Forum: PC Hard- und Software GPIB to USB Hardcopy Interface in Betrieb nehmen


von Wulf D. (holler)


Lesenswert?

Habe einen ca 20 Jahre alten GPIB-to-USB Hardcopy Converter der Firma 
emsystech wieder entdeckt. Das Gerät hatte damals funktioniert, aber 
Treiber und SW gingen verloren. Die Firma gibts noch, aber keine Spuren 
mehr von diesem Gerät auf deren Präsenz.

Würde gern den Adapter an alten Meßgeräten mit einem Ubuntu-PC wieder in 
Betrieb nehmen.
Der Adapter scheint zu funktionieren, auf den Copy-Knopf am Meßgerät 
blinkt die Data-LED am Adapter.

Im Adapter steckt der FTDI-Chip FT245RL. Mein Rechner antwortet auf
1
sudo dmesg | grep Hardcopy
2
mit
3
[ 1655.459574] usb 3-6.1: Product: GPIB to USB Hardcopy-Interface
und auf
1
sudo lsusb | grep Hardcopy
2
mit
3
Bus 003 Device 021: ID 0403:dc88 Future Technology Devices International, Ltd GPIB to USB Hardcopy-Interface
Keine Hinweise auf eine COM-Port-Zuweisung, mit der ich z.B. die 
vermuteten HPGL 7470 Commands abfangen könnte.
1
ls -l /dev/ttyUSB*
2
crw-rw---- 1 root dialout 188, 0 Jul  5 09:16 /dev/ttyUSB0
3
crw-rw---- 1 root dialout 188, 1 Jul  5 09:16 /dev/ttyUSB1

Hat jemand einen Tipp wie man an die Daten z.B. mittels Python-Script 
ran kommt?
von Dieter S. (ds1)


Lesenswert?

Falls es der "GPIB-Grabber" ist hilft archive.org wie üblich weiter:

https://web.archive.org/web/20080923001502/www.emsystech.com/gpib2.html

Und dann lesen (Zitat):

1
Neben der mitgelieferten GPIB-Grabber Software für Windows kann das Interface mit den folgenden Programmen verwendet werden:
2
3
    KE5FX GPIB-Toolkit (Open Source)
4
    Printcapture (Shareware)
5
    Plottergeist (Kommerziell)
: Bearbeitet durch User
von Wulf D. (holler)


Lesenswert?

Dieter S. schrieb:
> Und dann lesen (Zitat):

Ja Danke, aber das sind alles alte Windows-Sachen. Nicht ganz das was 
ich suchte. Aber klar, zur Not könnte man das versuchen.
von Dieter S. (ds1)


Lesenswert?

Du hast von Suchmaschinen gehört und von WINE?

http://www.ke5fx.com/gpib/faq.htm

"Q. Any tips for running the Toolkit applications under Linux?

A. Some users have reported good results using the WINE compatibility 
layer."
: Bearbeitet durch User
von Wulf D. (holler)


Lesenswert?

Ok, werde mir das morgen Abend genauer ansehen.
Hätte gedacht, dass eine COM-Portzuweisung einfacher wäre.
Gibt ja mittlerweile Python-Libs für HPGL=>SVG Umsetzung.
von Wulf D. (holler)


Lesenswert?

Habe jetzt Printcapture und das GPIB-Toolkit unter Linux Wine und 
Windows 10 ausprobiert. Wirklich schön anzuschauende Tools.

Aber der Adapter versteckt sich unter beiden Betriebssystemen.

Unter Windows lassen sich die FTDI-Treiber nicht installieren. Im 
Gerätemanager sieht man zwar unter unbekannten Geräten den Adapter, aber 
eine Treiberinstallation scheitert mit "keine Treiber für das Gerät 
gefunden".
Damit funktionieren auch keine der Tools.

Unter Linux sind im Prinzip die Treiber vorhanden, aber wie oben schon 
gesagt, es gibt keine Zuweisung auf einen Port.

Ich nehme an, der Hersteller hat die Vendor- oder Product-ID verbogen 
oder ähnliches, vielleicht als Kopierschutz.
von Andreas M. (amesser)


Lesenswert?

Wulf D. schrieb:
> Keine Hinweise auf eine COM-Port-Zuweisung, mit der ich z.B. die
> vermuteten HPGL 7470 Commands abfangen könnte.

Wenn du die dmesg ausgabe vollständig anschaust, dann sollte in der Nähe 
von

> [ 1655.459574] usb 3-6.1: Product: GPIB to USB Hardcopy-Interface

auch die zugehörigen Interfaces im Log auftauchen. Wenn da nix auftaucht 
- was ich stark vermute, weil diese FTDI kein UART ist, sonder ein 
parallel-Interface - dann muss der FTDI direkt angesprochen werden. Es 
könnte z.B. mit

https://pypi.org/project/pylibftdi/

funktionieren, da diese Lib auf der libftdi aufbaut, welche den FT245R 
können sollte.
von Dieter S. (ds1)


Lesenswert?

Und auch hier hilft eine Suchmaschine (die VID/PID müssen vermutlich 
erst ftdi_sio mitgeteilt werden):

https://ftdichip.com/faq/how-do-i-add-a-custom-pid-to-the-ftdi_sio-linux-com-port-driver/

1
# modprobe ftdi-sio
2
# echo 0403 dc88 > /sys/bus/usb-serial/drivers/ftdi_sio/new_id
: Bearbeitet durch User
von Vanye R. (vanye_rijan)


Lesenswert?

Ich kann durchaus verstehen das man Aufwand investiert fuer Dinge die 
man sonst nicht machen koennte. Aber du kannst doch heute relativ 
preiswerte GPIB-USB Adapter bekommen die einfach so unter Linux 
funktionieren. Das kostet dich vielleicht 20-30Euro. Waer es da nicht 
sinnvoller den alten Adapter wegzuwerfen und einfach mal den Gegenwert 
von 2-3 Doener zu investieren?

Ich benutze den hier unter Linux und hab noch nie einen Treiber 
installiert. Geht einfach so.

https://github.com/xyphro/UsbGpib


Vanye
von Harald K. (kirnbichler)


Lesenswert?

Andreas M. schrieb:
> Wenn da nix auftaucht - was ich stark vermute, weil diese FTDI
> kein UART ist, sonder ein parallel-Interface - dann muss der
> FTDI direkt angesprochen werden.

So bizarr es klingt, aber ein ft245 ist, sofern er nicht irgendwie wüst 
umkonfiguriert wird, aus Sicht des Hosts auch 'ne serielle 
Schnittstelle.

Von FTDI gibt es ein Tool namens "ftprog" zum Programmieren des im 
ft245r enthaltenen EEPROMs, da könnte man ein Backup des ist-Standes 
anfertigen, und dann das Ding auf Standardwerte zurücksetzen.
von Wulf D. (holler)


Angehängte Dateien:

Lesenswert?

Danke euch für die zahlreichen Tipps. Da führen sicher mehrere Wege zum 
Ziel.
Der wirtschaftlichse wäre sicher einfach einen aktuellen GPIB-Adapter zu 
kaufen, kenne mich mit Treibern Null aus.

Aber man kann es ja mal probieren. Bin einen Schritt weiter, dank dem 
Vorschlag von Dieter S., den zuerst probiert und der liefert das 
gesuchte Device als neues /dev/ttyUSB2

Wahrscheinlich hätte pylibftdi auch funktioniert, aber mit seriellen 
Interfaces kenne ich mich etwas besser aus.

Mit kleinem Python-Script die Daten aufgefangen. Sehen etwas seltsam 
aus.
Inkscape oder Converter wie hp2xx mögen die nicht. Vielleicht fehlt 
etwas oder im Zeichensatz läuft was schief, da sind auffallend viele 
(ETX) und @-Zeichen.
Anbei ein Beispiel aus einem 80er-Jahre Spektrum-Analyser.
von Wulf D. (holler)


Lesenswert?

Die Plot-Datei sieht ein wenig so aus, als klemmt im im oberen Nibble 
das unterste Bit.
Dann würde aus @D und MHj jeweils PD und MHz werden, was sinnvoller ist.
: Bearbeitet durch User
von Wulf D. (holler)


Angehängte Dateien:

Lesenswert?

War wohl etwas Patina drauf, formal sieht die HPGL-Datei nun ganz gut 
aus.
Nur der Inhalt erschließt sich mir noch nicht, sehe mit hp2xx nur einen 
vertikalen, schmalen Streifen.
von Dieter S. (ds1)


Angehängte Dateien:

Lesenswert?

7470.exe aus dem KE5FX GPIB Toolkit hat damit kein Problem, siehe 
Anhang.
von Andreas M. (amesser)


Lesenswert?

Probiers doch mal damit: https://github.com/VK2BEA/HPGL-Plotter

[edit] Hmm, scheint aber keine Dateien öffnen zu können sondern arbeitet 
direkt auf dem gbip
: Bearbeitet durch User
von Wulf D. (holler)


Lesenswert?

Ja, 7470.exe funktioniert bei mir auch. Über den Umweg pdf kann man 
damit auch andere, gängigere Formate erzeugen.

Ich denke das genügt so.
Andreas HPGL-Plotter sieht auf den ersten Blick auch gut aus, aber der 
will ein GPIB und wer weiß ob der das Datenformat des Anritsu wirklich 
versteht.

Prima, hat dann doch noch geklappt. Vielen Dank an die Unterstützer!

[edit] gerade gesehen, 7074.exe kann auch gif-Export in bester Qualität. 
Und läuft unter wine.
: Bearbeitet durch User
Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.