Forum: Offtopic Kalte Elektronik im Kryostat


von Stefan P. (form)


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Moin, hat hier jemand Erfahrung mit elektronischen Bauteilen nahe dem 
absoluten Nullpunkt?

Ich soll etwas konstruieren, was in der Vorkammer eines Kryostaten bei 
etwa 2 K laufen soll - habe aber so gut wie keine Erfahrung in dem 
Bereich. Bisher habe ich rausgefunden, das
- normale Dünnschicht Widerstände,
- NP0 Kondensatoren,
- FR4 Leiterplatten und
- normales verbleites Lötzinn
dort keine Probleme haben.

Aber wie sieht es mit aktiven Bauteilen aus?
- Dioden
- Transistoren
- Logik-Gatter
- HF-Switches
- Spulen

Kann da jemand was zu sagen?

Viele Grüße
Stefan
: Verschoben durch Moderator
von Hannes J. (pnuebergang)


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Ist schon ein bisschen älter:

Kernforschungsanlage Jülich, Institut für Festkörperforschung

B. Lengeler, S. Matula, J. Spormann, G. Durcansky: "Das Verhalten von 
Halbleiterbauelementen bei tiefen Temperaturen". November 1973.

https://juser.fz-juelich.de/record/841161/files/J%C3%BCl_1021-FF_Lengeler.pdf
von Thomas W. (datenreisender)


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Wir hatten den Versuchsaufbau auf 6K runtergekuehlt (2K ist schon sehr 
ambitioniert).

Das die ueblichen Halbleiter bei 6K ausserhalb der Spezifikationen 
laufen, ist eine Binse. Ein Problem ist natuerlich dass die Ergebnisse 
Deiner Elektronik (also Deine Messdaten) irgendwie auf Raumtemperatur 
gebracht werden. Daher nimmst Du fuer den Temperaturmessung 
Vier-Punkt-Messung fuer die Diode, moeglichst duenne Leitung (wg. 
Waermeeintrag).

Temperaturmessung hatten wir eine DT-470 von Lakeshore (heute wohl 
DT-670), mit einem gekauften Messgeraet.

Waermeeintrag bei 2 - 4K ist wirklich zu vermeiden und ueberhaupt nicht 
trivial, d.h irgendwelche Gatter die dann auch noch Waerme einbringen 
sind keine gute Idee (Du machst Dir keinen Begriff, wieviel schnell 
fluessiges He in Gas verwandelt und ob Deine Pumpen die entsprechende 
Pumpleistung haben, musst Du pruefen). Willst Du eine Superfluid haben?

Bon Chance
: Bearbeitet durch User
von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


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Viele Materialien neigen zur Versprödung bei tiefer Kälte, bspw Plastik, 
phosphorhaltige Stähle, die sollte man eher meiden. Manchmal findet sich 
in  unter "Storage Condition" im Datenblatt ein Hinweis dazu.

Halbleiter behalten ihren Inhalt/Ladungszustand besser (über 
Minuten/Stunden) also in flüssiges Stickstoff geworfen wird aus einem 
flüchtigen ein nichtflüchtiger Speicher, das nutzen manche Hacker aus 
(Datenremanenz) ;-) flüssiger Stickstoff hat schon mal -196°C.

Hinweise zu Space-electronic helfen hier eher nicht, da setzt man aufs 
Aufheizen im Betrieb, aber das will man bei dir wohl eher vermeiden.

Wahrscheinlich wirste um viel "Klimatests" und Vorratshaltung nicht 
umhin kommen.
von Stefan P. (form)


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Vielen Dank für euer Feedback soweit - Das bringt mich schonmal etwas 
weiter.
Ich hatte gehofft ein paar konkrete Bauteilbezeichnungen für bereits 
erprobte aktive Bauteile zu erhalten, aber da müssen wir wohl selbst 
erstmal testen.
Das ist ja auch nicht so ein alltägliches Themenfeld :-)
von BirnKichler S. (Firma: Papier & Knalltüten Manufaktur) (max707)


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Stefan P. schrieb:
> Vielen Dank für euer Feedback soweit - Das bringt mich schonmal
> etwas
> weiter.
> Ich hatte gehofft ein paar konkrete Bauteilbezeichnungen für bereits
> erprobte aktive Bauteile zu erhalten, aber da müssen wir wohl selbst
> erstmal testen.
> Das ist ja auch nicht so ein alltägliches Themenfeld :-)

Frag mal bei Oxford nach. Die wissen wie es geht.
von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


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> Ich hatte gehofft ein paar konkrete Bauteilbezeichnungen für bereits
> erprobte aktive Bauteile zu erhalten, aber da müssen wir wohl selbst
> erstmal testen.
> Das ist ja auch nicht so ein alltägliches Themenfeld :-)

Ich bin Ende Mai im CERN, da könnt ich mal schauen ob und wie die 
Electronic im kalten Bereich des LHC untergebracht ist, die Magnete sind 
ja bekanntlich auf 1.9K runtergekühlt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Large_Hadron_Collider#Beschleunigerring

Ist aber schon ein paar Jahre alt, die Elektronik dort.

MRT könnte auch ein Stichwort sein, da ist je der Magnet auch auf 
supraleitend gekühlt.
: Bearbeitet durch User
von Thomas W. (datenreisender)


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Stefan P. schrieb:
> Ich hatte gehofft ein paar konkrete Bauteilbezeichnungen für bereits
> erprobte aktive Bauteile zu erhalten, aber da müssen wir wohl selbst
> erstmal testen.
> Das ist ja auch nicht so ein alltägliches Themenfeld :-)

Doch, fuer Leute, die sich damit auskennen: Wir hatten eine Kryo-Gruppe 
die auch gerne Auskunft gab, wir hatten ein richtiges Budget, eine gute 
Werkstatt, die auch Edelstahl verarbeiten kann.

Dann geht das auch. So mal eben schnell geht es nicht.

Welchen Zeitraum, welches Budget, was fuer Infrastruktur hast Du denn? 
Die Jungs und Maedels am CERN sind noch relativ gut ausgestattet (ist 
auch ihr taeglich Brot). Und die sind auch sicherlich 
auskunftfreundlich.

Testen musst Du so oder so, weil es bei 2 - 4K sicherlich noch weitere 
Parameter gibt, die Du verschweigst: Wir hatten noch als Verschaerfung 
UHV (Vakuum), Hochspannung, Magnetfelder und Strahlung.
: Bearbeitet durch User
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