Ich habe letztens einen Rohde & Schwarz DMDC05 RDS Decoder bekommen.
Dieser hat einen Eingang der mit MPX gekennzeichnet ist und hat eine
Triax-Buchse. Mit Broadcasting Hardware hatte ich bisher noch nicht
all zu viel zu tun. Habe mich daher im Internet schlau gemacht
(machen wollen) und weiß das diese MPX (MultiPlex) Schnittstellen
dort wohl überall vorkommen.
Allerdings hört es da schon auf. Ich finde irgendwie keine Spezifikationen
was dieses MPX überhaupt ist. Keine genauen Angaben vom Impedanzen,
sodass ich nicht 100% weiß ob die Leitung jetzt 50Ohm, 75Ohm oder was
ganz anderes hat. Ich dachte eigentlich das es Broadcast gibt wie Sand
am Meer, aber ich habe es wohl echt nicht verstanden.
Gibt es vielleicht jemanden der da etwas Ahnung hat und mich mal ganz
kurz aufklären kann was dieses MPX wirklich genau ist, und wie ich
mit dieser Schnittstelle arbeiten kann ? Ich habe versucht einen
Adapter von diesem Triax auf irgendwas anderes zu finden. Aber auch
da gibt es fast gar nichts.
MPX meint eigentlich das Stereo-Multiplex-Signal bei UKW, welches aus dem Monomix, dem 19kHz Pilotton und dem mit 38kHz (=2x19kHz) modulierten Stereodifferenzsignal besteht, mit dem sich zusammen mit dem Monomix wieder L und R herstellen lassen. Da es sich idR. um das unbearbeitete Signal vom FM Demodulator handelt, ist außerdem ARI+RDS mit 57kHz (=3x19kHz) darin enthalten.
Das Signal ist bei analogen Monoempfängern häufig direkt am Ausgang verfügbar und bei Stereoempfängern vor dem Stereodekoder häufig nur intern, selten aber auch über eine extra Buchse verfügbar, welche dann auch mit Baseband beschriftet sein kann.
Bei einem analogen Stereoradio kann man das MPX-Signal recht einfach herausführen.
Ich glaube eher nicht, dass am Ausgang von UKW Monoempfängern noch nennenswerte Anteile vom MPX nutzbar sind, wegen der Deemphase.
Man müsste das Signal davor abgreifen, also direkt hinter dem Demodulator.
Ganz am Anfang der UKW-Stereo-Zeit gab es einen Stereodemodulator zum
Anschluss an den Tonband-Anschluss der damals gebräuchlichen
Mono-Radios.
Das Signal wurde eingangsseitig mit einer (einstellbaren) Preemphasis
wieder so korrigiert, dass da (wenigstens noch ein bisschen?)
"Stereo" herauskam:
https://www.radiomuseum.org/r/loewe_opta_most_1_47390.html
Also zumindest am Tecsun PL-600 ist das Multiplex-Signal noch eindeutig zu erkennen inkl. RDS an der Kopfhörer-Buchse.
Aber ja, durch die Deemphase ist das Differenzsignal schon sichtlich verzerrt.
Das war eine meiner ersten Basteleien, am "Kofferradio" einen MC1310P Stereodecoder anzuschließen. Der Deemphase-Kondensator musste raus, dann hat das auch funktioniert (mit viel Rauschen).
Das war eine meiner ersten Basteleien, am "Kofferradio" einen MC1310P
Stereodecoder anzuschließen.
Den hab ich bei meinem ersten großen HF Projekt auch benutzt.
Ein Klassenkamerad brachte die Funkschau vom großen Bruder mit: darin ein ein UKW-Stereoradio, über drei Hefte verteilt.
Valvo-Tuner FD-1A, Intersil CA3089 und eben der Stereodekoder MC1310P.
Valvo-Tuner FD-1A, Intersil CA3089 und eben der Stereodekoder MC1310P
Genau die hatte ich auch. War der CA3089 tatsächlich von Intersil? National Semiconductor hat ihn als LM3089 angeboten. Den FD1A hatte Elektor benutzt, deshalb war der auch lieferbar.
Ob der noch läuft kann ich nicht sagen, der ist irgendwo tief im Keller vergraben.
Genau die hatte ich auch. War der CA3089 tatsächlich von Intersil?
National Semiconductor hat ihn als LM3089 angeboten.
Danke für die PDFs. Interessant auch der TDA mit der integrierten Heizung für die Abstimmspannungs-Temperatur-Kompensation. Musste bei meinem Radio die AFC bemühen, deswegen das A im FD1A.
Hab mal das Holzgehäuse nach über 40 Jahren geöffnet: hab auch einen LM von National drin.
Bei mir hatte es damals nur zur eifrigen Lektuere von "Richard Zierl - Wir bauen UKW-Empfaenger" gereicht. iirc nahm der auch den CA3089 her, aber als Stereodecoder den CA3090AQ (Was man sich alles fuer einen Quatsch merken kann).
Ich hatte mir noch ueberlegt, aus TBA120, die ich zum saufuettern damals aus alten TVs ausloetete, da was zu machen, aber damals gab es von dem TBA120 fuer mich verwirrend viele verschiedene Typen mit verschiedenen Beschaltungen (Mein Knowhow ueber den Chip kam zu 80% aus den Schaltbildern, die den TVs beilagen, Rest war geraten), Keramikfilter gab's so gut wie keine aus dem Sperrmuell und fuer 10.7MHz LC-Filter war ich zu ahnungslos, die haben ueblicherweise auch das ausloeten nicht gut ueberlebt. Ganz zu schweigen von UKW-Tunern.
Wenigstens weiss ich seit damals, wie das mit dem Stereo-FM funktioniert :-)
Den Pilotton koennte ich tatsaechlich prima hoeren, wenn ich mit dem Tonband was vom Radio mit 19cm/sec aufgenommen hatte und mit 9.5cm/sec abspielte...
Du kannst mal versuchen einen Panasonic VP7637A "Stereo Generator" zu bekommen. Das wäre dann das Gegenstück zu deinem Decoder. Ohne RDS würde auch ein VP7635 reichen. Der erzeugt den reinen Stereo-Multiplex. Der 37er kann auch ARI Region-Code (für Verkehrsfunk) und so weiter.
Mit dem 35er habe ich schon legale Radiosendungen gemacht, den 37er habe ich danach erst bekommen, sehr hilfreich, wenn man Radios reparieren will, die wenigstens etwas moderner sind.
Es gab mal eine Zeit, da musste sich jeder einen R&S CMU200 kaufen. Wenn der die Option B41 hat, dann kann er auch Stereo Multiplex. Sowohl als Basisband, als auch aufmoduliert.
Zum Tuner abgleichen reicht es, die Signalgüte meines SMT03 ist aber besser. Den Unterschied merkt man in der Kanaltrennung.
Und andere basteln sich heute (naja, ist auch schon fast 10 Jahre her)
noch einen Stereo-Dekoder mit einer Elektronenröhre und Filtern von
Oppermann
Tolle Sache: da wäre eine Spice-Simulation eine richtige Herausforderung
:-)
Ich sehe da keine wirkliche Herausforderung. Das MPX-Signal lässt sich mit einer einfachen mathematischen Formel beschreiben und die Formel einer "behavioral voltage source" zuweisen. Ein Simulations-Modell einer EF91 Pentode findet man im Web auch und die Schaltung des MPX-Dekoders ist auch schnell eingegeben. Hatte dafür heute etwas Zeit und Screenshots der Simulations-Ergebnisse sind angefügt. Sieht alles plausibel und soweit auch brauchbar aus. Dass der NF-Pegel nach dem Dekoder gegenüber 1kHz schon bei 1,5kHz etwas abfällt liegt an der fehlenden Pre-Emphasis des MPX-Signals und der vorhandenen De-Emphasis durch die T-Glieder für die NF-Signale nach den Hüllkurven-Detektoren.
Ich sehe da keine wirkliche Herausforderung. Das MPX-Signal lässt sich
mit einer einfachen mathematischen Formel beschreiben und die Formel
einer "behavioral voltage source" zuweisen.
Bin absolut begeistert, da hast du wieder einmal eine Klasse Simulation gebaut 🤩
Eine Referenz.
Schön auch die einzelnen Teilsignale. Sind also um 30dB Kanaltrennung erreichbar, ganz ordentlich für eine Schaltung mit nur einer Röhre.
Du kannst mal versuchen einen Panasonic VP7637A "Stereo Generator"
zu bekommen.
Lohnt sich das denn noch - wenn unsere Fortschrittsfuzzis UKW
doch am liebsten schon gestern abschalten wollten?
Bei meinem UKW-Radio mit MPX-Ausgang (Sony Captain 55) musste ich
einen FM-Demodulator nachrüsten /
weil ich die Abgleichkerne zerbröselt hatte.
Das dann einzustellen ging ganz gut mit einem normalen
UKW-Sendersignal.
Teilweise gehen diese Generatoren doch für faire Preise über die Theke und dann kann man da schon mal zuschlagen. Sie sind leider nur wenig dokumentiert und erfordern etwas "Fachkenntnis" in der Bedienung.
Ob sich das lohnt, ist eine andere Frage, aber wenn jemand bei mir sein Radio repariert oder getestet haben möchte, dann kann man mit einem solchen Zusatz eben alles testen und nicht nur fast alles.
Aber mit einem SDR Transceiver und GNU-Radio kann man sich diese Signalkette auch rein in Software aufbauen, wenn man dafür keine extra Hardware herumstehen haben mag.