Forum: HF, Funk und Felder Industrielle Funkstrecken im Stahlbau Erfahrungen?


von Nora (norakompass)


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Hallo ihr Lieben,

ich informiere mich aktuell über industrielle Funklösungen und wollte 
mal nach euren Erfahrungen fragen.

Hat jemand von euch bereits Funklösungen in Produktionshallen oder 
Stahlwerken eingesetzt? Mich interessiert vor allem, wie zuverlässig die 
Verbindung bei vielen Stahlkonstruktionen, beweglichen Anlagen und 
möglichen Störquellen funktioniert. Gab es dabei Probleme oder könnt ihr 
bestimmte Systeme empfehlen?

Ich freue mich auf eure Erfahrungen und Tipps. Danke schon mal!
von Lu (oszi45)


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Kurz: Wer Funk kennt, nimmt Kabel.
Was heute in Deiner Halle noch gut funktioniert, könnte morgen schon 
anders sein. In Maschinenhallen gibt leider auch viele Einschaltimpulse 
und Spannungsabfälle, EMV. Deswegen würde ich zu LWL tendieren wenn 
möglich.
von Rainer W. (rawi)


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Lu schrieb:
> In Maschinenhallen gibt leider auch viele Einschaltimpulse
> und Spannungsabfälle, EMV.

Bei ausreichender EMV ist Funk kein Problem, dafür steht das 'V'.
von Dirk W. (Firma: FEP) (dirkwi)


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Nora schrieb:
> Hallo ihr Lieben,
>
> ich informiere mich aktuell über industrielle Funklösungen und wollte
> mal nach euren Erfahrungen fragen.
>
> Hat jemand von euch bereits Funklösungen in Produktionshallen oder
> Stahlwerken eingesetzt? Mich interessiert vor allem, wie zuverlässig die
> Verbindung bei vielen Stahlkonstruktionen, beweglichen Anlagen und
> möglichen Störquellen funktioniert. Gab es dabei Probleme oder könnt ihr
> bestimmte Systeme empfehlen?
>
> Ich freue mich auf eure Erfahrungen und Tipps. Danke schon mal!


Was willst du denn übertragen? Schaltsignale, Analogwerte, Daten?
Gruss
D.W.
von Michael L. (nanu)


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Lu schrieb:
> Kurz: Wer Funk kennt, nimmt Kabel.

Und wer Dich kennt, kennt einer Trollfütterer.

Muß das sein, daß der wöchentlich unter neuer Identität auftauchende 
KI-Troll ständig auf's neue gefüttert wird.
: Bearbeitet durch User
von Heinz R. (heijz)


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Lu schrieb:
> Kurz: Wer Funk kennt, nimmt Kabel.

Nutzt Du ein Mobiltelefon - besser bekannt als Handy?
von Bernd W. (berndwiebus) Benutzerseite


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Hallo Nora.

Nora schrieb:

> ich informiere mich aktuell über industrielle Funklösungen und wollte
> mal nach euren Erfahrungen fragen.
>
> Hat jemand von euch bereits Funklösungen in Produktionshallen oder
> Stahlwerken eingesetzt?

Für Schmalband FM Sprechfunk würde ich 70cm vor 2m bevorzugen.

70cm hat zwar Nachteile in Bezug auf Streckendämpfung gegenüber 2m, aber 
die fallen in einer Produktionshalle nicht so ins Gewicht weil die 
Entfernungen klein sind. Dafür wird das Signal an irgendwelchen Flächen 
besser als 2m reflektiert und an Kanten gebeugt, so dass Du auf diesem 
Weg die Halle gut "ausleuchtest".

Für breitbandige Anwendungen (Daten) wird aber genau das zum Problem, 
weil das reflektierte, zeitverzögerte Signal das "original" Signal 
stört. Bei schmalbandigen Anwendung ist das nur ein kleines Problem.

Auch ergibt sich aus der Überlagerung des Originalsignals mit 
reflektierten und gebeugten Signalen ein Interferenzmuster. d.H. wenn Du 
Sender oder Empfänger bewegst, schwankt die Signalfeldstärke durch das 
Interferenzmuster u.U. sehr stark. Gelegentlich bis zur fast 
Auslöschung. Aber direkt daneben hast Du dann Stellen, wo es dann 
entsprechend gut funktioniert.
"Diversity" mit mehreren räumlich getrennten Antennen könnte hierbei 
eine Lösung sein.

Die gleiche Antennenbauform hat auf 70cm nur ca. ein Drittel der 
Abmessungen wie für 2m. d.H. Du kannst leichter Antennen mit höherem 
Gewinn einsetzten.

> Mich interessiert vor allem, wie zuverlässig die
> Verbindung bei vielen Stahlkonstruktionen,

Die Stahkonstruktion ist Dein kleinstes Problem, dank Reflexion und 
Beugung.

> beweglichen Anlagen und

Bewegliche Anlagen machen das sich die oben erwähnten Reflexionen und 
Beugungen
ständig ändern, und damit ist auch das Interferenzmuster ständig in 
Bewegung.
Diversity ist hierbei auch eine Lösung.

> möglichen Störquellen funktioniert.

Naja, in einem Elektrostahlwerk neben einem Lichtbogenofen der in einer 
haben Stunde 60t Schrott ein schmilzt hast Du schon eine nette 
breitbandige elektromagnetische Rauschglocke. Aber in der Umgebung 
merkst Du auch, dass der Schlüsselbund in der Tasche vibriert.

Auch sonst....Produktionshallen nicht nur in der Stahlindustrie sind 
voll mit Störquellen aus den Unterschiedlichsten Steuerungen. EMV ist 
eine nette Idee, aber Alterung (oder Bestandsschutz von Altanlagen), 
fehlerhafte Installation oder Wartung oder einfaches Ignorieren machen, 
das trotzdem ein erheblicher Störpegel herrscht.

> Gab es dabei Probleme

Bei Sprechfunk ist der akustische Lärm in den Produktionshallen ein 
nicht zu unterschätzender Störfaktor. Egal wie gut die Funkverbindung 
ist, wenn Du nicht mehr verstehen kannst, was da aus dem Lautsprecher 
kommt, oder Dein Gegenüber nur noch das Rauschen des Lüfters neben Dir 
hört, weil es am Mikrophon lauter als Deine Stimme ist, versagt die 
Kommunikation.

Daher sind unter solchen Bedingungen klassische Handaparate wie bei 
Telephonen von Vorteil. Oder rein textliche Kommunikation.

> oder könnt ihr
> bestimmte Systeme empfehlen?
>
> Ich freue mich auf eure Erfahrungen und Tipps. Danke schon mal!

Ich weiss nicht, ob meine Erfahrungen von vor 50 bis 20 Jahren für Dich 
heute noch hilfreich sind. Ich habe sie kundgetan, Bewerten musst du 
selber.

Nachtrag: In einer Branche die nicht ganz so "schwer" wie die 
Stahlindustrie ist (z.B. Galvanik) fand der "Sprechfunk" per 
DECT-Telepfon statt. Überall waren Zugangspunkte installiert, so dass 
nur in abgelegenen Kriechkellern Funklöcher waren. Das funktionierte 
soweit ganz gut. Vor allem konnte jeder, der einen Zugang zum 
werksinternen Telephonnetz hatte, mich als Instandhalter über die Nummer 
der Werkstatt erreichen. Nachteil: Wenn man jemanden erreichen will, 
muss man dessen Nummer wissen und vorher eintippen. Ein "spontanes 
Rufen" oder eine Runde mit mehreren wie bei Sprechfunk ist nicht so 
einfach.
Und Störquellen z.B. von Stromrichterantrieben waren durchaus ein 
Probem.
Aber man lernte, wovon man sich fernhalten musste.

Die DECT-Telephone waren robust Ausführungen noch von RFT*). Aber deren 
Robustheit war in der Galvanik schon bis zur Grenze ausgenutzt. Bei 
meinem wurde der Akkupack mit einem Kabelbinder fixiert, und nachdem das 
Teil mit der Gummitastatur nach unten in eine Säurepfütze gefallen war, 
hatte die Tastatur keinerlei Beschriftung mehr.

*) Das war aber a) mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall, und b) ganz 
tief im Westen, wo man in 10 Minuten per Fahrrad die Grenze zu den 
Niederlanden erreichen konnte. ;O)

Mit freundlichem Gruß:
Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.dl0dg.de
: Bearbeitet durch User
von Manfred P. (pruckelfred)


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Bernd W. schrieb:
> Dafür wird das Signal an irgendwelchen Flächen
> besser als 2m reflektiert ...
> [..]
> Für breitbandige Anwendungen (Daten) wird aber genau das zum Problem,
> weil das reflektierte, zeitverzögerte Signal das "original" Signal
> stört. Bei schmalbandigen Anwendung ist das nur ein kleines Problem.
> [..]
> In einer Branche die nicht ganz so "schwer" wie die
> Stahlindustrie ist (z.B. Galvanik) fand der "Sprechfunk" per
> DECT-Telepfon statt. Überall waren Zugangspunkte installiert, so dass
> nur in abgelegenen Kriechkellern Funklöcher waren.

In einer Halle, wo man von Wand zu Wand durchgucken kann wie z.B. im 
Turbinensaal eines Kernkraftwerks, hat DECT keine Chance. Ich habe dort 
Tests gemacht, die Reflektionen kommen nur unwesentlich schwächer als 
das Nutzsignal und machen die Decodierung fast unmöglich. Auch mit 
Richtantennen oder sogar gerichtet senkrecht von der Decke herunter, 
gewinnt man dort nichts. In der Etage darunter mit ganz vielen Rohren 
funktioniert DECT sauber, weil sich dort die Reflektionen tot laufen.

Du erwähnst auch das Problem der lauten Umgebung: Es gibt offene Kabinen 
/ Telefon-Hauben mit schalldämpfendem Schaumstoff und Drahtapparat. Die 
haben auch eine gewisse Dämpfung für DECT, sodass man dort auch damit 
halbwegs telefonieren konnte.

Leider darf man als eigene Anlage kein GSM aufbauen, dessen 
Digitalcodierung kann mit Reflektionen umgehen und funktioniert dort.

Bernd W. schrieb:
> Die DECT-Telephone waren robust Ausführungen noch von RFT*)
> [..]
> *) Das war aber a) mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall,
Das wäre etwa 2010 gewesen, da war RFT schon längst abgewickelt und die 
'VEB Funkwerk irgendwas' verkauft oder eingestampft, also glaube ich Dir 
RFT nicht. DECT-Systeme sind mir seit ca. 1996 vertraut, von RFT hätte 
ich gehört.
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