Hallo zusammen, da ich mich momentan mit den Grundlagen von Operationsverstärkerschaltungen befasse und diese auch im Normalfall eine bipolare Spannungsversorgung benötigen, habe ich mir ein Netzteil mit zwei Ausgängen zugelegt. Mir ist bewusst, dass die Ausgänge galvanisch getrennt sein müssen damit ich diese in Serie verschalten kann. Das bedeutet ja, dass diese Ausgänge auch kein Bezug zum Erdpotenzial bzw. dem Schutzleiter haben. Anderenfalls würde man durch die Reihenschaltung von GND1 zu VCC2 einen Kurzschluss über den Schutzleiter erzeugen. Nun ist mir aufgefallen, dass mein altes einkanaliges Netzteil keinen Durchgang von der negativen Buchse zum Schutzleiter hatte (mit dem Ohmmeter gemessen). Aber wenn ich die Spannung gegen das Gehäuse messe, wurde mir trotzdem die richtig eingestellte Spannung angezeigt. Das müsste ja bedeuten, dass der Schutzleiter doch auf den negativen Ausgang gelegt worden ist, oder? Jetzt frage ich mich auch hätte ich damit dann über einen Spannungsteiler und Spannungsfolger (OPV) eine virtuelle Masse erzeugen können um 6V und das Oszi GND dort anlegen können? Außerdem frage ich mich auch, warum es egal ist wenn ich über den GND-Pin vom Oszi den Mittelabgriff der beiden Spannungsversorgungen aus dem zweikanaligen Labornetzteil auf Erdpotenzial lege. Weil gefühlt lege ich ja eine Ausgangsspannung auf Erdpotenzial (fühlt sich irgendwie falsch an). Danke für eure Antworten.
Jonas schrieb: > Mir ist bewusst, dass die Ausgänge galvanisch getrennt > sein müssen damit ich diese in Serie verschalten kann. Jein... Deine Aussage ist richtig für Netzteile mit zwei (oder mehr) gleichberechtigten Kanälen, die man extern in Reihe schalten muss. Es gibt (gab?) vereinzelt auch Labornetzgeräte, die direkt eine symmetrische Versorgungsspanung erzeugen. Bei diesen dürfte rein theoretisch die DC-Mitte (=0V) auch auf Schutzleiterpotenzial liegen. > Nun ist mir aufgefallen, dass mein altes einkanaliges > Netzteil keinen Durchgang von der negativen Buchse zum > Schutzleiter hatte (mit dem Ohmmeter gemessen). Das ist m.E. der übliche Fall, ja. > Aber wenn ich die Spannung gegen das Gehäuse messe, > wurde mir trotzdem die richtig eingestellte Spannung > angezeigt. Das müsste ja bedeuten, dass der > Schutzleiter doch auf den negativen Ausgang gelegt > worden ist, oder? Nein -- es genügt eine hochohmige Verbindung (100kOhm oder mehr) zwischen dem Schutzleiter und dem DC-Minus. > Jetzt frage ich mich auch hätte ich damit dann über einen > Spannungsteiler und Spannungsfolger (OPV) eine virtuelle > Masse erzeugen können um 6V und das Oszi GND dort anlegen > können? Wenn meine Vermutung mit der hochohmigen Erdung stimmt: Ja, kann man. Nochmal kurz zum Begrifflichen: Unter "Masse" (engl. "ground", GND) versteht man üblicherweise das Bezugspotenzial, auf das sich alle Spannungsangaben einer (Teil-)Schaltung beziehen; das ist vom Schaltungsentwickler m.o.w. willkürlich und frei wählbar. "Erde" meint dagegen wirklich "Erdpotenzial", also galvanische Verbindung zu einem Erder. (Trifft in der Regel auf den Schutzleiter zu.) Die 1:1 aus dem Amerikanischen übernommene Floskel "virtuelle Masse" für eine künstliche Mitte ist im Deutschen sinnwidrig; Du als Schaltungsentwickler kannst jeden Punkt der Schaltung, den Du für geeignet hältst, zum allgemeinen Bezugspotential, d.h. zur "Masse" (Ground, GND) erklären. Daran ist nix "virtuell". Eine "virtuelle Masse" ist im Deutschen eigentlich etwas anderes. Das nur nebenbei. > Außerdem frage ich mich auch, warum es egal ist wenn ich > über den GND-Pin vom Oszi den Mittelabgriff der beiden > Spannungsversorgungen aus dem zweikanaligen Labornetzteil > auf Erdpotenzial lege. Naja... was soll man da sagen... Strom braucht einen Strom- KREIS zum fließen. Mit EINER Verbindung ergibt sich aber noch kein Stromkreis... > Weil gefühlt lege ich ja eine Ausgangsspannung auf > Erdpotenzial Nein... Du legst einen Punkt der Netzteil-Schaltung auf Erdpotenzial. Und? Die Ausgangsspannung (eines Netzteiles, eines galvanischen Elementes) liegt zwischen ZWEI Punkten an. Wenn Du EINEN dieser Punkte leitend mit dem Schutzleiter verbindest -- was sollte dann Schlimmes passieren? > (fühlt sich irgendwie falsch an). ??? Wieso?
Jonas schrieb: > da ich mich momentan mit den Grundlagen von > Operationsverstärkerschaltungen befasse und diese auch im Normalfall > eine bipolare Spannungsversorgung benötigen, habe ich mir ein Netzteil > mit zwei Ausgängen zugelegt. Eigentlich macht das heute kaum jemand. Man nimmt einen, der bis auf GND kommt (i.d.R. sogar wenige 10tel V unter GND) und gut ist. Bei AC-Signalen nimmt man einen Kondensator in Reihe. Natürlich finde ich es gut, wenn Du direkt symmetrisch starten möchtest, doch ist es mit einer Masse und einer Spannung gerade zum Start einfacher. Vor allem, wenn Du über virtuelle Massen per Spannungsteiler nachdenkst.
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Bruno V. schrieb: > Eigentlich macht das heute kaum jemand. Man nimmt einen, der bis auf GND > kommt (i.d.R. sogar wenige 10tel V unter GND) und gut ist. Bei > AC-Signalen nimmt man einen Kondensator in Reihe. Bruno, das sehe ich etwas difrferenziert: gerade im analogen / NF-Bereich, in welchem OPs ja häufig eingesetzt werden, werden meist Wechselspannungen verarbeitet. Ich möchte da nicht an vielen Stellen irgendwelche Symmetrier-Tricks einbauen. Wenn ich Wechselspannung verarbeite, möchte ich eine symmetrische Versorgung. Und Cs im Signalweg sind auch nicht immer optimal. Auf der anderen Seite hast Du natürlich recht, denn wenn die komplette Schaltung mit 3,3V/5V läuft, wäre es Overkill, für eine kleine Analogschaltung extra eine negative Spannung bereitzustellen, wie auch immer erzeugt. Hängt halt stark von der jeweiligen Anwendung ab. Vielleicht bin ich bei diesem Thema auch ein wenig altmodisch/rückständig, denn meine ersten OP/Audio/NF-Erfahrungen habe ich Mitte der 80er Jahre gemacht. ;-) ciao Marci
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