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Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Bleifrei: Das große Lötspitzensterben


Autor: Chrisi (Gast)
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Zunächst möchte ich - es muss sein - ein paar Gedenksekunden dem 
verbleiten Zinn einlegen:
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Nun, da wir berufsmäßigen Elektroniker zum bleifreien Zinn verdonnert 
wurden und uns damit abgefunden haben, folgende Situation:

Wir benutzen hier im Labor Weller WECP 50 @ typ. 400°C zum Löten von 
SMD. Festzustellen ist, dass die Spitzen sehr schnell verzundern, 
oxidieren, kein Zinn mehr annehmen und nach rel. kurzer Zeit unbrauchbar 
sind.

Ohne eine Wiederbelebung der Spitzen mit "Tip Activator" geht's gar 
nicht. Im Grunde sollte man die Löttemperatur in Lötpausen sofort 
runterfahren, was meiner Meinung nach unpraktikabel ist (Stichwort 
"Hitze des Gefechts").

Hat jemand hierzu schon Langzeiterfahrungstipps? Oder benutzt eine 
spezielle Spitze, die bei doppeltem Preis 2,3 mal so lange hält? Für 
Hinweise bin ich dankbar :-)

Autor: Jörg Wunsch (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite
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Wir machen zwar hier keine Serienproduktion, aber generell benutzen
wir 320 °C für Pb-haltiges Lot und 350 °C für bleifreies.  Sind die
400 °C nicht bissel zu hoch?

Die allgemein schlechtere Benetzung des Pb-freien Lots (und die
Notwendigkeit aggressiverer Flussmittel daher) ist aber m. W.
grundsätzlich bekannt.

Autor: ---=DIAN=--- (Gast)
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Zum Thema "Hitze des Gefechts":

Wir benutzen die WMRS von Weller, Aufheizzeit ca. 3 Sekunden, wenn der 
Lötkolben in den Halter zurück kommt, wird die Heizung ausgeschaltet.

Lässt sich gut arbeiten damit, das bleifreie Zeugs ist aber in der Tat 
schlechter als das bleihaltige was die Verarbeitung angeht.

---=DIAN=---

Autor: Realplotter (Gast)
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Wie erwaehnt, 400 Grad sind viel zuviel. 350 fuer bleifrei sind genug. 
Ja, wir haben auch einen neue Station, die Weller WD1M, die die Heizung 
ausschaltet wenn der kolben in der Halterung ist. Aufheizzeit 3-4 
Sekunden. Nicht wirklich guenstig, aber toll. Ein Loetspitzenwechsel 
dauert noch 2 Sekunden. Nicht mehr das Geschraube mit den heissen 
Teilen.

Autor: Johann. F. (Gast)
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Hallo

ich hatte gleiche Lötstation benutzt mit bleifreiem Balver Zinn, 
Temperatur war auf 385 eingestellt darunter ging es nicht so gut. 
Wichtig ist das die Spitze immer mit Zinn bedeckt war, also nie 
abstreifen und dann stehen lassen ! Mit der ganz feiner Spitze ging 
nichts da die bei 385°C schnell verbrannt war und kein Zinn mehr an 
nahm.

mfg
Johann

Autor: let (Gast)
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Wir verwenden seit knapp einem Jahr die Ersa iCon mit einem
1.6mm Meißel bei 330°. Gelötet wird (fast) ausschließlich
mit bleifreiem Lot und die Spitze geht wie am ersten Tag.
Anfangs kam gelegentlich noch ein 0.7mm Bleistift zum Einsatz,
bei dem die Temperatur auf 350° eingestellt wurde. Aber
SMD-Löten - auch 0.5mm Raster - geht mit der anderen Spitze
besser.
Die iCon hat die Weller WS80 mit dem WSP80 Kolben und ebenfalls
1.6mm Spitze ersetzt. Diese Weller Spitzen haben etwa 4 Monate
gehalten. Danach waren die regelrecht 'weggeätzt' (also nicht
korridert bzw. verschmutzt).

 - Michael

Autor: Winfried (Gast)
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Wichtig finde ich, dass die Spitze immer verzinnt bleiben muss, also 
nicht abwischen und dann 10 Minuten heiß stehen lassen. Nach jedem 
Abwischen gleich wieder ordentlich überall verzinnen. Abwischen mach ich 
seit geraumer Zeit nicht mehr mit Schwann sondern mit 
Edelstahldrehspänen. Gibt es auch in Messing von Weller direkt. 
Löttemperatur auch so um die 350 Grad. Bei bleifrei muss man viel 
genauer die richtig Löttemperatur einhalten, als bei bleifrei, wo es 
kaum eine Rolle spielte.

So behandelt hält meine Weller-Spitze 1.6 mm nun schon seit einem Jahr 
bei wöchentlich etwa 5 Stunden Lötzeit.

Weller hat aber für bleifrei spezielle Lötspitzen, die eine dickere 
Beschichtung haben. Gibt es aber nicht für die etwas älteren Lötkolben.

Autor: Troll Blaubär (blaubeer)
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Winfried wrote:
> Bei bleifrei muss man viel
> genauer die richtig Löttemperatur einhalten, als bei bleifrei, wo es
> kaum eine Rolle spielte.

Wie meinst Du das?

MfG, BlauBär

(Sorry, in meinem Job als Troll muss ich Dich das fragen.)

Autor: Oliver S. (eragon)
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wir haben im Betrieb immer noch unsere alten Lötkolben. Nur die Spitzen 
wurden ersetzt. Seit dem haben wir keine Probleme mit verbrannten 
Spitzen mehr. 350°C sollten reichen. Und immer schön Zinn ran machen. 
Kan euch grad nicht sagen was wir für Lötstationen haben. Sind aber 
ältere Modelle. Ah ja. WIr haben nicht nur die Spitzen gewechselt. Wir 
musssten noch spezielle Umrüstkits anschafen damit die neuen Spitzen 
passen. Fragt doch mal bei Weller nach.

Autor: let (Gast)
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> Wir musssten noch spezielle Umrüstkits anschafen

Weller Magnastat? Die klicken alle paar Sekunden, daher
leicht zu erkennen.

Autor: Oliver S. (eragon)
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let wrote:
>> Wir musssten noch spezielle Umrüstkits anschafen
>
> Weller Magnastat? Die klicken alle paar Sekunden, daher
> leicht zu erkennen.

Nein. Hab das Teil gefunden. ISt so ne art Adabter für die Bleifreien 
Spitzen. Da es die nur noch in nem kürzeren Format gibt. Hier mal ein 
Link zu Distrelec.ch

http://www.distrelec.com/ishopWebFront/catalog/pro...

Hoffe das hilf weiter.

Noch etwas: Das Zinn das Ihr verwendet sollte Silber drin haben. Haben 
bei uns relativ teures Zinn angschaft. Mit dem gibts aber viel bessere 
Ergebnisse. Einfach mal n paar Muster bestellen und testen. Es gibt sooo 
viele verschiedene Legierungen.

Autor: Volker (Gast)
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Hier meine Erfahrungen zum Thema "bleifrei löten".

1. Nachdem ich mehrere Sorten (Legierungen) von verschieden Herrstellern 
ausprobiert habe, verwende ich Flowtin TC von Stannol. Das Lötzinn 
fließt recht gut und die Lötstellen glänzen fast wie bei bleihaltigem 
Lot. Auf der Hompage von Stannol kann man sich hochauflösende Bilder der 
Lötstellen ansehen. Die Ergebnisse kann ich bestätigen.

2. Immer die größtmöglichen Soitzen verwenden, wichtig ist weniger die 
eigentliche Spitze, sondern die Verbindung zur Heizung, damit habe ich 
es geschafft bleifrei mit nur 320 Grad zu löten.

3. Nach ca. 30min löten mit einer Spitze nimmt diese immer schlechter 
Zinn an, ob Abstreifschwamm oder Drehspäne, das Lötzinn perlt einfach 
ab. Zudem wird die Wärmeübertragung durch die Oxydschicht miserabel- 
Hier hilft bei mir nur noch ein Lötspitzenaktivator. Ich habe mal zum 
Spass die matte Lötspitze mit verbleitem Zinn "bearbeitet" => das 
Benetzungsverhalten wurde sofort wieder gut, auch mit bleifreiem... bis 
wieder 30min um waren.


Fazit: Das Löten selbst macht keine großen Probleme, wohl aber das 
Benetzungsverhalten der Lötspitzen. Hier habe ich auch noch keine Lösung 
gefunden um auch nur halbwegs das Verhalten beim verbleiten Löten zu 
erreichen. Es ist eine Katastrophe!
Was nicht unbedingt bleifrei glötet werden muss, löte ich weiterhin 
verbleit.
Man kann nur hoffen, dass die Industrie noch bessere Produkte findet. 
Ideal ist die Sache nämlich noch nicht.

Gruß Volker

Autor: Chrisi (Gast)
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Danke für die vielen Antworten!

Dass man eine Station, bei der der Sensor näher an der Spitze sitzt, auf 
niedrigere Temperaturen einstellen kann, würde meine/unsere 400° 
erklären.

Ansonsten hat sich in der Löttechnik ja doch ein wenig getan. Werde mal 
die WD1M/WMRP näher beäugen. Ersa bleibt auch nicht ungeprüft. Der Preis 
is allerdings umwerfend. Da müssen die Spitzen eine kleine Ewigkeit 
halten um den Preis zu rechtfertigen. Hat die Spitze denn genug Power um 
auch mal Thruhole zu löten, oder SMD auf ner Kupferfläche (Stichwort 
Groundpad)?

Autor: Winfried (Gast)
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Also meine WECP stelle ich bei bleifrei auf 350-370 Grad, nur als so zur 
Orientierung. Lötzinn Stannol HS10 (Sn95,5/Ag3,8/Cu0,7).

Autor: let (Gast)
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> Hat die [Ersa] Spitze denn genug Power um
> auch mal Thruhole zu löten, oder SMD auf ner Kupferfläche (Stichwort
> Groundpad)?

Das Heizelement des Ersa Kolbens hat 150W. Das sitzt also
schon Wumms hinter. Der Preis hat mich bisher allerdings davon
abgehalten mir so ein Teil privat zuzulegen. Ich mache
hier mit einer Ersa MS-6000 rum. Vor einigen Monaten habe ich
erst 900€ für ein Scope ausgegeben. Das muß ich noch verdauen ;)
SMD Teile löte ich also auch privat fast ausschließlich in der
Firma.

Anfangs fand ich die iCon wenig spektakulär. Ist halt eine
Lötstation und die WS-80 ist ja auch kein schlechtes Teil.
Wenn ich mir heute aber mal die Weller Station vornehme (weil
die Ersa belegt ist), kommt es mir so vor als hätte ich ein
Werkzeug aus den Anfängen der Industrialisierung in der Hand.
Kaum zu glaube das ich damit QFN und LQFP Gehäuse gelötet habe,
was aber problemlos möglich ist. Mit der Ersa fällt es mir
nur leichter (der Kolben ist viel kleiner/handlicher).

Für den WSP-80 Kolben verwenden wir die LT-A Spitze. Für
bleifreies Lötzinn ist die anscheinend nicht besonders
geeignet. Gibt es da vielleicht eine andere, neuere Serie?


 - Michael

Autor: Realplotter (Gast)
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Ja, die WD1M hat genuegend Power auch einen TO247 Troughhole Teil zu 
loeten. Allerdings nicht mehr mit der 0.4er Spitze. Die breitere Spitze 
bringts. Ein Loetspitzenwechsel dauert nur 2sek.

Autor: Düsentrieb (Gast)
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welche legierung hat euer bleifrei lot - mit welchem ergebnis?
habe gefunden:
Sn95,5/Ag3,8/Cu0,7
Sn99Cu1
Sn95Ag5
Sn95Sb5

Autor: Realplotter (Gast)
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Ich hab Sn95,5/Ag3,8/Cu0,7, mit 3.5%Flux und alles 0.5mm Durchmesser. 
Das 1.0mm hab ich auch, aber das 0.5er geht besser. Bin eigentlich 
zufrieden damit.

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