Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Erstinbetriebnahme CRT Monitor - Was ist zu beachten?


von Patrick K. (patka)


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Hallo zusammen,

vorab Entschuldigung, falls sowas hier schon mal diskutiert wurde. Ich 
habe etwas gesucht aber nichts Ähnliches gefunden.

Ich habe einen CRT Monitor, einen Ilyama S902 JT, den ich original 
verpackt und unbenutzt ergattern konnte. Der Monitor liest sich von den 
Specs recht gut und ich wäre froh, wenn ich damit noch ein paar Jahre 
Spaß haben könnte.

Nun bin ich aber verunsichert. Der Monitor ist aus 2001, also aus der 
Zeit der Kondensatorplage und ich hab etwas Sorge, den einfach 
einzuschalten und zu hoffen, dass nichts passiert, da die Elkos ja auch 
bei Nichtnutzung altern. Eine Sichtprüfung hat keine ausgelaufenen oder 
aufgeblusterten Elkos gezeigt. Es scheinen auch durchaus bessere Elkos 
von Nichicon verbaut zu sein.

Die Frage, die ich nun habe ist, wie man da am besten Vorgehen würde. 
Ich bin grundsätzlich kein Freund von großflächigem Tausch von Elkos 
aber ich will auch nicht, dass mir da nach kurzer Betriebsdauer 
irgendeine Elektronik auf Grund von erhöhtem Leckstrom kaputt geht, die 
ich im Zweifelsfall nicht mehr ersetzen kann.

Hier im Forum, wie überall auch, scheint es mehrere Fraktionen zu geben. 
Die einen sagen, alles was älter als 20 Jahre ist sollte getauscht 
werden. Andere tauschen wiederum nur wenn ein offensichtlicher Defekt 
vorliegt. Dann gibt es noch die Option des Formierens nach langem 
Stillstand, auch wenn mir nicht so ganz klar ist, wie ich das sanft bei 
einem solchen Gerät hinbekommen könnte.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass ich schon Elkos aus Technics 
Geräten der 90er ausgebaut habe, die immer noch nahezu volle Kapazität 
hatten. Bei Yamaha Geräten der gleichen Generation musste ich schon mal 
mehrere tauschen auch wenn sie optisch noch in Ordnung waren. Die 
meisten Elkos habe ich bisher bei Mainboards aus den 2000er Jahren 
tauschen müssen, also dem Zeitrahmen aus dem dieser Monitor ist.

Grundsätzlich ist der Monitor sehr strukturiert aufgebaut, es gibt eine 
Platine wo die Elektronik sitzt, schön mit Beschriftung, was wofür 
zuständig ist und dann gibt es noch eine Platine, die für die Steuerung 
der Kathode zuständig ist.

Wie würde denn jemand, der vielleicht mal Radio- und Fernsehtechnik 
gelernt hat, an so etwas ran gehen?

Danke vorab für eure Beiträge!

Viele Grüße,
Patrick
von H. H. (hhinz)


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Ans Netz mit der Kiste!

Die Elkoplage betraf solcherlei Elkos, die dort verbaut sind, nicht.
von Torsten B. (butterbrotstern)


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Ich würde eine 40-60W-Glühlampe zur Strombegrenzung vorschalten.
von Paul B. (paule201)


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https://support.industry.siemens.com/cs/document/109810859/sinamics-g180-formierung-der-zwischenkreiskondensatoren?dti=0&lc=de-DE

Es gibt Empfehlungen für Frequenzumrichter die längere Zeit nicht am 
Netz waren. Die kann man sicher auch für deine Kondensatoren anwenden. 
Gemacht hab ich das allerdings bisher nur bei Geräten über 50KW.

Daher denke ich auch das die Glühbirnen Variante aus dem Vorpost schon 
das höchste der Gefühle ist.
von Michael B. (laberkopp)


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Patrick K. schrieb:
> Ilyama S902 JT

Blöder Tip.

Wenn der Monitor um eine automatische 110/230V Umschaltung verfügt, hast 
du danach Elekonikschrott.

Leider sagt IIjama beim Manual 404.
von Patrick K. (patka)


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Michael B. schrieb:
> Wenn der Monitor um eine automatische 110/230V Umschaltung verfügt, hast
> du danach Elekonikschrott.
>
> Leider sagt IIjama beim Manual 404.

Ich hab das User Manual hier liegen. Das gibt bei der Eingangsspannung 
100-240VAC an. Scheint also als gäbe es dort einen Schaltkreis, der das 
regelt.

Hier kann man das Service Manual runterladen (leider ohne Parts List): 
https://elektrotanya.com/iiyama_vision_master_451_s902jt.pdf/download.html

Laut diesem PDF scheint es aber zumindest Sicherungsmaßnahmen gegen 
Überspannung zu geben:

---
To prevent damage to the monitor, X-ray radiation etc., the POWER FACTOR 
and the MAIN POWER circuits stop in the following cases:
+16V line: The voltage exceeds 23V.
+8.5V line: The voltage exceeds 15V.
+400V line: The voltage exceeds 460V.
Variable B voltage line: The voltage exceeds 200V.
X-ray protection circuit: The voltage exceeds 30kV.
Arc limit circuit: The beam current exceeds 2.9mA
---
von Patrick K. (patka)


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Paul B. schrieb:
> 
https://support.industry.siemens.com/cs/document/109810859/sinamics-g180-formierung-der-zwischenkreiskondensatoren?dti=0&lc=de-DE
>
> Es gibt Empfehlungen für Frequenzumrichter die längere Zeit nicht am
> Netz waren. Die kann man sicher auch für deine Kondensatoren anwenden.
> Gemacht hab ich das allerdings bisher nur bei Geräten über 50KW.
>
> Daher denke ich auch das die Glühbirnen Variante aus dem Vorpost schon
> das höchste der Gefühle ist.

Liest sich interessant aber wüsste ich jetzt auch nicht wie ich das mit 
dem Monitor machen könnte. Da müsste ich vermutlich mit dem 
Labornetzteil die zu erwartenden Spannungen anlegen und dann bräuchte es 
vermutlich auch mehr als eins, um alle Spannungen abzubilden.
von Torsten B. (butterbrotstern)


Angehängte Dateien:

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Habe nur das pdf-Manual für den S902UT (Vision Master 1451) gefunden:
https://iiyama.com/gl_en/products/ls902ut-vision-master-1451
siehe auch im Anhang, dort sind auch 100-240VAC max 130 Watt 
(Weitbereich) angegeben.

Der Hersteller heißt nicht ILYAMA, sondern IIYAMA (iiyama)
https://de.wikipedia.org/wiki/Iiyama_(Unternehmen) benannt nach der 
Stadt
https://de.wikipedia.org/wiki/Iiyama_(Nagano) in der Präfektur Nagano.
: Bearbeitet durch User
von Michael B. (laberkopp)


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Patrick K. schrieb:
> Hier kann man das Service Manual runterladen

Ok, das Ding hat eine PFC Schaltung, also keine Umschaltung wie 
https://www.st.com/resource/en/datasheet/avs12cb.pdf
von H. H. (hhinz)


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Paul B. schrieb:
> Es gibt Empfehlungen für Frequenzumrichter die längere Zeit nicht am
> Netz waren.

Die stammen aus alten Tagen, als Elkos noch andere Elektrolyten hatten. 
Seit gut 30 Jahren werden solche Elkos nicht mehr hergestellt, aber das 
ist für die Ersteller solcher Anleitungen zu unsicher...
von Wolf17 (wolf17)


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Vorab: mein Vorschlag ist nicht durch Literatur belegt, ist also wegen 
moderner Elektrolyte möglicherweise unnötig, ist aber einfach 
durchzuführen.
Das langsame Erhöhen der Versorgungsspannung wie es bei alten 
Röhrengeräten geraten wird, ist bei Geräten mit Schaltnetzteil nicht 
ratsam, weil das dort zu Überstromschäden im Primärteil führen könnte 
und sich die Sekundärspannung nicht genauso langsam erhöht.

Elkos mit abgebauter Formierung haben anfangs einen höheren Leckstrom, 
der sich unter Spannung zwar schnell abbaut, aber theoretisch bei zu 
schnellem Druckaufbau zum Platzen führen könnte. Deshalb rate ich ein 
Gerät zuerst nur unter einer Sekunde einzuschalten und dann eine Minute 
zu warten. Dann etwas länger einschalten und wieder eine Minute warten. 
Und so weiter.
Dadurch verringert sich die Wahrscheinlichkeit eines unmittelbar zum 
Platzen führenden zu starken Druckanstiegs, weil die Formierung mehr 
Zeit hat sich wieder aufzubauen.
: Bearbeitet durch User
von Dieter S. (ds1)


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Aus eigener Erfahrung: Die Inbetriebnahme eines CRT Monitor (19 Zoll, 
monochrom) einer ca. 35 Jahre alten Siemens Workstation war problemlos. 
Der Monitor war eingelagert und mindestens 25 Jahre nicht in Betrieb. 
Sicherheitshalber erfolgte das erste Einschalten an einem 
Trenn-/Stelltrafo, das aber hauptsächlich um zu vermeiden dass eventuell 
die Sicherung der Netzsteckdose auslöst (der Trenn-/Stelltrafo ist 
niedriger abgesichert).
von Soul E. (soul_eye)


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Patrick K. schrieb:
> Liest sich interessant aber wüsste ich jetzt auch nicht wie ich das mit
> dem Monitor machen könnte. Da müsste ich vermutlich mit dem
> Labornetzteil die zu erwartenden Spannungen anlegen und dann bräuchte es
> vermutlich auch mehr als eins, um alle Spannungen abzubilden.

Das ist ein Computermonitor. Die einzige Röhre darin ist die Bildröhre. 
Da braucht nichts formiert zu werden.

Wenn Du mal einen Grundig Zauberspiegel von 1950 restaurierst, dann 
kannst Du Dir über solche Dinge Gedanken machen.
von Εrnst B. (ernst)


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Wenn der Monitor sowieso eine Aktive PFC hat, hilft alles nix was du vor 
dem Netzeingang machst. Egal ob Stelltrafo oder Glühbirne, die Elkos 
nach der PFC kriegen ihre Sollspannung.

Ich würde den einfach anstecken.
von Wollvieh W. (wollvieh)


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Wenn ein Elko kaputtgeht, hätte er sowieso erneuert werden müssen. Und 
alles nach dem Jahr 2000 ist ja modernster Kram.

Ich würde wahrscheinlich trotzdem bei Vollmond unter einer alten Eiche 
die Eingangselkos händisch eine zeitlang mit irgendwas niedrigem 
bestromen. Aber ich habe auch viel historisches Gerät, wo immer wieder 
mal Elkos am Ende sind, vor, während und nach dem Einschalten.

Bei einem Ü40 (Jahre) Frequenzzähler von HP, der sicher viele Jahre 
herumstand, hat es beim "einfach so" Einschalten zuerst die 
Primärsicherung geschmissen. Dann beim nächsten Versuch mit Stelltrafo 
langsam hochgeregelt, und die Sicherung hielt, obwohl der Ersatz sogar 
deutlich schwächer war. Nach einer Stunde war die Sicherung doch wieder 
durch. Ursache war ein dicker Ladeelko auf der Sekundärseite, bei dem 
die Alufolien richtig schön verschweißt waren.

Nun vermute ich natürlich, daß das erste Durchbrennen der Sicherung 
schon von einem Überschlag in diesem Elko ausgelöst wurde. Und hätte 
gerne eine Zeitmaschine, um zu schauen, ob ein Formieren da geholfen 
hätte. Da die Sicherung anfangs intakt war, wurde das Gerät ja voll 
funktionierend beiseitegestellt.
: Bearbeitet durch User
von Patrick K. (patka)


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Vielen Dank zusammen für die Anregungen und Beiträge!

Momentan schwanke ich noch zwischen zwei Optionen:
1. Einfach mal versuchen und nach kurzem Betrieb mir nochmal die Elkos 
anschauen, ob da irgendwas anfängt aufzugehen.
2. Ein oder zwei Elkos mal auslöten und die Kapazität messen. Wenn die 
noch OK ist dann zu Punkt eins übergehen.

Momentan tendiere ich stark zu Punkt 2. Da hab ich außer ein bisschen 
Zeit ja nicht viel zu verlieren.
von Axel R. (axlr)


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Steck den an den Strom und höre auf, hier rumzugestikulieren. Meine 
Herrn.
von Gregor J. (Firma: Jasinski) (gregor_jasinski)


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Patrick K. schrieb:
> Wie würde denn jemand, der vielleicht mal Radio- und Fernsehtechnik
> gelernt hat, an so etwas ran gehen?

Bestimmt nicht so, wie hier im Thread vorgeschlagen wird – es ist aber 
nichts neues auf µC.net oder generell im Netz, dass irgendwelche Leute 
ihre Ahnungslosigkeit und Unwissen laut kundtun. Da Du offensichtlich 
selbst nicht fachkundig bist, was ein geschultes Auge aus Deinen 
Textpassagen sofort entnehmen kann, bleibt Dir wohl nichts anderes 
übrig, als es auf gut Glück zu versuchen. Normalerweise öffnet man das 
Gerät, schaut sich an, ob alles an seinem Platz ist und macht dann an 
den entsprechenden Stellen ein paar Messungen mit einem 
Standard-Multimeter. Elkos sind übrigens bei der Inbetriebnahme von 
neuen, aber überlagerten CRT-Geräten unbekannter Herkunft eigentlich das 
kleinste Problem – sollte einer dennoch bei dem anschließenden längeren 
Testlauf kaputtgehen, wird er ersetzt. Sollte jedoch z.B. der 
Zeilentrafo beschädigt werden, weil jemand z.B. das Gerät aus dem kalten 
Keller oder Garage in die wärmere Wohnräume bringt und sofort 
einschaltet, dann hat man womöglich ein Szenario, bei dem das Ende 
greifbar nah ist, da diese Bauteile mittlerweile schwer oder gar nicht 
mehr beschaffbar sind; Wandlertrafos bekommt man in der Regel auch nicht 
mehr. In den CRT-Monitoren renommierter Hersteller von damals waren 
eigentlich robustere (als in den TV-Geräten) Bauteile, insbesondere 
Zeilentrafos, verbaut worden – insofern besteht Hoffnung, dass das Ding 
noch ewig halten wird und in den nächsten Jahren stattdessen etwas 
anderes nachgibt, wobei mit dem Wort ewig hier 10-20 Jahre gemeint sind. 
Ferner hatten fabrikneue Geräte manchmal auch schon sogenannte 'kalte 
Lötstellen', die dann in den nächsten Jahren zum Ausfall führen, nicht 
selten verkohlt dabei die Leiterplatte so sehr, dass es quasi dadurch 
zum Totalschaden führt – es gilt also, dieses Risiko gleich zu 
unterbinden, ein Laie wird aber solche Stellen gar nicht sehen bzw. 
erkennen oder finden können.
: Bearbeitet durch User
von Christian S. (roehrenvorheizer)


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Torsten B. schrieb:
> Ich würde eine 40-60W-Glühlampe zur Strombegrenzung vorschalten.

Eine solche Strombegrenzung wäre auch mein Vorschlag. Auch wenn der 
Monitor damit nicht anspringt, kitzelt das die Bauteile im 
Eingangsbereich trotzdenm wach.
Dann kann man die Glühlampenleistung in den üblichen Stufen steigern 
75W, 100W, kleinere parallel schalten. Ein passendes Sortiment findet 
sich im gut sortierten Fundus.


mfg
von Axel R. (axlr)


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Ja - dass man den nun nicht aus der kalten Garage direkt im Wohnzimmer 
einschaltet, ist doch klar. Hat man auch bei neuen Geräten dieser Art 
damals nicht machen sollen. Also: an seinen Platz, zwei Stunden warten 
und einschalten. Da passiert nichts. da ist noch nichts "auf kante" 
konstruiert, so wie heute üblich.
von Wolfgang R. (Firma: www.wolfgangrobel.de) (mikemcbike)


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Um eventuelle RIFA Entstörkondensatoren würde ich mir mehr Sorgen 
machen, als um jeden Elko.
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