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Forum: Platinen Verträglichkeit von Kolophonium


Autor: Henrik K. (henrik)
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Hallo alle zusammen,

für sehr feine Lötarbeiten nehme ich gerne in Spiritus aufgelöstes
Kolophonium zur Hilfe.
Nun habe ich gehört, dass dieses angeblich säurefreie Flussmittel doch
nicht so schonend für Leiterbahnen sein soll. Meine älteste, damit
gelötete Schaltung ist ca. 1 1/2 Jahre alt; daran ist (noch) nicht viel
zu erkennen. Ich weiss, dass das Zeug auch in normalem Zinn drin ist,
aber nicht in den Mengen, wie ich es einsetze. Hat jemand schon länger
damit Erfahrung? Ist kein schöner Gedanke, das nach vielleicht 2 Jahren
die Schaltung wegen durchgefaulter Leiterbahnen ausfällt.

Gruss Henrik

Autor: Jens (Gast)
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Naja, heute sind z. B. Fernsehgeräte im Einsatz, die mindestens 30 Jahre
alt sind. Schau dir mal die Leiterplatten an, außer das das Zinn etwas
matt geworden ist, ist da nichts dran. So schnell fault da nichts durch
:) Eher noch gehen die ungeschützten Kupferleiterbahnen hinüber, weil
sie durchkorrodiert sind.

Autor: Daniel Duckwitz (Gast)
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Wie wärs wenn Du deine Schaltung nach dem Löten reinigst? Gibt ja ne
gute Auswahl an speziellen Reinigern zu kaufen, evtl. gibts aber auch
was preisgünstigeres (Spiritus wäre ja nicht ganz abwegig).

Ansonsten gibts auch NoClean Flussmittel, die garantiert unschädlich
sind und nicht entfernt werden müssen. Allerdings hab ich die in
kleinen Mengen noch nicht zu vernünftigen Preisen gefunden.

Autor: Netbandit (Gast)
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Ich glaube Kolophonium kannst du in der Hobbyelektronik ohne bedenken in
großen Mengen verbrauchen ;)
Ich z.b. bestreiche meine geätzen Platinen komplett damit, wodurch sich
diese auch nach mehreren Monaten noch gut löten lassen und sie glänzen
leicht, was einfach gut aussieht...
Erfahrungen über Jahre hinweg habe ich aber mit dieser Strategie
nicht.
Wenn ich allerdings eine Platine haben möchte die nahezu unendlich
hält, dann würde ich diese nicht selbst herstellen sondern bei einem
Platinenhersteller machen lassen, dann ist man auf der sicheren Seite.

Autor: Henrik K. (henrik)
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@Daniel: wenn ich die Platinen nach dem Löten in Spiritus bade, spüle
ich auch den Schutzlack unter den ICs weg. Da kann ich dann keinen
neuen mehr auftragen.

@Jens: Durchfaulen geht sehr schnell, wenn die "richtigen" Stoffe im
Spiel sind. Soetwas ist mir bei einem Elektro-(Modell)Segler passiert.
Dort hatte ich ein flexibles Kabel von ca. 4mm² (der Motor zieht
kurzzeitig fast 35A!) vom Regler zum Motor. Nach 2 Jahren gab es damit
Probleme. Grund war, dass die Motorkabel durchgefault waren, weil das
Kabel beim Anlöten agressive Stoffe freigesetzt hat, die das Kupfer
angriffen. Das Problem besteht nicht mehr, seit ich die Kabel komplett
ersetzt habe.

Darum die Frage, ob Kolophonium auch diese Eigenschaft hat.

@Netbandit:
Sie muss nicht ewig halten, aber 8-10 Jahre wäre schon erstrebenswert.

Danke euch,

Gruss Henrik

Autor: Netbandit (Gast)
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@Henrik

Also 8 bis 10 Jahre sollten Kolophoniumlötstellen schon halten,
immerhin  kenne ich aus der Unterhaltungselektronik sehr viele Geräte
die älter sind und auch mit viel Kolophonium gelötet wurden.
Allerdings hängt das sicherlich von den äußeren Umständen ab:
Luftfeuchtigkeit, Strom, Leiterbahndicke etc.

Also ich lege dafür dann meine Hand nicht ins Feuer und ich würde die
Platine dann nicht komplett ins Kolophonium tränken...

Autor: Wolfgang (Gast)
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Ich löte mit in Spiritus gelöstem Kolophonium als Flussmittel über 30
Jahre und an den Leiterplatten ist kein Schaden zu erkennen.

MfG
Wolfgang

Autor: Tobias Schneider (tobias)
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Hallo,
weis jemand wie das mit anderen FLussmitteln aussieht, die man ja offt
bei smd Teilen benuzt?

Inbesondere dieser Fluxi Stift, den man bei Reichelt bekommt
interessiert mich da :)

Gruss Tobias

Autor: Axel R. (axelr) Flattr this
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Nabend,
ich war im Urlaub und habe meinen kleinen Pinsel im Flussmittel stehen
lassen und vergessen, den Deckel zu schliessen. Abgesehen davon, das
das Lösungsmittel fast vollständigt verdunstet war, hatte sich von
meinem Pinsel die Metallhalterung (da wo die Haare drinnstecken)
KOMPLETT zersetzt. Es handelte sich um "LÖTTINKTUR 21" aus DDR
Zeiten. Hier scheint Vorsicht geboten zu sein.
Bei normalem Lokofonium und Spiritus passiert aber nichts. Das hängt,
glaube ich gelesen zu haben, mit der Salizylsäure(?) zusammen, die den
den älteren, agressiveren Löttinkturen s.o. beigesetzt war.

Ich bürste aber die Platine nach dem Löten mit einem "gestutzten"
Pinsel mit viel Spiritus, damit es etwas freundlicher aussieht. Bei
dieser Gelegenheit ist das Kolophonium auch gleich mit runter.

Gruß
AxelR.

Autor: Thomas (Gast)
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Ich kenn die Löttinktur nicht, aber es gibt auch Flußmittel für
"mechanische" Lötvorgänge, also z.B. für Kupfer- oder Messingfittings
zu löten. Das Zeug ist ziemlich aggresiv und für Elektronik absolut
ungeeignet. Kolophonium mit Spiritus wird i.a. sehr selten zu Problemen
führen. Es macht aber schon Sinn die handgelötete Leiterplatten zu
reinigen.
Gruß THomas

Autor: Hannes Lux (hannes)
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Ich benutze über 30 Jahre Kolophonium in Brennspiritus.

Probleme gab es bisher nur, wenn das Zeug in Schalter, Relais, Potis
und andere Bauteile mit mechanischen Kontakten hineinlief. Dann bildete
sich nämlich ein isolierender Film auf den Kontakten.

Fertige Flussmittel hatte ich nie ausprobiert, da ich in den Siebziger
Jahren an Kolophonium in 100-Kilo-Pappfässern heran kam.

...

Autor: Toni (Gast)
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Lötinktur 21 war für Klempner gedacht. Damit wurden verzinkte
Stahlbleche und auch Kupferbleche weich gelötet. Das Zeugs ist sehr
aggressiv.
Meine erste Leiterplatte habe vor Jahren, aus Unwissenheit, mit diesem
Flussmittel gelötet. Nach einer Woche sah das Kupfer aus wie das Dach
von unserem Kirchturm.

Seitdem nutze ich Kolophonium aufgelöst in Spiritus und es gibt
keinerlei Probleme. Nur im HF-Bereich sollte man etwas aufpassen.
Kolophonium zieht leicht Feuchtigkeit was die Werte der Schaltung dann
verändern könnte.

Toni.

Autor: mc.emi (Gast)
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also nachdem ich die platine gelötet habe, schrubble ich die mit einer
alten zahnbürste unter wasser sauber, trockne die richtig und
anschliessend "versiegle" ich alles mit einem spraylack (durchsichtig
glänzend). ps: im notfall kann man kleinere nachverbesserungen immernoch
durch den lack löten, aber es ist einfach ein guter korrisionsschutz von
aussen: fingerabdrücke etc. :)

Autor: Unbekannter (Gast)
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@Henrik:

Was für ein Schutzlack lässt sich bei Dir denn mit Spiritus auflösen?

Autor: Henrik K. (henrik)
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SK10 lässt sich mit Spiritus wunderbar lösen.
Nachdem Ätzen wird die gereinigte Platine damit eingesrüht, denn ich
will diesen Lack auch unter den ICs haben. Dann wird erst gelötet.

Gruss Henrik

Autor: Torsten (Gast)
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Hi
Wie ist denn das Mischungsverhältnis vom Kolophonium und Spiritus ?
Muß es eher flüssig oder eher etwas "pampig" sein.

Gruß
Torsten

Autor: Hannes Lux (hannes)
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Es sollte schon fließen und das Material benetzen. Dick wie Honig geht
das schlecht. Zu dünn ist aber auch nicht gut. Wenn es (durch
Austrocknung) zu dickflüssig wird, dann kommt eben wieder ein Schluck
Spiritus dran. Du wirst schon merken, wie es sich am besten
verarbeitet.
Geh aber sparsam damit um, lass es nicht in Schalter, Relais,
Steckberbinder, IC-Sockel usw. eindringen...

...

Autor: wirehead (Gast)
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SK10 Lötlack ist in Alk gelöstes kolophonium!
Das muss man nicht teuer kaufen, 250g kolophonium aus der apotheke sind
viel billiger.

Autor: AxelR. (Gast)
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Ich dachte Kolophonium gibt es nur im Musikgeschäft bei den Geigern?
In der Apotheke habe ich noch nicht gefragt.

Autor: Bernd Wiebus (Gast)
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Hallo

Kolophonium ist Baumharz, und kann darum in unterschiedlichen
Zusammensetzungen auftreten. Insbesondere kann es natürlich auch
verunreinigt sein.

Wenn Du "sauberes" Fichten oder Kiefernharz hast, sollte das kein
Problem sein, vorausgesetzt, das die flüchtigen Bestandteile sind gut
herausdestiliert.
Kolophonium wird als Flussmittel verwendet, seit es Elektronik gibt.

Das Problem ist eher Dein Spiritus. Brennspiritus ist ein extremes
billig Zeugs, das oft erhebliche Verunreinigungen durch Essigsäure
enthält. Und Essigsäure und Elektronik IST EIN PROBLEM.

Ich habe früher oft Brennspiritus zum Reinigen von Platinen verwendet,
bis ich eine schlechte Charge erwischte und sich auf den Platinen
Grünspan bildete. Seitdem hole ich das Zeugs aus der Apotheke, oder
nehme Isopropanol. Bin ich doch gezwungen, Brennspiritus zu nehmen,
spüle ich mit viel Wasser nach.

Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias DL1EIC

 http://www.l02.de


Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Depression,

Jeder echte Wettbewerb ist ruinös. Darum beruht jede funktionierende
Wirtschaft auf Schiebung.

Autor: wirehead (Gast)
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Also das Kolophonium aus der apotheke sind glasklare harzbrocken, ich
löse es in 98% isopropanol. Ich glaube man macht normalerweise daraus
seife?? Hatte bisher beste ergebnisse damit. Das spiritusproblem kenn
ich, besonders wenn man damit optik oder messing reinigen will.

Autor: Stefan Seegel (Gast)
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Ganz andere Frage: Warum wirkt Kolophonium so wie es wirkt, also als
Flussmittel ?

Stefan

Autor: Hannes Lux (hannes)
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Weil es bei Erhitzung ätzende Stoffe (Säure?) freisetzt, die das
Material von Oxidschichten befreien... - Oder?

...

Autor: Herb (Gast)
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Kolophonim = Mezgerharz = Brühpech = Saupech

gibt es in verschiedenen Namen und Preisen.
Wird auch beim entfernrn von Borsten oder Federn
bei Schlachtvieh verwendet.

Ähnlich wie beim Epilieren ;-)

Es gibt auch Leute die allergisch auf das Harz sind

Autor: Herb (Gast)
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Kolophonium = Mezgerharz = Brühpech = Saupech

gibt es in verschiedenen Namen und Preisen.
Wird auch beim entfernrn von Borsten oder Federn
bei Schlachtvieh verwendet.

Ähnlich wie beim Epilieren ;-)

Es gibt auch Leute die allergisch auf das Harz sind

Autor: AxelR. (Gast)
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Wenn dein Seilzug vom Röhrenradio rutscht..
Nichts hilft besser, als Kolophonium!

Autor: Hannes Lux (hannes)
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Stimmt...

@Axel:

Ich habe das Zeugs aus einer großen Industrieschmiede. Damit wurden die
Gurte (1m breit, 25mm dick) der Riemenfallhämmer griffig gemacht. Dazu
wurde das Kolophonium erhitzt (flüssig) und mittels Holzlatte an den
Gurt geschmiert. Daher gab es dort das Zeugs in 100kg-Pappfässern.

...

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