IAR hat eine in mancher Hinsicht reichlich bescheidene IDE. Zumindest
die aktuelle Variante für MSP430 schreibt einem vor, daß man NIE mehrere
Quelltextfenster gleichzeitig sehen darf, sondern immer nur eines. Das
mag für Leute mit niedrigstauflösenden Bildschirmen ja brauchbar sein,
aber ich habe bereits Mitte der 90er nicht mehr so gearbeitet.
Da mir eine Crossworks-Lizenz zur Verfügung gestellt wurde, habe ich
mich daraufhin dieser IDE zugewandt, zumal dieses System den Betrieb mit
verschiedenen Jtag-Adaptern zulässt, ohne daß irgendwelche Dateien von
Hand ausgetauscht werden müssten (das ist die vorgesehene
"Installationsprozedur", um den Olimex-USB-Jtag-Tiny mit IAR zum Laufen
zu bekommen).
Crossworks erlaubt das Umschalten vom sog. "Workbook"-Mode in eine
Variante mit mehreren Fenstern. Das Handling dieser Fenster in der IDE
ist allerdings auch etwas ungepflegt; wird ein neues Fenster geöffnet,
ist dieses prinzipiell winzig - auch, wenn ein bereits bestehendes
Projekt geöffnet wird. Der "Grabber" an der unteren rechten Fensterecke
fehlt, man muss die Maus schon sehr genau positionieren, um den
Diagonal-Cursor an den Fensterecken zu erhalten. Da die
Fensterpositionen und -Größen nicht abgespeichert werden, ist das schon
etwas ärgerlich.
(CW 1.4 für msp430)
Auch ist die Tastenzuordnung im Editor nicht bearbeitbar; ich bin aus
historischen Gründen Ctrl-Y zum Löschen einer Zeile gewohnt ... das kann
ich CW nicht beibiegen.
Die IDE ist außerdem nicht sehr schnell. Ich habe einige Zeit damit auf
einem 500 MHz-PIII-System gearbeitet, das ist bereits grenzwertig träge.
Auf aktuelleren Systemen fällt das natürlich nicht ins Gewicht.
Diese Kritikpunkte betreffen jedoch nur die IDE und die darin
integrierten Editoren - niemand wird daran gehindert, stattdessen mit
seinem bevorzugten Editor (vi?) zu arbeiten und die IDE nur zum
Übersetzen und Debuggen zu gebrauchen.
Beide, IAR Embedded Workbench und Crossworks sind aber "out-of-the-box"
nutzbare Produkte. Man muss nur ein Programmpaket installieren (sofern
man nicht die Kombination IAR/Olimex-USB-Jtag verwendet) und kann
loslegen, ohne sich um irgendwelche zusätzlichen Abhängigkeiten
irgendwelcher Systembibliotheken etc. kümmern zu müssen.
IAR gibt es in einer codegrößenbeschränkten Version kostenlos (die
msp430-Variante lädt man sich am besten bei TI herunter, da diese ohne
Eingabe von Seriennummern & "Aktivierung" funktioniert, ganz im
Gegenteil zur sonst funktionsgleichen Variante vom IAR-Server).
Mit 4 kByte Code kommt man auf einem msp430 schon recht weit, sofern man
auf floating-point-Arithmetik verzichtet.
Crossworks gibt es für Privatpersonen für nichtkommerziellen Gebrauch
für etwa 150 USD, die Version unterscheidet sich abgesehen von der
Lizenz nicht von der kommerziell nutzbaren für knapp 1000 USD.