Reparatur von Heizwendel

Gast #488472
Lesenswert?

Hallo!

Habe einen alten Keramikbrennofen zu Hause bei dem nun eine Heizwendel 
(offen zugänglich, Heizdrahtdurchmesser ca. 2mm, Ofentemperatur bis 
1500°C)
abgerissen ist. Habe versucht eine Stahlhülse darüberzuschieben und zu 
verpressen. Funktioniert auch, allerdings nur für ein paar Stunden, dann 
ist der Stahl weichgeglüht und die Verbindung wieder weg.

Hat jemand Ahnung wie man sowas günstig und einfach wieder reparieren 
kann?


Mfg,
Stefan
Gast #488779
Lesenswert?

>Man kann die Enden reinigen und verdrillen (z.B. Flachzange), das ist
>aber nur eine Notlösung.

Ich habe das schon in einem Brennofen gesehen. 1977 hat man die so 
hergestellt: Die Drähte auf einer Länge von ca. 3-4 cm einfach 
verdrillt.
Gast #488833
Lesenswert?

Hallo!

Das mit dem verdrillen ist so eine Sache, der Heizdraht ist mit 2mm 
nicht gerade dünn und sehr empfindlich was biegen und verdrehen angeht. 
Also im kalten Zustand geht gar nichts, da bricht er sofort.
Werd mal versuchen den Draht mit nem Gasbrenner anzuwärmen und dann 
verdrillen.

Ersatzheizwendel gibts für diesen Ofen leider nicht unter einigen 100 €, 
die möchte ich mir sparen.

mfg,
stefan
Gast #488853
Lesenswert?

Kannst du denn den Wendel ausbauen? Dann nimm ihn mit zum Goldschmied, 
wenn dieser einen Brenner hat, der "vernünftig" warm wird.

Behelfsweise: Karosseriebauer, die haben 
WIG-Schutzgas-Elektro-Schweißgeräte.



Auf jeden FAll aber vorher mal am Draht-Kleiderbügel ausprobieren, wie 
stark die Flamme bzw. der Strom sein muß, damit dir da nicht alles 
wegschmort
Gast #493272
Lesenswert?

Hallo.

Arbeitete mal einige Jahre in einer Industrieofenbude, also stellten wir 
auch solche Keramikbrennöfen her.

Das Problem ist, das der Kanthal-Heizdraht nach der ersten 
Temperaturfahrt seine Eigenschaften extrem ändert.

Man erkennt dies schon an seiner Farbe und am Aussehen der Bruchstelle 
(Körnigkeit).
Er ist nun sehr spröde und sollte nicht auf Biegung beansprucht werden. 
Ich denke nicht das dieser jetzt noch elektrisch verdrillbar ist (erst 
recht per Hand).
Auch ist es wohl sicher nicht im elektrischen Sinne, solch ein Flickwerk 
zu betreiben. (Hier fliessen anders als sonst im Elektronikbereich 
ordentliche Ströme,nicht solche Firlefanzströme wie sonst hier im 
Forum@grins)
Verdrillung wird im Herstellungsprozess schon angewendet, jedoch ist 
hier der Heizleiter auch noch bearbeitbar. Meist wird dies im 
Anschlussbereich, dort wo die verschiedenen Stränge miteinander 
verklemmt werden, vorgenommen. dies ermöglicht ein besseres und sicheres 
Verklemmen des Heizleiters, mit entsprechenden Klemmen (hier nutzt man 
Klemmen, welche ja nicht der Temperatur im Ofeninnenraum ausgesetzt sind 
(siehe sicherlich hinter Ofenrückwand)).

Also weiter: Auch schweissen ist eher unwahrscheinlich. Wenn du denn 
jemanden findest, der dies macht ,glaube ich nicht das dies lange hält, 
da das eingebrachte Material die Temperaturen nicht verträgt oder die 
Umgebung der Stelle noch mehr beansprucht wird.

Defekte Heizspiralen sollten allerdings schon schnellstmöglich 
gewechselt werden, da dies ansonsten den Widerstand des Gesamtsystems 
verändert. Die Folge ist ein anderer Stromfluss. Entweder nehmen andere 
Komponenten dadurch Schaden oder der Heizprozess wird verlangsamt.( Man 
fährt ja auch nicht auf drei Rädern weiter, wenn man nen Platten hat :-) 
)

Wir haben (als ich noch dort arbeitete) oft solcherlei Reparaturen 
duchgeführt - auch von Konkurrenzunternehmen.
Am besten man fragt mal nach und lässt sich ein Kostenvoranschlag 
erstellen. Natürlich werden dann  Angaben zu Abmessungen und sonstige 
zugehörige Unterlagen (Strom, Spannung, Schaltungsart...) benötigt.
Am besten das Originalofenschaltbild und die defekte Spirale mit 
einschicken.

Zu beachten ist,das das Gebiet des Industrieofenbaus komplizierter und 
tiefgründiger ist, als man es sich im ersten Moment denkt. Es spielen 
sehr viele Faktoren mit rein.

Vielleicht schreibste mal von welcher Firma der Ofen ist, würde mich mal 
interessieren. Vielleicht ist er ja sogar aus meiner "EX-Firma" und ich 
kann dir so oder so noch weiter helfen.


Mit freundlichem Gruß
#7871874
Lesenswert?

Altes Thema aber jetzt kommt es bei mir auf: Bei einem ca. 30 Jahre alten Keramikofen werden nun nach und nach die Heizelemente defekt. Bereits das zweite getauscht. Kostenpunkt 240€ pro Element. Der Ofen hat 6 Stück insgesamt.

Wurde eine Lösung gefunden?

Ich spiele gerade mit der Idee den nächsten Defekt zunächst mechanisch zu flicken, also Edelstahl M5 Gewindestange durch die Heizwendeln stecken, dann mit Beilage/Mutter/Kontermutter die gebrochene Stelle überbrücken. Vorher gründlich mit der Drahtbürste reinigen.

Sollte das missglücken werd ich versuchen ein Stück Kanthal-Draht als Überbrückung per WIG zu verschweißen.

Ich werde jedenfalls meine Erfahrungen hier teilen, kann aber dauern bis die nächste den Geist aufgibt (hoffentlich nicht so bald).

#7872680
Lesenswert?

Alfred P. schrieb:

Kostenpunkt 240€ pro Element

Es lohnt nicht, wegen einiger Phantasiepreisvorstellungen der Händler auf Pfusch als Lösung zu setzen.

Eine Heizwendel kostet wenige Euros

https://www.ebay.de/itm/286183184180

diese hier aus Kanthal A1, eventuell ist anderes Material erforderlich.

Ob Drahtdurchmesser und Länge so genau passen ist nicht wichtig, man kann die Spirale ziehen und der Durchmesser hat vor allem was mit der Lebensdauer zu tun.

Nur sollte halt die Leistung ungefähr passen, verkürzen verringert NICHT die Leistung.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren