Hallo zusammen,
ich bin auf der Suche nach einem Buch, in dem der Leitfaden der
Platinenentwicklung enthalten ist.
Also ich möchte das nicht mit einem bestimmten Programm realisieren,
sondern einfach ein gutes Grundlagenwissen über die Platinenentwicklung
aufbauen. Mit anderen Worten, was muss man bei HF oder bei NF beachten,
was gibts für Erfahrungen, was sollte man vermeiden, was sollte man auf
jeden Fall machen, usw...
Ich konnte leider kein Buch in der Art finden, vielleicht kennt jemand
von euch ein Buch über dieses Thema.
Vielen Dank schon mal!
Softwerker schrieb:> Platinenentwicklung
Zum ersten heißt das fachlich korrekt nicht Platine, sondern
Leiterplatte und die wird nicht entwickelt sondern designd.
Entwickelt werden für gewöhnlich Baugruppen, wo die Leiterplatte
Träger der Schaltung ist. Wenn du das begriffen hast, wirst
du auch das eine oder andere Buch finden, aber ein allumfassendes
Werk ist mir da noch nicht unter gekommen.
Die Leiterplattenhersteller bieten oft Lehrgänge an. Die
Einsteigerseminare finde ich nicht sonderlich prickelnd, da jeder den
Auto-Router bedienen kann. Die Spezialvorträge dagegen sind eher etwas,
bspw. Leiterbahnen für hohe Leistung, Leiterführung empfindlicher
Signale (Clock, Daten, Messung) oder HF-Signalführung.
Ansonsten hängt es immer vom Projekt ab. Manche Bauteile sind bzgl. des
Layouts tolerant/ leicht und GND sowie Taktleitungen simpel. Andere
fordern mehr und wieder andere größte Erfahrung.
Praxistipp: Schaltung entwerfen und hier im Forum mit angelegter
Schutzkleidung Kritik einfordern.
Softwerker schrieb:> Also ich möchte das nicht mit einem bestimmten Programm realisieren
Ohne mit einem geeigneten Programm praktisch zu arbeiten wirst du
absolut garnichts lernen. Auch die angebotenen Seminare sind nur
sinnvoll, wenn man da am Bildschirm mitarbeitet (das ist auch
normalerweise so). Theoretische Vorträge über das Verlegen von
Leiterbahnen nützen so gut wie garnichts, ebensowenig das reine Lesen
von Büchern (das ist auch der Grund, warum es darüber so wenig zu lesen
gibt).
Georg
Henning schrieb:> Ist zwar kein Buch, aber schonmal 2 schöne Artikel zum Thema Quarz und> Schaltregler.
Ich denke mal, dass der TO soweit gar nicht ist, schon gar nicht
was die Schaltregler anbetrifft.
Ansonsten sind deine beiden Referenzen nicht schlecht.
(der Autor kommt mir irgendwie bekannt vor ;-)
Georg schrieb:
> Softwerker schrieb:>> Also ich möchte das nicht mit einem bestimmten Programm realisieren>> Ohne mit einem geeigneten Programm praktisch zu arbeiten wirst du> absolut garnichts lernen.
Kann man so nicht sagen. Ob man Vias abdecken soll oder im Pad anlegen
darf, wie die Pad-Größe von der Bauteilhöhe abhängt, wieviel Platz um
die Bauteile und am Rand bleiben sollte, was passiert, wenn nur auf
einer Seite Kupfer ist, die Organisation der Bibliotheken... Mir
scheint, die meisten interessanten Dinge sind vom Programm unabhängig.
eagle user schrieb:> Mir> scheint, die meisten interessanten Dinge sind vom Programm unabhängig.
Meine Rede seit 45. Was ich gesagt habe ist, Leiterplatten-Layout kann
man nicht nur aus Büchern lernen, ohne praktisches Arbeiten. Natürlich
hast du recht, dass es, mit kleinen Einschränkungen, egal ist, mit
welchem Programm man praktisch arbeitet. Auch wenn die ständigen
Glaubenskriege anscheinend dagegen sprechen.
Ich glaube auch nicht, dass man weit damit kommt sich Bücher über das
Radfahren reinzuziehen. Das reicht vielleicht für die Uni, aber nicht
für die Strasse.
Ordner schrieb:> Google nach black Magic PCB liefert das
Gutes Buch, liegt bei mir als Nachschlagewerk bereit, aber ich fürchte
vom Thema High Speed Design ist der TO noch Lichtjahre entfernt. Als
Einführung für Anfänger kann man das beim besten Willen nicht bezeichnen
(ich bin mir auch ziemlich sicher, dass Johnson und Graham das nicht
vorhatten).
Georg
Hallo eagle user.
eagle user schrieb:>> Ohne mit einem geeigneten Programm praktisch zu arbeiten wirst du>> absolut garnichts lernen.>> Kann man so nicht sagen.
Richtig. Vieles ist einfach Theorie. Die kann man gut aus Büchern
lernen. Allerdings bleibt es besser im Gedächnis, wenn man es auch
praktisch umsetzt. Insofern ist der Tipp, es mal praktisch mit
irgendeinem geigneten Programm zu üben, auch nicht falsch.
Es könnte auch die geistige Flexibilität fördern, es mal mit zwei
verschiedenen Programmen zu probieren. Weil unterschiedliche Programme
mit unterschiedlichen Philosophien das gleiche Problem aus verschiedenen
Blickwinkeln sehen......Fördert Einsicht und Lerneffekt.
Allerdings passiert es wohl Anfängern wirklich leicht, sich dabei zu
verzetteln....die Idee, mit zwei verschiedenen Programmen zu arbeiten,
ist also eher auf Leute aus dem hardcore Nerd Miljö zugeschnitten. ;O)
> Ob man Vias abdecken soll oder im Pad anlegen> darf, wie die Pad-Größe von der Bauteilhöhe abhängt, wieviel Platz um> die Bauteile und am Rand bleiben sollte, was passiert, wenn nur auf> einer Seite Kupfer ist, die Organisation der Bibliotheken... Mir> scheint, die meisten interessanten Dinge sind vom Programm unabhängig.
Richtig!
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de
Georg schrieb:> Ich glaube auch nicht, dass man weit damit kommt sich Bücher über das> Radfahren reinzuziehen.
Nicht alles, was hinkt ist ein Vergleich...
Bernd W. schrieb:> Es könnte auch die geistige Flexibilität fördern, es mal mit zwei> verschiedenen Programmen zu probieren.
Ich würde da mit solchen Vorschlägen vorsichtig sein,
sowas kann hier sehr schnell als Missionierung verstanden werden ;-)
Oder noch viel schlimmer man bezichtigt dich der Bigotterie :-(
Ulrich B. schrieb:> Für den Anfang ganz brauchbar ist das PCB Design Tutorial von David L.> Jones. Kann man hier herunterladen:>> http://alternatezone.com/electronics/pcbdesign.htm
Das Tutorial ist zu empfehlen, hab das sogar mal auf Deutsch irgendwo
gefunden. Auch ganz gut sind die Videos von EEVblog, da nimmt genau
dieser Dave alles mögliche auseinander und erklärt warum Schaltungen
gut/schlecht designt sind. Anschauen lohnt ;)
Wenns um hohe Leistungen oder hohe Frequenzen (>100MHz) geht, würd ich
den Rat eines Profis empfehlen, zB Funkamateur. Wird dann aber auch
schnell speziell mit EMV, impedanzkontrollierten Leitungen und so
weiter. Da sind Bücher dann seeeeehr ausladend und oft seeeehr
theoretisch (rechenlastig)...
Ansonsten gelten die Regeln:
- Erst schnelle Signale routen, dann die langsamen.
- Selber ein Projekt realisieren hilft besonders beim Einstieg.
- Ein Programm muss man einstellen können und man muss wissen warum man
es so einstellt.
--> Am besten Buch lesen, dann mal mit Kicad/Eagle ein eigenes Projekt
machen und jemandem zur Kontrolle geben.
Hallo Graf.
il Conte schrieb:>> Es könnte auch die geistige Flexibilität fördern, es mal mit zwei>> verschiedenen Programmen zu probieren.>> Ich würde da mit solchen Vorschlägen vorsichtig sein,> sowas kann hier sehr schnell als Missionierung verstanden werden ;-)
In zwei verschiedene Richtungen? Damit könnte ich leben. ;O)
> Oder noch viel schlimmer man bezichtigt dich der Bigotterie :-(
Ich würde eher sagen, es ist Polyamorie. ;O)
Das erste Layout Programm, mit dem ich zu tun hatte, war PCB, das jetzt
Bestandteil von gEDA ist. Eine alte Jugendliebe sozusagen. ;O)
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de
Softwerker schrieb:> Mit anderen Worten, was muss man bei HF oder bei NF beachten,> was gibts für Erfahrungen, was sollte man vermeiden, was sollte man auf> jeden Fall machen, usw...
Ganz einfach: Selber machen, andere gute Leiterplatten mal angucken, ein
Gefühl für's Layout kriegen. Kurzum, Erfahrungen machen. Es hilft dabei
gar sehr, wenn man bereits vorher ein gutes Verständnis für Schaltungen
hat. Es hilft auch sehr, wenn man selbst sein eigenes Machwerk aufbaut
und in Betrieb nimmt, darin oszillografiert und sieht, was man da
angerichtet hat.
W.S.
W.S. schrieb:> Ganz einfach: Selber machen, andere gute Leiterplatten mal angucken, ein> Gefühl für's Layout kriegen. Kurzum, Erfahrungen machen. Es hilft dabei> gar sehr, wenn man bereits vorher ein gutes Verständnis für Schaltungen> hat. Es hilft auch sehr, wenn man selbst sein eigenes Machwerk aufbaut> und in Betrieb nimmt, darin oszillografiert und sieht, was man da> angerichtet hat.
Mal ein richtig guter Beitrag von dir - so kennt man dich gar nicht.
(keine Ironie - ehrlich gemeint) Lob muss halt auch mal sein ;-)
Georg schrieb:> Ordner schrieb:>> Google nach black Magic PCB liefert das>> Gutes Buch, liegt bei mir als Nachschlagewerk bereit, aber ich fürchte> vom Thema High Speed Design ist der TO noch Lichtjahre entfernt. Als> Einführung für Anfänger kann man das beim besten Willen nicht bezeichnen> (ich bin mir auch ziemlich sicher, dass Johnson und Graham das nicht> vorhatten).
Ja das ist halt starker Tobak und mancher Uni-Absolvent muss wirklich
bei seinem ersten Job auf diesem Niveau einsteigen, weil er als Student
keine handwerklicher Erfahrung erworben hat und die "alten Hasen" nicht
mehr an der Front stehen.
Ich hätt auch gern auf einen einfacheren text verwiesen, habs aber nicht
schnell gefunden. Da gabs mal gute Fachzeitschriftartikel zur
PCB-Fertigung muss ich mal aus meinem HD-Archiv graben.
Georg schrieb:> Ich glaube auch nicht, dass man weit damit kommt sich Bücher über das> Radfahren reinzuziehen. Das reicht vielleicht für die Uni, aber nicht> für die Strasse.
Ja ganz meiner Meinung In sofern ist die Frage nach einem Leitfaden
ziemlich blauäugig gestellt. Spannender sind die Ideen, wie man aus
seinen ersten (vermurksten) Designs lernt, in dem man sie dennoch
Spielen kriegt.
(mit Nachfädeln, Kurzschlüss auf inneren Lagen mit guter
Ständerbohrmaschine auftrennen, reworkfreundliches design, ...) und wie
man dem Murks richtig vermisst (Richtiger Tastkopf mit kurzer Masse,
Layout messfreundlich designen, ...). Halt wie beim Radfahren - auf die
Knieschoner fallen und wieder aufstehen. Ohne Knieschoner geht's halt
auch, ist aber schmerzhafter.
Viele solcher "Dos und Donts" Regeln sind einfach nur Mist und bringen
nichts bzw. sind sogar oft kontraproduktiv.
Ich würde eher versuchen ein Gefühl für die Physik dahinter zu bekommen.
Dazu gibt es einige sehr gute Bücher, zum Beispiel "Signal and Power
Integrity - Simplified" von Eric Bogatin.