Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Suche nach Beschleunigungssensor (IC) mit Aout, 70g-500g sowie fg ~=10kHz


von Fabian N. (flyget)


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Hallo zusammen,

ich suche für einen Messaufnehmer ein nacktes IC mit den folgenden 
Randbedingungen:
- Analoger Ausgang, idealerweise 0-5V (aktuell 0,5V-4,5V)
- Min. 3 Ausführungen im Bereich von etwa 70g-500g (z.B. 100g, 200g, 
500g)
- Grenzfrequenz sollte im Bereich von 8-10kHz liegen
- Genauigkeitsanforderungen im Bereich von <=1%

Aktuell nutze ich die ADXL100X 
(https://www.analog.com/media/en/technical-documentation/data-sheets/adxl1005.pdf) 
von Analog Devices. Die sind eigentlich wunderbar, aber zu empfindlich 
im höheren Frequenzbereich. Durch Körperschall gelangen wir in den 
"Overrange"-Bereich vom IC, wo das nicht mehr funktioniert bzw. 
abschaltet.

Alternativ zu einem anderen IC, würde ich auch Vorschläge zu 
"mechanischer Filterung" entgegen nehmen. Idealerweise gibt es einen 
Schaumstoff/Gummi/Silikon der alle Frequenzen oberhalb 10kHz schluckt, 
aber ich habe zweifle dass es das so definiert gibt.

Wenn ich bei Mouser/Digikey nach analogen Beschleunigungssensoren mit 
den obigen Randbedingungen suche, kommen nur die Analog Devices ICs... 
Ich würde sonst auch direkt bei Herstellern einkaufen, falls es da was 
gibt. Aber wirklich fündig werde ich nicht.

Besten Dank und viele Grüße!

von Harald K. (kirnbichler)


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Fabian N. schrieb:
> - Min. 3 Ausführungen im Bereich von etwa 70g-500g (z.B. 100g, 200g,
> 500g)

Diese Zahlen würde ich mir nochmal genauer ansehen. Bereits 70 g 
Beschleunigung ist ... derb.


Oder meinst Du statt Beschleuning die von einer entsprechenden Masse 
ausgehende Gewichtskraft? Das wären in Deinem Beispiel nur 5 N.

von J. T. (chaoskind)


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Harald K. schrieb:
> Bereits 70 g Beschleunigung ist ... derb.

Lass ne harte Kugel auf harten Boden fallen, 70g sind lächerlich.

Harald K. schrieb:
> Oder meinst Du statt Beschleuning die von einer entsprechenden Masse
> ausgehende Gewichtskraft? Das wären in Deinem Beispiel nur 5 N.

Wenn du seine g als Gramm interpretierst, dann wären 70g bis 500g 0,7N 
bis 5N. Übern groben Daumen. Ansonsten wurden keine spezifischen Angaben 
gemacht, aus denen man ausschließlich 5N rauslesen könnte.

Es liest sich im großen und ganzen aber schon so, als suche der TO 
Beschleunigungssensoren und keine Wägezellen. Wobei ne Waage jetzt auch 
nicht unendlich weit vom Beschleunigungssensor entfernt ist.

von Fabian N. (flyget)


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Es geht um 70-500fache Erdbeschleunigung, siehe auch das verlinkte 
Datenblatt. Die Teile werden an unterschiedlichen Fahrzeugen, wie 
Fahrrad, Motorrad, Auto/LKW, ... eingesetzt. Teils an gedämpften 
Stellen, teils direkt am Bremssattel oder am (Verbrenner-)Motor.

Die 500g kommen ebenfalls in ihren Overrange Bereich(>2x 
Nennmessbereich), vmtl. durch Körperschall.

von Andreas L. (Firma: Systementwicklung A. Lemke) (andreas79)


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Hallo Fabian,

evtl. ist die 820M1 Baureihe von TE ja für dich passend:

https://www.te.com/de/product-CAT-EAC0021.html?&type=products&n=510860%20723054

Frequenzbereich: 2 Hz … 10 kHz
Messbereich: Typen wählbar von 25 … 6000 g

Viele Grüße

Andreas

von Rainer W. (rawi)


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830M1 von TE?
https://www.te.com/en/product-CAT-EAC0023.html

Wieviel Achsen soll der Sensor haben?

von Rick (rick)


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Rainer W. schrieb:
> Wieviel Achsen soll der Sensor haben?
Mindestens eine. SCNR.
Im Zweifelsfall baut man sich für jede benötige Achse einen Sensor ran.

von Fabian N. (flyget)


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Danke! Die TE teile sehen auf den ersten Blick vielversprechend aus... 
wieso hab ich die nicht gefunden?! Werd mal das Datenblatt studieren.

Mir genügt grundsätzlich eine Achse, wenn ich mehr benötige werden die 
entsprechend kombiniert. Wenn es das ganze jetzt natürlich in einem 
ähnlich großen Gehäuse gibt, nehm ich natürlich auch 3 Achsen. Es werden 
allerdings nicht immer alle Achsen benötigt, von daher eher zweitrangig.

von Rainer W. (rawi)


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Fabian N. schrieb:
> Mir genügt grundsätzlich eine Achse, wenn ich mehr benötige werden die
> entsprechend kombiniert.

Die 830M1 besitzen 3 Achsen, da brauchst du nichts zu kombinieren.

Wenn du selber drei 1-Achsensensoren kombinierst, musst du mit sehr 
engen Montagetoleranzen arbeiten, sonst handelst du dir schnell 
Querempfindlichkeiten zwischen den Kanälen ein. Außerdem stellen sich 
die Bestücker meist etwas an, wenn man sie bittet, ICs hochkant auf dem 
PCB zu verlöten, d.h. du würdest dir damit einen Haufen Zirkus 
einhandeln.

von Udo S. (urschmitt)


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Mal aus Neugier:
Wie viel G hält denn die Lötbefestigung auf einer Platine aus?
Ich hätte jetzt gedacht bei 50 - 80G wäre da Schluss.
Und eine "normale" Platine müsste doch viel zu weich sein und damit den 
Messwert massiv verfälschen.

von Fabian N. (flyget)


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@Rainer
Die Montage der Einzelplatinen am Grundträger funktioniert aktuell gut, 
die Einzelplatine mit dem ADXL100X IC wird am IC-Gehäuse ausgerichtet 
und verklebt. Da die pro Platine ein einzelner ADXL100X drauf sitzt, 
werden die als Nutzen bestückt. Da meckert der Bestücker nicht. Klar das 
könnte man sich alles mit einem 3-Achser IC sparen, keine Frage.


@Udo
Ja das ist eine gute Frage. Ehrlich gesagt: Ich kann es nicht 100% 
sagen. Die Erfahrung zeigt, dass es funktioniert. Die ICs haben vmtl. 
nicht ohne Grund relativ viele Pads wovon die meisten ungenutzt sind. 
Zusätzlich wird bei mir das IC bzw. überwiegend die Kupferlackdrähte zur 
Verdrahtung der Einzelplatinen mit PU-Lack gesichert. Der fließt zum 
Teil unter das große IC und verklebt zusätzlich. An der Stelle gibt es 
jedenfalls keine Probleme.


Ich hab mir jetzt mal die TE 820/830 genauer angeschaut:
- Die Nichtlinearität mit 2% würde ich ja noch akzeptieren (die ADXL 
liegen bei 0.25%)
- Aber die Cross-Axis Sensitivity von 8% is schon heftig...da brauch ich 
mir über Montagetoleranzen kaum mehr Gedanken machen. (die ADXL haben 
1,5%...)

Sonst wären die Teile wirklich ne Alternative, sofern sie mit 
Körperschall zurecht kommen. Das würde ich dann mal testen.

Gibt es sonst noch Vorschläge?

von Nick (b620ys)


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Fabian N. schrieb:
> sofern sie mit Körperschall zurecht kommen

Eigentlich lese ich hier nur zufällig mit. Aber das Thema "Körperschall" 
hat mich getriggert. Denn den würde ich gerne messen. Das ist orthogonal 
zu Deiner Frage, ist mir schon klar.

Ich frag mich allerdings, wie der Sensor Körperschall und Beschleunigung 
unterscheiden soll. Körperschall ist ja auch nur eine Bewegung des 
Sensors, hervorgerufen durch die Bewegung des zu messenden Gegenstands. 
Was du aber wohl messen willst (ich vermute) ist, welche Beschleunigung 
auftritt wenn zwei Körper aufeinander prallen. Dass die danach zu 
schwingen anfangen ist nicht das was du haben willst.
Die Körper werden durch den Aufprall zur Schwingung angeregt und 
"klingeln" dann in Eigenfrequenz(en) weiter. Das klingt für mich nach 
Filtern und zuvor Ermittlung der Eigenfrequenzen.
Der Eine will den Körperschall haben und reagiert spezifisch auf das 
typische Spektrum, der Andere will keinen Körperschall und filtert das 
typische Spektrum.

Das Thema ist bei Maschinenüberwachung und Untersuchung auf Defekte 
(z.B. Risse) interessant. Ein gerissener Rahmen hat ein anderes Spektrum 
als ein funktionierender, ein gutes Wälzlager ein anderes wie ein 
defektes.

Ich kann mir nicht so recht vorstellen, wie ein Sensor auf Körperschall 
unempfindlich sein kann. Ich hab das so beschrieben, weil ich davon 
ausgehe, dass Du das in Deiner Auswertung unterscheiden musst.
Wenn man sich so ein Signal anschaut, dann sollte sich das Spektrum auch 
über die Zeit ändern. Die reine Beschleunigung beim Kontakt, der 
Körperschall kurz danach mit sich ändernden Spektrum durch Dämpfungen.

Weiteres Detail:
Es kommt drauf an, wo der Aufnehmer platziert ist. Stichwort: 
Schwingungsknotenpunkt, Mode. Kommt natürlich auch auf die Körpergröße 
an.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mode_(Physik)

Hab mal vor Jahren gelesen, dass Tektronix ein Scope hat(te), das 
Spektren in der Zeitdomäne darstellen kann.
Wenn ich es finde, hab ich glaub ich ein Heft von Bruel&Kjaer das das 
Thema Körperschall behandelt. Ob das jetzt weiterbringt weiß ich aber 
nicht mehr.

Und wenn Du das beantworten willst / kannst: Um welche Anwendung geht es 
denn?

: Bearbeitet durch User
von Fabian N. (flyget)


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Die Unterscheidung zwischen "Körperschall" und "Beschleunigung" ist 
glaube ich eher eine Frage des Ausgangs-/Referenzpunkts.

Ich möchte am bewegten Objekt die auftretenden Beschleunigungen 
(Fahrdynamik, Vibrationen, Anregung durch Motor, ...) im Bereich bis 
etwa 10kHz erfassen können. Alles drüber interessiert mich nicht.
Beispiel: Fahrrad fährt eine Downhillstrecke runter, ich möchte das 
Feder-Dämpfer-System optimieren


Die von dir beschriebenen Analysen vom Körperschall interessieren sich 
nicht für die von außen auftretenden Beschleunigungen sondern für die 
im/am Bauteil. Bzw. genauergesagt geht es um deren Änderung über die 
Zeit, wenn man Ausfallvorhersagen machen möchte.
Beispiel: Fräsmaschine fährt immer gleichen Zyklus. Bei beginnenden 
Lagerschaden ändern sich die Anregungsmodi/Frequenzspektren am 
Lagerträger.



Ich hätte ja gar kein Problem wenn der ADXL100X-Sensor die Frequenzen 
bis zu seiner Grenzfrequenz (~20kHz) erfasst und ausgibt. Die könnte ich 
entspannt wegfiltern. Das Problem ist, dass deren Amplitude so hoch ist 
(über 1000g), dass der Sensor (als Sicherheitsfeature) aussteigt und 
damit Probleme macht.

Es gibt sonst aber eig. nur Sensoren die bis etwa 3-4kHz Grenzfrequenz 
gehen. Die funktionieren diesbezüglich besser, weil sie das drüber vmtl. 
einfach mechanisch durch ein trägeres Sensorelement filtern. Die reichen 
aber eben nicht von ihrer Bandbreite. Wenn ich z.B. den 500g Sensor auf 
den Bremssattel montiere, steigt er regelmäßig aus, obwohl da sicher 
keine 500g (abgesehen von vllt. Körperschall) auftreten, da ich sonst 
ganz sicher auf der Klappe liegen würde.

von Rahul D. (rahul)


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Fabian N. schrieb:
> Die Unterscheidung zwischen "Körperschall" und "Beschleunigung"
> ist
> glaube ich eher eine Frage des Ausgangs-/Referenzpunkts.

Da braucht man nichts glauben:
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rperschall

Einfach mal nachlesen!

Fabian N. schrieb:
> Alles drüber interessiert mich nicht.
> Beispiel: Fahrrad fährt eine Downhillstrecke runter, ich möchte das
> Feder-Dämpfer-System optimieren

Was möchtest du da optimieren? Bei einem passiven Dämpfersystem hast du 
nur Materialkonstanten...

von Nick (b620ys)


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Fabian N. schrieb:
> Die Unterscheidung zwischen "Körperschall" und "Beschleunigung" ist
> glaube ich eher eine Frage des Ausgangs-/Referenzpunkts.

Da sind wir uns schon irgendwie einig.
Dein Problem ist eher, was Du als Körperschall bezeichnest / sehen 
willst und was als Beschleunigung.

Fabian N. schrieb:
> Die von dir beschriebenen Analysen vom Körperschall interessieren sich
> nicht für die von außen auftretenden Beschleunigungen sondern für die
> im/am Bauteil.

Da ist leider kein Unterschied. Actio = reaction.

Fabian N. schrieb:
> Ich hätte ja gar kein Problem wenn der ADXL100X-Sensor die Frequenzen
> bis zu seiner Grenzfrequenz (~20kHz) erfasst und ausgibt. Die könnte ich
> entspannt wegfiltern.

OK, versteh ich. Du bräuchtest also einen bandbreitenbegrenzen Sensor. 
Den scheint es (ich hab mir die DaBla nicht angeschaut) nicht mit Deinem 
Wunschparameter zu geben. Das könnte man aber durch ein 
Masse-Dämpfer-System hinbekommen. Einfachlösung: Gummiplatte zwischen 
Körper und Sensor und eine Zusatzmasse am Sensor.
Das widerspricht natürlich dem üblichen Vorgehen, den Sensor so starr 
wie möglich an den Körper zu koppeln. Wobei mir die 500 G schon arg hoch 
vorkommen (unbegründetes Bauchgefühl). Scheint mir eher, als wäre Analog 
mit den Sensoren komplett übers Ziel hinausgeschossen.

Gibts denn zu den Sensoren Aussagen wie Eigenfrequenz? Ist ja auch nur 
eine Masse an einer Biegefeder. Da einen glatten Frequenzgang 
hinzubekommen, scheint mir mechanisch eher unlösbar zu sein. Ein 
Tiefpass ist mechanisch aber möglich (s.o.).

Ganz anderer Ansatz (als Denkanstoß): Ein klassischer 
Schwingungsaufnehmer piezoelektrisch. Der hat (eigenlich) keine 
federnden Massen. Sowas z.B.: 
Beitrag "[VS] Schwingungsaufnehmer"
Der nimmt natürlich nach wie vor den Körperschall auf, aber das 
mechanische Eigenschwingen wäre weg. Die Signalauswertung müsstest Du 
leider komplett selbst übernehmen, aber dann einen Filter zu 
implementieren wäre deutlich einfacher.

von Nick (b620ys)


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Nachtrag:
Irgendwie sind die Mems-Sensoren sowieso problematisch:

Mems-oszillator und Helium
https://www.youtube.com/watch?v=vvzWaVvB908&pp=ygUWYXJnb24gIG1lbXMtb3N6aWxsYXRvcg%3D%3D

: Bearbeitet durch User
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