Reflektionsmessung mit dem Skop

Gast #2539251
Lesenswert?

Wie nenn sich offiziell die Funktion bei dem Osziloskop bei der ein 
Impuls an Tastkopf gesendet wird von dem die Signalreflektion angezeigt 
wird.

Es wird hauptsächlich zum Beurteilen der hochfrequenten Leitungen bzw. 
Schaltungen verwendet. Teure Tekstronix haben so etwas. Neulich habe ich 
die Vorführung gesehen, hat mich sehr interessiert. Welche Skope im 
tieferen Preisbereich haben so etwas? Kann man das selbst bauen? Geht 
das mit einem digitalen Oszilloskop mit 100MHz(1GS/s) Bandbreite?
#2539260
Lesenswert?

@  BigBang (Gast)

>Wie nenn sich offiziell die Funktion bei dem Osziloskop bei der ein
>Impuls an Tastkopf gesendet wird von dem die Signalreflektion angezeigt
>wird.

TDR, Time Domain Reflectometry.

>die Vorführung gesehen, hat mich sehr interessiert. Welche Skope im
>tieferen Preisbereich haben so etwas?

Was ist tief für dich? 10.000 Euro? Haben die meisten dieser Preisklasse 
NICHT.

> Kann man das selbst bauen?

Ja, wenn gleich nur für eher lange Leitungen, ich sag mal 1m++.

> Geht das mit einem digitalen Oszilloskop mit 100MHz(1GS/s) Bandbreite?

Ja, siehe oben. Bei 100 MHz hat man ca. 3,5ns Anstiegszeit, das ist die 
Laufzeit auf ~70cm Kabel. Mit etwas Vorstellungskraft sieht man dann 
Effekte bis vielleicht 10-30cm Leitungslänge, darunter eher nicht.

Wesentliche Komponenten eines TDRs sind

- ein sehr steilflankiger Pulsgenerator, da kann man testhalber ein 
schnelles CMOS Gatter nehmen, VHC oder so
- ein sehr breitbandiger Tastkopf mit solider Masseanbindung, hier 
empfiehlt sich für den Einstieg ein passiver Z0 Tastkopf, sehr 
preiswert.

http://www.signalintegrity.com/Pubs/straight/probes.htm

Siehe auch Wellenwiderstand.

MFG
Falk
#2539513
Lesenswert?

Ja, kann man schon selber bauen. Hier meine Version:

http://www.testtechniques.com/tdr.html

Je schneller die Anstiegszeit des Signals und die Bandbreite des 
Samplers/Oszis, desto feinere Auflösung, d.h. desto mehr Details kann 
man auf der Leitung nachweisen.

100 MHz entspricht  ca. 330/100=3.3ns Anstiegszeit. Im Kabel breitet 
sich das Signal mit ca. 2/3 Lichtgeschwindigkeit aus, also ca. 20cm pro 
ns. Da es Reflexion ist, sieht man nach 1ns das, was 0.5ns entfernt ist. 
Mit 3.3ns Anstiegszeit kann man gerade noch Strukturen mit ~2ns 
Nachweisen (nur noch qualitativ), also 1ns oder 20cm "lang".

Mein Gerät hat ca. 2 GHz Gesamtbandbreite.
Gast #2540448
Lesenswert?

TDR, COOL!!!

Da wird man gleich mit den Informationen überschüttet. Gedacht ist es 
für einen Test von Leiterbahnen an selbst entwickelten Platinen. Die 
Auflösung reicht mir vollkomen aus. Man muss bedenken, dass ca. 1m 
Leitung von Tastkopf noch dran ist, dann passt es auch mit 100MHz.

In der Aktion hat mich das Ding doch sehr überrascht wie fein man da die 
Reflektionsstellen mit Anlegen z.B. des Schraubenziehers feststellen 
kann.

10.000 für so ein Werkzeug ist natürlich nicht die Welt, für einen 
Privatmann jedoch zu teuer. Werde versuchen die Teile nachzubauen.

Danke an alle!
Gast #2540511
Lesenswert?

Die Schaltung von http://www.epanorama.net/circuits/tdr.html würde ich 
noch bisschen optimieren. Ob ich dann so viele Schmitt-Trigger Endstufen 
brauche... Die Widerstände R3-R7 haben auch einen induktiven Anteil und 
abgesehen von der Fünftaktendstufe bringen sie die Phasenverschiebung 
mit.

Fange also mit einer Endstufe ganz ohne Wiederstände an. Hauptsache das 
IC fackelt mir nicht ab. Aber da es 20 Cent kostet...
Gast #2540519
Lesenswert?

Wolfgang M. schrieb:
> Nein, passt leider nicht. Die Leiterbahn selber muesste so lange sein.
> Sonst siehst Du nur ein verwaschenes Bild aus Kabel & Leiterbahn, kannst
> also die Leiterbahn-Impedanz nicht korrekt messen.

Normalerweise nicht. Wenn der Skop das mitmacht dann sieht man die 
Abstufungen entsprechend der Entfernung. Praktische Erfahrungen habe ich 
jedoch noch nicht. Kann nur das sagen was ich gesehen habe.
#2540604
Lesenswert?

BigBang schrieb:
> Wolfgang M. schrieb:
>> Nein, passt leider nicht. Die Leiterbahn selber muesste so lange sein.
>> Sonst siehst Du nur ein verwaschenes Bild aus Kabel & Leiterbahn, kannst
>> also die Leiterbahn-Impedanz nicht korrekt messen.
>
> Normalerweise nicht. Wenn der Skop das mitmacht dann sieht man die
> Abstufungen entsprechend der Entfernung. Praktische Erfahrungen habe ich
> jedoch noch nicht. Kann nur das sagen was ich gesehen habe.

Die praktische Erfahrung habe ich :-)

Nimm an, das Kabel ist 50 Ohm und diue Leiterbahn 70 Ohm. Bis das 
Reflexionssignal auf den 70 Ohm entsprechenden Wert gestiegen ist, 
vergeht eben eine Anstiegszeit. Vorher gibt's keinen einfach definierten 
Zusammenhang. D.h. die Rundlaufzeit in der Leiterbahn muss mindestens 
der Anstiegszeit entsprechen. In der Realitaet um einiges mehr, schon 
weil Anstiegszeiten nicht als 0%/100% sondern als 10%/900% oder sogar 
20%/80% angegeben sind.
#2540618
Lesenswert?

BigBang schrieb:
> Fange also mit einer Endstufe ganz ohne Wiederstände an. Hauptsache das
> IC fackelt mir nicht ab. Aber da es 20 Cent kostet...

Keine gute Idee. Fuer quantitative Messungen brauchst Du eine gut 
definierte Quellimpedanz. Die 220 Ohm symmetrieren die Einzeltreiber auf 
jeweils ca. 250 Ohm. 250/5=50 Ohm, die gewaehlten Werte sind also kein 
Zufall. Fuer eine 75-Ohm-Leitung macht man die Quelle 
zweckmaessigerweise (nit zwingend, 50 Ohm ginge auch) auch 75 Ohm durch 
Vorschaltung eines 25-Ohm-Widerstandes

 Die Impedanz der gemessenen Leitung ergibt sich dann aus dem 
Reflexionskoeffizienten rho gemaess der Formel

Z_leitung = Z_quelle * (1 + rho) / (1 - rho)

wobei rho = Reflexionsamplitude / Quellamplitude

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren