Meinen Dank an den Thread-Eröffner, an Karlsruher (Scans) und MorkVomOrk
(Hinweis auf IHK Kassel Dokument).
Das hat mich rechtzeitig aufgerüttelt, mich mit diesem Thema zu befassen
und die eigene Position zu reflektieren. Ich bezeichne mich nicht als
scheinselbständig, dennoch waren es für mich zu viele Punkte, über die
man diskutieren könnte.
Es war gerade rechtzeitig, denn zwischen liegt der Fragebogen von Kunde
1 vor. Die Fragen sind umfangreicher als die in den Scans.
Dies war exakt ein Tag nach Projektbeginn bei Kunde 2 (wg. 5/6 des
Umsatzes) und zufälligerweise war an jenem Tag am Vormittag das
inzwischen regelmäßige "Belege pro Selbständigkeit suchen und
ausdrucken" auf der Agenda.
Wenn man so viel wie möglich auf diesem Fragebogen so beantworten will,
dass es nicht auf Scheinselbständigkeit zeigt, bedarf es einer längeren
Vorbereitung.
Ich habe es für mich so gelöst, dass die Punkte, welche pro
Selbständigkeit sprechen, aktiver gesucht, ausgebaut und vor allem
dokumentiert werden.
Für die Punkte, die dagegen sprechen, habe ich klare Beweggründe
gesammelt, warum dies so ist. Klar heißt, dass der Kunde dies
vertraglich direkt oder indirekt einfordert: Es existiert ein Dokument
mit Unterschrift vom Kunde.
Den Rest habe ich konsequent abgestellt. Das dauert am längsten, da es
die andere Seite nicht akzeptieren will. War durchaus auch praktisch,
ein paar lästige Dinge konnte ich deshalb elegant loswerden.
Keine Ahnung, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass man geprüft
wird. Gut möglich, dass das alles arg übertrieben ist, wie anno 1998.
Ich persönlich habe nur überhaupt keine Lust, mich mit den Folgen zu
befassen. Keine Lust deshalb, weil die wirkliche Motivation für diese
Jagd, nämlich die Absicherung im Alter, meinerseits absolut sauber
geregelt ist, und die Freiberuflichkeit bewusst und mit Überzeugung
gewählt ist. Meine Altersvorsorge entspricht allerdings nicht dem
Modell, welches im Dokument der IHK Kassel beschrieben ist.
Ich muss mich da schon wundern.
Nach dieser Vorlage: Beitrag "Re: Jagd auf Freiberufler hat begonnen"
,
wo sollte man denn da, als ausgebildeter Postzusteller mit einem Jahr
Berufserfahrung, seine vom A-Amt verordnete "Ich-AG" einordnen?
RTFM schrieb:> Nach dieser Vorlage: Beitrag "Re: Jagd auf Freiberufler hat begonnen"> ,> wo sollte man denn da, als ausgebildeter Postzusteller mit einem Jahr> Berufserfahrung, seine vom A-Amt verordnete "Ich-AG" einordnen?
Nach einem Jahr wird kein einziger Punkt auf "selbständig" verweisen.
D. h. das ist eindeutig scheinselbständig. D. h. man hat das Recht sich
einzuklagen.
Darum geht es aber gar nicht. Es geht um die aktuelle Kassenlage der
DRV:
Zitat (IHK Kassel):
Als scheinselbstständig gelten solche Erwerbstätige, die zwar den Status
eines selbstständigen Unternehmers (freiwillig oder auf Drängen ihres
„Auftraggebers“) beanspruchen, deren Tätigkeit in rechtlicher Hinsicht
der eines Arbeitnehmers entspricht.
...
Wird von der Deutschen Rentenversicherung Bund ein sog.
scheinselbstständiges Arbeitsverhältnis festgestellt, setzt die
Sozialversicherungspflicht mit Aufnahme der Tätigkeit
ein.
Zitat Ende
Ich finde es auch gar nicht falsch. Es ist ja im allgemeinen Interesse,
dass jeder eine Altersvorsorge aufbaut. Also wäre eine "Feststellung der
angemessenen Vorsorge für das Alter" besser als die "Feststellung der
Scheinselbständigkeit".
Warum jemand mit einem Angestellten oder zwei Kunden oder
Projektlaufzeiten kleiner als ein Jahr "einfach so" eine bessere
Altersvorsorge hat ... das bekomme ich intellektuell nicht auf die
Reihe. Je nach Fall bedeutet dies das Gegenteil.
Deshalb gilt ja auch "Bei der Beurteilung des Status wird auf die
Gesamtsituation abgestellt". Eine nette Umschreibung für Unsicherheit
und Willkür, mangels klarer Kriterien.
Niemand schrieb:> Ich finde es auch gar nicht falsch. Es ist ja im allgemeinen Interesse,>> dass jeder eine Altersvorsorge aufbaut. Also wäre eine "Feststellung der>> angemessenen Vorsorge für das Alter" besser als die "Feststellung der>> Scheinselbständigkeit".
Hier werden wieder mal verschiedene Dinge durcheinander geworfen. Mal
zur Klarstellung:
Ja ich bin auch dafür, dass die Scheinselbständigen verschwinden und ich
bin auch dafür, dass die Pseudoselbständigen verschwinden, die praktisch
nur Angestelltentätigkeiten druchführen, weil sie Druck auf die
Arbeitnehmer und Gewerkschaften machen und zudem Druck auf echte
Selbständige, dem Lohndumping zu folgen.
Aber, das was die GRV da betreibt , hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun,
sondern die sammeln einfach soviele Beiträge ein, wie sie können und im
Fall der RV bei Selbständigen oder gar der Scheinselbständigkeit können
sie Strafbeiträge einfordern, OHNE, dass dadurch Ansprüche entstehen!
Letztlich bleibt noch die Frage der Altersvorsorge:
Da kam die Zensursula ja nur drauf, weil die deutsche
Arbeitsmartvernichtungspolitik a la Clement und Schröder dafür gesorgt
hat, dass es immer mehr ICH-AGs gibt, die kaum Umsatz haben und daher
später alle ein Zuschaussfall werden!
Ich weiss schon, warum ich nicht mehr in die RV einzahle: Es ist ein
betrügerisches und ungerechtes System!
Selbstständiger schrieb:> Ich weiss schon, warum ich nicht mehr in die RV einzahle: Es ist ein>> betrügerisches und ungerechtes System!
Gut erkannt! Mit ein Grund, warum ich mich ebenfalls selbständig gemacht
habe. Alles wandert in meine Tasche und ich entscheide, wofür ich es
anlege unf bei wem.
Lieber nicht schrieb:> "Belege pro Selbständigkeit suchen und> ausdrucken" auf der Agenda
Was genau meinst Du damit?
Niemand schrieb:> Deshalb gilt ja auch "Bei der Beurteilung des Status wird auf die>> Gesamtsituation abgestellt". Eine nette Umschreibung für Unsicherheit>> und Willkür, mangels klarer Kriterien.
Langsam, Langsam, da gibt es ja auch noch die Gerichte.
>> Ich weiss schon, warum ich nicht mehr in die RV einzahle: Es ist ein>> betrügerisches und ungerechtes System!> Gut erkannt!
Wirklich?
Das es im Kapitalismus Raubtiere gibt ist seit mindestens Marx bekannt.
Aber ein Rentensystem mit Generationenvertag funktioniert etwas anders
als Deine private Vorsorge wo jeder ein paar später wertlose Scheine
lange aufhebt.
Zur Erinnerung
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Dienstmarke_-_Inflation_-_400000.jpg
Was lernen wir daraus? Die sinnvolle Mischung macht es.
Sehr interessantes Thema! Ich habe den anderen thread gelesen und wäre
sehr daran interessiert, mal einen solchen Bogen in Form einer Kopie zu
erhalten. Welches sind die Kriterien, nach denen die Firmen und
Projektgeber einstufen und welche sind es, nach denen die DRV einstuft?
Auch bei uns liegt nun ein Fragebeogen vor und ersieht diesem hier
Beitrag "Re: Jagd auf Freiberufler hat begonnen" verdächtig ähnlich.
Hat einer eine Idee, wer die Leute dahinter sind? Hat das was mit der
Naales und ihrem Arbeitsmarkt 4.0 zu tun?
Jetzt macht euch mal nicht gleich in die Hosen.
Ihr lebt in einem freien Land. Ihr dürft machen was Ihr wollt. Keiner
kann euch zwingen, dem System folge zu leisten.
Solange Ihr es nicht übertreibt, verdient der Staat prächtig an den
Freiberuflern und alles ist gut. Die sollen mit der RV eine Lösung
finden.
Der Staat ist gierig und die RV bekommt kein Geld. Also versucht die RV
die Freiberufler auszubeuten, statt eine politische Lösung zu finden.
Politiker finden nie eine Lösung. Die verbieten immer alles. Irgendwie
verstehen die Ihren Job falsch.
Wenn ich meinem Auftraggeber, statt Lösungen Verbote aufzeigen würde,
würde der mir den Vogel zeigen.
Wer Selbstständig ist, ist stark und zeigt denen die kalte Schulter.
Lasst euch keine Angst machen.
Carsten H. schrieb:> Markus, wäre es Dir möglich, mir einen solchen Fragebogen zukommen zu> lassen? Danke im Vorraus!
Aus wettbewerbsrelevanten Gründen möchte ich auch um die
Veröffentlichung dieser Fragebögen für meine Sohn betteln. Am liebsten
als PDF im Original im Anhang.
Peter X. schrieb:> Aus wettbewerbsrelevanten Gründen möchte ich auch um die> Veröffentlichung dieser Fragebögen
Scheint der hier zu sein:
M. F. schrieb:> Auch bei uns liegt nun ein Fragebeogen vor und ersieht diesem hier> Beitrag "Re: Jagd auf Freiberufler hat begonnen" verdächtig ähnlich.