Forum: Offtopic Lochrasterplatte von BBF / Fischertechnik - wer kennt's?


von Marek N. (db1bmn)


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Moinsen,

heute aufm AFU-Flohmarkt in Papenburg gegen Spende an den OV eine 
Lochrasterplatte für Schaltungsaufbau abgegriffen.

Links oben ist ein Logo "BBF", rechts oben der Fischertechnik-Fisch.

Das Board hat die Abmessungen von ca. 24 x 12,5 cm.
Oben und unten sind "Stromschienen", die auf die 4 mm-Buchsen 
angeschlossen sind, aber wohl auch von hinten in einem Baugruppenträger 
kontaktiert werden können.
Das Raster ist etwa 10 mm. Eine 2,54-er Stiftlseite passt theoretisch 
rein, kontakiert aber nur so halbwegs, wenn man die Pins komplett in den 
Kunststoff-Träger einschiebt (oder man braucht längere Pins).

Die Marmorierte Oberfläche scheint auflaminiert oder aufgeklebt zu sein, 
so dass sich das Gebilde nicht mehr zerstörungsfrei öffnen lässt.

Wer kennt das System?
Unter "Lochrasterplatte BBF" finde ich nur Holzplatten für 
Schreinerarbeiten (auch interessant!).
Unter "bbf fischertechnik" bin ich dann bei der ftcommunity gelandet, wo 
es diese Steckplatten mit der marmorierten, grauen Oberfläche und den 4 
mm-Buchsen gibt: 
https://www.ftcommunity.de/bilderpool/basteleien/exoten-seltsame-teile/zeitschaltgerat-bbf-zubehor/gallery-index/
"BBF" soll wohl "Bundesinstut für Bildungsforschung" bedeuten: 
https://www.ftcommunity.de/bilderpool/basteleien/exoten-seltsame-teile/zeitschaltgerat-bbf-zubehor/27597/
Diese großen Steckplatten sollen wohl zur Electronic Box 1000 gehört 
haben: 
https://www.kleinanzeigen.de/s-anzeige/electronic-box-1000-fischertechnik-fischer-/3407037602-168-7690
Aber die Platten mit dem 10-er Raster finde ich einfach nicht.
von Jörg R. (solar77)


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Marek N. schrieb:
> Diese großen Steckplatten sollen wohl zur Electronic Box 1000 gehört
> haben:
> 
https://www.kleinanzeigen.de/s-anzeige/electronic-box-1000-fischertechnik-fischer-/3407037602-168-7690

Aus meiner Ausbildung um 1980 kenne ich ein ähnliches System. Das war 
für die Elektronik und Digitaltechnik Ausbildung. Transistoren, Dioden, 
ICs usw. in Gehäusen so groß wie Zigarettenschachteln..mit 4mm Steckern. 
Die Steckplatten waren ca. DIN A4 groß.
: Bearbeitet durch User
von Wollvieh W. (wollvieh)


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Ich hatte mal so eine Elektronik Box 1000, die war als Ausstellungsstück 
hergerichtet. Koffer aufgeklappt auf Halterung, und beide Hälften mit 
Plexiplatte versehen.

Eine weitere habe ich dann mal in einem Konvolut gekauft, und im Zuge 
dessen auch recherchiert. Es gibt in einigen Bibliotheken Unterlagen 
dazu, und nach einer Weile fand ich auch digitalisierte Anleitungen. Die 
wirkten auf mich allerdings eher langweilig, kein Vergleich mit heutigen 
Breadboard-Versuchen und ihren Bildchen und auch nicht zu den echten 
Fischertechnik Elektronik- und Elektrotechnik-Kästen.

Alles was ich fand und sah, hatte aber immer 4 mm Bananenbuchsen.

Diese "Kreuzinseln" mit 2mm-Buchsen oder dünner habe ich lediglich mal 
in Büchern der 80er gesehen, auf Übersichtsfotos was es für didaktisches 
Material gibt. Ich konnte mir nie vorstellen, was man da für Module oder 
Bauteile einstecken soll und habe in 30 Jahren auch nie welche gesehen, 
nichtmal auf Fotos.

Im universitären Bereich habe ich schon Riesenplatten in blau gesehen, 
und auch die Bauteile dazu. Da ist ein Transistor dann in einem 5cm-Puck 
eingebaut, auch mit 4mm-Steckern. HPS-Systemtechnik heißt die Firma 
dazu.

Das Material der Deckplatten ist Resopal. Da hat man Frühstücksbrettchen 
draus gemacht, aber auch Warnschilder aller Art. Wenn es verwittert, 
bleichen die Farben aus und es wird scheckig. Die Marmorierung der 
Platten hier scheint aber original zu sein. Habe ich so auch noch nie 
gesehen. Vielleicht ist hier mal jemand von einem Linoleumwerk zur 
Resopalfabrik gewechselt. Dort gehört Marmorierung zum Standard.
: Bearbeitet durch User
von Soul E. (soul_eye)


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Resopal ist der bekannteste Hersteller für Hochdrucklaminat. Bei 
Leiterplatten heisst das "FR-3" und ist relativ selten. Papier mit Epoxy 
verpresst.
von Marek N. (db1bmn)


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Moinse,

Dankeschön und ein kleines Update.

In die Löcher passt gut ein 1,6-er Bohrer rein, aber selbst ein 1,0-er 
ist noch zu dick, um von den Federn "gegriffen" zu werden.
Ein üblicher MK2-Widerstand hingegn lässt sich mit seinen 0,6-er 
Beinchen sehr gut bestücken.

Danke auch für den Tipp mit dem Resopal!
von Stefan K. (stk)


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Soul E. schrieb:
> Resopal ist der bekannteste Hersteller für Hochdrucklaminat. Bei
> Leiterplatten heisst das "FR-3" und ist relativ selten. Papier mit Epoxy
> verpresst.

Wird wirklich Epoxidharz für Resopal genutzt? Ist das nicht eher 
Melaminharz oder ein anderer Aminoplast?
von Marek N. (db1bmn)



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P.S.
Diese 4 mm-Stecksysteme gab es schon in den 50-er Jahren für 
Berufsschulen von Phywe und Leybold (und wahrscheinlich auch schon vor 
dem Krieg, wenn ich mich so durch das Auktionshaus klicke). -- Im 
Rundfunkmuseum Bremen ist z.B. damit ein kompletter Mittelwellen-Super 
mit E-Röhren zusammengesteckt.

Irgendwann, vor 18 Jahren habe ich an der Uni auch so eine große 
Stecktafel für einen Analogrechner(?) ausm Schrott gezogen. Ich glaube, 
das waren aber keine normalen 4 mm-Stecker, sondern evtl. sogar 
koaxiale?
Lann man leider auf den beiden einzigen Bildern, die ich gemacht habe 
nicht mehr erkennen.
von Wollvieh W. (wollvieh)


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Marek N. schrieb:

> In die Löcher passt gut ein 1,6-er Bohrer rein, aber selbst ein 1,0-er
> ist noch zu dick, um von den Federn "gegriffen" zu werden.
> Ein üblicher MK2-Widerstand hingegn lässt sich mit seinen 0,6-er
> Beinchen sehr gut bestücken.

Vielleicht war das der Gedankengang damals, die Bauteile direkt 
einzustecken. War (fast) ja alles lang bedrahtet, aber auf das "fast" 
kommts halt an. Transistoren und die meisten Kondensatoren bekommt man 
da nicht rein.

Und mich wunderts halt, daß ich in all den Jahrzehnten niemals nie nicht 
eine fertige Schaltung damit gesehen habe, und auch keine 
Sonderbaugruppen (z.B. für Kinder-Experimentierkästen gibts alle 
möglichen Arten, einen Transistor etc. an das Baukastensystem 
anzupassen, und Fotos davon sind auch tausendfach im Netz zu finden.)

Es gab noch eine andere Kartenart, die hatte ein noch engeres, dünnes 
Raster fast wie heutige Breadboards. Aber mit einem merkwürdigen 
Versatz, in den gar nichts reinpaßte. Ich habe mal ein Foto gesehen und 
eine gefunden, die war zusammen mit anderen merkwürdigen Platten 
entsorgt worden.

Vermutlich hat man das Zeug erfunden, an 10000 Schulen und Universitäten 
verkauft und dann die Herstellung beendet, weil man damit nichts 
anfangen konnte. :)
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