www.mikrocontroller.net

Forum: Ausbildung, Studium & Beruf Vortrag bei Assessment-Center

Autor: Stephan G. (Gast)
Datum: 20.01.2010 22:19

Ich bin zu einem Assessment-Center eingeladen, bei dem wohl u.a. ein
Vortrag zu halten ist. Themen können z.B. sein:
- Gentechnik pro/contra
- Kernenergie pro/contra
- blablabla pro/contra

Wie sollte so ein Vortrag aussehen ?

Möglichkeit 1:
Erläutern von ca. 3 pro-Argumenten, anschließend vorstellen von 3
contra-Argumenten, abschließend Fazit mit begründeter Stellungnahme zu
pro oder contra

Möglichkeit 2:
von vornherein deutlich machen, daß man z.B. pro vertritt, Argument 1
für pro erläutern und klarmachen warum zugehöriges Contra-Argument nicht
zutrifft, das ganze für Argument 2, Argument 3 usw. fortführen.
Abschließend Zusammenfassung mit Fazit und Stellungnahme

Zuerst favorisierte ich Möglichkeit 1, aber bei näherer Betrachtung
erscheint mir die reine Aufzählung der pro- und contra-Argumente etwas
mau. Bei Möglichkeit 2 hingegen bin ich mir nicht sicher, ob es so gut
ist, von Anfang an eine eindeutige (voreingenommene?) Linie zu fahren.
(diese ganzen pro/contra-Themen sind so umstritten, daß die reine
sachliche Gegenüberstellung von Argumenten zu keinem eindeutigen Fazit
führen wird. Sowas kenne ich als Ingenieur gar nicht, in der Studien-
und Diplomarbeit konnte/mußte ich genau begründen, warum wann welcher
Schritt unternommen wurde und wie dieser zur Zielerreichung führte).
Autor: Dr. Wolfram Draht (Gast)
Datum: 20.01.2010 22:25

Ich war einmal in einem Assessment-Center. Ich hatte schon einen
Arbeitsvertrag unterschrieben und habe aus purer Neugier mitgemacht. Von
zehn Leuten wurden fünf ausgewählt. Ich wollte nicht und man wollte auch
mich nicht; laut Stellenanzeige haben die einen Entwickler gesucht, aber
im Assessment-Center ging's plötzlich ums verkaufen. Was ich seltsam
finde, ist, welche Leute man eingestellt hat. Da war eine Dame, von der
jeder gesagt hat: Die ist toll, die ist kompetent. Die wurde nicht
genommen, sodass es mich fast schmeichelt, von denen kein Angebot
bekommen zu haben. Übrigens war es bei der Firma ein kompliment, wenn
man "homogen" war. Gute Nacht.

Die Firma zahlt trotz der 5000 MA weltweit eher mau.
Autor: R. Freitag (rfr)
Datum: 20.01.2010 22:26

Was die Leute in einer solchen Veranstaltung testen wollen, ist, wie du
dich in Auseinandersetzung verhälst. Es gilt hier generell: du musst
einen gescheiten Standpunkt finden und diesen vertreten, und massgebend
für deinen Erfolg ist hier die Art und Weise, wie du mit Sprache
umgehst.

Du willst überzeugen, also diskutiere mit der ersten Strategie und
sammle durch überlegte Wortwahl, eine gescheite Argumentationslinie und
den Verzicht auf Gestammel und überlange Sätze Punkte.

Merke: In der freien Rede ist es sehr ungeschickt, Sätze mit mehr als 15
Worten zu verwenden. Ausserdem müssen die Sätze vollständig und von den
Bezügen her richtig aufgebaut sein.

Vermeide Formeln und Fremdworte.

Gruss

Robert
Autor: MaWin (Gast)
Datum: 21.01.2010 00:07

Trfft für den Vortrag nicht, aber die Spielchen:

Immer auf Teamwork machen, alle einbeziehen und auch
für den Schwächsten Aufgaben finden.

Selbst wenn der Laden der übelste Schinder ist,
in dem LowPerformer abgemahnt und rausgeworfen werden,
selbst wenn die Firmenpolitik lautet, wer nicht
aufsteigt fliegt raus,
sehen es Assesmentcenter gern, wenn man beim Team
nicht einfach den hinderlich Langsamsten stehen lässt.

Sie wollen also schon, daß man lügt, wenn die Wahrheit
dem Image der Firma schaden würde.
Autor: frage (Gast)
Datum: 21.01.2010 00:19

> Ich bin zu einem Assessment-Center eingeladen, bei dem wohl u.a. ein
> Vortrag zu halten ist.

Darf ich fragen, warum Du dir diesen Bullshit antust? Findest keinen
vernünftigen Arbeitgeber?
Autor: Stephan G. (Gast)
Datum: 21.01.2010 14:46

Ich bin zwar ebenfalls kein Freund von Assessment-Center, aber mit der
Einstellung werde ich nicht weiterkommen...
Hat noch jemand ernsthafte Ratschläge ?
Autor: Dicker Brocken (Gast)
Datum: 21.01.2010 16:46

frage schrieb:
> Darf ich fragen, warum Du dir diesen Bullshit antust? Findest keinen
> vernünftigen Arbeitgeber?

Das liegt wohl am Fachkräftemangel. ;)
Jedes größere (Dax)-Unternehmen macht Assessment-Center-Spielchen auch
bei Ingenieuren. Die Flut an möglichen Kandidaten ist auch nach sehr
harten Filternkriterien bei den Bewerbungsunterlagen immer noch so groß,
dass man mit Vorstellungsgeprächen alleine beim Feinfiltern zeitlich
nicht zurecht kommt.
Und wer stellt heute noch ein? Richtig, hauptsächlich nur noch die
"Großen" während der Mittelstand nur noch finanziell vor sich hin kotzt
- Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
Autor: Klaus2 (Gast)
Datum: 21.01.2010 16:56

Es zählt der Gesamteindruck, nicht der eine Vortrag. Und wer sich
vorbereiten MUSS, fällt da hoffentlich eh durch - zumindest wenn es um
einen wirklich guten Arbeitsplatz geht. Locker hingehen,  charmant &
intelligent auftreten, fertig. 2 Tage AC -> Top Job - BTDT.

Klaus.
Autor: Dr. Wolfram Draht (Gast)
Datum: 21.01.2010 19:16

Klaus2 schrieb:
> 2 Tage AC -> Top Job

Vergiss es. Diese Implikation gibt es nicht. Bei der Firma, in der ich
zum Assessinationcenter eingeladen war, hat dann am Ende Leute mit
Gehältern unter(!) 30000 Euro eingestellt.
Autor: Mark Brandis (markbrandis)
Datum: 21.01.2010 19:35

Dr. Wolfram Draht schrieb:
> Vergiss es. Diese Implikation gibt es nicht. Bei der Firma, in der ich
> zum Assessinationcenter eingeladen war, hat dann am Ende Leute mit
> Gehältern unter(!) 30000 Euro eingestellt.

Und dafür macht man sich die ganze Mühe mit dem Assessment Center? Das
durchzuführen kostet die Firma ja auch Geld...
Autor: ...... (Gast)
Datum: 21.01.2010 20:14

andere Kostenstelle ....
Autor: staman (Gast)
Datum: 21.01.2010 22:25

Solche Kindergartenspiele gabs doch schon mal in den 90er Jahren. War
schon damals was für angehende Staubsaugervertreter (heute sagt man
Vertriebsingenieur dazu). Zweck war, die auszusortieren, die von
irgendwas eine Ahnung haben, weil man denen nicht so leicht eine
Gehirnwäsche verpassen kann.
Also bleib einfach zuhause, wenn du Ingenieur bist.
Autor: Mark Brandis (markbrandis)
Datum: 22.01.2010 00:41

...... schrieb:
> andere Kostenstelle ....

...gleiche Firma.
Autor: Gastino G. (gastino)
Datum: 22.01.2010 00:54

Mark Brandis schrieb:
> ...... schrieb:
>> andere Kostenstelle ....
>
> ...gleiche Firma.

"Linke Tasche - rechte Tasche"-Spielchen sind in großen Firmen sehr
beliebt. Davon leben viele "Sparprogramme" in Firmen zu einem guten
Teil.

Zu solchen Assessment-Center-Kindergarten-Spinnereien würde ich völlig
unvorbereitet gehen, wenn ich mir so was überhaupt antun würde. Wenn es
nicht klappt, wäre die Bude vermutlich sowieso nicht die beste Wahl
gewesen...
Autor: Mark Brandis (markbrandis)
Datum: 22.01.2010 08:54

Gastino G. schrieb:
> "Linke Tasche - rechte Tasche"-Spielchen sind in großen Firmen sehr
> beliebt. Davon leben viele "Sparprogramme" in Firmen zu einem guten
> Teil.

Und der hauptamtliche Gesamtcontroller der Firma sagt bei sowas nicht
"Stoppt den Unsinn"? ;-)
Autor: egberto (Gast)
Datum: 22.01.2010 09:11

Der sitzt dann schon so weit oben, das er nur noch Strategische Dinge im
Auge hat.....

Bei uns haben sie auf diese Tour den Umstieg zu SAP "billig gerechnet" -
scheint noch keiner gemerkt zu haben, wie teuer der Scheiß in der
Unterhaltung ist.
Autor: Chris D. (Gast)
Datum: 22.01.2010 11:02

Hehe, kenn ich :-)

"Soll es Ihr Unternehmen voranbringen oder darf es von SAP sein?

Chris D.
Autor: _Patrick_ (Gast)
Datum: 22.01.2010 16:29

Als klienes Drehbuch für eine kurze Rede wurde mir mal folgendes
beigebracht:


* Beginnen Sie mit einem einleitenden Satz, nennen Sie das Thema.

* Nennen Sie dann zuerst die Pro-Argumente (Was gibt es Positives zum
Thema zu sagen?).

* Nennen Sie danach die Kontra- Argumente (Negatives).

* Bewerten Sie die Argumente in Ihrem Sinne (Welche Argumente überwiegen
– Pro oder Kontra?).

* Formulieren Sie schließlich das Ergebnis (Was ist Ihre Botschaft?).


Besonders den letzten Punkt solltest du nicht weg lassen!
Autor: MaWin (Gast)
Datum: 22.01.2010 16:40

> Und der hauptamtliche Gesamtcontroller der Firma sagt bei sowas nicht
"Stoppt den Unsinn"? ;-)

Im Gegenteil, solche Umbuchungen gehen auf seine Kappe.

Da werden Zeitarbeiter eingestellt, weil deren Kosten nicht auf die
Kostenstelle "Lohn" gehen, es darf dann ruhig doppelt so teuer sein,

da werden Pensionsverpflichtungen in Subfirmen ausgelagert, und man
wundert sich dann warum die Firma kein Eigenkapital mehr hat sondern das
teuer bei den Banken leihen muss,

all die tollen Umbuchungen, zu denen uns die neoliberalen Schweinehälse
anhalten wollen, bringen keinen cent ein, aber an den geschummelten
Ergebnissen wollen sie sich mit Boni beteiligen.

Was meinst du, warum die Wirtschaft so ruiniert ist?
Autor: oszi40 (Gast)
Datum: 22.01.2010 17:01

@MaWin: Du hast den Unterschied zwischen Eigentümer und Manager schön
beleuchtet. Der Eigentümer muß mit seiner Firma überleben.

Der Sinn eines AC ist: Leute aussuchen. Ob die Methoden dazu geeignet
sind, sollte sich der Veranstalter fragen.

Als Teilnehmer sollte man den Spaß mitmachen und wissen, daß manche
Fragen mit Absicht schwer gemacht werden, um eine Auswahl zu
ermöglichen.
Autor: Dr. Wolfram Draht (Gast)
Datum: 22.01.2010 19:11

MaWin schrieb:
> all die tollen Umbuchungen, zu denen uns die neoliberalen Schweinehälse
> anhalten wollen, bringen keinen cent ein, aber an den geschummelten
> Ergebnissen wollen sie sich mit Boni beteiligen.

Unsinn! Was hat denn der Neoliberlismus, eine volkswirtschaftliche
Lehre, mit solchem innterbetrieblichen Unsinn zu tun? Nichts. Im
Gegenteil: Es ist Teil der neoliberalen Staatskritik, dass dieser
Umbuchungstricks anwendet. Und Großkonzerne funktionieren fast wie der
Staat.
Autor: Stephan G. (Gast)
Datum: 24.01.2010 19:50

Besten Dank, besonders an Patrick.
Autor: uaah! (Gast)
Datum: 29.01.2010 09:18

Ich war auch mal bei einem AC. Der Personaler, der da uns prüfte, meinte
vor dem AC zu uns wir sollten alles vergessen was wir im studium uns
angeignet hätten, speziell die Höhere Mathematik sollten wir vergessen.
Er war der Meinung, dass die Mathematik der 7.Klasse (Grundrechenarten,
Prozentrechnung) vollkommend ausreichend für das Beruflseben währe.
Autor: Arne (Gast)
Datum: 29.01.2010 11:30

uaah! schrieb:
> Der Personaler, (...)
> Er war der Meinung, dass die Mathematik der 7.Klasse (Grundrechenarten,
> Prozentrechnung) vollkommend ausreichend für das Beruflseben währe.

In seinem Job schon. Der mathematische Tellerrand ist da ja nicht so
fern.

Antwort schreiben

Die Angabe einer Email-Adresse ist freiwillig. Wenn Sie automatisch per Email über Antworten auf Ihren Beitrag informiert werden möchten, melden Sie sich bitte an.

Wichtige Regeln - erst lesen, dann posten!

  • Groß- und Kleinschreibung verwenden
  • Längeren Sourcecode nicht im Text einfügen, sondern als Dateianhang

Formatierung (mehr Informationen...)

  • [c]C-Code[/c]
  • [avrasm]AVR-Assembler-Code[/avrasm]
  • [code]Code in anderen Sprachen, ASCII-Zeichnungen[/code]
  • [math]Formel in LaTeX-Syntax[/math]
  • [[Titel]] - Link zu Artikel




Bitte das JPG-Format nur für Fotos und Scans verwenden!
Zeichungen und Screenshots im PNG- oder GIF-Format hochladen.
Siehe Bildformate

Mit dem Abschicken erkennst du die Nutzungsbedingungen an.

webmaster@mikrocontroller.netImpressumNutzungsbedingungenWerbung auf Mikrocontroller.net