

Erst wenn es komplizierter wird, dann wird diese Spezifikation weiter 
verfeinert, bis dahin, bestimme Typen eines bestimmten Herstellers zu 
verwenden, im Extremfalle mit Hinweis auf Distributor und Bestellnummer. 
Das sind aber meistens eher weniger Teile.

> Und spezielle ICs und spezielle Bauteile musst du ja so oder so
> für das Projekt neu anlegen.

Auch das sind meistens nur wenige Teile.

> Hat den Vorteil, dass man weiß, was man schon einmal verwendet hat, was
> ggf. auf Lager

Die meisten "neuen" Projekte sind Varianten eines anderen Projektes.
D.h. man legt in KiCad ein neues Projekt an, und speichert Schaltplan 
und Board des Projektes, das weiterentwickelt wird unter dem passenden 
Namen in diesem Projekt.

Dann geht man in den Schaltplan, ändert diesen, und davon abgeleitet das 
Board.

Manchmal importiert man auch nur Schaltungsteile als Subschaltplan.
Darum ist es sinnvoll, sich alte Schaltpläne zu zerteilen und die Teile 
als Subschaltpläne zu speichern. Dann hat man vieles schon "auf Lager" 
und kann es schnell mehrfach verwenden.

Immer aber auf die "Schnittstellen" schauen, sonst wird viel doppelt 
gemoppelt. Beispiel: Schaltung A hat eine Schutzdiode im Ausgang, und 
die daran anschliessende Schaltung B hat auch eine im Eingang. Dann muss 
eine gelöcht werden.

> ist und auch, was die Bestücker verwenden.
Daher oben der Hinweis mit dem "generisch".

Mit freundlichem Gruß
Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de

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