Forum: HF, Funk und Felder Frage zu MPX Broadcast


von Thomas S. (superbubu)


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Hallo an Alle,

Ich habe letztens einen Rohde & Schwarz DMDC05 RDS Decoder bekommen.
Dieser hat einen Eingang der mit MPX gekennzeichnet ist und hat eine
Triax-Buchse. Mit Broadcasting Hardware hatte ich bisher noch nicht
all zu viel zu tun. Habe mich daher im Internet schlau gemacht
(machen wollen) und weiß das diese MPX (MultiPlex) Schnittstellen
dort wohl überall vorkommen.
Allerdings hört es da schon auf. Ich finde irgendwie keine 
Spezifikationen
was dieses MPX überhaupt ist. Keine genauen Angaben vom Impedanzen,
sodass ich nicht 100% weiß ob die Leitung jetzt 50Ohm, 75Ohm oder was
ganz anderes hat. Ich dachte eigentlich das es Broadcast gibt wie Sand
am Meer, aber ich habe es wohl echt nicht verstanden.

Gibt es vielleicht jemanden der da etwas Ahnung hat und mich mal ganz
kurz aufklären kann was dieses MPX wirklich genau ist, und wie ich
mit dieser Schnittstelle arbeiten kann ? Ich habe versucht einen
Adapter von diesem Triax auf irgendwas anderes zu finden. Aber auch
da gibt es fast gar nichts.

Wäre nett wenn mich jemand aufklärt

Liebe Grüße
Thomas

von Wulf D. (holler)


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Zunächst ein Verfahren, um Stereo auf UKW zu ermöglichen. Eingeführt in 
den 60er Jahren:
https://de.wikipedia.org/wiki/Pilotton-Multiplexverfahren

Später erweitert. Analoges Verfahren um Verkehrsfunk-Identifikation und 
Durchsagekennung. Schon wieder abgeschaltet.

Durch RDS ersetzt: https://de.wikipedia.org/wiki/Radio_Data_System

Mach dir mal um Wellenwiderstände des Koaxkabel keine Gedanken, spielt 
sich alles in <100 kHz ab.

von Jobst M. (jobstens-de)


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MPX meint eigentlich das Stereo-Multiplex-Signal bei UKW, welches aus 
dem Monomix, dem 19kHz Pilotton und dem mit 38kHz (=2x19kHz) modulierten 
Stereodifferenzsignal besteht, mit dem sich zusammen mit dem Monomix 
wieder L und R herstellen lassen. Da es sich idR. um das unbearbeitete 
Signal vom FM Demodulator handelt, ist außerdem ARI+RDS mit 57kHz 
(=3x19kHz) darin enthalten.

Das Signal ist bei analogen Monoempfängern häufig direkt am Ausgang 
verfügbar und bei Stereoempfängern vor dem Stereodekoder häufig nur 
intern, selten aber auch über eine extra Buchse verfügbar, welche dann 
auch mit Baseband beschriftet sein kann.

Bei einem analogen Stereoradio kann man das MPX-Signal recht einfach 
herausführen.

Gruß
Jobst

von Wulf D. (holler)


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ARI wurde 2008 abgeschaltet.

Ich glaube eher nicht, dass am Ausgang von UKW Monoempfängern noch 
nennenswerte Anteile vom MPX nutzbar sind, wegen der Deemphase.
Man müsste das Signal davor abgreifen, also direkt hinter dem 
Demodulator.

von Uwe (neuexxer)


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Ganz am Anfang der UKW-Stereo-Zeit gab es einen Stereodemodulator zum
Anschluss an den Tonband-Anschluss der damals gebräuchlichen
Mono-Radios.
Das Signal wurde eingangsseitig mit einer (einstellbaren) Preemphasis
wieder so korrigiert, dass da (wenigstens noch ein bisschen?)
"Stereo" herauskam:
https://www.radiomuseum.org/r/loewe_opta_most_1_47390.html

: Bearbeitet durch User
von Marek N. (db1bmn)


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Also zumindest am Tecsun PL-600 ist das Multiplex-Signal noch eindeutig 
zu erkennen inkl. RDS an der Kopfhörer-Buchse.
Aber ja, durch die Deemphase ist das Differenzsignal schon sichtlich 
verzerrt.

von Christoph db1uq K. (christoph_kessler)


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Das war eine meiner ersten Basteleien, am "Kofferradio" einen MC1310P 
Stereodecoder anzuschließen. Der Deemphase-Kondensator musste raus, dann 
hat das auch funktioniert (mit viel Rauschen).

https://bitsavers.org/components/motorola/_dataBooks/1976_Motorola_Semiconductor_Data_Library_Volume_6_Series_B_Linear_Integrated_Circuits.pdf#page=746

Im Motorola-Datenbuch von 1976

von Wulf D. (holler)


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Christoph db1uq K. schrieb:
> Das war eine meiner ersten Basteleien, am "Kofferradio" einen MC1310P
> Stereodecoder anzuschließen.

Den hab ich bei meinem ersten großen HF Projekt auch benutzt.
Ein Klassenkamerad brachte die Funkschau vom großen Bruder mit: darin 
ein ein UKW-Stereoradio, über drei Hefte verteilt.

Valvo-Tuner FD-1A, Intersil CA3089 und eben der Stereodekoder MC1310P.

Läuft noch :-)

von Sandra (sdr_f169)


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Und andere basteln sich heute (naja, ist auch schon fast 10 Jahre her) 
noch einen Stereo-Dekoder mit einer Elektronenröhre und Filtern von 
Oppermann

https://www.radio-bastler.de/forum/index.php?thread/9640-ein-ungew%C3%B6hnlicher-ukw-stereo-reflex-dekoder/

von Christoph db1uq K. (christoph_kessler)


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Wulf D. schrieb:
> Valvo-Tuner FD-1A, Intersil CA3089 und eben der Stereodekoder MC1310P

Genau die hatte ich auch. War der CA3089 tatsächlich von Intersil? 
National Semiconductor hat ihn als LM3089 angeboten. Den FD1A hatte 
Elektor benutzt, deshalb war der auch lieferbar.
Ob der noch läuft kann ich nicht sagen, der ist irgendwo tief im Keller 
vergraben.

https://www.jogis-roehrenbude.de/UKW-Projekt/FD1A.pdf
Schaltplan u.a. zum Tuner

https://www.mikrocontroller.net/attachment/287102/Valvo_Brief_UKW-Empfaenger_mit_FD1A_300873.pdf
von 1973

: Bearbeitet durch User
von Wulf D. (holler)


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Sandra schrieb:
> Und andere basteln sich heute (naja, ist auch schon fast 10 Jahre her)
> noch einen Stereo-Dekoder mit einer Elektronenröhre und Filtern von
> Oppermann

Tolle Sache: da wäre eine Spice-Simulation eine richtige Herausforderung 
:-)

Werde erst im nächsten Herbst wieder ins (digitale) Radiobasteln 
einsteigen. Möchte den Pico-SDR ums Senden erweitern.

Christoph db1uq K. schrieb:
> Genau die hatte ich auch. War der CA3089 tatsächlich von Intersil?
> National Semiconductor hat ihn als LM3089 angeboten.

Danke für die PDFs. Interessant auch der TDA mit der integrierten 
Heizung für die Abstimmspannungs-Temperatur-Kompensation. Musste bei 
meinem Radio die AFC bemühen, deswegen das A im FD1A.

Hab mal das Holzgehäuse nach über 40 Jahren geöffnet: hab auch einen LM 
von National drin.

von Dergute W. (derguteweka)


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Moin,

Bei mir hatte es damals nur zur eifrigen Lektuere von "Richard Zierl - 
Wir bauen UKW-Empfaenger" gereicht. iirc nahm der auch den CA3089 her, 
aber als Stereodecoder den CA3090AQ (Was man sich alles fuer einen 
Quatsch merken kann).
Ich hatte mir noch ueberlegt, aus TBA120, die ich zum saufuettern damals 
aus alten TVs ausloetete, da was zu machen, aber damals gab es von dem 
TBA120 fuer mich verwirrend viele verschiedene Typen mit verschiedenen 
Beschaltungen (Mein Knowhow ueber den Chip kam zu 80% aus den 
Schaltbildern, die den TVs beilagen, Rest war geraten), Keramikfilter 
gab's so gut wie keine aus dem Sperrmuell und fuer 10.7MHz LC-Filter war 
ich zu ahnungslos, die haben ueblicherweise auch das ausloeten nicht gut 
ueberlebt. Ganz zu schweigen von UKW-Tunern.
Wenigstens weiss ich seit damals, wie das mit dem Stereo-FM funktioniert 
:-)
Den Pilotton koennte ich tatsaechlich prima hoeren, wenn ich mit dem 
Tonband was vom Radio mit 19cm/sec aufgenommen hatte und mit 9.5cm/sec 
abspielte...

Gruss
WK

von Ulrich (Firma: DC3AX) (uprinz)


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Du kannst mal versuchen einen Panasonic VP7637A "Stereo Generator" zu 
bekommen. Das wäre dann das Gegenstück zu deinem Decoder. Ohne RDS würde 
auch ein VP7635 reichen. Der erzeugt den reinen Stereo-Multiplex. Der 
37er kann auch ARI Region-Code (für Verkehrsfunk) und so weiter.
Mit dem 35er habe ich schon legale Radiosendungen gemacht, den 37er habe 
ich danach erst bekommen, sehr hilfreich, wenn man Radios reparieren 
will, die wenigstens etwas moderner sind.

von Soul E. (soul_eye)


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Es gab mal eine Zeit, da musste sich jeder einen R&S CMU200 kaufen. Wenn 
der die Option B41 hat, dann kann er auch Stereo Multiplex. Sowohl als 
Basisband, als auch aufmoduliert.

Zum Tuner abgleichen reicht es, die Signalgüte meines SMT03 ist aber 
besser. Den Unterschied merkt man in der Kanaltrennung.

: Bearbeitet durch User
von Uwe (neuexxer)


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> Du kannst mal versuchen einen Panasonic VP7637A "Stereo Generator"
> zu bekommen.

Lohnt sich das denn noch - wenn unsere Fortschrittsfuzzis UKW
doch am liebsten schon gestern abschalten wollten?
---
Bei meinem UKW-Radio mit MPX-Ausgang (Sony Captain 55) musste ich
einen FM-Demodulator nachrüsten /
weil ich die Abgleichkerne zerbröselt hatte.

Das dann einzustellen ging ganz gut mit einem normalen
UKW-Sendersignal.

von Sandra (sdr_f169)



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Wulf D. schrieb:
> Sandra schrieb:
>> Und andere basteln sich heute (naja, ist auch schon fast 10 Jahre her)
>> noch einen Stereo-Dekoder mit einer Elektronenröhre und Filtern von
>> Oppermann
>
> Tolle Sache: da wäre eine Spice-Simulation eine richtige Herausforderung
> :-)
>

Ich sehe da keine wirkliche Herausforderung. Das MPX-Signal lässt sich 
mit einer einfachen mathematischen Formel beschreiben und die Formel 
einer "behavioral voltage source" zuweisen. Ein Simulations-Modell einer 
EF91 Pentode findet man im Web auch und die Schaltung des MPX-Dekoders 
ist auch schnell eingegeben. Hatte dafür heute etwas Zeit und 
Screenshots der Simulations-Ergebnisse sind angefügt. Sieht alles 
plausibel und soweit auch brauchbar aus. Dass der NF-Pegel nach dem 
Dekoder gegenüber 1kHz schon bei 1,5kHz etwas abfällt liegt an der 
fehlenden Pre-Emphasis des MPX-Signals und der vorhandenen De-Emphasis 
durch die T-Glieder für die NF-Signale nach den Hüllkurven-Detektoren.

von Wulf D. (holler)


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Sandra schrieb:
> Ich sehe da keine wirkliche Herausforderung. Das MPX-Signal lässt sich
> mit einer einfachen mathematischen Formel beschreiben und die Formel
> einer "behavioral voltage source" zuweisen.

Bin absolut begeistert, da hast du wieder einmal eine Klasse Simulation 
gebaut 🤩

Eine Referenz.

Schön auch die einzelnen Teilsignale. Sind also um 30dB Kanaltrennung 
erreichbar, ganz ordentlich für eine Schaltung mit nur einer Röhre.

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