Tondecoder 567

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In diesem Artikel soll der Umgang mit verschiedenen Tondecoderchips, die vom NE567 abstammen, behandelt werden.

Vorgeschichte

Der NE567 wurde vermutlich Ende der 1960er Jahre vom Schweizer Hans R. Camenzind noch vor dem Kassenschlager 555 entwickelt, wie es aus dem Wikipediaartikel hervorgeht. Der NE567 und seine Derivate dienen der unter anderem zu folgenden Zwecken:

  • Erkennung von Tonwählzeichen
  • Aufbau eines Präzisionsoszillators
  • Frequenzmonitoring und Kontrolle
  • Ultraschall-Fernbedienungen
  • Decodierung von Pagersignalen

Wie auch beim 555 gibt es zahlreiche Derivate, die sich insbesondere im empfohlenen Spannungsbereich, im Frequenzbereich und bei den Formeln zur Ermittlung der Werte für die betriebsbestimmenden Bauteile unterscheiden. Die Entwicklung dieser Bausteine ist inzwischen eingestellt. Etliche Hersteller haben auch die Produktion eingestellt und verkaufen nur noch Lagerbestände.

Überblick verfügbarer Varianten

Bezeichner Hersteller Datenblatt-Link Mindest-spannung Maximal-spannung Beschreibung
NE567/SE567 Philips Semiconductor Uni Ulm 4,75V 9V
LM567 Texas Instruments Texas Instruments 4,75V 9V
LMC567 Texas Instruments Texas Instruments 2V 9V
LMC567 National Semiconductor Digikey 2V 9V wurde von TI übernommen, aktuellere Datenblätter dann unter TI
BA1604 Rohm Semiconductor Mouser 4,75V 9V
NJM567 JRC Mouser 4,75V 9V

Pinout

8-pin-layout.png

Die Belegung der 8 Pins ist bei jedem der Bausteine identisch, auch wenn die Dimensionierung der frequenzbestimmenden Bauteile, die daran angeschlossen werden, variiert. In diesem Artikel werden die Kondensatoren, die in der Schaltung verwendet werden, nach der Pin-Nummer benannt, an der der jeweilige Kondensator angeschlossen ist. Die Nummerierung ist in verschiedenen Datenblättern und Beispielen im Netz teilweise abweichend.

Pin Name Typ Beschreibung
1 OF-Cap Input Output Filter Kondensator
2 LF-Cap Input Loop Filter Kondensator
3 IN Input Signaleingang
4 Vcc Input Vcc
5 T-Cap Input Timing Kondensator für Oszillator
6 T-Res Input Timing Widerstand für Oszillator
7 GND Input GND
8 Out Ouput Ausgangssignal

Bemessung der Bauteile

Berechnung der Oszillatorfrequenz

Due Oszillatorfrequenz wird über den Kondensator an Pin 5 und den Widerstand zwischen Pin 5 und 6 bestimmt. Die Basisformel zur Berechnung der Oszillatorfrequenz lautet: [math]\displaystyle{ f_{0}=\frac{1}{C_{f}*R_{f}} }[/math]. Wenn man in diese Formel die SI-Einheiten eingibt, zeigt sich gleich die Richtigkeit dieser Formel: [math]\displaystyle{ \frac{1}{( m^{-2}*kg^{-1} *s^{4}*A^{2}) ( m^{2}*kg *s^{-3}*A^{-2} )}=\frac{1}{s} }[/math] Um Effekte der Chip-internen Komponenten auszugleichen, wird der Divisor bei den verschiedenen Chips mit einem Chip-spezifischen Faktor multipliziert. In manchen Datenblättern werden in den Formeln die Kapazitäts- und Widerstandswerte in etlichen Formeln auch in SI-Vorsilben eingegeben. Hier lauert die ein oder andere Falle. Nach aktueller Recherche schwingt der Oszillator bei allen Varianten mit der zu erkennenden Eingangsfrequenz. Lediglich beim LMC schwingt der Oszillator mit der doppelten Eingangsfrequenz. Die Kontrolle eines optimal eingestellten Oszillators erfolgt, während Pin3 (Eingangssignal) auf Masse gezogen wird. Ansonsten verändert sich die spannungsgesteuerte Frequenz durch das Eingangssignal. Dies gilt auch für einen offenen Eingang.

Bei den LMC-Varianten gilt dem Datenblatt nach, dass der frequenzbestimmende Widerstand an Pin 6 so groß als möglich sein soll, allerdings müssen bei sich daraus ergebenden Kondensatorwerten von unter 100pF mit dem Einfluss von Streukapazitäten der Schaltung gerechnet werden, die das Ergebnis verfälschen oder sogar zu Instabilitäten führen.

In den meisten Datenblättern der Nicht-LMC Varianten findet sich der Hinweis, dass der frequenzbestimmende Widerstand im Bereich von 2kΩ bis 20kΩ liegen soll. Dies führt zu deutlich größeren Kapazitätswerten, als bei den LMC Varianten, obwohl dort der Oszillator mit der doppelten Frequenz der zu erwartenden Eingangsfrequenz schwingt.

Wenn der Oszillator mit gänzlich abweichenden Werten schwingt, als sich durch die Berechnung nach dem Datenblatt ergeben hat, ist man u.U. einer Fälschung aufgesessen oder hat das falsche Datenblatt (Faktor!) ausgewählt. Eine einfache Kontrolle, ob man wirklich einen LMC vor sich hat, ist es, die Versorgungsspannung auf 3,3 oder noch weniger (bis hinunter zu 2V) zu reduzieren. Stoppt der Oszillator, so ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit kein LMC. Feststellen, ob man einem Fake LMC aufgessesen ist: Oszillator schwingt nicht, wenn Vin deutlich unter 5V (z.B. 3,3V)


Bemessung des Loop-Filter Kondensators an Pin 2

Beim LMC wird der Wert für den Loop-Filter Kondensator über die Diagramme 2 und 4 des Datenblattes bestimmt.

Lmc567-Loop-Filter-Bemessung.png

Dazu wird entweder vom Effektivwert des Eingangssignalspannung ausgehend, in Diagramm 2 eine maximal mögliche Bandbreite ermittelt. Danach kann in Diagramm 4 für diese Bandbreite ein Wert ermittelt werden, aus dem sich in Abhängigkeit von der Frequenz der Wert des Kondensators in µF ermitteln lässt. Im hier rot markierten Beispiel läge dieser Wert bei ca. 900. Für eine Frequenz von 175Hz ergäbe sich dann ein Wert von [math]\displaystyle{ \frac{900}{175}=5,14\mu F }[/math]

Siehe auch

Weblinks

LM567 Tone Decoder IC Features, Datasheet and Applications LM567 Calculator Tool == Sonstiges