Forum: Compiler & IDEs Decompiler/Compiler/Simulator für DDR-Industriesteuerung ASPW (KuASY/ZVE)


von Roman K. (roman_k556)


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Hallo,

ich habe eine Toolchain für die ASPW-Steuerungstechnik geschrieben, die 
in DDR-Spritzgießmaschinen (KuASY) und anderen ZVE-gesteuerten Anlagen 
verbaut war. Die ZVE ist eine proprietäre Steuerung mit eigenem 
Befehlssatz... also kein Z80/8080, sondern eine reine 
Bitverarbeitungsmaschine (vergleichbar mit einer SPS, aber auf diskrete 
TTL-Logik aufgebaut, Programm in EPROMs).

Was die Tools können:

- Decompiler — liest EPROM-Dumps (K2732/U2716) und erzeugt ein 
strukturiertes Programmlisting mit symbolischen Signalnamen
- Compiler — kompiliert aus einer Hochsprache (DSL) zurück zu 
EPROM-Images, bit-identisch zu den Originalen
- Simulator — Web-Oberfläche, zeigt Programmablauf, Portzugriffe und 
Signalzustände in Echtzeit

Unterstützt werden 2 bis 4-EPROM- (1 ZVE) bis 8-EPROM-Konfigurationen (2 
ZVEs). Geschrieben in Go, läuft auf Linux, Windows und macOS, der 
Simulator ist ein einzelnes Binary mit eingebettetem Webserver.

Falls jemand EPROM-Dumps von solchen Steuerungen hat oder sich für 
DDR-Industrieelektronik interessiert - gerne melden.

Grüße,
Roman

: Bearbeitet durch User
von Lutz S. (lutzs)


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Zum konkreten Projekt kann ich nichts beitragen, aber es erinnert mich 
an die Zeiten in der Mitte der 80er in denen ich mit einem ZX81 und 
selbst über Zeibina-Leisten angeflanschter PIO-Karte die Speicherkarte 
einer PS2000 ausgelesen habe, die bei uns im Betrieb im Einsatz war 
(ZX81 und PS2000 damals selbst programmiert ;-) ).

Das Programmlisting in Form

LE 001
UE 002
TA 010
usw.

erschien dann auf dem Bildschirm.

Natürlich sollte es auch ausgedruckt werden, das einzige verfügbare war 
ein Fernschreiber. Also Optokoppler dran um die Stromschleife des 
Fernschreibers zu bedienen, wenn ich mich richtig erinnere war der 
Programmteil in Assembler und lief nur im Fast-Modus.

Ist diese Steuerung mit der PS2000 verwandt oder gab es damals noch mehr 
solcher Entwicklungen?

: Bearbeitet durch User
von Roman K. (roman_k556)


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Hallo Lutz,

die ASPW/ZVE-Steuerungen stammen tatsächlich aus derselben „Generation“ 
von Industrieelektronik wie viele andere DDR-Steuerungen der 80er, auch 
wenn sie technisch nicht direkt mit der PS2000 verwandt sind. In der DDR 
gab es mehrere parallele Entwicklungen für speicherprogrammierbare 
Steuerungen.

Die ASP bzw. später ASPW von Erfurt Electronic war im Grunde eine frühe 
SPS-ähnliche Steuerung, allerdings nicht auf Basis eines klassischen 
Mikroprozessors wie Z80 oder 8080, sondern als diskret aufgebauter 
Bitprozessor aus TTL-Logik. Der Fokus lag stark auf deterministischen 
Zykluszeiten und direkter Bitverarbeitung für Maschinensteuerungen, z.B. 
Spritzgießautomaten, Extruder oder Werkzeugmaschinen.

Damit war die Architektur eher SPS-typisch (Logik-/Signalverarbeitung) 
als computerartig. Programme lagen in EPROMs und wurden zyklisch 
abgearbeitet, ähnlich wie bei heutigen PLCs, nur dass alles 
hardwareseitig viel „näher am Metall“ umgesetzt war.

Man kann die ASPW also gut als SPS-Vorläufer bzw. frühe SPS-Generation 
sehen. Für die Zeit war das tatsächlich ziemlich fortschrittliche 
Technik, besonders mit modularen I/O-Karten, analogen Baugruppen und 
dedizierten Programmiergeräten.

Deine ZX81-Aktion klingt übrigens auch nach ziemlich klassischem 
80er-Jahre-Reverse-Engineering. 😊

Ich beschäftige mich gerade damit, die Technik mit heutigen Mitteln 
wieder zugänglich zu machen. Meine Toolchain läuft nativ unter Linux, 
macOS und Windows. Der Compiler kann aus einer BASIC ähnlichen Sprache 
wieder EPROM-Images erzeugen, der Decompiler erstellt strukturierte 
Listings und der Simulator zeigt den Ablauf inklusive Port- und 
Signalzuständen. Außerdem kann ich inzwischen auch Funktionspläne 
(FUP/KUP) darstellen sowie Referenzlisten erzeugen.

Was mir noch fehlen würde, sind weitere EPROM-Dumps aus verschiedenen 
KuASY Maschinen bzw. anderen ASPW Anlagen. Falls jemand noch alte 
EPROMs, Dumps oder auch nur Signal- bzw. Tor-/Namenslisten aus solchen 
Anlagen hat, wäre das für die Rekonstruktion der Programme und Symbolik 
extrem hilfreich.

VG,
Roman

von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


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>  Falls jemand noch alte
> EPROMs, Dumps oder auch nur Signal- bzw. Tor-/Namenslisten aus solchen
> Anlagen hat, wäre das für die Rekonstruktion der Programme und Symbolik
> extrem hilfreich.

Spontan fällt mir da ein Bericht über die "Rettung" der 
Industriesteueranlagen des Traktorenwerks Schönebeck ein. Das war wohl 
bei robotron-technik.de.

Vielleicht fragste mal dort weiter, die sammeln auch ROM-Dumps, wenn 
auch mit Schwerpunkt EDV-technik.
* https://www.robotrontechnik.de/html/sonderbeitraege/rzs.htm
* https://www.robotrontechnik.de/html/internes/ueberuns.htm

Konkreter:
* 
https://www.robotrontechnik.de/index.htm?/html/computer/maschinensteuerungen.htm

Da wird als (mögliches?) Synonym "Ursalog" genannt, vielleicht findet 
sich dazu was in der DDR Zeitschrift "messen-steuern-regeln".

: Bearbeitet durch User
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