Datum: 25.06.2008 13:16
ich steh gerade vor der Aufgabe einen PI-Regler in OP Schaltung zu dimensionieren (invertierend mit RC in der Rückkopplung) Nun habe ich mal gehört dass eine OP Verstärkerschaltung keine Verstärkung kleiner 1 haben darf wegen Instabilität. Frage1: warum wird so eine schaltung instabil ? Frage2: Ich habe aber mehrere PI OP-Schaltungen gesehen mit Verstärkung (d.h. Proportionalanteil) << 1. Macht diese Schaltungsvariante eine Ausnahme ? Wenn ja, warum ? Gruß Stephan
Datum: 25.06.2008 19:41
Instabil wird ein Verstärker dann, wenn die Gegenkopplung auf Grund einer Phasenverschiebung zur Mitkopplung wird. Hohe Frequenzen führen zu einer größeren Phasenverschiebung als niedrige, und eine niedrige Verstärkung erfordert eine stärkere Gegenkopplung (höhere Schleifenverstärkung) als eine hohe. Bedingt durch ihre hohe Leerlaufverstärkung neigen Operationsverstärker somit bei niedriger Gesamtverstärkung zu Schwingungen auf hohen Frequenzen. Man löst das Problem durch die Frequenzkompensation, bei der einfach die Leerlaufverstärkung und damit die Schleifenverstärkung für höhere Frequenzen reduziert wird. Damit wirkt sich bei kritischen Frequenzen zur Mitkopplung mutierende Gegenkopplung nur noch schwach aus. Die Frequenzkompensation erfolgt durch einen Tiefpass im OPV, dessen Zeitkonstante bei vielen Typen mittels eines externen Kondensators eingestellt werden kann. So kann man wählen zwischen niedriger Mindestverstärkung und niedriger Grenzfrequenz oder hoher Mindestverstärkung und hoher Grenzfrequenz. Bei anderen OPVs ist die Zeitkonstante der Frequenzkompensation fest eingestellt, damit hat auch die Mindestverstärkung einen festen Wert. Der LM324 ist bspw. (auf Kosten der Grenzfrequenz) auf eine Mindestverstärkung von 1 eingestellt. Es gibt aber auch OPVs, deren feste Mindestverstärkung bspw. bei 10 liegt. Die sind dann zwar schneller, aber man kann bspw. keinen Spannungfolger damit realisieren. Einen OPV auf eine Mindestverstärkung kleiner 1 einzustellen, ist sinnlos, weil diese besser mit einem Spannungsteiler realisiert. Brauchst du für deinen Regler eine per Poti einstellbare Verstärkung, die zwischen einem Wert <1 und einem Wert >1 variiert, kombinierst du am besten einen Spannungsteiler mit einem OPV, so dass dieser immer eine Verstärkung >=1 hat.
Datum: 25.06.2008 20:00
>Nun habe ich mal gehört dass eine OP Verstärkerschaltung keine >Verstärkung kleiner 1 haben darf wegen Instabilität. Habe ich vor ganz langer Zeit auch mal irgendwo gelesen. Stimmt so aber nicht. Ein OP, der für Verstärkung 1 stabil ist, ist als invertierender Verstärker auch für Verstärkungen stabil, die betragsmäßig kleiner eins sind. (Es gibt auch OPs, die nur für große Verstärkungen stabil sind.) Die Leute in den Newsgroups de.sci.electronics oder sci.electronics.design könnten Dir das sicher besser erklären. @Einen OPV auf eine Mindestverstärkung kleiner 1 einzustellen, ist @sinnlos, Nicht immer. Ein einfacher Spannungsteiler ist vielleicht zu hochohmig, macht nicht die notwendige Invertierung...
Datum: 25.06.2008 21:05
Hm...ein invertierender Verstärker hat auch bei Verstärkungen < 1 den Vorteil, dass der Ausgang sich wie eine Spannungsquelle verhält (Ri -> 0). Das ist grade für Messverstärker interssant um Messbereiche anzupassen.
Datum: 26.06.2008 00:54
> Ein OP, der für Verstärkung 1 stabil ist, ist als invertierender > Verstärker auch für Verstärkungen stabil, die betragsmäßig kleiner > eins sind. Stimmt, da habe ich mich oben vertan :) Ein vollständig kompensierter OPV ist so ausgelegt, dass der Rückkopplungsfaktor kR maximal 1 sein darf. Für kR=1 ergibt sich beim nichtinvertierenden Verstärker eine Verstärkung von 1, aber - und da lag mein Denkfehler - beim invertierenden Verstärker eine Verstärkung von 0. Die Verstärkung -1 erreicht man hingegen schon mit kR=0,5, was noch ein Stück weit weg von 1 ist. Damit sind bei einem vollständig kompensierten OPV tatsächlich alle Verstärkungen von 0 bis zur negativen Leerlaufverstärkung des OPVs möglich. Des Weiteren hat auch bei Teilkompensation der invertierende Verstärker eine um 1 kleinere betragsmäßige Mindestverstärkung als der nichtinvertierende. Und da nun Verstärkungen <1 möglich sind, sollte man sie natürlich dort, wo sie benötigt werden, auch nutzen ;-) Danke für die Hinweise.
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