Hallo,
mal ein Frage:
Wie viel Kälte kann man mit einem Peltierelement (3cm x 3cm) erzeugen?
Auf einer Seite entsteht ja Wärme, auf der anderen Kälte.
Soweit ich es verstehe, muss die an der warmen Seite freiwerdende
Energie möglichst gut abgeführt werden, damit die kalte Seite möglichst
noch kälter wird, ist das richtig?
Pelztier schrieb:> Wie viel Kälte kann man mit einem Peltierelement (3cm x 3cm) erzeugen?
Kommt u.a. auf das Peltierelement an.
> Auf einer Seite entsteht ja Wärme, auf der anderen Kälte.> Soweit ich es verstehe, muss die an der warmen Seite freiwerdende> Energie möglichst gut abgeführt werden, damit die kalte Seite möglichst> noch kälter wird, ist das richtig?
Ja.
Ignoriere dumme Antworten... ;-)
Ja, Deine Vermutung ist richtig. Die Maximaltemperatur auf der heißen
Seite darf nicht überschritten werden. Das Peltierelement erzeugt eine
Temperaturdifferenz, also ist die Temperatur auf der kalten Seite
abhängig von der auf der warmen Seite. Außerdem kann ein solches Element
nur eine gewisse Menge an thermischer Energie "transportieren", das
schlägt sich dann auf die mögliche Temperaturdifferenz nieder.
Genaue Daten finden sich manchmal im Datenblatt, wenn es denn eines
gibt. Ansonsten hilft ausprobieren, ich habe in meinen Spielzeiten ein
Peltierelement mit großem Rippenkühlkörper (der viermal so groß war, wie
das Element) bei Raumtemperatur problemlos auf Gefriergrade gebracht.
Pelztier schrieb:> Soweit ich es verstehe, muss die an der warmen Seite freiwerdende> Energie möglichst gut abgeführt werden, damit die kalte Seite möglichst> noch kälter wird, ist das richtig?
Auf der "heißen" Seite muss die Energie abgeführt werden, die auf der
"kalten" Seite entzogen wird, UND zusätzlich die Leistung, die per Strom
in das Element geschickt wird.
> Wie viel Kälte kann man mit einem Peltierelement (3cm x 3cm) erzeugen?
Wie kalt kannst du die heiße Seite halten (wie gut kannst du kühlen)?
Wenn du das weißt, dann nimmst du die Kennlinie des Elements (oder einen
Wert, der angibt °C/A), und damit kannst du ausrechnen, um wieviel
kälter die kalte Seite verglichen mit der gut gekühlten heißen Seite
werden wird.
Die Frage ist grundsätzlich falsch gestellt. Kälte wird NIE erzeugt.
Wärme wird stattdessen abgeführt. Im Falle von Peltier-Elementen
geschieht das üblicherweise bis zu einer maximalen Temperaturdifferenz
zwischen kalter und warmer Seite. Die Wärmemenge, die das Peltier also
schlussendlich bewegen kann ist nicht wenig davon beeinflusst, wie gut
die warme Seite des Peltier-Elements gekühlt wird - Da liegst Du
richtig. Passive Luftkühlung reicht da oft nicht besonders weit.
Dummerweise erwärmt sich das Peltier-Element umso stärker, je mehr Strom
Du (zwecks Kühlung) durch fliessen lässt. Es gibt also für jede
individuelle Kombination aus Peltier-Element, dessen Kühlung und
Betriebstemperatur einen Bereich (Strommenge) welcher "optimalen
Wärmeabtransport" liefert. Da kann man aufwändig Modelle
rechnen/simulieren oder ausprobieren... i.e. Strom variieren
Kühlkörper/Kühlmittel wechseln.
Ich habe mein Peltier auf einem Kühlkörper ca 10*10cm*1 cm hoch
angeschraubt, etwas Schaumstoff herumdrapiert und ein winziges Gefäß
(Kronenkorken oder ähnliches) mit etwas Wasser gefüllt draufgestellt.
Nach einiger Zeit bildete sich eine kleine "Haut" aus Eis auf der
Oberfläche, die aber schnell wieder verschwand.
Pelztier schrieb:> Wie viel Kälte kann man mit einem Peltierelement (3cm x 3cm) erzeugen?
Je mehr, desto geringer die Temperaturdifferenz zwischen den beiden
Seiten ist
Je mehr, desto größer der Strom durch das Element ist.
Je mehr, desto größer das Elemenet ist.
Oder sagen wir es mal kurz&knackig: ein Peltierelement ist primär eine
elektrische Heizung, bei der eine Seite kühler wird als die andere. Um
wie viel kühler steht im Datenblatt...
Udo Schmitt schrieb:>> Peltierelement (3cm x 3cm)> Je mehr, desto größer das Elemenet ist.
Aber das hat doch genau 9cm²...
ok,
also bis 60°C Temperaturunterschied soll ja möglich sein.
Dann nehme ich also ein Peltierelement und packe auf die eine Seite
einen dicken Kühlkörper, den ich am besten in ein Wasserbad (~20°C)
ragen lasse und kann dann auf der anderen Seite Temperaturen von bis zu
-40°C beobachten?
Ist das soweit richtig?
Die erreichbare Temperaturdifferenz hängt von der Wärmemenge ab, die das
Peltierelement auf der kalten Seite abführen muss. Der maximale Wert
gilt für praktisch verschwindenden Wärmefluss.
Im Datenblatt wird üblicherweise eine maximale Temperaturdifferenz, die
für Kühlleistung 0 gilt und eine maximale Kühleistung für
Temperaturdifferenz 0 K angegeben. Real liegt man irgendwo dazwischen,
also etwa je die Hälfte der Temperaturdifferenz und Leistung.
Ein sehendes Wasserbad bringt nur mehr Wärmekapazität, aber führt die
Wärme noch nicht unbedingt gut ab. Ein Lüfter ist da ggf. effektiver.
Trotzdem muss man auch auf der Warmen Seite meist mit einer leicht
erhöhten Temperatur rechnen, also eher nicht 20 C sondern eher 25-30 C.
Lothar Miller schrieb:>> Je mehr, desto größer das Elemenet ist.> Aber das hat doch genau 9cm²...
Das war als allgemeine Zusatzinfo gedacht
Lothar Miller schrieb:> Pelztier schrieb:>> Ist das soweit richtig?> Wenn du die 20°C über den Kühlkörper direkt an das Peltierelement> bekommst, dann ja...
Nein, dazu müsste er den kühlen Teil praktisch ideal isolieren, da bei
der Angabe "bis zu" davon auszugehen ist, daß bei der
Temperaturdifferenz von 60K die Kühlleistung gegen 0 geht.
Da du bei mir so erbsenzählerisch warst bin ich es jetzt auch: Real
gehen nur Differenzen kleiner 60K. :-)
gut, mit einer unsauberen Anbindung des Kühlkörpers an die warme Seite
sowie einer angenommenen Erwärmung des Wasserbades ergibt sich dann
vielleicht eine Temperaturdifferenz von weniger als 60°C, meinetwegen
40°C, so dass ich dann das Wasserbad bei ca. 25°C hätte und die kalte
Seite des Peltierelements bei -15°C bis -20°C.
An dieser Stelle habe ich dann also 2 Räume.
Was passiert, wenn ich nun einen weiteren Raum kaskadiere?
Wasserbad --- Peltier --- Kalter Raum --- Peltier --- kältester Raum
Komme ich so im angeschlossenen rechten Raum auf Temperaturen von unter
-60°C?
Wie weit kommt man damit mit den Temperaturen hinunter?
Ist ein bisschen wie beim Auto fahren. Du kannst fette Motorisierung
haben, bringt nichts, wenn die Reifen durchdrehen. Du kannst
4-Rad-Antrieb haben, bringt nichts wenn Du abgefahrene Reifen hast.
Hei,
willst Du eine Nebelkammer im Taschenformat bauen? ;-)
Ich habe schon Peltierelemente gesehen, die vom Hersteller aus
kaskadiert waren. Bis zu drei Stück Pyramidenförmig übereinander. Ich
nehme an, dass der Wirkungsgrad dabei sowas von in den Keller geht.
Ich hatte mal ein Peltierelement mit Kompressorkühlaggregat.
Da hat man die warme Seite mit dem Kompressor herunterkühlen können.
Das Peltier war aber auch ca. 200x200mm groß.
Den eigentlichen Einsatzzweck davon kannte ich leider nicht.
Grüße,
Tom
Tom P. schrieb:> Ich habe schon Peltierelemente gesehen, die vom Hersteller aus> kaskadiert waren. Bis zu drei Stück Pyramidenförmig übereinander. Ich> nehme an, dass der Wirkungsgrad dabei sowas von in den Keller geht.
Ja der Wirkungsgrad ist schlecht. Aber bei solchen Elementen geht es ja
meist nicht darum dauerhaft etwas zu kühlen, sondern bloß für ein paar
Experimente.
Ich hatte mir vor einiger Zeit mal so ein vierstufiges Peltierelement
von Deal Extreme gekauft:
http://www.dx.com/p/c1203-4p1540-4-level-semi-conductor-cooler-cooling-plate-189618#.VFzbVxbJAvl
Von Conrad gibt es auch so eins - allerdings zum fünffachen Preis. Mit
dem Element kommt man schon ziemlich weit runter. In Kombination mit
einem billigen ARCTIC COOLING Alpine 11 PRO von Pollin komme ich locker
in den Bereich von -50°C. Das tiefste, was ich je gemessen habe ist
-64°C. Dort ist aber auch schnell Schluss, da der Widerstand des
Peltierelements stark zunimmt. Soweit ich weiß nimmt man deshalb für
tiefere Temperaturen auch andere Materialien.
Anbei mal der einfache Aufbau im Betrieb. Gekühlt wird ein Messingblock
mit 10mm Durchmesser und 7mm Höhe. Der Pt100 sagt, dass es gut -59°C
sind. Man kann aber noch 2-3°C abziehen, da bloß eine Zweileitermessung
durchgeführt wurde. Das Bild entstand etwa 3 Minuten nach dem
Einschalten. Zu berücksichtigen ist auch, dass der Lüfter auf dem Tisch
stand und deshalb keine optimale Luftzufuhr hatte.
Also was mich ja wirklich an dem Thema reizt sind die Temperaturen, bei
denen einzelne Luftbestandteile ausfallen, d.h. CO2 bei ca. -80°C.
Das sollte das Ziel sein.
Hei,
ja sowas ist in der Tat interessant. Allerdings hast Du da soviel
Luftfeuchtigkeit, dass Du da nicht nennenswert an andere
Luftbestandteile ran kommst.
Schau Dir dazu lieber mal das Linde-Verfahren an... :-)
Grüße,
Tom
An der kaeltesten Stufe hat man nur noch geringe kuehlleistung,
irgendwas mit Milliwatt. Damit kaempft man dann gegen die Konvektion in
kalter Luft. Das bringt nichts. Im Vakuum bringt das mehr. Allerding ist
dort nichts mit CO2 kondensieren.
Pelztier schrieb:> was mich ja wirklich an dem Thema reizt sind die Temperaturen, bei> denen einzelne Luftbestandteile ausfallen, d.h. CO2 bei ca. -80°C.
Schaffst du nicht. Etwa bei -70°C ist Schluß und auch da reicht die
Kälteleistung gerade noch um z.B. einen Kamerachip zu kühlen.
Hallo,
Ein Peltierelement als Kühlkörper ist in der Regel keine kluge Idee. Ein
Peltierelement entzieht einem Körper DURCH ENERGIEEINSATZ Energie. Das
bedeutet, nicht nur die entzogene Energie, sondern auch die zusätzlich
verbrauchte Energie kommt auf der anderen Seite an.
Nehmen wir an, man hat eine CPU mit 100W TDP und einen Kühler mit 110W
Kühlleistung. Bei 100% Last wird die CPU vielleicht etwa 80°C warm, und
im Leerlauf 40°C.
Durch den Einsatz eines Peltierelements bekommt man die CPU im Leerlauf
vielleicht unter 0°C, weil der Kühler die Wärme noch abführen kann. Man
sollte sich aber nicht wundern, wenn die CPU unter Vollast dann 90°C
warm wird, statt vorher 80. Das liegt daran, dass der Kühler zwar die
Verlustleistung des Peltierelements im Leerlauf mangels Beanspruchung
durch die CPU noch an die Umgebung abgeben kann. Unter Vollast jedoch
wird der Kühler deutlich stärker beansprucht als davor, kann die Wärme
nicht mehr abführen und die CPU wird somit wärmer. Man bräuchte dann
einen größeren Kühler, der aber ohne Peltierelement in der Regel mehr
bringen würde, als mit, sofern die Wärmeableitung gut ist.
Das Peltierelement kann nur sinnvoll sein, wenn man eine sinnvolle
Verwendung für die erzeugte Wärme hat. So kann man zwei Fliegen mit
einer Klappe schlagen.
Grundsätzlich hat man beim Kühlen immer einen Kühlkörper, der besonders
Wärmeleitfähig ist. Die Wärme wird immer an die Luft abgegeben. Seine
Flächenausdehnung ist maßgeblich für die Kühlungsleistung. Durch
Heatpipes mit Gasfüllung oder Wasser als Wärmeträger kann die
Transportierung optimiert werden. Durch Verdichtung(Kompressor) kann die
Wirkung des Kühlkörpers durch eine Temperaturerhöhung bei gleicher Masse
erhöht werden.
Das sind alle sinnvollen Möglichkeiten. Weitere sind mir nicht bekannt
und Peltierelemente gehören somit nicht dazu. - Es sei denn, man benutzt
es als Elektroheizung und ist bereit einen riesigen Kühler auf die
andere Seite zu setzen, der stattdessen wahrscheinlich auch direkt auf
dem zu kühlenden Teil sitzen könnte.
Obiges Beispiel zeugt genau von einem ungenügend ausgelegten Einsatz des
Peltier-Elements.
Die Sekundär-Kühlung muss eben gerade darauf ausgelegt sein, die
Tempteraturdifferenz über dem Peltier-Element ausreichend (i.e. gem.
Datenblatt) klein zu halten, damit der Wirkungsgrad des Peltier-Elements
>0 bleibt. Nur so wird die zugeführe Energie auch wirklich in Wärmefluss
(Kühlung) umgesetzt.
Im Extremfall (d.h. mit dem einfachst-möglichen Peltier-Regler) muss das
Peltier bei einer oberen Temperaturdifferenz halt einfach ausgeschaltet
werden, um primärseitig nicht ausschliesslich Wärme zu erzeugen.