Hallo, mir ist ein interessantes Gerätchen untergekommen: ein GPS-Tacho. Das Ding kostet gerade mal 11€, meins sogar nur 8 bei ebay, inkl. Versand als DHL-Paket, war am nächsten Tag da, nagelneu und funktioniert klasse. War als Spielzeug gedacht, warum man sich so eine helle grüne LED-Anzeige ins Auto bauen soll ist mir unklar, aber witzig isses. Es ging um eine Geschwindigkeitsmessung ohne Radsensor und anwesende Person, um Strecke und (Spitzen-)Geschwindigkeit zu erfassen, dabei leuchtete dieses Gerät in den Angeboten auf und wurde aus Neugier mitbestellt. Für das Geld gibt's das Gerätchen, ein langes USB-Kabel (mit Mini-USB, ich dachte der wäre schon lange tot!) und ein Klebepad. Kein Warmstart mangels Akku, das GPS braucht immer ein wenig nach dem Einschalten bis es was anzeigt, und bei Bewegung schafft es "nie" sich zu stabilisieren (ich hab's nach 20 Minuten an der Ampel neugestartet). Erstaunlicherweise dauert es meist nur 20 Sekunden bis das Display von -- auf 0 springt und das Gerät bereit ist. Displayupdaterate deutlich mehrfach pro Sekunde, ich schätze ca. 4x/s. Interessant: es zeigt "alle" Werte an, nur nicht "51". Wenn ich beschleunige (ich hab ein Video gemacht) zählt es gleichmäßig von 0 bis 105 hoch (schneller konnte ich nicht), nur auf die 50 folgt 52. Die Schaltung ist auch schräg: je zwei grüne LEDs parallel (!) bilden ein Segment, und der 5V-Spannungsregler nach dem 5V-USB-Stecker macht für mich auch keinen Sinn. Zu dem Chip finde ich keinerlei Infos, evtl. kann H.H. was dazu rausfinden? Die werden doch nicht... a) dem GPS eine eigene Firmware verpasst und einen Schieberegister-LED-Treiber für den Google nichts findet verbaut haben? oder b) einen "normalen" GPS-Chip plus einen vmtl. Maskenprogrammierten Controller verwenden, wobei der dann ohne Widerstände direkt 16 LED-Paare betreibt? oder c) einen speziellen Controller mit eingebautem LED-Treiber verwenden? Bin gespannt auf eure Kommentare...
Jens M. schrieb: > a) dem GPS eine eigene Firmware verpasst und einen > Schieberegister-LED-Treiber für den Google nichts findet verbaut haben? GPS-TX ist als Testpin zugänglich. Schau mit einem Terminal/Logic Analyzer oder Scope drauf. Ich würde auf NMEA tippen. Jens M. schrieb: > einen "normalen" GPS-Chip plus einen vmtl. Maskenprogrammierten > Controller verwenden, wobei der dann ohne Widerstände direkt 16 > LED-Paare betreibt? JieLi ist bekannt dafür, nicht nur verdammt billig sondern dabei auch nicht wirklich gut zu sein. Das ganze Ding ist wohl auf einen niedrigen Preis mit "Novelty-Faktor" gezüchtet. Mit Glück haben die Controller-Pins eine Strombegrenzung. Jens M. schrieb: > C) einen speziellen Controller mit eingebautem LED-Treiber verwenden? Würde mich wundern. Jens M. schrieb: > und der 5V-Spannungsregler nach dem 5V-USB-Stecker macht > für mich auch keinen Sinn. Ist halt irgendwie universell oder es gibt dafür Zigarettenanzünder-auf-Mini-USB-Kabel ohne Spannungsregler (weil billig) für...
Jens M. schrieb: > Für das Geld gibt's das Gerätchen, ein langes USB-Kabel ... Wozu dient das USB-Kabel? Bekommt das Gerät darüber nur seine Energie oder werden darüber auch Daten übermittelt (welche, Datenformat)? > ... (mit Mini-USB, ich dachte der wäre schon lange tot!) ... Vielleicht ist dies der Grund, warum die Dinger so günstig abgestoßen werden. Sebastian R. schrieb: > Ist halt irgendwie universell oder es gibt dafür > Zigarettenanzünder-auf-Mini-USB-Kabel ohne Spannungsregler (weil billig) > für... Dagegen spricht der Hinweis in der Produktbeschreibung: "The operatig voltage of this product is 5V, and a voltage higher than 5V is prohibited".
:
Bearbeitet durch User
Jens M. schrieb: > Interessant: es zeigt "alle" Werte an, nur nicht "51". Wenn ich > beschleunige (ich hab ein Video gemacht) zählt es gleichmäßig von 0 bis > 105 hoch (schneller konnte ich nicht), nur auf die 50 folgt 52. Vermutlich gibt der GPS-Chip die Geschwindigkeit in Knoten aus. Die Umrechnung in km/h ist wahrscheinlich nicht besonders gut implementiert.
Sebastian R. schrieb: > Schau mit einem Terminal/Logic > Analyzer oder Scope drauf. Ich würde auf NMEA tippen. Ja, das muss ich bei Gelegenheit mal machen. Das wäre natürlich schräg, wenn die da ein echtes GPS einbauen mit schneller Framerate. Würde das (mangels Bauteilen) mit dem internen RC-Oszillator klappen? Sebastian R. schrieb: > Das ganze Ding ist wohl auf einen niedrigen > Preis mit "Novelty-Faktor" gezüchtet. Definitiv. Das Display flackert auch leicht, sehr schnell, aber man kann es sehen. Stromregelung oder so ist das aber nicht. Nachts auch sehr grell, weil ein fieses Grün benutzt wurde. Sebastian R. schrieb: > Zigarettenanzünder-auf-Mini-USB-Kabel ohne Spannungsregler Aua. Das wäre aber fies... Rainer W. schrieb: > Wozu dient das USB-Kabel? Offiziell nur Strom. Ob es angeschlossen ist muss ich noch nachsehen. Rainer W. schrieb: > Vielleicht ist dies der Grund, warum die Dinger so günstig abgestoßen > werden. Nuja, das Layout ist von 2024. Da war Mini auch schon Jahre tot. Muss ja nicht gleich C sein, ein Micro hätt's auch getan. Nicht das es mich stören würde, das Kabel ist lang, dünn, recht weich und so alles in allem sehr gut für dieses Dings. O. D. schrieb: > Vermutlich gibt der GPS-Chip die Geschwindigkeit in Knoten aus. So ähnlich hatte ich auch vermutet. Es gibt aber keinen Taster o.ä., und das km/h in der Blende ist auch fix. Die werden doch nicht ein Meilen und ein km/h-Gerät bauen weil das billiger ist als eins das beides könnte? Sebastian R. schrieb: > JieLi Ist das der Chiphersteller? Wenn ja: die sind so billig das Google die Bezeichnung nicht findet... :D Absoluter Spielzeuglevel, aber dafür funktionierts überraschend gut. Der GPS-Fix ist schnell, die Updaterate hoch. Nur die Empfindlichkeit ist etwas mau, wenn man durch eine Allee fährt kann es sein das der Tacho Lotto spielt. Fängt sich aber sofort wieder sobald ein Loch im Blätterdach ist.
Jens M. schrieb: > dem GPS eine eigene Firmware verpasst und einen > Schieberegister-LED-Treiber für den Google nichts findet verbaut haben? Ist denkbar, wenn man genug Exemplare kauft kann man wohl eigene Firmware auf einen Receiver implementieren. Ist hier aber vermutlich nicht der Fall, der zweite Chip wird ein Mikrocontroller sein... Die Beschriftung des mit dem Chip verbundenen Testpads mit "PB9" klingt stark nach Mikrocontroller. In Anbetracht der Masse an Spielzeugen mit smart blinkenden LEDs ist ein Controller mit eingebautem LED-Treiber nicht so abwegig
Jens M. schrieb: > Die werden doch nicht ein Meilen und ein km/h-Gerät bauen weil das > billiger ist als eins das beides könnte? Mit zwei Geräten kämest du nicht hin (Meile ≠ Seemeile). Da die Displayeinheit für die Anzeige der Maßeinheit nur über LEDs verfügt, aus Gründen der Schriftgröße und des Designs aber nur Platz für eine Einheit bietet, wird es wohl verschiedene Displaymasken mit zugehöriger Firmware geben.
Demnach heißt der Chip AC6952A. https://kagaimiq.github.io/jielie/chips/chip-marks.html Leider kein Datenblatt auffindbar
Kolja schrieb: > Demnach heißt der Chip AC6952A. > https://kagaimiq.github.io/jielie/chips/chip-marks.html > Leider kein Datenblatt auffindbar Kein Wunder, JieLi macht nur Customchips.
:
Bearbeitet durch User
H. H. schrieb: > Kein Wunder, JieLi macht nur Customchips. Custom im Sinne eines ASIC, oder Custom als masken/flashprogrammierter Controller? Könnte ja evtl. doch ein korrekter LED-Treiber drin sein :D
Oha, da hat sich der Bastler ja richtig in Unkosten geworfen... Erstaunlich, das es so billig mit Spezialteilen geht, ich hätte gedacht das Massenware (also normaler GPS-Chip & Controller oder GPS mit Custom Firmware plus LED-Treiber von der Stange) günstiger sei als Spezial-GPS mit Spezial-Displaytreiber.
Kolja schrieb: > Demnach heißt der Chip AC6952A. Hmm, dann müsste es aber ssop28 sein. Anscheinend doch was anderes..
Jens M. schrieb: > H. H. schrieb: >> Kein Wunder, JieLi macht nur Customchips. > > Custom im Sinne eines ASIC, oder Custom als masken/flashprogrammierter > Controller? > Könnte ja evtl. doch ein korrekter LED-Treiber drin sein :D Die Chips die mir untergekommen sind waren normal flashbare Mikrocontroller. Nur einer war OTP. Für einen habe ich keine Datenblatt gefunden. Firmware ausgelesen, dort stand welche Chip-Reihe das ist. Passende SDK genommen und pins wackeln lassen, ADC ausgelesen usw. So habe ich ungefähren pinout rausgefunden. Also, es geht schon einiges.
Ein etwas anderer GPS Tacho in derselben Preiskategorie (um die EUR 10), siehe Bilder. Die andere Seite der Platine enthält nur die LEDs. Der LED Treiber ist ein TM1652 von Titan Micro Electronics, der Mikrocontroller ist der 8-Pin IC (Aufschrift F1A 2401), das GPS Modul laut den Angaben aus der UART Kommunikation (9600 Baud, alle 0.2 Sekunden kommt ein Update der Position) ein GK9501 (E108-GN01 Modul) von Ebyte. Schalter und LDR sind jeweils über einen ADC Eingang angebunden, der Buzzer belegt ebenfalls einen Pin, und dann noch jeweils ein Pin für das GPS Modul und den LED Treiber. Der Hersteller des Moduls ist vermutlich Shenzhen WINS-NOVELTY, einen Produktüberblick gibt es hier: https://exhibitorsearch.messefrankfurt.com/images/original/document_downloads/10000007202401/372106/1717731417091_1667815840.pdf Und die Anleitung zum Gerät ist die hier: https://m.media-amazon.com/images/I/713DniqTPPL.pdf
H. H. schrieb: > Kein Wunder, JieLi macht nur Customchips. JieLi macht vor allem recht viele BT-Audiochips, und von einigen von denen findet man sogar Informationen. https://github.com/Jieli-Tech https://github.com/kagaimiq/jielie
Bin leider noch nicht dazu gekommen da mal näher reinzumessen, aber zwei Dinge die nicht beschrieben sind: 1. das Display dimmt Zeitabhängig. Um Punkt 19:00:00 geht das Display auf halbe Helligkeit (flackert auch deutlich mehr). Wann es wieder hell wird hab ich noch nicht gesehen, wenn ich es um 7:30 wieder benutze bleibt es hell. Bin gespannt ob das bei Sommerzeit dann auch springt. 2. Die Anzeige lügt. Ich fahre immer mit Limiter und mir ist schon aufgefallen das sich der Autotacho/Limiter und das Tachodings immer exakt einig sind. Wunderte mich weil m.W. Tachos immer etwas vorgehen sollen. Die Messschilder die hier und da am Ortseingang hängen zeigen durchweg weniger an, gerne so 3-5km/h, aber angeblich lügen die absichtlich damit man den Tacho damit nicht kalibrieren kann. Nun hab ich testweise mit dem Handy eine GPS-App mitlaufen lassen und siehe da: Handy und Schild sind sich +-1 einig, Tacho/Limiter und Dings sind sich ebenfalls einig, gehen aber etwas vor: bei 30 ca. 3, bei 50 5 und bei 100 6kmh mehr als das Handy.
Jens M. schrieb: > 2. Die Anzeige lügt. > Ich fahre immer mit Limiter und mir ist schon aufgefallen das sich der > Autotacho/Limiter und das Tachodings immer exakt einig sind. Wunderte > mich weil m.W. Tachos immer etwas vorgehen sollen. Der Limiter bekommt seine Information vom Tacho. Also sind sich die beiden naturgemäß einig. Welches Problem willst Du eigentlich lösen? Möchtest Du eine Alternative zum Tacho haben, damit es sich wenigstens finanziell lohnt, wenn Du zu schnell unterwegs bist?
Harald K. schrieb: > Also sind sich die > beiden naturgemäß einig. Mein Auto hat einen Zeiger und einen digitalen Limiter. Der Zeiger steht leicht schief, wenn ich 100 einstelle, steht der Zeiger genau rechts neben dem Strich. Aber ja, die arbeiten zusammen. Gemeint hab ich aber: mein Autotacho & Limiter zeigen beide das gleiche an wie das GPS-Tachodings. Was ja eigentlich nicht sein sollte, weil der Autotacho vorgehen sollte. Harald K. schrieb: > Welches Problem willst Du eigentlich lösen? Keins. Das Ding hat sich einfach in meinen Warenkorb verirrt, als ich was anderes gesucht habe. Und für das Geld hab ich einfach mal was zum spielen gekauft, ehrlich gesagt aber in der Annahme, das GPS nicht lügt. Zumindest so lange es Empfang hat. Harald K. schrieb: > Möchtest Du eine Alternative > zum Tacho haben, damit es sich wenigstens finanziell lohnt, wenn Du zu > schnell unterwegs bist? Nö, digitale Tachos sind doof abzulesen, Zeiger geht mit peripherer Wahrnehmung. Und nein, ich fahr mit Limiter, damit es eben nicht teuer wird. Nicht billiger, sonder gar nicht erst teuer.
:
Bearbeitet durch User
Jens M. schrieb: > Nö, digitale Tachos sind doof abzulesen, Zeiger geht mit peripherer > Wahrnehmung. Und nein, ich fahr mit Limiter, damit es eben nicht teuer > wird. Nicht billiger, sonder gar nicht erst teuer. Ok, dann hatte ich Dich gründlich missverstanden. Hier sind wir uns sehr einig - ich mag auch keine Digitaltachos, und ich fahre auch mit Limiter, seit jetzt 21 Jahren. An einen Tempomat konnte ich mich hingegen nie gewöhnen. Ein Auto ohne Zeigertacho (selbst wenn der nur auf einem Display zu sehen ist) jedenfalls kommt mir nicht ins Haus.
Jens M. schrieb: > Das Ding hat sich einfach in meinen Warenkorb verirrt, als ich > was anderes gesucht habe. Und für das Geld hab ich einfach mal was zum > spielen gekauft, ehrlich gesagt aber in der Annahme, das GPS nicht lügt. Nettes Spielzeug, finde ich bei A* leider nur mit Versand durch A*, muss wohl bein Ali gucken. Was bringt Dich (und Andere) zu der Annahme, dass Elektronik mit GPS die absolute Genauigkeit liefert? Wenn nur alle 200ms GPS-Daten kommen, wurde weiter oben gesagt, ergibt das eine deutlich störende Latenz. Harald K. schrieb: > und ich fahre auch mit > Limiter, seit jetzt 21 Jahren. An einen Tempomat konnte ich mich > hingegen nie gewöhnen. Ich verstehe den Limiter nicht, soll ich den ständig auf einen neuen Wert setzen? Der macht Sinn, wenn man erheblich lange im dichten Stadtverkehr unterwegs ist, aber sonst? Tempomat habe ich Ende 90er erstmals in Mietwagen erlebt und mich recht schnell damit angefreundet. Als wir mal ungeplant ein Auto mieten und 1000km fahren mussten, mochte aber mein Arbeitskollege die Regelanlage nicht anfassen. Privat fahre ich seit 2008 mit ACC, Geschwindigkeitsregelanlage mit Abstandsradar und möchte nicht mehr drauf verzichten.
Manfred P. schrieb: > Was bringt Dich (und Andere) zu der Annahme, dass Elektronik mit GPS die > absolute Genauigkeit liefert? Wenn nur alle 200ms GPS-Daten kommen, > wurde weiter oben gesagt, ergibt das eine deutlich störende Latenz. GPS hat Atomzeit als Grundlage der Positions-, Entfernungs- und Höhenmessung. Es sollte daher wesentlich genauer als ein auf dem Raddurchmesser basierender Tacho die Geschwindigkeit messen können, zumindest für den Durchschnitt zwischen den letzten beiden erfassten Punkten. "Nur" alle 200ms ist wesentlich schneller als bei GPS üblich ist (dort normalerweise 1/s, das reicht für Navigation, Geschwindigkeit fällt nebenbei ab), und sofern man nicht extrem bremst oder beschleunigt sollte der Durchschnitt über die letzten 0,2s recht exakt dem Realwert entsprechen. Warum sollte das nicht so sein und GPS ähnlich wie der Radumdrehungstacho 5-10% dazulügen? Warum "schneller" und niemals "langsamer"? Manfred P. schrieb: > Ich verstehe den Limiter nicht, soll ich den ständig auf einen neuen > Wert setzen? Wenn man so wie ich auf 28km letztendlich 4x umschalten muss geht's. Interessanterweise fahre ich mittlerweile die Strecke nach Gehör ebenso wie mit Limiter recht exakt "auf Soll", falls ich mal vergesse umzuschalten. Bei neueren Autos wird das Ding automatisch nach Karten/Navi und Schildern umgeschaltet, damit wird's dann richtig nervig. Manfred P. schrieb: > Geschwindigkeitsregelanlage mit > Abstandsradar Damit kann man je nach Auto vor einem Kreisverkehr ganz schön in die Bredouille kommen.
Jens M. schrieb: > "Nur" alle 200ms ist wesentlich schneller als bei GPS üblich ist (dort > normalerweise 1/s, das reicht für Navigation, Geschwindigkeit fällt > nebenbei ab), und sofern man nicht extrem bremst oder beschleunigt > sollte der Durchschnitt über die letzten 0,2s recht exakt dem Realwert > entsprechen. Dann rechne einmal ein bisschen Fehlerfortpflanzung. Der Fehler für eine Geschwindigkeit, bestimmt aus Änderungen der Position, hängt von der Genauigkeit der Positionsbestimmung und der Entfernungsdifferenz ab. Bei einer GPS-typischen Ungenauigkeit der Position von mehreren Metern ist die Genauigkeit der darauf basierenden Geschwindigkeit nicht alleine ein Problem von Bremsen und Beschleunigen. Es geht hier nicht um RTK mit Referenzempfänger und Phasenmessung.
Wie groß ist die typische Ungenauigkeit? 100km/h sind ~28m/s, bei einem 1/s-Messzyklus und 1m Positionsungenauigkeit kann die gemessene Weglänge also 27-29m sein, was 97 bis 104km/h entspräche. Bei 5/s Messgeschwindigkeit und dennoch 1m Abweichung wäre die gemessene Wegstrecke nochmal 5x ungenauer, die gemessene Geschwindigkeit also im Bereich 23-33m/s, also 82-119km/h. Das Gerät zeigt aber fix stabil einige Prozent zuviel an, zufälligerweise (?) genau das gleiche wie der Fahrzeugtacho. Nur starker Baumbewuchs lässt die GPS-Anzeige kurz wackeln, aber auf freier gerader ebener Strecke ist GPS immer = KfZ, ab und an flackernd eins weniger. Das ist ja was mich wundert. Mein Handy (plus ein anderes identisches Android-Gerät mit identischer App aber anderem Android-Stand, plus ein iphone) sind sich dagegen einig (plusminus 1km/h) und zeigen ca. 5km/h weniger, etwa deckungsgleich mit öffentlichen Tempomessschildern. Ein geeichtes Radarfoto kann ich leider nicht bieten...
Jens M. schrieb: > 100km/h sind ~28m/s, bei einem 1/s-Messzyklus und 1m > Positionsungenauigkeit kann die gemessene Weglänge also 27-29m sein, was > 97 bis 104km/h entspräche. Alleine die absolute Positionsungenauigkeit, die bei GPS eher bei 5..10m liegt, hilft dir bei dieser Betrachtung noch nicht weiter. Du brauchst die Angabe zur Änderung des Positionsfehlers, weil die absoluten Fehler der beiden Messungen korreliert sind (Zeitkonstante der Ausbreitungsfehler, Filterung im GPS-Empfänger).
Manfred P. schrieb: > Ich verstehe den Limiter nicht, soll ich den ständig auf einen neuen > Wert setzen? Der macht Sinn, wenn man erheblich lange im dichten > Stadtverkehr unterwegs ist, aber sonst? Auch sonst. Man stellt das Ding auf die Geschwindigkeit, mit der man fahren will. Z.B. auf der Autobahn auf 120. Und wenn eine absehbar kurze Einschränkung der Geschwindigkeit (z.B. Baustelle) kommt, stellt man das Ding nicht um, sondern nimmt einfach den Fuß vom Gas. Und fährt man von der Autobahn ab, stellt man das Ding halt auf 100 oder 80, je nachdem, in welchem Land man unterwegs ist. Im dichten Stadtverkehr braucht man den Limiter nicht, denn da ist der Limiter das Auto vor einem. Schneller als das kann man eh' nicht fahren. Der Limiter ist in der Stadt also nur bei sehr gut fließendem Verkehr überhaupt nötig.
Jens M. schrieb: > Was ja eigentlich nicht sein sollte, weil der > Autotacho vorgehen sollte. Meiner Erfahrung nach sind diese Zeiten vorbei. Heutige Tachos (und selbst der alte aus meinem E-Auto) gehen recht genau und höchstens mal 1-2% vor. Mich stört die Einbaulage der Patchantenne. So guckt die doch durch die Frontscheibe.
:
Bearbeitet durch User
Alle relevanten GNSS-Module die ich kenne geben ihre Daten im NMEA-Format aus. Das ist ein ASCII-Format und prima zu lesen. Im RMC-Datansatz wird die Geschwindigkeit in Knoten angegeben. Im VTG-Datensatz in Knoten und auch in Km/h. Möglicherweise wird der nachgeschaltete Prozessor ein Problem mit der korrekten Darstellung/Umrechung der Daten haben, oder sogar ganz bewusst einen Offset addieren? Die Genauigkeit der Geschwindigkeitsangabe ist bei GNSS prinzipbedingt nicht besonders toll oder schnell. Die Geschwindigkeit ist nur ein "Abfallprodukt" der Positionsberechnung, sollte aber trotzdem im +/-1Km/h Bereich liegen. Mich würde es auch nicht wundern wenn das eigentliche GNSS-Modul nur das chinesische BeiDou-System unterstützt, und nicht auch GPS, Galileo oder Glonass. Der fehlende Stütz-Akku (für einen schnellen Warmstart) deutet auch auf einen misslungenen Billig-Clone hin. "Gute" GNSS-Module mit Chips von nahmhaften Hesteller sind heutztage extrem gut, empfindlich und zuverlässig und unterstützen alle Systeme.
Christian schrieb: > Alle relevanten GNSS-Module die ich kenne geben ihre Daten im > NMEA-Format aus. Das ist ein ASCII-Format und prima zu lesen. U-Blox Module habe zusätzlich ein eigenes binäres Protokoll namens UBX. Das ist maschinell einfacher zu lesen als NMEA, u.a weil es einen Header mit Paketlänge hat.
Christian schrieb: > Die Geschwindigkeit ist nur ein > "Abfallprodukt" der Positionsberechnung, sollte aber trotzdem im > +/-1Km/h Bereich liegen. Woher nimmst du diese Zuversicht? p.s. https://de.wikipedia.org/wiki/Vors%C3%A4tze_f%C3%BCr_Ma%C3%9Feinheiten
Rainer W. schrieb: > Christian schrieb: >> Die Geschwindigkeit ist nur ein >> "Abfallprodukt" der Positionsberechnung, sollte aber trotzdem im >> +/-1Km/h Bereich liegen. > > Woher nimmst du diese Zuversicht? > Aus diversen Datenblättern. Dort wird die Genauigkeit für die Geschwindigkeit mit 0.1m/s angegeben (~0.3Km/h). Das deckt sich auch mit meinen Beobachtungen. Ein so genau wie möglich korrigierter "normaler" Tacho liefert gleiche Ergebnisse. Ein unkorrigierter Tachos weicht erheblich von der realen Geschwindigkeit ab. Der immer vorhandenen Schlupf an den Rädern, z.B., hat erheblichen Einfluss. Ein "GPS"-Tacho ist nur leider spürbar träger. Auch wenn die Update-Rate mehrere Hertz beträgt sind die dahinterliegenden Daten immer stark gemittelt und dadurch verzögert. Wie auch immer, so ein "GPS"-Tacho ist ein tolle Sache für z.B. Motorradumbauten wo man einen autarken Tacho am Lenker benötigt.
Zur Genauigkeit der Geschwindigkeit des GNSS Modul von hier Beitrag "Re: Vorstellung/Fragen GPS-Tacho" siehe Auszug aus den Datenblatt. Die unterstützten Systeme sind GPS, BDS und GLONASS.
Christian schrieb: > Ein "GPS"-Tacho ist nur leider spürbar träger. Auch wenn die Update-Rate > mehrere Hertz beträgt sind die dahinterliegenden Daten immer stark > gemittelt und dadurch verzögert. Dann handelt es sich nicht um eine Geschwindigkeit, die aus 200 ms auseinanderliegenden Positionen abgeleitet wurde. Mit kräftiger Mittelung lässt sich der Geschwindigkeitsfehler auf Grund rauschender Positionsdaten selbstverständlich schönrechnen.
Ja, das ganze hat natürlich Nebenbedingungen. Das Bild ist aus einem BN-220 Datenblatt. Dort steht etwas von 95%. Was da sonst noch so gerechnet wird kenne ich auch nicht. Ich vermute aber die Fehler bei relativen Änderungen sind geringer als bei der absoluten Positionsbestimmung. Weil man nur Veränderungen im ~Sekundentakt auswertet. Die langsam "wabernde" Ionosphäre, z.B., spielt dann praktisch keine Rolle mehr. "Schönrechnen" klingt so negativ :) Meinst du die realen Ergebnisse sind deutlich schlechter? Und schlechter als ein klassischer Tacho? Bei einem ollen Garmin aus den 2000ern mag das vielleicht mal so gewesen sein, aber die aktuellen Chipsätze sind um Welten besser. Und du hast mittlerweile 4x soviele Satelliten ständig im Fokus. Als kleines (extremes) Beispiel für Genauigkeit. Bei meinem Motorrad kam das Speed-Signal vom Getriebe, also vom Hinterrad. Das Rad hat bei Vollgas einen Schlupf von bis zu 8%. Am Vorderrad hättest du einem Fehler von -0,5 .. -1%. GPS ist IMHO immer genauer. Nur Radar bzw Optik auf die Fahrbahn könnte das genauer messen.
Christian schrieb: > Das Bild ist aus einem BN-220 Datenblatt. Dort steht etwas von 95%. Die Angabe 0,1 m/s ist eine statistische Aussage und die "95%" besagen, dass 95% der Messwerte innerhalb eines Intervalls von ±0,1 m/s um die wahre Geschwindigkeit liegen, wobei SA abgeschaltet ist. Um zu bewerten, was das bedeutet, muss man mehr über die Messbedingungen wissen. Über die Filteralgorithmen sagt das nichts. Möglicherweise wird die Geschwindigkeit gar nicht aus Positionsdifferenz abgeleitet, sondern auf Grund der Dopplerverschiebung der Satellitensignale.
Ich freue mich auf deine vollständige Bewertung. Bis dahin bin ich mit meinen guten Erfahrungen und Ergebnissen ganz zufrieden :)
Rainer W. schrieb: > Alleine die absolute Positionsungenauigkeit, die bei GPS eher bei 5..10m > liegt, hilft dir bei dieser Betrachtung noch nicht weiter. Ich hab auch mal Geocaching betrieben, da sieht man wenn man steht ganz gut, das jede Messung um einen Punkt anders liegt, jedesmal andere Entfernung und andere Richtung. Nach etlichen Minuten hat man eine Punktwolke und kann annehmen, das die reelle Position im dunkelsten Punkt dieser Wolke liegt. Die Größe der Wolke deckt sich mit deinen Angaben. Wie kommt es jetzt, das ich auf gerader Strecke mit dem Limiter etliche Minuten 100 fahren kann, und das GPS-Gerät zeigt die ganze Zeit 99/100 an? Mein Handy sagt im übrigen stabil (aber eben nur einmal pro Sekunde) 95. Du kannst mir nicht erzählen, das dieses 8€-Spielzeug nicht was dazulügt. Ob es absichtlich passiert oder ein nicht beachteter Rechenfehler ist weiß ich nicht. In der Spielstraße oder beim Ausparken kann man auch von 0 mit 1-2-3-4-5 lofahren, es ist also nicht wie der Autotacho "geht erst ab 10 los", aber da ist definitiv ein Bock drin. Das Teil muss filtern, aber es ist immer zu hoch. Matthias S. schrieb: > Heutige Tachos (und > selbst der alte aus meinem E-Auto) gehen recht genau und höchstens mal > 1-2% vor. 10 Jahre alte Toyotas gehen zuverlässig 5% vor. Man kann mit "55" an einem Blitzer vorbeifahren ohne das der auslöst, und man ist mit "50" ein Bremser. "55" passt also in die Realität. Matthias S. schrieb: > Mich stört die Einbaulage der Patchantenne. So guckt die doch durch die > Frontscheibe. Falls du mein Gadget meinst: das tut sogar, wenn es mit dem Display lesbar nach oben auf dem Sitz liegt. Der Empfänger ist also nicht so ganz schlecht. Christian schrieb: > Dort wird die Genauigkeit für die > Geschwindigkeit mit 0.1m/s angegeben Danke, dann war meine Annahme ja so verkehrt nicht. Auf's Dablalesen bin ich nicht gekommen...
Jens M. schrieb: > Was ja eigentlich nicht sein sollte, weil der > Autotacho vorgehen sollte. Autotachos dürfen nicht zu wenig anzeigen. Das ist die sinnvolle Forderung. In die Fehlerrechnung gehen sicherlich der Reifenumfang ein, der sich je nach Luftdruck, Beladung und anderen freigegebenen Reifen ändern kann. Die Geschwindigkeitshinweise am Ortseingang ("Sie fahren 65, LANGSAM!") zeigen nach meiner Beobachtung eher 1...2 km/h zu wenig an. Die sind aber auch nicht rechtsverbindlich. Ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass das Toleranzfeld unter dem tatsächlichen Messwert liegt, damit die Autofahrer nicht sagen "Der lügt ja sowieso, also ignoriere ich den Käse".
Meine Komentare bezogen sich übrigens primär auf dein 8€ Gadget. Ich denke auch dass die bei den Berechnungen da drin irgendwelchen Quatsch gemacht haben und die Teile jetzt verramschen. Bei den Antennen darf man sich nicht durch die Orientierung der Keramik täuschen lassen. Das umgebende Metall hat gleich grossen Einfluss. Die Abstrahlcharakteristik kann durchaus "rückwärts" ihr Maximum haben. Das Gadget ist in diesem Zustand kaum brauchbar. Mechanik und Display scheinen aber eine schöne Bastel-Basis zu sein. Just for fun: Ich würde in der Bastelkiste wühlen und die Innereien umbauen. Anderes GNSS-Modul, LiFePo incl USB-Lademodul und ESP32 oder Atmel Board zur Steuerung.. Finanziell ist das völliger Quatsch, aber das ist hier ja auch ein Bastel-Forum :) U-Blox (andere ebenfalls) hat übrigens eine schöne SW zur GNSS-Satelliten Darstellung. Vielleicht kann das Gadget (+seriell Adapter) ja dazu noch benutzt werden?
GPS modulen erfassen die Geschwindigkeit nicht aus Platz Coordinaten,
aber das wird ueber das "Doppler effect" gemessen (Abweichungen
Frequenzen)! Damit ist diese hohe genauigkeit von 0.1 m/s moglich,
selbst bei diese billige gps modulen. RTK gps ist nicht notwendig.
Google nach GPS Doppler speed.
Vorausgesetz das die Auswertung dan auch die Doppler speed (speed over
ground) in RMC satz verwendet naturlich :
The NMEA 0183 RMC sentence ("Recommended Minimum Navigation
Information") provides essential GPS data, including time, position
(latitude/longitude), speed over ground, and course over ground. It is
crucial for navigation and tracking, formatted as a single,
comma-separated string, often starting with $GPRMC (GPS) or $GNRMC
(GNSS).
Danke für die Infos, dieses Details war mir unbekannt, wieder etwas schlauer gworden :) https://www.onosokki.co.jp/English/hp_e/products/keisoku/automotive/lc8_principle.htm Übrigens, für alle die gerne etwas mehr lesen wollen gibt es von u-blox ein GNSS Kompendium und andere lustige Infos: https://www.u-blox.com/en/tutorials-and-links
Hat schon mal jemand den Tacho mit ein USB Datenkabel an einen Rechner angeschlossen? Wird da ein neues USB Gerät erkannt?
Dieses Spielzeug ist heute mit DHL gekommen, 6 Tage seit Bestellung über Ali, da brauchen manche Inlandssendungen länger. Ich werde es nächste Woche mal ins Auto legen. Michael M. schrieb: > Hat schon mal jemand den Tacho mit ein USB Datenkabel an einen Rechner > angeschlossen? Mit einem Kabel! Michael M. schrieb: > Wird da ein neues USB Gerät erkannt? Das mitgelieferte Kabel hat keine Datenleitungen. Die Mini-USB-Buchse ist im Gehäuse versenkt und der umgebende Ausschnitt so eng, dass viele Stecker zu dick dafür sind. Nun endlich ein passendes Kabel gefunden: Es wird am PC nicht als Gerät erkannt.
Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.











