Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Wie kommt die Schaltspannugn eines MOSFETs zustande


von Elvan M. (juuker)


Lesenswert?

Guten Tag,

hat jemand eine anschauliche Erklärung, wovon die Threshold-Voltage 
eines abhängt?
Konkret kommt meine Frage daher, dass ich auf der Suche nach Logiklevel 
FETs war und das Angebot ist zwar groß, aber es gibt trotzdem genug 
MOSFETs, die bei 3,3V oder 1,8V ungeeignet sind. Woher kommt diese große 
Spanne der Thresholdspannung?
Selbst wenn man nur Silizium FETs betrachtet und andere Halbleiter wie 
GaN, SiC, SiGe außer acht lässt, ist die Spanne sehr gross, auch bei 
vergleichbaren Typen (Gleiche Strombelastbarkeit und Maximalspannung).

Ich habe an der Uni schon IC Design gemacht. Da konnte man sogar 
innerhalb des Chips Transistoren mit verschiedenen Thresholdspannungen 
nutzen. Leider ist da im Layout nur eine Markerlage, die über den 
Transistor gezeichnet wird, die die Threshold-Gruppe definiert. Somit 
ist im Layout kein wirklicher Unterschied zu erkennen.

: Bearbeitet durch User
von Alexander (alecxs)


Lesenswert?

Ich hab für meine Abschlussarbeit mal an einem Ionenstrahlplanter 
Spektralmessungen durchgeführt, das hängt wohl mit dem Grad der 
Verunreinigung und Dotierung zusammen. Ist lange her.

von Andreas M. (amesser)


Lesenswert?

Elvan M. schrieb:
> hat jemand eine anschauliche Erklärung, wovon die Threshold-Voltage
> eines abhängt?

Da stehts drinnen...

https://de.wikipedia.org/wiki/Metall-Oxid-Halbleiter-Feldeffekttransistor#Schwellenspannung

von H. H. (hhinz)


Lesenswert?

Elvan M. schrieb:
> Selbst wenn man nur Silizium FETs betrachtet und andere Halbleiter wie
> GaN, SiC, SiGe außer acht lässt, ist die Spanne sehr gross, auch bei
> vergleichbaren Typen (Gleiche Strombelastbarkeit und Maximalspannung).

Das macht die Dicke des SiO2 am Gate. Je dünner, desto stärker das Feld. 
Aber dünner gibt auch mehr Expemplarstreung und Ausschuss.

von Uwe S. (bullshit-bingo)


Lesenswert?

Elvan M. schrieb:
> hat jemand eine anschauliche Erklärung, wovon die Threshold-Voltage
> eines abhängt?

Von Angebot und Nachfrage?! Manchmal braucht man diesen Fet, manchmal 
jenen. Und die Hersteller bauen das, was gekauft wird. Beileibe nicht 
immer will man Mosfets, die schon ab 1V leitend werden.

Technische Probleme gibt es erst bei z.B. Logiklevel-Fets, die 100V und 
mehr können. Zumindest bei Si-Fets ist das so.

Beitrag #8023819 wurde von einem Moderator gelöscht.
Beitrag #8023822 wurde vom Autor gelöscht.
Beitrag #8023838 wurde vom Autor gelöscht.
von M. N. (bmbl2)


Lesenswert?

Als erstes schauen wir uns an, wovon die Threshold Spannung abhängt. Das 
kann man sich zumindest qualitativ relativ einfach anhand der von 
wikipedia kopierten Gleichungen anschauen:
Quelle [1]

Die Abhängigkeit von der Substratspannung (Bulk) lassen wir mal außen 
vor, da das kein Halbleiterkriterium ist. Ind er Regel hängt das Bulk eh 
auf VDD (PMOS) oder VSS (NMOS) und beim FDSoI transistor gibt es kein 
klassisches Bulk.

1) Der Bruch
Also Oxiddicke durch Oxidpermettivität. Das zeigt die Abhängigkeit der 
Spannung von der Oxiddicke und der Permettivität. Somit ist die 
Gatekapzität bzw. der Kapazitätsbelag indirekt ein Hinweis auf die 
Threshold-Spannung.
Je dünner das Oxid ist, bzw je höher die Permettivität ist, desto 
niedriger wird die Vth.
Da die Oxiddicke der bestimmende Faktor für die Durchbruchsspannung des 
Oxids zum Kanal ist, kann man die nicht beliebig dünn machen. CMOS 
Transistoren im IC sind oft schon bei 1 V erheblich gestresst und bei 2 
V nur noch wenige Sekunden belastbar, bis sie durchschlagen.
Ein Transistor, der 10V am Gate aushält kann somit schwer mit der 
Thresholdspannugn eines FETs in einem Asic mithalten.

Im Automotive Umfeld ist das bespielsweise auch ein Testkriterium im 
Halbleiter Test: High voltage Screening: Der Chip wir in einen 
speziellen Testmodus gebracht, sodss möglichst viele gates, unter Stress 
stehen im Analogteil. CMOS Logik hat eh immer 50% der Gates unter 
Stress. Dann wird die Spannung kurz erhöht. Danach wird bei normaler 
Spannung die Leckage gemessen und geprüft, ob diese zugenommen hat, was 
auf Gatedefekte hinweisen kann.

2) Desweiteren hängt die Threshold Spannung von der Dotierkonzentration 
ab: N_A

Ebenfalls etwas, das man in seinem Halbleiterprozess abwägt zwischen 
Kanalleitfähigkeit, Vth, Durchbruchsspannung, Strombelastbarkeit etc.

3) Einer der Punkte, die die wenigsten kennen: Die Thresholdvoltage 
hängt vom Material des Gates selbst ab. Konkret hängt sie von der 
Austrittsarbeit [2] des Gatematerials bzw dem Unterschied der 
Austrittsarbeiten zwischen Gate und Kanal ab. Das wird durch das 
Oberflächenpotential Phi in der Gleichung beschrieben.
Die Austrittarbeit der Materiallien beeinflusst die Flachbandspannung 
[3], die die Ladungsträgerinfluenz zwischen den Elektroden beeinflusst.

Historisch gesehen hat hier einer der großen Durchbrüche (höhö) der 
Entwicklung stattgefunden. Früher nahm man als Gate bspw. Aluminium. Das 
funktioniert wegen der Materialeigenschaften nur mäßig und führt zu 
hohen Vths. Danach ist man irgendwann zu Polysilizium gegangen. Dieses 
Polykristalline dotierte Silizium bietet bessere Eigenschaften, sodass 
die Thresholdspannugn gesenkt werden konnte.
Polysilizium hat jedoch einen Nachteil: Es hat einen relativ hohen 
Widerstand.
(In der Regel werden Widerstände im Halbleiter durch dotierte 
Polisiliziumstreifen, die identisch wie die Gates sind gebaut).

Da die fmax eines Transistors gerade im Hochfrequenzeinsatz erheblich 
vom Gatewiderstnad abhängt, ist es notwenig den Gatewiderstand zu 
senken, aber trotzdem ein geeignetes Material als Gate zu verwenden, 
sodas die Thresholdspannung gut ist.

Tadaaaa: https://de.wikipedia.org/wiki/High-k%2BMetal-Gate-Technik

Der aktuelle Stand der Technik ist, das Gate aus Polysilizium 
vorzufertigen und dann hohlzuätzen. Dann wird über dem Kanal ein 
spezelles High-K dielektrikum platziert, mit hoher Permettivität 
(niedrige threshold Spannung). Daraufhin wird für die Austrittsarbeit 
ein geegnetes Metall abgeschieden, dass die thresholdspannugn maßgeblich 
beeinflusst. Abgerundet wiurd das ganze durch das Auffüllen mit einem 
extrem gut Leitfähigen Metall, um den Gatewiderstand zu senken.
somit ist heutzutage das Transistorgate allein schon ein Schichtenkuchen 
für sich.

Diese Video zur Formierung eines Fin-Fet Transistors zeigt das ganz gut: 
https://www.youtube.com/watch?v=_9pXQpkrb7E
Das ist eine der besten Veranschaulichungen, die man so offen im Netz 
findet. Zwar ohne Erklärung, aber man sieht, wie zuerst ein Dummy Gate 
formiert wird, dass dann anschließend ausgeätzt wird und mit 
entsprechenden Materialien gefüllt wird.

Elvan M. schrieb:
> Ich habe an der Uni schon IC Design gemacht. Da konnte man sogar
> innerhalb des Chips Transistoren mit verschiedenen Thresholdspannungen
> nutzen. Leider ist da im Layout nur eine Markerlage, die über den
> Transistor gezeichnet wird, die die Threshold-Gruppe definiert. Somit
> ist im Layout kein wirklicher Unterschied zu erkennen.

In der Regel wird die dotierung nicht verändert da prozesstechnisch zu 
schwierig. Es wäre mehrere Läufe im Diffusionsofen etc. notwendig. Für 
gewöhnlich wird die thresholdgruppe der Transistoren durch das 
abscheiden eines anderen Gatematerials bestimmt.

[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Threshold_voltage

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Austrittsarbeit

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Flachbandspannung

von Roland F. (rhf)


Lesenswert?

M. N. schrieb:
> Diese Video zur Formierung eines Fin-Fet Transistors zeigt das ganz gut:
> https://www.youtube.com/watch?v=_9pXQpkrb7E

Was für ein Aufwand!
Da muss man die Prozesstechnologie aber richtig gut im  Griff haben 
damit man Charge für Charge gleiche Ergebnisse erhält.

rhf

von Michael B. (laberkopp)


Lesenswert?

Elvan M. schrieb:
> Woher kommt diese große Spanne der Thresholdspannung

Im wesentlichen (andere Prozessparameter hat man gut im Griff) von der 
Dotierung.

Daher schwankt die UGS(th) für gleichen Drain-Strom um 1:2.

Und mit (th) threshold hat an noch lange keinen leitenden MOSFET, 
unterhalb UGS(th) ist der einfach aus. Dann kommt erst mal der lineare 
Bereich bevor er bei 2 x UGS(th) dann als voll durchgeschaltet gelten 
kann.

Ist halt nicht wie beim Bipolartransistor eine physikalisch definierte 
Bandlücke um 0.7V

Ob diese 1:2 dann von 1V bis 2V oder 2V bis 4V oder 4V bis 8V gelten, 
hangt von den anderen Prozessparametern wie Oxiddicke ab.

Und spannungsfeste MOSFETs wollen dickeres Oxid, daher gibt es kaum 
LogicLevelMOSFETs über 100V und 3.3V MOSFETs über 30V.

Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.