Forum: HF, Funk und Felder Radiokompass umbau auf Netzbetrieb


von Paul (97paul)



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Ich habe hier vermutlich den Empfänger (BC-433) der Radiokompassanlage 
(SCR-269) die in vielen verschiedenen Flugzeugen der Amerikaner im 2.WK 
eingebaut war.

Schaltplan:
https://aafradio.org/docs/SCR-269_schematic.pdf

SCR 269:
https://www.pool2012.net/make_site/area%20scr269%20radio%20compass/scr269%20radio%20compass.htm

Wenn man sich das Gerät anschaut ist es vermutlich umgebaut worden um es 
mit gewöhnlicher Netzspannung zu betreiben. Man sieht auf den Fotos ein 
nachträglich eingebauten Trafo und Netzstecker (Wehrmacht). Es wurde 
außerdem eine komplette Frontblende angefertigt, um die sonst woanders 
liegenden Bereichsumschalter kompakt in einen Gerät zu haben.

Mir stellt sich nun die Frage ob das vor oder nach dem Krieg passierte. 
Das sieht alles ziemlich ordentlich gemacht aus. Die Zivilbezeichnungen 
der Militärröhren wurden mit ein Elektroschreiber daneben beschriftet.

Gibt es jemanden der mir mehr darüber berichten kann? Wurde sowas früher 
öfter gemacht? Ich konnte bisher leider nichts feststellen.

von Maik .. (basteling)


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Früher wurde das ausgediente Militärmeterial als sogenannter "Surplus" 
vielfach an Bastler und Dabei Anateurfunker verkauft. Ein Beispiel war 
die Firma Helmut Singer in Aachen, da gab es ganze Kataloge mit 
Gebrauchttechnik. Nach den Krieg und nochmal nach der Wende war 
besonders viel, quasi in Massen verfügbar. Wobei Fa. Singer erst seit 
den Achtziger Jahren aktiv war, also sehr viel NATO und Ostblock oder 
auch Schweizer Geräte verkaufte. Dort legten sie sogar Umbauanleitungen 
bei.)

: Bearbeitet durch User
von Thomas W. (datenreisender)


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Maik .. schrieb:
> Früher wurde das ausgediente Militärmeterial als sogenannter "Surplus"
> vielfach an Bastler und Dabei Anateurfunker verkauft. Ein Beispiel war
> die Firma Helmut Singer in Aachen,

Voelkner in Braunschweig, Ernst-Amme-Str auch: Ganze Tische mit gruenen 
Geraeten. Aber im wesentlichen Funk, und das war nicht meine Welt.

von Rolf (rolf22)


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Maik .. schrieb:
> Wobei Fa. Singer erst seit den Achtziger Jahren aktiv war

So spät erst? Ich glaube mich zu erinnern, dass es die schon in den 
1960er Jahren gab. Oder war das jemand anderes?

Nicht-elektrischen Militär-Surplus gibt seit mehr als 100 Jahren bei 
Heinrich Räer, früher Hannover, jetzt Hildesheim.

von Götz R. (darfnurdiefolgendenz)


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Straffe Sache!
Was macht so ein Ding heute, wenn man es einschaltet? Tut sich da 
irgendwas? Piept, zappelt?
Auf jeden Fall lehrreich in Sachen erschütterungsfreie Verdrahtung.

von Paul (97paul)


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Götz R. schrieb:
> Straffe Sache!
> Was macht so ein Ding heute, wenn man es einschaltet? Tut sich da
> irgendwas? Piept, zappelt?
> Auf jeden Fall lehrreich in Sachen erschütterungsfreie Verdrahtung.

Da tut sich nichts mehr. Es fehlt ja auch einiges. Man könnte ihn als 
Langwellen bzw. Mittelwellenempfänger nutzen (200-1750khz).

Ich überlege ihn wieder dementsprechend herzurichten aber das ist schon 
eine Herausforderung.

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Paul schrieb:
> Da tut sich nichts mehr.

Wobei viele NDBs noch in Betrieb sind:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_ungerichteten_Funkfeuer_(NDBs)
Es liegt also am Empfänger und nicht an der Infrastruktur.

von Paul (97paul)


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Matthias S. schrieb:
> Paul schrieb:
>> Da tut sich nichts mehr.
>
> Wobei viele NDBs noch in Betrieb sind:
> https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_ungerichteten_Funkfeuer_(NDBs)
> Es liegt also am Empfänger und nicht an der Infrastruktur.

Auf jeden Fall! Mir fehlen leider fast alle Röhren, ein paar habe ich 
noch. Ich muss mich mal mit den Schaltplänen beschäftigen. Das Gerät war 
sicher das letzte Mal in den 50ern bzw. 60er Jahre in Betrieb.

von Christoph db1uq K. (christoph_kessler)


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Jäger und Sammler...

Ich habe meine alten Singer-Kataloge noch nicht entsorgt:
5100 Aachen
Sonderliste_19, Juni 1986
Sonderliste_18, ohne Datum
Sonderliste_17, Aug. 1985
Sonderliste_16, ohne Datum
Sonderliste_15, Juni 1985
Sonderliste_14, Dez. 1983
Sonderliste_13, Juni 1983
Sonderliste_12, Nov. 1982
Funktechnik --, Juni/Aug 1982

Klinkenberg 27211 Bassum
Postleitzahlen 5-stellig ab 1993
(https://de.wikipedia.org/wiki/Postleitzahl_(Deutschland)
4055 Niederkrüchtern:
Lagerliste_17, ohne Datum
Lagerliste_15, ohne Datum
Lagerliste_14, ohne Datum
Lagerliste_13, ohne Datum
Lagerliste_12, (1983)
Lagerliste_11, ohne Datum
Lagerliste_10, ohne Datum

Willi Ebel 4760 Werl-Mawicke
Surplus-Katalog 05, 1985
Surplus-Katalog 01, 1981

Büscher Flugversand 3549 Wolfhagen-Bründersen
Surplus-Geräte_Militär , ohne Datum
Surplus-Geräte_Militär , ohne Datum

MBMT Messtechnik (Manfred Bohrmann Messtechnik ?)
ohne Datum
https://www.online-handelsregister.de/handelsregisterauszug/ni/Walsrode/HRA/110667/MBMT-MESSTECHNIK-Manfred-Bormann-eK-Inh-Ursula-Bormann
"Löschdatum: 22.04.2014"

: Bearbeitet durch User
von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


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> Wenn man sich das Gerät anschaut ist es vermutlich umgebaut worden um es
> mit gewöhnlicher Netzspannung zu betreiben. Man sieht auf den Fotos ein
> nachträglich eingebauten Trafo und Netzstecker (Wehrmacht).
>
> Mir stellt sich nun die Frage ob das vor oder nach dem Krieg passierte.
> Das sieht alles ziemlich ordentlich gemacht aus.
...
> Gibt es jemanden der mir mehr darüber berichten kann? Wurde sowas früher
> öfter gemacht? Ich konnte bisher leider nichts feststellen.

Ja, das ist doch das Gerät mit dem John und Charles Noble 1945 die 
anglo-amerikanischen Bomber nach Dresden lotsten (siehe 
https://www.john-noble.de/sir_john_noble/noble_legende/)  ...

Scherz beiseite, ich glaube nicht, das noch irgenjemand lebt, der zu 
dieser "Sonderanfertigung" was Belastbares sagen könnte.
Das mit dem "Netzumbau" wäre auch zu hinterfragen, in der Fliegerei hat 
man gern 400 Hz Bordnetz (wegen den kleineren Übertragern) und nach 
Frequenzumrichter sieht mir das nicht aus. Kann aber sein, das die 
Frequenz hier eher unwichtig ist
.
Im Dritten Reich ist das Kampfgeschwader 200 mit ausländischen Modellen 
geflogen, die hatten in Eberswalde-Finow ihre Umrüstwerft. Ansonsten gab 
es aber damals in jeder Stadt eine Elektrowerkstatt, die sowas konnte 
und Flugplätze auch fast soviel wie heute McDonalds Filialen ;-). Ein 
Blick auf die zugehörige Antennentechnik wäre auch hilfreich um die 
letzte Funktion der Gerätschaft erahnen zu können.

Vielleicht kann noch einer aus der Generation Flakhelfer dazu sagen, 
aber die wären heute 100 Jahre alt.

IMHO nur noch als Anschauungsobjekt in Sachen Chassisbauweise nutzbar, 
angesichts des Fehlens jeder Röhre halte ich eine Wiederinstandsetzung 
auch wegen der speziellen Funktion für zweckfrei.

: Bearbeitet durch User
von Paul (97paul)


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Bradward B. schrieb:
> Scherz beiseite, ich glaube nicht, das noch irgenjemand lebt, der zu
> dieser "Sonderanfertigung" was Belastbares sagen könnte.
> Das mit dem "Netzumbau" wäre auch zu hinterfragen, in der Fliegerei hat
> man gern 400 Hz Bordnetz (wegen den kleineren Übertragern) und nach
> Frequenzumrichter sieht mir das nicht aus. Kann aber sein, das die
> Frequenz hier eher unwichtig ist

Das müsste schon so passen. Ich glaube original sitzt da ein kleiner 
Umformer.

Antennentechnik ist leider nichts mehr vorhanden.

Es gibt sogar eine Dienstvorschrift für damals erbeutete Geräte. Die 
nennt sich D50/13 Kennblätter fremden Geräts. Darin konnte ich das Gerät 
leider nicht finden.
Auf jeden Fall könnte ich mir vorstellen das man das genutzt hat um 
Versuche anzustellen, wie man das Signal beeinflussen bzw. stören kann.

von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


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> Auf jeden Fall könnte ich mir vorstellen das man das genutzt hat um
> Versuche anzustellen, wie man das Signal beeinflussen bzw. stören kann.

Hm, mein erster Gedanke war eher, das der Radiokompass (am Boden) 
anzeigte, das ein Bomberstrom grad auf einem Peilstrahl unterwegs war 
und das sich die Bedienmannschaften an der Fliegerabwehr schon mal 
bereit machen können (deshalb der Hinweis auf die Generation Flaghelfer 
(Jahrgang 1926)).
Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Passage im Jugendbuch "Die 
Abenteuer des Werner Holt" (1960) bei der berichtet wird, wie zwei 
Flakhelfer die Infos über die Luftlage abhören und weitergeben.

Es wäre schon gut zu wissen, wie und wo das Gerät Deutschland erreicht 
hat und auf welchen Weg es letzlich zum TO gekommen ist.
Das kann von einem Absturz/Notlandung geborgenes Gerät sein, das sich 
ein Schrotthändler unter den Nagel gerissen hat. Das kann über eine 
zentrale Instandsetzungstelle passiert sein. Oder irgendwie offiziell 
nach dem Krieg. Und ja, auch die Sowjetunion hat im Rahmen von 
Lend&Lease damals offiziell Flugzeug-Equipment bekommen. Berlin Blockade 
und Luftbrücke wäre auch noch so 'ne Idee/Spekulation. 
(https://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rhistorisches_Museum_Flugplatz_Berlin-Gatow)

Im Umfeld des Deutschen Museums in München gibt es einiges KnowHow an 
Weltkriegsfliegern, ich bezweifle aber das die sich mit sowas wie einem 
extrahierten Radio-Kompass ausgehen.

Und vor den Museen hatte mglw. die Luftkriegsschulen zu 
Ausbildungszwecken sowas im Depot 
(https://de.wikipedia.org/wiki/Luftkriegsschule).

Wäre es ein reines Funkgerät, hätte man über einen reiferen Funkamateur 
'ne Chance mehr zu fahren. Mir hatt mal einer erzählt, das deren erste 
KW-Station gerätetechnisch aus einem Weltkriegspanzer stammte. Aber an 
einer Navigationsanlage in einem Flieger wären da lediglich die Röhren 
von Interesse.

Jogis Röhrenbude  wäre vielleicht noch ein Suchstartpunkt. 
(https://www.jogis-roehrenbude.de/)

: Bearbeitet durch User
von Maik .. (basteling)


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Leute, Euch geht da etwas sie Phantasie durch. Am wahrscheinlichsten 
ist, dass das Gerät einige Jahre nach Kriegsende regulär ausgemustert, 
und durch einen Funkamateure als Empfänger modifiziert wurde. Da war es 
üblich, den Einankerumformer oder ein eventuelles Spezialnetzteil gegen 
einen Netztrafo zu tauschen.

von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


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> Leute, Euch geht da etwas sie Phantasie durch. Am wahrscheinlichsten
> ist, dass das Gerät einige Jahre nach Kriegsende regulär ausgemustert,
> und durch einen Funkamateure als Empfänger modifiziert wurde.

Ick wees ja nich, für 'nen Amateurfunker, der erst ab 1949 langsam 
wieder legal funken durfte (vorher mussten sogar Brieftauben abgegeben 
werden), ist das 160m Band nicht sonderlich attraktiv (falls es damals 
überhaupt den Funkamateuren zugeteilt war) und als MW-Empfänger gab es 
noch genug Volksempfänger oder Röhrenradios, die nicht nur kleiner und 
hübscher sind sondern oft auch mit eingebauter Antenne daher kommen.

Aber ohne Kenntnis der Provenienz bleibt nur Spekulation.

von Paul (97paul)


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Bradward B. schrieb:
> Aber ohne Kenntnis der Provenienz bleibt nur Spekulation.

So ist es leider. Habe heute mal beim Museum für Kommunikation in Berlin 
nachgefragt. Deren Experte ist leider nicht im Haus und können auch 
nicht weiterhelfen.

von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


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>> Aber ohne Kenntnis der Provenienz bleibt nur Spekulation.
>
> So ist es leider. Habe heute mal beim Museum für Kommunikation in Berlin
> nachgefragt.

Wenn Berlin, dann wäre für Fluzeugequipment IMHO eher das Museum der 
Luftwaffe in Berlin-Gatow (auf dem Gelände eines ehemaligen britischen 
Flughafens interessant): 
https://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rhistorisches_Museum_Flugplatz_Berlin-Gatow

Oder, ganz eigene Geschichte, da bin ich mal vor Jahrzehnten in ein 
Motoradmuseum in Brandenburg gestolpert, das einen Motor aus einem 
WWII-Bomber ausstellte und  deren Chefin mir erzählte wie sie den privat 
aus einem See (?Glindower See?) bargen und dessen Geschichte 
recherchierten. Das war wohl was Zweiradmuseum in Werder, das 2012 
aufgelöst wurde. Eventuell ist da einiges ins Luftfahrttechnische Museum 
in Rechlin gegangen: 
https://www.luftfahrttechnisches-museum-rechlin.de/aktuelles/details-zu/bergung-b-17-motor-aus-der-mueritz.html 
Das  Museum in Rechlin ist ca 130 km N v. Berlin.

Viel Glück bei der Recherche, Flugsicherungs/Navigationstechnik ist IMHO 
ein recht spannendes Stück Technik/Elektronik-Geschichte.
Aber aus der Zeit sind faktisch keine Zeitzeugen mit diesen speziellen 
Geräteerfahrungen auffind- oder ansprechbar.

PS: auch der erste Analog-rechner/Autopilot ist in dieser Zeit 
entstanden: https://www.analogmuseum.org/library/hamburg_hoelzer.pdf

Aber jetzt schweift es doch ab, auch wenn das Ganze "Mischgerät" hiess 
...

von Karls Q. (karlsquell)


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Infos bekommt man wohl eher in amerikanischen Militaria-Foren. Da gibt 
es gewiss den ein oder anderen, der noch Unterlagen dazu hat

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