Forum: FPGA, VHDL & Co. Modularer Audio-Router mit FPGA-Crossbar – Konzept & Suche nach Co-Entwicklern


von Konstantin (konstantins)


Lesenswert?

Hallo zusammen,

ich habe ein Hardware-Konzept entwickelt das ich hier vorstellen möchte,
und suche gleichzeitig nach Mitstreitern mit FPGA- und 
Embedded-Erfahrung.

== Das Produkt: MODROUTE ==

Ein modularer Audio-Router/Switch/Recorder in einem Gerät:

- Wechselbare I/O-Module (werkzeuglos, Hot-Plug) für: XLR, Klinke 
6,35mm,
  RCA/Cinch, TOSLINK/S-PDIF, HDMI (Audio-Extraktion), DisplayPort, 
ADAT/AES
- FPGA-basierte N×M Audio-Kreuzschiene (<1ms Latenz im Direct-Mode)
- Integrierter Mehrkanal-Recorder auf NVMe (WAV bis 384kHz/32Bit)
- DSP-FX-Kette pro Kanal (EQ, Kompressor, Gate, Reverb) + VST3-Support
- Dedizierte mobile Touch-Steuereinheit via PoE-Ethernet oder WiFi

Zielgruppe: Prosumer/Semi-Pro (Lücke zwischen 600€-Interfaces und
15.000€+ Dante-Systemen)

== Technischer Kern ==

Das Herzstück ist eine FPGA-Routing-Engine (Ziel: Lattice ECP5 oder
Intel Cyclone). Jeder Eingangskanal liegt intern als PCM-Stream vor und
wird per Crossbar-Register auf beliebige Ausgänge geroutet. Gleichzeitig
können beliebige Pfade auf NVMe aufgezeichnet werden – Dry und Wet 
separat.

Der proprietäre Modulbus überträgt PCM-Streams, Steuersignale (I2C/SPI)
und Versorgungsspannung über eine einzige verrastende Steckverbindung.

Host-System: x86 Embedded oder ARM, PREEMPT_RT Linux, Web-UI per 
REST-API.

== Wo ich ehrlich bin ==

Das sind die harten technischen Nüsse:

1. Modulbus-Design: PCM-Streams (bis 192kHz, viele Kanäle) + Power +
   Hot-Plug-Detection über einen Stecker – PCIe-abgeleitet oder
   USB4-intern als Kandidaten, braucht Bewertung

2. FPGA-Timing: 64×64 Crossbar bei 192kHz – Timing Closure ist
   anspruchsvoll, das ist das Kern-IP des Produkts

3. Analogfront-End pro Modul: Jeder Modultyp braucht eigene
   Analog-Schaltung (Op-Amp-Stufen für XLR/Mic, Übertrager für RCA...)

4. HDMI-Audio-Extraktion: Machbar mit dediziertem IC (IT6604, Analogix),
   aber Video-Passthrough-Timing ist kritisch

== Aktueller Stand ==

Konzept vollständig ausgearbeitet, Gebrauchsmusteranmeldung vorbereitet,
Kickstarter-Kampagne strukturiert. Was fehlt: die Hardware-Leute.

== Suche ==

Ich suche keine Freelancer sondern Co-Gründer mit Equity-Beteiligung:

- EE/Hardware mit Erfahrung in Audio-Analogschaltungen und PCB-Design
  (KiCad oder Altium)
- FPGA-Entwickler (Lattice ECP5 / Intel Cyclone, VHDL oder Verilog,
  idealerweise Audio-DSP-Erfahrung)
- Embedded-Linux (Yocto/Buildroot, PREEMPT_RT, ALSA-Internals)

Bei Interesse: PN oder Antwort hier. Ich teile gerne das vollständige
Architektur-Dokument.

Bin gespannt auf technisches Feedback – auch Kritik am Konzept ist
ausdrücklich willkommen.

Grüße
Konstantin

von Martin S. (strubi)


Lesenswert?

Hoert sich technisch alles ganz nett an, aber klingt eher nach einem 
5-10-Hirnjahre-Projekt. Weniger nach etwas, was man mit Kickstarter 
finanziert bekommt.

Konstantin schrieb:
> Ich suche keine Freelancer sondern Co-Gründer mit Equity-Beteiligung:

Das wird knifflig, die Leute, die technisch bei sowas durchblicken sind 
in der Regel keine Venture-Kompanione.

Wieviel davon hast Du schon im Trockendock(Simulation) am Laufen?

Sonstiger Senf:

1) SATA schon in Betracht gezogen?
2) Bandbreite 64x192k ist zu schaffen, aber fuer jeden Kanal eine 
programmierbare Effekt-Section?
4) ECP5 kann TMDS/HDMI Audio auch ohne Extrachip, modulo elektrische 
Bedenken

Was die FPGA-Entwicklung angeht, stemmst du solche komplexen 
Audio-Pipelines oder gar DSPs a la 56k nicht mehr effektiv in Verilog 
oder VHDL.
Ansonsten faende ich eine solche Plattform (als verkappter 
Heimstudio-Anwender) auf reiner Ethernet-Basis durchaus interessant und 
wuerde dafuer mindestens einen FPGA-basierten RTP 
(Realtime-Protocol)-Stack in die Schale werfen.

von Gerd E. (robberknight)


Lesenswert?

Konstantin schrieb:
> Zielgruppe: Prosumer/Semi-Pro (Lücke zwischen 600€-Interfaces und
> 15.000€+ Dante-Systemen)

In der Preiskategorie erwarten die Käufer zuverlässigen Service, haben 
Fragen vor dem Kauf und wollen auch in 5 Jahren noch Ersatzteile kaufen 
können.

Du musst die Dinger also nicht nur jetzt entwickeln und herstellen, 
sondern Du brauchst auch kontinuierlich Leute mit Ahnung von dem Produkt 
und der Branche die Vertrieb und Support machen. Das ist nix was Du mal 
so nebenbei machen kannst.

Hast Du die? Wer bezahlt die?

Hier solltest Du mal sauber zusammenstellen wie und ob sich das ganze 
Konzept rechnet und wo die kritischen Punkte stecken die gelöst werden 
müssen damit das finanziell klappen kann.

von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


Lesenswert?

Auch bei Audio kommt man schnell in Bereiche wo die Latenz das 
Hauptproblem ist, eben bei Live-Ausführungen und wennn der Musiker auf 
der Bühne sein eigenes PA-signal über den Monitor hören soll. Das sollte 
unbedingt im Konzept aka Geräte-Architektur einfliessen.

Und welche Branche/Anwendung ist angedacht? Studiotechnik, 
Aufführungssälle oder eher Naturgeräusche wie beim "Shot-Spotter" ?

Paket-Crossbars gibt es bei Xilinx/AMD einige im Bereich AXI-Stream. Das 
ist zwar eher für Video gedacht, aber vielleicht schaut man da mal zur 
Inspiration rein.

Vielleicht sollte man ohnehin nicht auf eine zentrale "Schaltwarte 
setzen sondern, eher mehrere "Satelliten Crossbars" vernetzen, 100 
Ausionkabel an einer Stelle sind schon ein beachtlicher Knäuel.

Ansonsten sieht es in .de im Bereich Computer-Audio gerade mau aus.
Native Instruments in Berlin ist pleite, Magix resp SEKD (Studoi für 
elektronische Klangerzeugung Dresden) krebst seit Jahren in der 
selbstgeführten Insolvenz.

* 
https://www.heise.de/news/Native-Instruments-Stimmen-zur-Insolvenz-11164492.html
* https://www.heise.de/select/ct/2024/8/2407310373254485336


Vielleicht kann man da was "aus der Konkursmasse abgreifen"

von Sebastian R. (sebastian_r569)


Lesenswert?

Konstantin schrieb:
> Zielgruppe: Prosumer/Semi-Pro (Lücke zwischen 600€-Interfaces und
> 15.000€+ Dante-Systemen)

Existiert diese Lücke wirklich?
Für mich füllen digitale (Rack-) Mischpulte genau diese Lücke. Die 
Behringer Wing Rack hat z.B. 382 Eingänge, 368 Ausgänge (nutzbar mit 
Hardwareerweiterungen), interne Effekte, 64-Kanal-Recording, freie 
Routingmöglichkeiten, beliebige Tap-Punkte für Effekte und Recording, 
64x64 Dante (mit Erweiterung)...

Für 1400€ in der Grundversion ist das gar nicht so schlecht. Dazu eine 
gute crossplatform App, aktive Entwicklung und eine große aktive 
Community.

Gibt es wirklich einen Markt für das, was du vor hast?


(Nichtsdestodennoch ist es natürlich ein interessantes Projekt!)

: Bearbeitet durch User
von Markus W. (naggusm)


Lesenswert?

Schonmal hier reingeschaut?
In der Open-Source Firmware für das X32 haben die so eine 
audio-routing-matrix entwickelt.

https://github.com/OpenMixerProject/OpenX32/tree/main/fpga

von J. S. (engineer) Benutzerseite


Lesenswert?

Konstantin schrieb:
> 64×64 Crossbar bei 192kHz – Timing Closure ist anspruchsvoll,
Audio-Router in VHDL habe ich hier in Massen rumliegen, auch 192kHz x 64 
x 64 (aus meiner Synthyversion von 2009) wobei die Kanalzahl ja egal 
ist, weil nur die Quersumme für das FPGA-timing relevant ist, wenn diese 
in einem Sample zu machen sein soll. Das sehe ich nicht als kritisch. 
S.u.

> Analogfront-End pro Modul: Jeder Modultyp braucht eigene
> Analog-Schaltung (Op-Amp-Stufen für XLR/Mic,
Das würde ich nicht einbauen sondern extern als Wandler lassen. In hoher 
Qualität ist das nämlich reichlich teuer und in billig braucht das 
keiner. Ich habe zu Beginn meiner Arbeit Mindprint-Wandler drangesteckt, 
später alles per S/PDIF und inzwischen bin ich beim RME. Auch die 
Audio-Frontends sind QuadMIC von RME und Lucid-ADDA. Kann man selber 
nicht billiger bauen.

Konstantin schrieb:
> HDMI-Audio-Extraktion: Machbar mit dediziertem IC
Dies geht auch mit FPGA direkt (BTDT) aber wenn das ein gewerbliches 
Produkt sein soll, wirst du dich um HDMI-Lizenzen kümmern müssen. Ich 
würde auch das mit einem externen Gerät machen, was es beim Ali zu 59,- 
gibt und das Audio einfach einschleifen.


Ingesamt baust du da sehr viel, was es eigentlich schon weitgehend gibt 
und die große Masse des Geräts besteht aus Interfaces. Das eigentliche 
Switchen ist ja das Geringste, was FPGAs angeht.

Audiolatenz- sehe ich wie gesagt nicht. Das Grundproblem solcher 
Anwendungen ist eher, dass das Audio zu schnell ist und das Video durch 
Prozessierung verzögert wird. Audio kann man mit Fifos leicht anpassen, 
wobei das durchaus ein Vorteil wäre, da flexibel zu sein - vor alleb, 
wenn man TV-Quellen nutzt, die man so nachbearbeiten / -justieren 
könnte.

Was die Latzenz angeht, schalte ich 768kHz mit 256 Kanälen pro line, 
also mit einem Multiplizierer. Je Routing-Ausgang gibt es dann einen 
(zusätzlichen) Kanal. Das wären dann in einem seuqenziellen System 64 
samples bei dir. Mit einem billigen Xilinx Artix 50 hätte man allerdings 
schon genug MULs, um das alles 100% parallel zu machen, d.h man benutzt 
64 davon und die Latenz wäre dann eben dieses eine 768er sample. In 
einem 200MHz-FPGA könnte man 64x64 mit 16 lines mischen, wenn man bei 
192kHz bleibt, allerdings arbeiten Studiogeräte heute mit 384 und 768, 
solltest du berücksichtigen.

Insgesamt wie gesagt ist die Latenz da weniger entscheidend - von und zu 
den DACs und ADCs sowie beim Wandeln von AES, ARC und vor allem S/PDIF 
gehen oft mehr samples flöten.

Konstantin schrieb:
> Embedded-Linux
Wo soll das greifen? Sobald da SOWAS drin hängt, ist es mit schnellem 
Prozessieren passe und nur ale Steuerungs-OS wäre mir das viel zu 
wuchtig.

Bradward B. schrieb:
> Paket-Crossbars gibt es bei Xilinx/AMD einige im Bereich AXI-Stream.
Ich würde weder das AXI-System, noch (asynchrone) Paketdaten ins Auge 
fassen. Das Teil muss ein reines, synchrones streaming device werden.

Also sowas:
Beitrag "Analog-Audio-Video-IO-board für FPGAs und MCUs"

Das FPGA-System, welches das Teil treibt, kann neben 768er DSD 
inzwischen wie gesagt auch HDMI-Audio / ARC.

: Bearbeitet durch User
von Konstantin (konstantins)


Lesenswert?

Danke an alle für das Feedback — und jetzt mal ehrlich:

Ich bin kein Ingenieur. Ich habe von FPGA, VHDL und
Analogschaltungen noch keine Ahnung. Das sage ich bewusst
weil ich denke das gehört hier dazu.

Was ich habe ist ein Produktkonzept und die Überzeugung
dass die Marktlücke real ist. Den Rest — also alles
Technische — verstehe ich gerade erst.

Martin S. schrieb:
> Wieviel davon hast Du schon im Trockendock(Simulation)
> am Laufen?

Nichts. Ich komme von der Konzept-Seite, nicht von der
Hardware-Seite. Das ist die ehrliche Antwort.

Martin S. schrieb:
> faende ich eine solche Plattform auf reiner Ethernet-
> Basis durchaus interessant.

AES67 war als Netzwerk-Audio-Modul vorgesehen — aber
ich muss gestehen dass ich den Unterschied zu dem was
du vorschlägst gerade nicht vollständig einordnen kann.

---

J. S. schrieb:
> Audio-Router in VHDL habe ich hier in Massen rumliegen.

Ich habe mir deinen IO-Board-Thread angeschaut. Ich
verstehe nicht alles was da steht — aber ich verstehe
dass du das tatsächlich gebaut hast. Sehr interessant.

J. S. schrieb:
> Das würde ich nicht einbauen sondern extern als
> Wandler lassen. Kann man selber nicht billiger bauen.

Macht Sinn, danke. Das vereinfacht das Konzept deutlich.

---

Sebastian R. schrieb:
> Die Behringer Wing Rack hat z.B. 382 Eingänge...
> Gibt es wirklich einen Markt für das, was du vor hast?

Ehrlich gesagt weiß ich das nicht mit Sicherheit. Die
Wing Rack kannte ich nicht in dem Detail — das ist ein
echter Punkt den ich mir nochmal anschauen muss.

Was ich trotzdem glaube: kein HDMI-Audio-Routing,
kein modulares I/O, kein dedizierter Touchscreen —
das ist eine andere Zielgruppe. Ob die groß genug ist
muss sich zeigen.

---

Markus W. schrieb:
> OpenX32 — audio-routing-matrix auf FPGA als
> Open-Source.

Perfekter Hinweis, danke. Genau das was ich gesucht
habe um zu verstehen wie sowas überhaupt aussieht.

---

Kurz zusammengefasst: ich bin hier um zu lernen und
zu verstehen ob das Konzept technisch Sinn macht —
nicht um so zu tun als ob ich das schon weiß.
Feedback und Kritik sind ausdrücklich willkommen.

Grüße
Konstantin

von Sebastian R. (sebastian_r569)


Lesenswert?

Konstantin schrieb:
> Was ich trotzdem glaube: kein HDMI-Audio-Routing,
> kein modulares I/O, kein dedizierter Touchscreen

Einen Touchscreen mit 10.1" hat das Pult.

HDMI-Audio nicht, aber das würde man im Feld problemlos und schmerzfrei 
über externe Hardware (HDMI Audio Extractor) machen.

Modulare I/O sind ein netter Gedanke, aber alles Analoge lässt sich 
günstig auf XLR adaptieren und für digitale Signale gibt es Konverter. 
Externe Konverter haben den Vorteil, dass es sie in zig Varianten mit 
genau den Features gibt, die der Anwender benötigt. Und sie sind schon 
fertig und lieferbar.


Konstantin schrieb:
> um zu lernen und
> zu verstehen ob das Konzept technisch Sinn macht

Wenn du Bock auf das Projekt hast, du dabei viel lernen kannst und am 
Ende ein Gerät für dich hast, auf das du stolz bist, dann ist es absolut 
sinvoll!


Wenn es dir darum geht, einen Markt zu bedienen oder eine Lücke zu 
schließen und dir Wirtschaflichkeit und Gewinnabsicht wichtig sind, 
sieht das vielleicht schon anders aus.

: Bearbeitet durch User
von Andreas S. (Firma: Schweigstill IT) (schweigstill) Benutzerseite


Lesenswert?

Konstantin schrieb:
> Konzept vollständig ausgearbeitet,

Konstantin schrieb:
> Ich bin kein Ingenieur. Ich habe von FPGA, VHDL und
> Analogschaltungen noch keine Ahnung. Das sage ich bewusst
> weil ich denke das gehört hier dazu.

Und Du erwartest allen Ernstes, dass Leute bereit sind, als "Co-Gründer 
mit Equity-Beteiligung" in Deinen Laden einzusteigen, wenn schon völlig 
absehbar ist, dass der obige Widerspruch schon vom allerersten Tag an zu 
einem Streit führen wird?

Irgendwie erinnert mich das an einen bestimmten Kunden, dessen 
Produktmanager auch solch ein vollständig ausgearbeitet Konzept 
einschließlich verbindlicher Vorgaben für die einzusetzenden Bauelemente 
hatte, aber keiner seiner eigenen Mitarbeiter bereit war, dieses Produkt 
umzusetzen. Ich setzte das genau so um, was zu einem in der Herstellung 
völlig überteuerten und technisch schlechten Produkt führte, dass zudem 
noch völlig am Markt vorbei spezifiziert war.

Später wurde ich dann mit einer kompletten Überarbeitung beauftragt. Das 
dabei entstandene Produkt kostete nur noch ca. ein Viertel in der 
Herstellung und funktionierte auch einwandfrei. Der Produktmanager war 
ziemlich angepisst, weil er sich übergangen fühlte, denn ich hatte ja 
"sein" Produkt deutlich überarbeitet, aber ich hatte dabei die volle 
Rückendeckung der Geschäftsführung.

von J. S. (engineer) Benutzerseite


Angehängte Dateien:

Lesenswert?

Konstantin schrieb:
> Ich bin kein Ingenieur. Ich habe von FPGA, VHDL und
> Analogschaltungen noch keine Ahnung.
Das ist aber keine gute Voraussetzung für ein technisch gutes Konzept.

> Was ich habe ist ein Produktkonzept
Wenigstens mal eine Marktanalyse und eine Kostenabschätzung?

Wenn man sich so umhört, finden sich sofort Interessenten für allerlei 
technische Lösungen, weil der Markt nie alle zufriedenstellt. Am Anfang 
sind da alle heiß auf eine Sonderlösung. Wenn man dann aber anfängt, 
über Kosten zu reden und nachzudenken, sieht das anders aus.

Ich hatte mal eine Rechnung aufgemacht, was den Eigenvertrieb meines 
Synthies angeht. In der aktuellen Version sieht das so aus:

Für mich und meine eigene Tätigkeit entstehen mit IOs und zugekauften 
Karten und Devices keine 2000,- um das hinzustellen und da sind dann 
Funktionen eines Wing gleich 3x drin, nebst so ziemlich allem was UDO 
und KYRA bieten. Es fehlen nur Displays und Convenience-Funktions fürs 
Laden, die ich auf nochmal 500,- im Endpreis und einiges an Entwicklung 
abschätze.

Um es kurz zu machen:

Wenn ich so ein Teil als Prototypen aufbauen wollte und meine Zeit so 
berechne, wie ich als Selbständiger mindestens bekomme, landen wir bei 
einem Endpreis über 9000,- wenn man alles zusammenrechnet und einen 
10%-Verdienst ansetzt, damit sich das auch gegenüber dem normalen 
Entwickeln lohnt. Setzt man Marktdynamik, Wechselkurse und Rückläufer 
durch Garantien an, dann wären bei 5-stellig! Wenn ich alles an Zeit, 
was an Entwicklung aufgewendet wurde noch auf 200 verkaufte System 
umrechne, die man eventuell absetzen könnte, müsste man 15.000 ansetzen. 
Bei 1000 Systemen und Zusammenbau durch einen Techniker wären wieder 10k 
machbar.

Jetzt rate mal, wieviele der seinerzeit lautstarken Interessenten bereit 
war, das hinzublättern ...

Fakt ist, daß mein Synth für das was er kann und was die meisten 
mehrheitlich brauchen, rund Faktor 2 zu teuer wäre.

Du solltest mal eine Abschätzung fürs Material machen und vor allem eine 
für eine umfangreiche FPGA-Entwicklung und dann die Inmarktbringung 
hinzunehmen. Ich schätze dass dein Teil dann auch mindestens 5-stellig 
wird.

von Martin S. (strubi)


Lesenswert?

Konstantin schrieb:
> AES67 war als Netzwerk-Audio-Modul vorgesehen — aber
> ich muss gestehen dass ich den Unterschied zu dem was
> du vorschlägst gerade nicht vollständig einordnen kann.

Da gibt es keinen grossen Unterschied, AES67 setzt auf RTP auf und hat 
noch etwas Gezuppel fuer die Zeitsynchronisation dabei. Da geht der 
Spass dann schon los, die ganzen Uhrentakte jitterminimal zu 
synchronisieren.

Ansonsten: Was embedded Linux angeht, gibt es da schon Nischenloesungen, 
die damals (fast 20 Jahre her), brauchbare Prozessing-Power und Latenzen 
um 0.15 ms mit Jitter im us-Bereich geschafft haben (Blackfin mit 
uClinux Xenomai-Realtime-Erweiterung). Ist in Anbetracht der heutigen 
ARM-Linux-ZynQ-Bloatware gut gealtert.

Aber du bist hier an der falschen Adresse fuer einen reinen 
Investoren-Pitch. Typischerweise kriegst du hier Antwort auf die Frage: 
Kann man das bauen? Das  "wenn ja, wer, fuer wieviel" steht dann meist 
woanders.
Andersrum ist es natuerlich legitim, was zu lernen, unter der 
Voraussetzung, dass man sich nicht in ausuferndem Sinne kostenloses 
Knowhow abholt...

von Rolf (audiorolf)


Lesenswert?

Konstantin schrieb:
> ich habe ein Hardware-Konzept entwickelt das ich hier vorstellen möchte,

Ich kann hier noch kein Konzept erkennen, anhand dessen ich eine 
Entwicklung lostreten könnte. Da fehlen die Details und auch die Ziele. 
Es braucht wenigstens eine deteillierte Gegenübertellung der features 
was der Markt kann und was dein Gerät besser kann.

Mehr Kanäle?
Weniger Latenz?
Mehr Betriebssicherheit?
Geringere Kosten?

Wo im Spektrum des Marktes platziert sich das Gerät?
Wie ausbaubar ist es?
Welches ist der Kostenrahmen für Entwicklung?
Welches die Zeit für die Markteinführung?

Sobald du dort etwas baust oder zum Patent anmeldest, bekommst du sofort 
Briefe von Uli et. al. daß sie das schon irgendwo haben, die Funktion 
schon definiert und etabliert ist und du das gepflegt zurückziehen 
kannst.

Zweckmäßiger ist es, sich drauf zu berufen, daß es Stand der Technik ist 
und nur eine Zusammenstellung dessen ist, was es schon gibt. Damit wäre 
das Ganze dann nur eine Preisfrage.

Ich denke aber, daß die Horden an Audiogeräteentwickler die wir so haben 
(und von denen einige gerade wieder sterben) den Marktbedarf sehr gut 
kennen und alles emmitiert haben, was sich verkaufen lässt.

von Sebastian R. (sebastian_r569)


Lesenswert?

Tja. Konstantin hat ganze zwei Beiträge abgeliefert. So richtig mit 
Feuer und Flamme scheint er nicht dabei zu sein.

von Rolf (audiorolf)


Lesenswert?

Sebastian R. schrieb:
> Tja. Konstantin hat ganze zwei Beiträge abgeliefert. So richtig mit
> Feuer und Flamme scheint er nicht dabei zu sein.

Was dann nicht so attraktiv auf die Investoren wirken dürfte.

Ich möchte das Projekt nicht zerreden, aber der Audiomarkt ist hart 
umkämpft. Richtig Geld machen momentan nur einige Spezialisten, die 
Insellösungen liefern und in der Breite die Chinesen.

Dank Covid und Einbruch der Live-Musik, sowie der Musikbranche 
insgesamt, kann man mit Musik kaum noch Geld verdienen. Die große Masse 
der Musiker muss auf jeden Cent schauen. Für die meisten Nutzer, reichen 
auf der Bühne eine digitale stagebox als teleswitch und die gibt es 
heute für einige Hunderter.

von Martin (martin79)


Lesenswert?

Ich verstehe nicht ganz die Problematik was ein Routing von 
digitalisierten Audiosignalen in modernen FPGAs so kompliziert machen 
soll. Die Endprodukte von üblichen Platzhirschen in der Branche sind 
nicht wegen technischer Komplexität so teuer sondern da schwing ein viel 
"weil wir es können" mit. Da Musiker eher nicht technisch versiert sind 
sondern sich um ihre Kunst kümmern können die das eher wenig einschätzen 
was Preiswert ist.

von Michael K. (michael_k511)


Lesenswert?

Konstantin schrieb:
> Was ich habe ist ein Produktkonzept und die Überzeugung
> dass die Marktlücke real ist.

Willkommen im Klub.
Sowas haben wir wohl alle in einiger Packungsdichte in den Schubladen 
liegen.

Dann kommen so lästige Fragen nach Finanzierung, wie ich in der Zeit 
mich selbst finanzieren, welche Rendite Erwartung mit Risikoaufschlag 
ich habe, ob der Markt dafür groß und zahlungswillig genug ist und ob 
wirklich alle auf mich gewartet haben oder ich mich gegen überaus zähe 
Mitbewerber durchsetzen muss.

Und mit Teilhabern ist das auch so eine Sache, vor allem wenn man die 
nicht kennt, keine gemeinsame Sprache hat und ganz besonders wenn 
Luftikus Konzeptling mit Hardy Hardwerker zusammen arbeiten soll.

99% der Arbeit liegt da noch vor einem.
Und da Du gerade komplett die Hosen runtergelassen hast und ein 
Gebrauchsmuster so ziemlich wertlos ist, weil ja nichts neues erfunden 
wird, stellt sich außerdem die Frage wozu man nun noch mit Dir teilen 
sollte.

von Martin (martin79)


Lesenswert?

Michael K. schrieb:
> 99% der Arbeit liegt da noch vor einem.
> Und da Du gerade komplett die Hosen runtergelassen hast und ein
> Gebrauchsmuster so ziemlich wertlos ist, weil ja nichts neues erfunden
> wird, stellt sich außerdem die Frage wozu man nun noch mit Dir teilen
> sollte.

Wo hat er denn die Hosen runtergelassen. Ich sehe hier keinen schnellen 
Einstieg in einem Markt, der mehr oder weniger gesättigt ist. Profis 
kaufen von etablierten Herstellern und brauchen schon einen guten Grund 
zum wechseln.

Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.