Forum: Platinen Bleifreie Lötpaste Handbestückung


von Niklas M. (nik23)


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Welche bleifreie Lötpaste (und vor allem woher in kleinen Mengen) 
benutzt ihr bzw. könnt ihr empfehlen? Anwendungsfall ist alle 3-4 Monate 
mal ein paar Platinen aus China (mit Schablone) bestücken, aber es kann 
durchaus 0,4mm Pitch QFN dabei sein. Ansonsten minimal 0402.
Da ich die Bauteiel von Hand bestücke, wäre mir eine härtere, klebrigere 
Paste lieber, die nicht so leicht verwischt werden kann.

von Mobile (mobileteser)


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von Jörg W. (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite


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Mobile schrieb:
> https://at.rs-online.com/web/p/lotpasten/2862038
> QFN noch nicht probiert.

QFN habe ich damit schon gemacht, allerdings bislang nur 0,5 mm Raster.

von Andreas B. (bitverdreher)


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Das ist eine Wismuth basierende Loetpaste. Ob der TO das will?

von Gerd E. (robberknight)


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Chipquick TS391SNL10, bestellt bei Mouser oder Digikey. Das ist normales 
SAC305.

Funktioniert gut, auch für QFN.

Haltbarkeit ist etwa nen Jahr, dann lässt sie nach. Gibt also 
Zinnbrücken und verteilt sich nicht mehr so gut. Macht kein Spaß mehr zu 
benutzen. Sollte man also von Anfang an einplanen die nach der Zeit dann 
zu ersetzen.

: Bearbeitet durch User
von Jörg W. (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite


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Andreas B. schrieb:
> Das ist eine Wismuth basierende Loetpaste. Ob der TO das will?

Oops, das war mir nicht aufgefallen.

Nee, wir haben auch eine von ChipQuick, "thermally stable", aber eine 
SAC-Legierung.

von Jörg W. (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite


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Gerd E. schrieb:
> Haltbarkeit ist etwa nen Jahr

Bei Zimmertemperatur?

Ich hab sie, trotz "thermally stable", in den Kühlschrank gepackt.

von Gerd E. (robberknight)


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Jörg W. schrieb:
> Gerd E. schrieb:
>> Haltbarkeit ist etwa nen Jahr
>
> Bei Zimmertemperatur?
>
> Ich hab sie, trotz "thermally stable", in den Kühlschrank gepackt.

Ja, normale Zimmertemperatur im Büro.

Die schreiben im Datenblatt man soll sie nicht in den Kühlschrank tun. 
Keine Ahnung was das für Nachteile hat, das hab ich nicht getestet oder 
verglichen.

Ich hab die Lagerzeit bei der ersten Tube nicht beachtet und sie 1,5 
Jahre nach aufgedrucktem Produktionsdatum verwendet. Da hat man es schon 
klar gemerkt. Die verfällt natürlich nicht schlagarting exakt nach 1 
Jahr, aber das eine Jahr ist als grober Richtwert schon nicht 
unrealistisch.

von Veit D. (devil-elec)


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Hallo,

ich verwende für Handbestückung oder Stencil 
https://www.reichelt.de/de/de/shop/produkt/smd_weichlotpaste_iso-cream_clear_30_g_korngroesse_4-342915
Gibt es in 2 Korngrößen.

von Gerd E. (robberknight)


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Gerd E. schrieb:
> Die schreiben im Datenblatt man soll sie nicht in den Kühlschrank tun.
> Keine Ahnung was das für Nachteile hat, das hab ich nicht getestet oder
> verglichen.

Ein möglicher Grund könnte sein dass die die steilen 
Temperaturgradienten wenn man die Paste aus dem Kühlschrank holt um sie 
zu benutzen und sie hinterher wieder kühlt als schädlicher einschätzen 
als den Nutzen durch die Kühlung.

von Andreas B. (bitverdreher)


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Ich verwende eine 35g Spritze Mechanic XGZ40 (bleihaltig).
Die wird im Kühlschrank aufbewahrt (bestimmt schon 3 Jahre alt) und 
funktioniert prima.
Zur Verwendung wird die im 50° Ofen auf 30°C erwärmt, ebenso die 
Platine. Die läßt sich dann wunderbar mit der Spritze (blaue Nadel 
ID=0.72) dosieren. Dicker möchte ich die Nadel nicht machen, da dann 
meist zuviel dosiert wird.

Gerd E. schrieb:
> Die schreiben im Datenblatt man soll sie nicht in den Kühlschrank tun.
> Keine Ahnung was das für Nachteile hat, das hab ich nicht getestet oder
> verglichen.
Ein DB gibt es für die Mechanic zum Glück nicht wo sowas drinsteht. So 
ist das der Paste egal. ;-)

von Niklas M. (nik23)


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Welche Unterschiede merkt man als Handbestücker bei der Korngröße?

von Veit D. (devil-elec)


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Hallo Niklas,

Du meinst sicherlich mich. Wahrscheinlich merkt man keinen Unterschied, 
wollte ich nur anmerken falls es jemanden wichtig ist. War nur eine 
Nebeninformation.

von Gerd E. (robberknight)


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Niklas M. schrieb:
> Welche Unterschiede merkt man als Handbestücker bei der Korngröße?

Die Korngröße wird spannend wenn es sehr kleine Lötpunkte braucht, also 
z.B. wenn Du Teile in WLCSP oder Fine-Pitch-BGA verwendest. Leider gibt 
es manche Sensoren nur noch in der Form, auch z.B. eMMC-Chips haben 
normal nur 0,3mm große Balls. Da ist es mit Korngrößenklasse 4 einfacher 
als mit 3.

von Niklas M. (nik23)


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Ist 4 einfach nur teurer oder hat es auch andere Nachteile gegenüber 
Größe 3?

von H. H. (hhinz)


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Niklas M. schrieb:
> Ist 4 einfach nur teurer oder hat es auch andere Nachteile
> gegenüber
> Größe 3?

Je feiner das Korn, um so mehr Angriffsfläche für Oxidation. Es wird 
also die Haltbarkeit beeinflussen.

von Stefan W. (stefan_w234)


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Niklas M. schrieb:
> Ist 4 einfach nur teurer oder hat es auch andere Nachteile gegenüber
> Größe 3?

Du hast tendenziell weniger "Fleisch" an größeren Lötstellen, wenn die 
Pastenschablone nicht angepasst wurde. Mögliche Abhilfen wären dickere 
Schablone oder weniger Reduzierung der Aperturen vom Cream-Layer. Bei 
einer Handbestückung sollte das aber keine große Rolle spielen, das ist 
eher für den Serienprozess relevant.

von Stefan K. (stk)


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Stefan W. schrieb:
> Du hast tendenziell weniger "Fleisch" an größeren Lötstellen, wenn die
> Pastenschablone nicht angepasst wurde.

Ist das so? Bei gleichem Metallanteil in der Paste sollte doch bei 
feinerer Körnung und gleicher Schablonendicke mindestens ebensoviel 
Metall an jeder Lötstelle ankommen wie bei gröberer.

von Gerd E. (robberknight)


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Stefan K. schrieb:
> Stefan W. schrieb:
>> Du hast tendenziell weniger "Fleisch" an größeren Lötstellen, wenn die
>> Pastenschablone nicht angepasst wurde.
>
> Ist das so? Bei gleichem Metallanteil in der Paste sollte doch bei
> feinerer Körnung und gleicher Schablonendicke mindestens ebensoviel
> Metall an jeder Lötstelle ankommen wie bei gröberer.

so kenne ich das auch. Die Verhältnisse Flux/Lötkügelchen ist zwischen 
den Korngrößenklassen gleich. Nur sind die Lötkügelchen feiner oder 
gröber.

von Christian B. (luckyfu)


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H. H. schrieb:
> Je feiner das Korn, um so mehr Angriffsfläche für Oxidation. Es wird
> also die Haltbarkeit beeinflussen.

Da würde ich mal widersprechen wollen. Die Alterung beruht nicht auf der 
Oxidation der Kügelchen sondern auf der Alterung des Flussmittels 
dazwischen. Das wird immer weniger viskos und das führt dann zu 
Verklumpungen. Die Paste lässt sich nicht mehr in die Maske drücken oder 
klebt dann an ebendieser anstatt auf der Platine zu haften. Eine 
oxidation würde das Lötergebnis später negativ beeinflussen. Ich hab 
zuhause alte Lötpaste, die man nicht mehr fürs rakeln nutzen kann (aus 
genannten Gründen) die geht aber noch super um Messingröhrchen für den 
Modellbau mit Heißluft zusammenzulöten. Macht man die alte Paste warm, 
geht sie auch besser, aber das ist fürs Rakeln unpraktisch, da man da 
auch die ganze Apparatur mit aufheizen müsste. Wir haben auch mal 
versucht, alte Paste mit neuem Flussmittel neu zu mischen, das Ergebnis 
war ... naja, sagen wir: nicht zufriedenstellend.

: Bearbeitet durch User
von H. H. (hhinz)


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Christian B. schrieb:
> Die Alterung beruht nicht auf der
> Oxidation der Kügelchen sondern auf der Alterung des Flussmittels
> dazwischen.

Beides.

von Gerd E. (robberknight)


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Christian B. schrieb:
> Die Alterung beruht nicht auf der
> Oxidation der Kügelchen sondern auf der Alterung des Flussmittels
> dazwischen. Das wird immer weniger viskos und das führt dann zu
> Verklumpungen.

Das Flussmittel an sich altert glaube ich nicht wirklich. Eine Kartusche 
reines Flussmittelgel funktioniert auch 2-3 Jahre nach Ablaufdatum noch 
problemlos.

Das Problem bei der Lotpaste ist soweit ich weiß die Entmischung. Also 
dass die schwereren Lotkügelchen tendenziell nach unten absinken und 
verklumpen. Die Lotpaste braucht eine wirklich homogene Mischung aus 
Lotkügelchen und Flussmittel um zu funktionieren.

von H. H. (hhinz)


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Gerd E. schrieb:
> Das Problem bei der Lotpaste ist soweit ich weiß die Entmischung.

Auch das.


> Also
> dass die schwereren Lotkügelchen tendenziell nach unten absinken und
> verklumpen.

Was natürlich bei kleineren Partikeln weniger schnell geht.

von Stefan W. (stefan_w234)


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Stefan K. schrieb:
> Ist das so? Bei gleichem Metallanteil in der Paste sollte doch bei
> feinerer Körnung und gleicher Schablonendicke mindestens ebensoviel
> Metall an jeder Lötstelle ankommen wie bei gröberer.

In der Theorie ja. In der Praxis wird häufig bei feineren Lotpasten (Typ 
4 oder 5) aufgrund der höheren Oxidationsneigung der Flussmittelanteil 
erhöht, also weniger Metall, mehr Flux. Ist eine Wissenschaft für sich, 
auch viele Anwendungsberater der großen Hersteller von Lotpaste oder 
Schablonendruckern experimentieren im Wesentlichen so lange bis das 
Ergebnis gut genug ist.

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