Hallo!
Ich arbeite seit einer Weile an einem Solar Laderegler für Bleiakkus und
habe nun folgende Schaltung dafür im Internet gefunden:
http://www.timnolan.com/uploads/Arduino%20Solar/ArduinoSolar.pdf
Das ganze erscheint mir recht logisch und ich habe inzwischen auch fast
alles nachvollziehen können bis auf zwei Dinge:
zunächst mal sind oben zwei Mosfets (Q1 und Q2) in engegengerichteter
einbauweise eingebaut, die gleichzeitig per PWM geschaltet werden. In
der Erklärung steht, dass das eine Diode ersetzen soll, aber wie
funktioniert das genau?
und die zweite Frage:
der untere Mosfet (Q3) wird asynchron zu den oberen geschaltet, also
immer entgegengesetzt. So wie ich das verstanden habe, dient das
sozusagen als ideale Freilaufdiode für die Glättungsdrossel L1, damit
die den Strom konstant halten kann (so wie die sicherheitsdiode daneben,
nur Verlustfrei).
Was mich aber wundert: der Strom durch diesen Mosfet würde doch dann von
unten nach oben fließen, aber dazu ist er doch falschrum eingebaut oder?
So wie er jetzt drin ist kann ich doch einfach nur nen Kurzschluss damit
bauen.
Vielleicht stimmt das aber auch so, ich bin in dem Bereich noch relativ
neu (studiere gerade noch)
Wäre super wenn dazu jemand von euch was sagen könnte!
Viele Grüße
Michael
Wenn die Solarspannungs kleiner als die Batteriespannung werden würde,
die interne Diode des Q2 anfangen mit leiten, und einen Rückstrom
verursachen (die Batterie also entladen). Dies soll die "Diode" Q1
verhindern. Der ist verkerhtherum geschaltet, so daß dessen innere Diode
nicht leitet in dem Falle. Und Q1 wird dabei auch nicht angesteuert,
leitet also nicht.
Wenn Solarspannung>Ubatt., dann leitet die innere Diode des Q1. Bis
jetzt wäre alles wie bei einer echten Diode. Da aber eine Diode einen
Spannunsgabfall hat, verursacht die Verluste. Um dies zu vermeiden,
nimmt man eben einen Mosfet in Inversverschaltung. Wenn die Diode also
leiten soll, wird der Mosfet durchgeschaltet, und verusacht damit über
seinen Rdson einen viel kleineren Spannungsabfall - die Solarzelle wird
also besser ausgenutzt.
So ein Mosfet läßt sich also (durch die innere, parasitäre Diode) wie
eine normale Diode benutzen, deren Uf in Durchflußrichtung (Mosfet
invers) durch Ansteuern praktisch kurzgeschlossen wird, womit Uf sehr
klein wird.
>der untere Mosfet (Q3) wird asynchron zu den oberen geschaltet, also>immer entgegengesetzt. So wie ich das verstanden habe, dient das>sozusagen als ideale Freilaufdiode für die Glättungsdrossel L1, damit>die den Strom konstant halten kann (so wie die sicherheitsdiode daneben,>nur Verlustfrei).
Q2 und Q3 sind nicht asynchron geschaltet. Asynchron heist unabhängig
voneinander, was hier nicht der Fall ist. Die werden halt nur
gegenläufig geschaltet,
Und ja - Q3 wird auch als "ideale" Diode verwendet - wie Q1.
Verlustfrei isses aber trotzdem nicht, nur verlustfreier.
Mosfets sind eigentlich ganz normale FETs, die sich in beide Richtungen
verwenden lassen (einen Kurzschluß gibts dabei erstmal nicht). Nur haben
Leistungs-Mosfets üblicherweise eine interne parasitäre Diode drin
(technologiebedingt), die normalerweise nicht stört.
Alles klar, den ersten Teil hab ich verstanden, Danke!
Zum zweiten:
Ich meinte eigentlich mit "asynchron" eigentlich nur gegenläufig, hab
mich wohl falsch ausgedrückt. Was mich aber immernoch wundert: ist der
Mosfet Q3 denn jetzt nicht trotzdem falschrum drin?! Der schaltet doch
die Lastseite auf Masse, also ein klassischer Kurzschluss?!
Nee - ist schon richtig. Der schaltet ein, wenn die Induktionsspitze der
Spule kommt, die ja negativ gerichtet ist. Q3 wirkt ja wie eine Diode
mit Anode gegen Masse.
Q1 schaltet ein, wenn Usource (Eingang) > Udrain (Ausgang)
Q3 schaltet ein, wenn Udrain < Usource (also wie Q1)
Der MOSFET ist schon korrekt eingebaut. Du hast im Prinzip auch recht
mit Deiner Befürchtung, allerdings wird Q3 nur für kurze Zeit
eingeschaltet um die Spule "freilaufen" zu lassen.
Es gehört aber schon ein gutes Stück Nerven dazu, mit so einem
Schaltungsdesign umzugehen, immerhin werden die MOSFETs per Software
angesteuert und wenn die Software nicht korrekt arbeitet, dann gibt es
Deinen befürchteten Kurzschluss und das schwächst Glied raucht ab. Ich
würde nur die Freilaufdiode einbauen. Es schläft sich einfach besser :-)
>würde nur die Freilaufdiode einbauen. Es schläft sich einfach besser :-)
Kannst ja eine Sicherung reinbauen, damit Du nicht zu viele schlaflose
Nächte hast ;-)
super, habs kapiert! werd dann wohl wirklich die Variante mit der
Sicherung nehmen. Dann muss ich auch echt aufpassen, ich hatte
eigentlich vor, erstmal nur eine 10µH Drossel zu nehmen (weil ich keine
33µH für 20A gefunden hab)... Ich dachte mir eben, naja, zur Not wird
das Ausgangssignal nicht ganz glatt. Wenn der dann aber nen kurzen baut
deswegen, is schlecht.
gut, weiß ich Bescheid, danke für die schnelle Hilfe!
Jens G. schrieb:> Der IR 2104 hat übrigens eine Cross-conduction prevention logic - der> kann also nicht in der Quere leiten, auch wenn die SW das wöllte.
was heißt das? dass der IR nie den Q3 länger als ein paar
sekundenbruchteile an lässt und ihn dann automatisch abschaltet?
NEin. Daß er nie Q3 einschalten kann, wenn Q2(und Q1) gerade aktiv sind
(und andersherum). Du kannst damit also nicht die Batterie- und
Solarspannung kurzschließen.
(Cross-conduction prevention logic frei übersetzt:
Querstromvermeidungslogik)
Jens G. schrieb:> NEin. Daß er nie Q3 einschalten kann, wenn Q2(und Q1) gerade aktiv sind> (und andersherum). Du kannst damit also nicht die Batterie- und> Solarspannung kurzschließen.> (Cross-conduction prevention logic frei übersetzt:> Querstromvermeidungslogik)
Das stimmt so nicht. Wenn Q3 dauerhaft eingeschaltet wird - was auch
möglich ist - dann gibt es definitiv ein Wölkchen. Crossconduction
braucht es dazu nicht, der Strompfad geht rückwärts aus der Batterie
heraus nur durch Q3 mit praktisch unbegrenztem Strom.
@Eddy Current (chrisi)
>Das stimmt so nicht. Wenn Q3 dauerhaft eingeschaltet wird - was auch>möglich ist - dann gibt es definitiv ein Wölkchen. Crossconduction>braucht es dazu nicht, der Strompfad geht rückwärts aus der Batterie>heraus nur durch Q3 mit praktisch unbegrenztem Strom.
Stimmt - das hatte ich jetzt gar nicht so betrachtet (war zu sehr auf
die Querstromproblematik ausgerichtet).
Dieses Stelle könnte man jetzt noch weiterspinnen: wie stellt der µC
fest, wie lange Q3 eigentlich eingeschaltet sein soll, denn wenn die L
ihre Energie abgegeben hat, sollte Q3 ja wieder öffnen, weil sonst Strom
aus der Batterie wieder zurückfließt. Kann eigentlich nur eine
berechnete Zeit mit etwas Sicherheitabzug sein.
Noch ein Tipp an Michael: Den Wert für die Spule kannst Du gerne
erhöhen, aber keinesfalls um den Faktor 3 verringern. Das erhöht den
Ripplecurrent im Kondensator (welcher sowieso etwas klein dimensioniert
ist) so, dass da gleich noch ein Wölkchen entsteht. Zumindest aber
nicht, wenn Du schläfst und es draussen dunkel ist ;-)
hmm, wo bekommt man denn so große drosseln (also ab 33µH und für 20A)
günstig her? sollte wirklich günstig sein, das ganze ist für ein Projekt
in Entwicklungsländern. Ich könnte natürlich auch einfach die PWM
frequenz erhöhen, aber dann gibts vermutlich EMV probleme.
ripple-current... meinst du den strom durch C7 der parallel zur Drossel
hängt? ich kann da ja auch einfach nen größeren dranhängen.
Achja, wenn wir grade hier schon dabei sind =)
unten an dem IR2104 hängt eine Schaltung aus einem Kondensator und einer
Diode, um die höhere Schaltspannung für die Mosfets zu erzeugen. Die
funktioniert ja über das PWM Signal, funktioniert also nur wenn die
Mosfets schon angesteuert werden. Was passiert denn dann am Anfang, wenn
man den Laderegler einschaltet, dann kann ja die Schaltung keine erhöhte
Spannung erzeugen und damit kommt die Steuerung nie in Gang oder?
Mysteriös ;)
>hmm, wo bekommt man denn so große drosseln (also ab 33µH und für 20A)>günstig her?
Selber wickeln wäre eine Alternative.
Welche Arbeitsfrequenz hat der Regler überhaupt?
Ahso, ich dachte es gibt eine passende Firmware dazu?
Ok, wenn Du wirklich selber bauen willst, dann würde ich an Deiner
Stelle jetzt mal folgendes tun:
Simuliere die Schaltung, z.B. LTspice, speziell die Ausgangsstufe. dann
bekommst Du ein Gefühl, was in der Schaltung los ist. Auch der Ripple
läßt sich ablesen, Wirkunsgrad mit/ohne Q3, usw...
Du kannst dem Ripplecurrent entweder mit vielen Kondensatoren oder mit
einer grossen Speicherdrossel begegnen.
In jedem Fall muss C3 für den Ripple ausgelegt sein, da heisst es also
Datenblätter studieren.
Die Induktivität muss sowieso beschafft werden.
Tipp: Die Schaltung solltest Du keinesfalls in Lochrastertechnik
verdrahten. Die Leitungsinduktivitäten würden Dir schwer zu schaffen
machen.
nein, ich steuere das selbst mit einem Atxmega an. Das wird ein etwas
größeres Projekt mit mehreren parallelen Ladereglern.
Das ganze zu simulieren, dazu fehlt mir die Software, das Wissen wie man
die bedient und ehrlich gesagt gerade auch die Lust, ich probiers lieber
aus;)
Was ich aber gerade gefunden hab ist folgendes:
http://schmidt-walter.eit.h-da.de/smps/abw_smps.html
Damit hab ichs simuliert, es stimmt schon, eine 30µH Spule wäre deutlich
besser. mal schaun wo ich die herbekomm. Notfalls muss ichs wirklich
selbst wickeln ;)
Die eine Frage von vorhin hab ich noch:
>Achja, wenn wir grade hier schon dabei sind =)>unten an dem IR2104 hängt eine Schaltung aus einem Kondensator und einer>Diode, um die höhere Schaltspannung für die Mosfets zu erzeugen. Die>funktioniert ja über das PWM Signal, funktioniert also nur wenn die>Mosfets schon angesteuert werden. Was passiert denn dann am Anfang, wenn>man den Laderegler einschaltet, dann kann ja die Schaltung keine erhöhte>Spannung erzeugen und damit kommt die Steuerung nie in Gang oder?>Mysteriös ;)
Michael S. schrieb:> Was passiert denn dann am Anfang, wenn> man den Laderegler einschaltet, dann kann ja die Schaltung keine erhöhte> Spannung erzeugen und damit kommt die Steuerung nie in Gang oder?> Mysteriös ;)
Das geht so in Ordnung. Der Treiber an sich könnte(!) den unteren MOSFET
dauerhaft leitend halten, den oberen MOSFET jedoch nicht, weil die
Spannung gepumpt wird, also nicht statisch vorliegen kann.
Selbst der erste Schaltvorgang, welcher den oberen MOSFET leitend macht,
wird funktionieren, weil das Pumpen nicht mehrere Zyklen benötigt. Es
handelt sich um eine Bootstrap-Schaltung, welche - wie der Name schon
sagt - sich selber hochzieht. Das Henne/Ei-Problem ist also keines.
achso, er holt sich die Energie für die erste Ladung dann also über den
Q3 aus der Batterie. alles klar.
Ich hab grade mal nach einer größeren Spule gesucht, das wird echt
gleich ziemlich teuer, auch die Kerne zum selberwickeln. könnte man die
Frequenz auch auf 100kHz setzen um an der Drossel sparen zu können oder
empfiehlt sich das wegen EMV nicht? steigen die Verluste in den Mosfets
durch eine so hohe Frequenz stark an?
Vielleicht solltest Du bez. der Spule eine separate Anfrage starten. Ich
denke, es gibt hier eine Menge Profis, welche Dir den passenden Kern
empfehlen können. Ich persönlich hatte mit zuletzt eine Spule
130µH/10A/100kHz gewickelt, welche von den Dimensionen ganz gut passen
würde.
Bei Dir ergäben sich 14 oder 15 Windungen, 6 x 1mm Cu parallel auf
E-Kern Epcos ETD34 N87 1mm Luftspalt sein (B66361G1000X187 +
B66361G0000X187), Bürklin
gut, das ist ja doch nicht soo teuer. Aber könnte man die
Frequenz auch auf 100kHz setzen um an der Drossel sparen zu können oder
empfiehlt sich das wegen EMV nicht? steigen die Verluste in den Mosfets
durch eine so hohe Frequenz stark an?
Im Prinzip: Höhere Frequenz, ja klar erhöhen sich die Verluste. Aber um
wieviel, das müßte man erst einmal ausrechnen oder simulieren ;-)
EMV ist zweitrangig und bei jeder Frequenz ein Thema. Die fehlenden
Gatewiderstände garantieren Dir jedenfalls maximalen EMV-Output.
Michael S. schrieb:> Ich hab grade mal nach einer größeren Spule gesucht, das wird echt> gleich ziemlich teuer, auch die Kerne zum selberwickeln. könnte man die> Frequenz auch auf 100kHz setzen um an der Drossel sparen zu können oder> empfiehlt sich das wegen EMV nicht? steigen die Verluste in den Mosfets> durch eine so hohe Frequenz stark an?
Hier mal ein Vorschlag für eine preisgünstige Lösung bei 50kHz und 20A:
http://www.spulen.com/shop/product_info.php?products_id=933
Dieser Kern bewickelt mit 27 Wdg 2mm CuL bringt im Leerlauf 66µH und
bei 20A noch 30µH. Berechnet mit dem Design-Tool von micrometals.com
Recht erfreulich auch die Verluste, die dank eines Rdc von 6mOhm nur
bei 2,6W @20A zu erwarten sind. Die Kernverluste bei 50kHz sind hingegen
zu vernachlässigen.
Ein wenig handwerkliches Geschick ist natürlich angesagt, wenn man
ca. 1,1 Meter Kupferlackdraht 2mm um den Ringkern wickelt.